Employer Branding KMU: Wie kleine Unternehmen punkten
Employer Branding gehört für viele Unternehmen - zumindest theoretisch - zu den Aufgaben der Unternehmenskommunikation. Eine steig wachsende Zahl an Unternehmen hat erkannt, dass sich der Aufbau einer positiven Arbeitgebermarke nicht nur in mehr, sondern auch in qualitativ besseren Bewerbungen auswirken kann. KMU sehen zwar meist die Vorteile, tun sich bei der Umsetzung, auch angesichts geringerer Ressourcen, jedoch schwer. Doch auch sie können Employer Branding sinnvoll nutzen...

Employer Branding KMU: Bitte keine Nachahmer!

Zu Beginn ist mir ein Hinweis wichtig: Bitte orientieren Sie sich als KMU nicht zu sehr an Konzernen und großen Unternehmen. Sicher, die meisten Employer Branding Best Practice Beispiele stammen von (internationalen) Konzernen. Die dort sichtbaren Ansätze und Methoden lassen sich auch für KMU nutzen - wenn sie adaptiert werden!

Doch genau hier liegt das Problem: Viele KMU versuchen, die Methoden und Ansätze großer Unternehmen eins zu eines umzusetzen oder ahmen diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach. Und das ist ein Fehler.

KMU können in der Regel schlicht nicht mit dem Umfang der Kommunikation und der angebotenen Leistungen mithalten. Doch das müssen sie auch nicht. Als KMU können Sie beispielsweise oft nicht so viele Zusatzleistungen, nicht so flexible Arbeitszeitmodelle und keinesfalls so viele monetären Anreize bieten, wie große Unternehmen.

Dafür können Sie jedoch oft mit einer besseren Arbeitsatmosphäre, flachen Hierarchien und - wenn Ihre Unternehmenskultur das hergibt - mehr Mitbestimmung punkten. Konzentrieren Sie sich im Employer Branding unbedingt auf Ihre Stärken und Besonderheiten. Das gilt zwar für alle Unternehmen, ist für KMU jedoch noch wichtiger als für große Unternehmen.

Employer Branding KMU: Schaffen Sie Voraussetzungen

racorn/shutterstock.comAktives Employer Branding bedeutet den gezielten Aufbau einer Arbeitgebermarke. Das wiederum ist nur möglich, wenn Sie mit Ihrem Unternehmen - sowohl on- als auch offline - aktiv kommunizieren und sich präsentieren.

Dadurch wird Ihr Unternehmen sichtbar - mit allen Stärken und Schwächen. Daher sollten Sie vor dem Start der Kommunikation intern die nötigen Voraussetzungen schaffen. Das bedeutet konkret:

  • Lösen Sie bestehende Konflikte.
  • Gehen Sie Missstände und Probleme aktiv an.
  • Hören Sie Ihren Mitarbeitern zu und gehen Sie auf das Feedback ein.
  • Stellen Sie sicher, dass Employer Branding von der Geschäftsführung und den Führungskräften unterstützt und ernst genommen wird.
  • Stellen Sie die nötigen Ressourcen - personell und finanziell - zur Verfügung, um Employer Branding ernsthaft und sinnvoll umsetzen zu können.

Mancher Geschäftsführer mag angesichts dieser Liste enttäuscht sein, wird Employer Branding doch gerne mal als schnell umzusetzendes Projekt angesehen. Doch das ist es nicht. Der gezielte Aufbau einer Arbeitgebermarke benötigt nicht nur Zeit, sondern auch die passenden Voraussetzungen.

KMU haben hier gegenüber Konzernen den Vorteil, dass sie ihre Strukturen schneller und einfacher anpassen können, als große und komplizierte Konstrukte. Doch dazu bedarf es der Bereitschaft - beginnend mit der Unternehmensführung - Employer Branding zu leben und in aller Konsequenz und in allen Unternehmensbereichen umzusetzen. Nur dann kann die Strategie aufgehen.

Employer Branding für KMU: Strategie und Ausdauer

suphakit73/shutterstock.comZwar können KMU das Employer Branding rein intuitiv angehen, empfehlenswert ist dieser Ansatz jedoch nicht. Auch kleine Unternehmen sollten mit einer klaren Strategie starten. Für sie ist die strategische Grundlage und ein schlüssiges Konzept sogar noch wichtiger, um die vorhandenen Ressourcen optimal einsetzen zu können.

Bei der Entwicklung der individuellen Employer Branding Strategie sollten die folgenden Faktoren auf jeden Fall berücksichtigt werden:

  • Wofür wollen Sie mit Ihrem Unternehmen stehen?
  • Was sind Ihre Kernwerte und Grundsätze?
  • Was zeichnet Ihr Unternehmen aus und woran können Bewerber das erkennen?
  • Welche Bewerber und Mitarbeiter wollen Sie erreichen und ansprechen?
  • Über welche Kommunikationskanäle verfügen Sie bereits?

Employer Branding richtet sich immer nach innen und außen und sollte die bestehende Kommunikation integrieren. Social Media und Online Präsenzen sind heute wichtig und perspektivische und unverzichtbar. Doch deshalb sollten Sie etablierte und funktionierende Präsentationswege - Messebesuche, Newsletter und ähnliches - nicht absägen.

Für KMU gilt: Fokussieren Sie sich darauf, ihre Mitarbeiter vom Unternehmen zu begeistern. Werden diese dann zu Unternehmensbotschaftern, können und sollten Sie als Unternehmen Ihre Mitarbeiter bei der Kommunikation unterstützen.

Sie haben eine Facebookseite und ein Blog? Dann bieten Sie Ihren Mitarbeitern klare Social Media Guidelines und Schulungen an, damit diese die Netzwerke und Kanäle sinnvoll und angstfrei nutzen können.

Sie sind auf vielen Messen vertreten und wissen, dass Ihre Mitarbeiter dort auch sind? Bereiten Sie die Messebesuche auch unternehmensintern kommunikativ vor und beziehen Sie Ihre Mitarbeiter ein.

Es geht ausdrücklich nicht um Kontrolle sondern darum, Ihre Mitarbeiter zu einer positiven Kommunikation zu befähigen. So werden aus Ihren Unternehmensbotschaftern hörbare Stimmen - on- und offline.

Bei der Suche nach den für Ihr Unternehmen passenden Kanälen und Netzwerken sollten Sie einige Grundsätze im Blick behalten:

  • Ihre Unternehmenswebseite ist der Kern und die Basis Ihrer Kommunikation. Erst wenn diese gut und ansprechend ist und Ihre Botschaft vermittelt, sollten Sie über weitere Kanäle nachdenken.
  • Ein Blog kann sinnvoll sein, muss jedoch nicht groß sein oder so heißen. Ein regelmäßig gepflegter und prominent eingebundener News Bereich kann völlig ausreichen.
  • Es ist immer sinnvoll, ein Netzwerk nach dem anderen anzugehen, einzelne Kanäle zu etablieren und erst dann weiter zu schauen. Lieber weniger, dafür relevante, Netzwerke und diese dafür ordentlich nutzen.
  • Prüfen Sie immer, wie Ihre bestehende Offline Kommunikation die Online Kommunikation ergänzen kann - und andersherum.
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiter zu Wort kommen, wenn es sich anbietet.

Natürlich können Sie im Lauf der Zeit auch Videos und andere Formate nutzen. Gutes Employer Branding sollte heutzutage multimedial gestaltet sein und die Geschichten des Unternehmens erzählen. Auf diese Aspekte verweise ich jedoch bewusst nur in den Linkempfehlungen am Ende des Artikels. Denn diese Aspekte sind wichtig, doch sie sollten erst angegangen werden, die internen Grundlagen, die Unternehmenswebseite und Strategie und Botschaft stehen. Erst dann ist beispielsweise der Einsatz von Videos sinnvoll.

[Bildnachweis: Gustavo Frazao, racorn, suphakit73 by Shutterstock.com]