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Immer nur reden, reden, reden! Von fast jedem vielversprechenden Mitarbeiter wird heute Kommunikationsstärke erwartet. Er oder sie soll präsentieren, argumentieren, überzeugen können – und das alles dank mitreißender Eloquenz und geschliffener Rhetorik. Alles nicht falsch. Doch wird dabei oft jene Eigenschaft vergessen, die weitaus weniger kräftezehrend wirkt und obendrein häufig viel schneller ans Ziel führt: das Zuhören. Zuhören bedeutet allerdings weitaus mehr, als nur akustisch hinzuhören. Gute Zuhörer beobachten die Körpersprache ihres Gegenübers, registrieren das Flattern in seiner Stimme oder spüren den aggressiven Unterton. Und sie gehen darauf ein. Eine Fähigkeit, die gerade im Job wichtig ist. Apropos: Wie sieht es bei Ihnen aus? Sind Sie ein guter Zuhörer? Finden Sie es in unserem Selbsttest heraus...

Hören und verstehen: Das Problem der selektiven Wahrnehmung

Erinnern Sie sich an die Legende von König Krösus von Lydien?

Der König befragte das Orakel von Delphi, ob er gegen die Perser marschieren solle. "Wenn du das tust", prophezeite das Orakel, "wirst du ein mächtiges Reich zerstören." Klasse!, dachte Krösus: Welches Reich könnte wohl mächtiger sein als das der Perser? Und das Orakel hatte ihm praktisch garantiert, dass er siegreich sein würde. Also zog Krösus hochmütig und siegesgewiss in den Kampf – und verlor. In seinem Wunsch nach einem kolossalen Triumph, hörte er nur das, was er hören wollte. Was er überhörte, wenn nicht gar ignorierte, war die Rückfrage, welches Reich das Orakel mit der Prophezeiung meinte. So besiegelte Krösus seinen eigenen Untergang.

Selektive Wahrnehmung heißt dieses Phänomen in der Fachsprache. Was negativ klingt, basiert letztlich auf einer Stärke unseres Gehirns - es kann (in der Regel) Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Ohne diesen Schutzmechanismus würden wir die Informationsfülle, die täglich auf uns einprasselt, gar nicht verarbeiten können und vermutlich verrückt werden.

Das Problem an der selektive Wahrnehmung ist aber, dass sie eben nicht nur eine Stärke ist. Nicht selten basiert der Effekt schlicht auf dem Umstand, dass wir nicht genau zuhören oder uns schon unsere Meinung bilden, bevor wir verstanden haben. Noch während der andere redet, haben wir dann schon unsere Schlüsse gezogen und sind gedanklich fünf Kilometer weiter.

Folge: Wir reden aneinander vorbei und missverstehen uns gründlich.

Echtes Zuhören könnte hier Abhilfe schaffen.

Wissenswerte Fakten über das Hören und Zuhören

  1. Ein Erwachsener schafft pro Minute rund 125 Worte zu sprechen. In derselben Zeit kann er aber 400 Worten zuhören (Carver, Johnson, & Friedman, 1970).
  2. Lesen bildet, keine Frage. Was den meisten aber nicht bewusst ist: 85 Prozent dessen, was wir wissen, haben wir durch zuhören gelernt.
  3. Männer können besser zuhören als Frauen. Das fanden Tübinger Wissenschaftler um Professor Hans-Otto Karnath heraus. Die Männer waren auch bei starker Beschallung noch in der Lage, die eigentliche Geräuschquelle genau zu lokalisieren und sich darauf zu konzentrieren. Den Hörunterschied erklären die Forscher mit der Evolution: Männer seien diejenigen gewesen, die jagen, um Nahrung zu besorgen. Dabei waren räumliche Aufmerksamkeitsleistungen extrem wichtig - sowohl visuell als auch akustisch. Beispielsweise konnten Beutetiere durch Geräusche lokalisiert werden, lange bevor sie zu sehen waren.
  4. Mit dem rechten Ohr hören wir besser – auf das, worum uns ein anderer bittet. Falls Sie Ihr Gegenüber also um einen Gefallen bitten möchten – etwa um einen Rat, einen Drink, die Telefonnummer –, sprechen Sie der Person unbedingt ins rechte Ohr. Es verbessert Ihre Chancen enorm, sagen Luca Tommasi und Daniele Marzoli von der Universität in Chieti.
  5. Wir hören lieber auf gute Nachrichten – und blenden die schlechten aus. Wissenschaftler um Christina Moutsiana vom University College London fanden heraus, dass besonders Jugendliche negative Informationen überhören.
  6. Nur 16,5 Prozent der Arbeitnehmer halten ihre Chefs für "sehr gute" Zuhörer, jeder Dritte bescheinigt ihnen diesbezüglich nur mittelmäßige Kompetenzen.
  7. Kurz nach einem 10-minütigen Vortrag erinnern wir allenfalls die Hälfte dessen, was gesagt wurde. Weitere 48 Stunden später haben wir noch mal 50 Prozent vergessen, sodass wir allenfalls ein Viertel des gehörten Inhalts erinnern.
  8. Mit dem Alter steigt unsere Fähigkeit, zuhören zu können - nicht aber die Bereitschaft das auch zu tun.
  9. Es gibt zahlreiche Coachs, Trainer und meterweise Ratgeberliteratur darüber, wie wir mitreißende Reden halten, überzeugender präsentieren, besser verkaufen. Aber so gut wie keine Seminare, Trainings, Bücher über besseres Zuhören.

Selbsttest: Sind Sie ein guter Zuhörer?

Wir haben neun Fragen für Sie vorbereitet und möchten Sie bitten, sich zu merken (oder zu notieren), welchen Buchstaben Sie am häufigsten gewählt haben. Am Ende der Seite führt sie ein Link zur Auflösung.



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[Bildnachweis: racorn by Shutterstock.com]