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Wir alle hassen es, belogen zu werden. Notorische Lügner werden von den meisten komplett aus dem Umfeld verbannt und haben einen denkbar schlechten Ruf. Trotzdem wird jeder regelmäßig mit Lügen konfrontiert, nur nicht so, wie man es erwarten würde. Der Mensch ist ein Meister der Täuschung - leider aber nicht nur anderen, sondern ganz besonders sich selbst gegenüber. Konsequenterweise wird diese Tatsache sich selbst gegenüber natürlich verleugnet - ein Kinderspiel für jemanden, der erfahren darin ist, sich selbst zu belügen. Oft muss man erst mit der Nase darauf gestoßen werden, um zu erkennen, dass man sich in die eigene Tasche lügt. Wir haben fünf Anzeichen gesammelt, dass Sie sich selbst belügen...

Warum belügen wir uns selbst?

igorstevanovic/shutterstock.comEin wenig in Schutz nehmen muss man die Spezies Mensch schon. Zwar belügen wir uns selbst, dass sich die Balken biegen, doch wirklich Schuld sind wir daran nicht. Bewusste Lügen findet man in einem deutlichen höheren Maß anderen Menschen gegenüber.

Reden wir uns selbst die Dinge schön, geschieht dies unbewusst - und in der Regel aus guten Gründen.

  • Um uns selbst zu schützen.
  • Um unser Selbstbild aufrecht zu erhalten.
  • Um ein schlechtes Gewissen zu verhindern.

Aber was zwingt unser Unterbewusstsein dazu, uns eine Lüge aufzutischen? Die Antwort findet sich in der sogenannten kognitiven Dissonanz, die im engen Zusammenhang mit klassischem Selbstbetrug steht. Gemeint ist damit das unangenehme Gefühl, dem wir ausgesetzt sind, wenn wir mit unterschiedlichen Wahrnehmungen ringen.

Ein anschauliches Beispiel liefert die Fabel vom Fuchs und den Trauben:

Auf seiner Suche nach einer Köstlichkeit entdeckt der Fuchs einen Weinstock, an dessen Trauben er sich gerne gütlich tun würde. Doch was er auch tut, er kann die leckeren Früchte einfach nicht erreichen, weil diese zu hoch für ihn hängen. Als Reaktion rümpft er die Nase, verkündet lauthals, dass die Trauben ohnehin sauer seien und deshalb nicht schmecken würden und macht sich auf seinen Weg zurück in den Wald.

Die Dissonanz zwischen Wunsch und Realität - dem Hunger auf Trauben und der Tatsache, dass diese unerreichbar sind - löst der Fuchs auf, indem er kurzerhand seine Einstellung ändert und sich selbst und allen anderen einredet, dass sein Interesse an den Trauben von Anfang an nicht so groß war. Eine weitere Möglichkeit wäre es, das eigene Verhalten zu ändern und etwa so lange zu trainieren, bis die Sprungkraft ausreicht, um die Trauben zu ergattern.

Mehrheitlich wird aber an der Einstellung gedreht, da es der einfachere Weg ist, seinen Standpunkt zu wechseln, als langfristig sein Verhalten anzupassen. Ähnliches lässt sich auch im Beruf oder im Alltag beobachten. Wer von sich selbst behauptet, gut in einem Sport zu sein, könnte bei einer Niederlage härter trainieren oder sich Rat von anderen suchen. Leichter ist es, den Schiedsrichter verantwortlich zu machen oder dem verlorenen Spiel eine untergeordnete Rolle zuzuschreiben und zu behaupten, dass es erst nächste Woche wirklich drauf ankomme.

Doch woran kann man erkennen, ob man sich selbst belügt?

So erkennen Sie, dass Sie sich selbst belügen

  1. Sie lassen Worten keine Taten folgen

    So gut wie jeder belügt sich einmal im Jahr - und das immer zur gleichen Zeit. Die großen Neujahrsvorsätze werden jedes Jahr gemacht, doch nur ein verschwindend geringer Teil wird tatsächlich langfristig umgesetzt. Wer sich immer wieder selbst dabei ertappt, dass er seinen Worten keine Taten folgen lässt, kann sich sicher sein, dass er sich selbst gegenüber nicht immer ehrlich ist.

  2. Sie neigen zu Übertreibungen

    Nie läuft etwas richtig oder auch Ich muss immer mehr arbeiten. Das Denken und Reden in extremen Kategorien führt schnell dazu, dass man sich selbst belügt. Es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, gut oder schlecht, richtig oder falsch. Um ehrlich zu sich selbst zu sein, muss man auch Zwischenkategorien anerkennen, ohne zu übertreiben.

  3. Sie stehen nicht zu Ihren Meinungen

    Wie die obigen Beispiele bereits angedeutet haben, ist es ein deutliches Indiz, dass Sie sich selbst belügen, wenn Sie wie ein Fähnchen im Wind ständig Ihre Meinung ändern und den Gegebenheiten anpassen.

  4. Sie machen es allen recht

    Manche wollen Streit verhindern, andere dazugehören, doch wer es ständig allen recht machen will, belügt sich dabei oft selbst. Man muss sich verstellen, die eigene Meinung verleugnen oder anpassen und spielt den anderen und auch sich selbst etwas vor. Ein wichtiger Schritt ist es einzusehen, dass Meinungsverschiedenheiten vorkommen können und keinen Weltuntergang bedeuten. Bleiben Sie sich lieber selbst treu.

  5. Sie bringen sich in schwierige Situationen

    Wer sich selbst belügt, läuft dabei oft Gefahr, in schwierige Situationen zu geraten. Machen Sie sich beispielsweise stets vor, dass Sie noch mehr Aufgaben erledigen können oder kürzere Deadlines ohne Probleme einhalten, kommt irgendwann der Punkt, an dem Sie es nicht mehr schaffen können. Gerade bei den eigenen Fähigkeiten und der eigenen Persönlichkeit ist Ehrlichkeit zu sich selbst ein wichtiger Faktor.

  6. Sie fühlen sich selbst unecht

    Manchmal ist das eigene Bauchgefühl der beste Indikator für Wahrhaftigkeit. Spätestens wenn Sie selbst das Gefühl haben, sich zu verstellen oder unecht zu verhalten, sollten Sie die Notbremse ziehen und etwas an Ihrem Verhalten ändern. Je länger Sie sich selbst belügen, desto mehr schaden Sie damit Ihrer eigenen Persönlichkeit und Ihrem Selbstwertgefühl.

Sich selbst belügen: Das können Sie dagegen tun

Es ist schwer, etwas dagegen zu tun, sich selbst zu belügen. Es ist eine Gewohnheit, die man nur schwer wieder los wird, gerade weil die Lügen uns ein gutes Gefühl vermitteln und in schwierigen Situationen weiterhelfen. Hinzu kommt, dass man in sich selbst in altbekannter Weise belügt und sich so einredet, dass man kein Problem damit hat. Ein Teufelskreis aus Selbstlügen, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Wollen Sie aber wirklich aufhören, sich selbst zu belügen, stellen wir Ihnen zwei Möglichkeiten vor, um damit anzufangen:

  1. Gestehen Sie sich Ihre Fehler ein

    Oft belügen wir uns selbst, um eigene Fehler und Schwächen zu vertuschen und das positive Bild aufrecht zu erhalten, was wir von uns selbst haben. Um mit den Lügen aufzuhören, müssen Sie sich selbst Ihre Fehler eingestehen und diese akzeptieren.

  2. Bleiben Sie immer Sie selbst

    Anstatt sich zu verbiegen und zu verdrehen, sollten Sie akzeptieren, dass Sie früher oder später anecken werden - und das ist auch gut so. Bleiben Sie Ihrer Persönlichkeit treu, auch wenn das nicht immer jedem gefällt.

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