Rawpixel.com/shutterstock.com
Acht Stunden täglich ist man von ihnen umgeben, teilt ähnlichen beruflichen Frust, regt sich über die gleichen Kunden auf, freut sich zusammen, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde und braucht am Morgen einen gemeinsamen Kaffee, um in die Gänge zu kommen. Stimmt die Chemie zwischen den Mitarbeitern, werden daraus häufig Frollegen - eine Mischung aus Freunden und Kollegen. Diese geben nicht nur am Arbeitsplatz ein gutes Gefühl, sondern nehmen verstärkt auch einen Platz im Privatleben ein. Frollegen können allerdings auch zu Problemen führen...

Frollegen: Zwischen Freunden und Kollegen

Zurijeta/shutterstock.comGleiche Interessen, ähnlicher Werdegang und ähnliche Ziele und wenn man sich dazu dann noch sympathisch ist, steht einer Büro-Freundschaft nichts im Weg. Zum einen ist der Mensch ein soziales Tier und umgibt sich gerne mit anderen Menschen. Zum anderen sucht er Bestätigung und entwickelt automatisch Sympathien zu Menschen, die ihm ähnlich sind. Häufiger Kontakt unterstützt diese Entwicklung zusätzlich.

Erst verbringt man die Mittagspausen zusammen, trifft sich dann auf einen Kaffee und irgendwann sogar nach Feierabend. Man geht beispielsweise zusammen ins Kino oder Einkaufen. Dann lernt man den Partner, die Familie und das private Umfeld des anderen kennen.

Sobald man den Kollegen in seinem privaten Umfeld kennenlernt, verändert sich das Verhältnis zueinander. Es wird vertrauter: Man erzählt auch mal von Eheproblemen, Stress mit den Nachbarn und anderen privaten Sorgen. Wenn dieser Punkt erreicht ist, befindet man sich auf einem guten Weg, Freunde zu werden.

Das ist auch gut so, denn mit der Zeit wird es immer schwieriger, Freundschaften aus Schul- und Studienzeiten aufrecht zu erhalten. Man zieht in eine andere Stadt und sieht alte Freunde seltener. Freundschaften, die im Arbeitskontext entstehen, übernehmen diesen Platz. Und doch sind die Freundschaften im Büro von Ihrer Natur her anders. Ihr Fundament ist der Job und das kann zum Problem werden.

Frollegen haben viele Vorteile

  • Weniger Stress. Der Chef meckert, der Kunde nervt und der Arbeitstag will nicht enden? Frollegen finden immer die passenden Worte, können den Stress reduzieren und den Frust bekämpfen. Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.
  • Höhere Produktivität. Mit einem Freund an der Seite macht die Arbeit gleich mehr Spaß, man ist motivierter und legt sich noch mehr ins Zeug. Am Ende des Tages stehen bessere Ergebnisse und dennoch gute Laune.
  • Mehr Kreativität. Die Vertrautheit eines Freundes gibt vielen die Sicherheit, auch mal etwas Neues auszuprobieren und kreativen Ansätzen zu folgen. Allein würde man sich vielleicht nicht trauen, doch der Rückhalt eines Freundes gibt den nötigen Mut.
  • Bessere Zusammenarbeit. Mit wem könnte man besser zusammen an einem Projekt arbeiten, als mit einem guten Freund? Die Arbeit geht Hand in Hand, die Absprachen funktionieren und falls der eine Unterstützung braucht, springt der andere gerne ein.

Frollegen können im Job auch zu Problemen führen

baranq/shutterstock.comDoch nicht immer ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Frollegen können auch zu Enttäuschungen, Neid und Interessenkonflikten führen. Was passiert beispielsweise, wenn plötzlich einer der beiden Freunde befördert wird? Oder wenn man sich für die gleiche Stelle im Unternehmen interessiert?

Auf einmal werden Freunde zu Konkurrenten. Eine ganze Zeit lange hat man gerne und viel Zeit miteinander verbracht und plötzlich wirft man dem anderen Steine in den Weg. Man stellt fest, dass der gute Freund einen beruflich überholt und ist neidisch. Der andere kommt beispielsweise früher ins Büro oder schafft mehr an einem Arbeitstag. Anders als bei Freundschaften, die nichts mit Arbeit zu tun haben, ist der gegenseitige Vergleich bei Frollegen naheliegender. Viele Freundschaften halten diesem Vergleich nicht stand. Im schlimmsten Fall werden dann aus Freunden Feinde - und all die positiven Dinge kehren sich ins genaue Gegenteil.

Ähnlich unangenehm kann die Situation werden, wenn aus dem Freund plötzlich der Vorgesetzte wird. Eigentlich war man es doch gewohnt, auch Privates mit dem anderen zu teilen. Aber jetzt in dieser veränderten Situation? Mit einem Mal ist die Vertrautheit der Unsicherheit gewichen. Auch der Freund, der zum Vorgesetzten aufgestiegen ist, befindet sich in einer misslichen Lage, denn es fällt ihm schwerer, unangenehme Entscheidungen zu treffen. Wie kritisiert man den anderen für schlechte Arbeit? Ganz kompliziert wird es beispielsweise bei Kündigungen.

Dennoch sollte man Freundschaften am Arbeitsplatz nicht grundsätzlich abblocken und vom Schlimmsten ausgehen. Sinnvoller ist es, mögliche Schwierigkeiten im Hinterkopf zu behalten und so frühzeitig darauf reagieren zu können.

Frollegen: Regeln für die Beziehung zu Kollegen

  • Ziehen Sie Grenzen. Wenn Sie merken, dass ein Kollege Ihr gemeinsames Verhältnis anders einschätzt als Sie, sprechen Sie das offen an. Beispielsweise erzählt Ihnen eine Kollegin von Ihren Problemen mit Ihrem Partner, doch Ihnen ist das unangenehm. Sie könnten zum Beispiel mit den Worten "Ich weiß nicht, ob ich die richtige Ansprechperson bin. Wir kennen uns noch nicht so gut" signalisieren, dass Ihnen solche privaten Informationen nicht behagen.
  • Verwechseln Sie gute Zusammenarbeit nicht mit Freundschaft Man kann sich gut verstehen, ohne miteinander befreundet zu sein. Weil man täglich zusammenarbeitet, interpretiert man Vertrautheit in eine Beziehung, wo keine ist. Das führt dann zu Enttäuschungen, wenn die eigenen Erwartungen von dieser Person nicht erfüllt werden.
  • Öffnen Sie sich nicht zu schnell Ihren Kollegen gegenüber. Gerade am Anfang einer Beziehung können Sie nur schwerlich einschätzen, wie vertrauenswürdig der Kollege ist. Vermeiden Sie Themen, die zu Problemen führen können. Ein guter Start für eine Büro-Freundschaft sind Themen wie Hobbys oder Haustiere.
  • Seien Sie vorsichtig bei Freundschaften auf unterschiedlichen Hierarchien. Vorgesetzte pflegen ein Netzwerk und keine engen Freundschaften zu Mitarbeitern. Dahinter steht die Angst, dass Sie durch Informationen, die Sie über sich und Ihr Leben Preis geben, unter Druck gesetzt werden könnten. Je größer die Konkurrenz ist, desto weniger ist eine Freundschaft möglich.
  • Verbringen Sie mit all Ihren Kollegen Zeit. Selbst wenn Sie sich mit einem Kollegen besonders gut verstehen, achten Sie darauf, auch zu den anderen Kollegen eine gute Beziehung aufzubauen. Verbringen Sie nur Zeit mit Ihrem Lieblingskollegen, fühlt sich der Rest ausgeschlossen. In bestimmten Situationen kann es dazu führen, dass Ihnen Vetternwirtschaft unterstellt wird.

Haben Sie konkrete Fragen zum Thema Kollegen?

Karrierefragen-Logo-KastenFalls Sie konkrete Fragen für Ihre berufliche Laufbahn haben, dann nutzen Sie bitte unser kostenloses Ratgeber-Portal Karrierefragen.de. Dort finden Sie bereits zahlreiche Fragen und Antworten rund um die Bewerbung - und auch die Kollegen wurden dort schon thematisiert. Vielleicht helfen Ihnen die dortigen Antworten der Community und Experten auch schon weiter:

[Bildnachweis: Rawpixel.com, Zurijeta by Shutterstock.com]