Langzeitarbeitslosigkeit-Jobsuche-Mann
Wer einen Job hat, träumt irgendwann einmal davon den Job zu wechseln - erst recht, wenn der aktuelle langweilig wird oder frustriert. Manche träumen gar davon auszusteigen, etwas ganz anderes zu machen, Spaß zu haben und die Freizeit zu genießen. Wer längere Zeit ohne Arbeit ist, hat zwar viel Freizeit - in der Regel aber immer weniger Spaß. Langzeitarbeitslosigkeit kann die Hölle sein. Nicht nur wegen des fehlenden Einkommens - Studien zeigen jetzt: Längere Arbeitslosigkeit hat auch massiven Einfluss auf die Psyche, Persönlichkeit und das Wohlbefinden...

Langzeitarbeitslosigkeit wirkt auf die Persönlichkeit

Langzeitarbeitslosigkeit-Jobsuche-FrauDie Untersuchungen von Christopher J. Boyce von der Universität von Stirling in Schottland (Beteiligte: 6.769 deutsche Arbeitnehmer, von denen 210 ein bis vier Jahre arbeitslos blieben) deuten darauf hin, dass sich Langzeitarbeitslosigkeit sogar regelrecht auf die Persönlichkeit auswirkt. Konkret: Wer über mehrere Monate oder Jahre ohne Job war, ...

  • ...wurde unfreundlicher und weniger gut umgänglich.
  • ...verlor die Lust, wirklich hart zu arbeiten.
  • ...wurde weniger offen für neue Erfahrungen.

Verglichen mit jenen Probanden, die zwischenzeitlich und rasch wieder in einen neuen Job gefunden hatten, veränderten sich die Langzeitarbeitslosen zunehmend - vor allem in den Punkten Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit, drei der sogenannten Big Five. Boyce und seine Forscher-Kollegen konnten dabei zwar keine wissenschaftlich signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen, sie äußern aber den Verdacht, dass sich Männer stärker und negativer verändern als Frauen.

Vor allem die Werte bei der Gewissenhaftigkeit - dahinter steckt auch die Fähigkeit, motiviert zu bleiben - sanken bei den Männern schneller. Womöglich eine typische Abwärtsspirale: Wer arbeitslos wird, verliert mit der Zeit Selbstvertrauen und Motivation, was es noch schwerer macht, einen neuen Job zu finden...

Auch andere Studien bestätigen die Ergebnisse. Zwar mögen Menschen unterschiedlich mit Arbeitslosigkeit umgehen und auf derlei Krisen reagieren. Die Forschungsergebnisse zeigen aber, wie wichtig es ist, sich von der Langzeitarbeitslosigkeit nicht mental korrumpieren zu lassen und die Negativspirale zu stoppen. Wer stellt schon einen zunehmend bitteren Griesgram ein?

Gleichzeitig deuten die Studien darauf hin, dass Arbeitslosigkeit nicht einfach nur eine Zeit ohne Arbeit ist, sondern unsere Persönlichkeit verändern kann. Womöglich kann die Jobvermittlung nach längerer Zeit gar nicht mehr helfen, weil sie nur an Symptomen laboriert. Vielleicht - so hart das auch klingt - ist eine Therapie dann der wichtigere erste Schritt...

Wer arbeitslos wird, verdient im nächsten Job weniger

Wer arbeitslos wird, verdient in seinem nächsten Job deutlich weniger - genauer um bis zu sieben Prozent weniger. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie von Carlos García Serrano von der Universität von Alcalá. Er und seine Kollegen verglichen dazu die Gehaltsdaten von (ehemaligen) Arbeitslosen in Spanien, Portugal, Italien, England, Frankreich und Deutschland zwischen den Jahren 1995 und 2001.

Dabei zeigte sich: Wer in dieser Zeit arbeitslos wurde und bald darauf wieder eine neue Anstellung fand, erreichte kaum noch sein altes Gehaltsniveau und musste sich fast durchweg mit Gehaltseinbußen begnügen. In Portugal betrug das Minus im Schnitt sieben Prozent, in Italien waren es 5,6 Prozent weniger, in Spanien minus 4,5 Prozent.

Leider - und das ist die schlechte Nachricht für hiesige Leser - führen Portugal, Frankreich und Deutschland das Feld in Sachen Gehaltseinbußen an. Heißt: Auch hierzulande müssen Arbeitnehmer, die kurzfristig arbeitslos werden (selbst wenn sie den Job wechseln wollen) anschließend mit einem geringeren Einkommen kalkulieren. Von dem Phänomen betroffen sind laut Studie vor allem jüngere Arbeitnehmer im Alter zwischen 31 und 45 Jahren.

Das sollten Sie dazu noch wissen:

[Bildnachweis: pzAxe, Federico Marsicano by Shutterstock.com]