Heikle Fragen im Bewerbungsgespräch: Warum?
Heikle Fragen sind bei Bewerbern höchst unbeliebt. Schließlich besteht die Chance, sich mit einer unbedachten Antwort ins Aus zu katapultieren. Entsprechend reagieren viele Kandidaten auf heikle Fragen im Bewerbungsgespräch verschnupft, einsilbig oder gar aggressiv. Fehler!
Die wenigsten Personaler wollen Bewerber schikanieren, demütigen oder blamieren. In der Regel erfüllen sogenannte Stressfragen oder Fangfragen einen anderen Zweck: Man will Sie noch besser kennenlernen…
Betrachten Sie heikle Fragen aus einer anderen Perspektive: Man ist offenbar sehr an Ihnen interessiert, sonst könnte man Ihnen auch gleich absagen. Ein Kompliment also. Einerseits. Und gleichzeitig ein Signal, dass man immer noch zu wenig über Sie weiß: Persönlichkeit, Arbeitsweise, Stressresistenz – all das steht hierbei auf dem Prüfstein.
Heikle Fragen sind ein Test
Im Subtext sagt Ihnen der Personaler mit seiner Frage: „Deine Show ist klasse. Aber war es nur eine Show oder bist du wirklich so?“ Kurz: Heikle Fragen sind eine Art Authentizitätstest. Es geht dabei um Ihre…
- Motivation
- Werte
- Berufsziele
- Souvernität
- Arbeitsweise
Wenn Sie weiterhin echt bleiben, müssen Sie von heiklen Fragen nichts befürchten, im Gegenteil: Ihre Jobchancen können nur steigen. Auch wenn Sie der oder die Personalerin damit gerade aus der Reserve und Komfortzone lockt.
Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!
Meistern Sie die letzte Hürde vor dem Traumjob: das Vorstellungsgespräch. Unser Interviewtraining (8 Module, 3 Stunden Videos + Zusatzmaterial) hat schon mehr als 1000 Bewerberinnen und Bewerbern geholfen, alle 7 Phasen und Fragen zu knacken:
Heikle Fragen: So antworten Sie richtig
Jedes Vorstellungsgespräch folgt in der Regel einem typischen Ablauf in fünf Phasen: Nach Smalltalk, Unternehmensvorstellung und Selbstpräsentation folgen die Bewerberfragen. Die meisten Fragen im Vorstellungsgespräch können Sie wunderbar vorbereiten und sich vorab gute Antworten überlegen. Das gilt auch für Stressinterviews und heikle Fragen, wie etwa:
- Warum sind Sie besser als andere?
- Warum sollten wir Sie einstellen?
- Warum wollen Sie den Job wechseln?
- Warum haben Sie gekündigt?
- Wie stehen Sie zu Überstunden?
- Wie hoch war Ihr letztes Gehalt?
- Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
- Haben Sie sich auch woanders beworben?
Grundsätzlich gilt: Bei Antworten auf heikle Fragen im Bewerbungsgespräch gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Es kommt weniger darauf an, was Sie antworten, sondern wie Sie es tun. Orientieren können Sie sich an diesen vier bewährten Tipps:
-
Bedenkzeit
Lassen Sie sich bei der Antwort Zeit. Das ist kein Quiz, bei dem der schnellste gewinnt. Natürlich sollten Sie nicht minutenlang überlegen. Überhasten müssen Sie aber auch nichts. Im Zweifel erbitten Sie sich Bedenkzeit, Motto: „Das ist eine sehr gute Frage, darüber muss ich erstmal nachdenken.“ Damit haben Sie 1-2 Minuten gewonnen.
-
Verbalisieren
Sagen Sie laut, was Sie denken, reflektieren, abwägen. Nehmen Sie den Personaler mit in Ihren Kopf. Darum geht es ja bei den heiklen Fragen. Zwar sprechen Sie natürlich nicht alles aus, was Sie denken. Aber der Analyseprozess ist für Ihr Gegenüber allemal interessanter als Floskeln und Standardsätze vom Typ: „Meine größte Schwäche ist Perfektionismus.“
-
Ehrlichkeit
Viele Bewerber machen den Fehler, nach erwünschten Antworten zu suchen. Genau die haben Personaler aber alle schon gehört. Deshalb sind sie erstens langweilig, zweitens unecht und drittens heben Sie solche Antworten nicht von der Masse ab. Antworten Sie konstruktiv – aber haben Sie ruhig den Mut, Ecken und Kanten zu offenbaren. Gute Personalentscheider suchen Charaktere, die das Team ergänzen. Nur so entsteht Diversity.
-
Kürze
Fangen Sie nicht an zu labern. Wer abschweift oder nicht auf den Punkt kommt, wirkt weder fokussiert, noch besonders intelligent. Ein bisschen laut Denken ist okay. Aber beschränken Sie sich auf 5-7 Sätze. Ansonsten besteht doch wieder die Gefahr, dass Sie sich um Kopf und Karriere reden.
Heikle Fragen: Die beliebtesten im Bewerbungsgespräch
Die meisten Personaler haben ihre Lieblinge unter den heiklen Fragen. Meistens, weil sie damit schon gute Erfahrungen gesammelt haben und sich in ihrer Menschenkenntnis bestätigt fühlen. Allein 40 fiese Fragen im Bewerbungsgespräch finden Sie in diesem PDF. Weitere heikle Fragen, die Sie zur Vorbereitung nutzen können, stellen wie Ihnen jetzt vor:
- „Anpassungsfähig. – Mir gelingt es schnell, mich auf neue Situationen und Menschen einzulassen. Ich mag das sogar, weil mir Abwechslung lieber ist als Routine. In meinem bisherigen Job gab es einen massiven Change-Prozess. Den habe ich gerne mitgemacht und mich auch aktiv eingebracht, um den Wandel mitzugestalten. Das ist ja auch jedesmal eine Chance – wenn man diese denn sehen will.“
- „Bei Vollmond brauche ich mindestens drei Kaffee, um auf Touren zu kommen. Apropos: Wie gut schmeckt eigentlich Ihr Kaffee hier und wie schnell läuft Ihre Kaffeemaschine?“
- „Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich schneller meinen bisherigen Job hätte wechseln sollen. Ich habe schon vor einem Jahr bemerkt, dass ich mich kaum noch weiterentwickelt habe. Auch war es ein Fehler, nicht das direkte Gespräch mit meinem Vorgesetzten zu suchen, um eine interne Lösung zu finden. Irgendwie hatte ich gehofft, das alles sei nur temporärer Frust. Den gibt es ja in jedem Job. Auch dank eines Coaches gehe ich meine berufliche Entwicklung heute wesentlich aktiver an. Umso mehr freue ich mich auf die Herausforderungen und Perspektiven dieser Stelle.“
- „Ich mag keine Meetings, die sich ewig ziehen. Motto: Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Ich habe in meiner bisherigen Position daher Meetings im Stehen und mit einer festen Agenda eingeführt. Und was soll ich sagen: Die Meetings wurden kürzer, produktiver und die Ergebnisse besser. Das haben selbst anfängliche Skeptiker hinterher gelobt.“
- „Offen gestanden war das erst vor 3 Wochen. Wir wollten eine neue Marketing-Kampagne starten. Dafür mussten zwei wichtige Entscheidungsträger zustimmen und das Budget freigeben. Einer davon war kurzfristig an Corona erkrankt und für mindestens 2 Wochen in absoluter Quarantäne. Solange konnten wir nicht warten. Also habe ich mich über den kleinen Dienstweg eine Etage höher abgesichert und mir dort die Freigabe geholt. Ja, ich habe den offiziellen Berichtsweg gebrochen, aber ich denke, das war zum Wohl des Unternehmens. Sehen Sie das anders?“
„Wie würden Sie sich in einem Wort beschreiben?“
Personaler interessieren sich für die Selbsteinschätzung von Kandidaten. Daraus lassen sich gleich mehrere Informationen ableiten: Ist der oder die Bewerberin selbstbewusst? Passt die Einstellung zur Unternehmenskultur? Stimmt das Selbstbild mit meinem ersten Eindruck überein?
Heikel wird diese Frage dadurch, dass es einen schmalen Grad zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz sowie zwischen Bescheidenheit und Schüchternheit gibt. Eine gute Antwort könnte deshalb lauten:
„Welche Marotten haben Sie?“
Das ist eine Variante der typischen Frage nach den Schwächen im Vorstellungsgespräch. Falls Sie nicht sofort darauf antworten möchten, können Sie den Personaler zunächst fragen, was er unter „Marotten“ versteht.
Natürlich dürfen Sie jetzt keine Defizite nennen, die für den Job relevant sind! Ein Controller, der Dyskalkulie offenbart, ist raus. Auch abgedroschene Phrasen vom Typ „Meine größte Schwäche ist Schokolade“ sind tabu. Wer frechtmutig ist, kann aber mit augenzwinkernder Schrulligkeit und einer Prise Humor antworten:
„Welchen Fehler in Ihrer Karriere bereuen Sie?“
Gemeine Frage. Ein Seelenstriptease wäre an der Stelle aber grundverkehrt. Auch sollten Sie nicht wirklich Ihren schlimmsten Fauxpas nennen. Eine einfache Fehlentscheidung reicht schon. Was Personaler bei der Antwort hören wollen, ist Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion. Und wie konstruktiv Sie damit umgehen.
Aus Fehlern lernen wir oft am meisten. Es ist also auch eine Frage der emotionalen Reife und gefestigten Persönlichkeit, ob und wie Sie mit Ihren Mängeln umgehen. Zum Beispiel:
„Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Job am wenigsten?“
Die unscheinbare Frage klärt auf unaufdringliche Art und Weise, wie Bewerber mit negativen Situationen und Frustration umgehen. Vorsicht: Sagen Sie jetzt nichts, was womöglich exakt Ihren zukünftigen Job beschreibt – zum Beispiel das Gehalt. Dann ist klar, dass Sie den auch nicht mögen werden und bald wieder kündigen. Auch hier zählt nicht der Blick auf die Defizite, sondern der konstruktive Umgang. Beispiel:
„Wann haben Sie das letzte Mal die Regeln gebrochen und warum?“
Noch so eine heikle Frage. Natürlich hat jeder schon einmal gegen Unternehmensregeln verstoßen. Die Antwort zeigt also einerseits, wie ehrlich ein Kandidat ist. Zugleich kommt es darauf an, in welchem Zusammenhang das geschah und warum der- oder diejenige die Regeln gebrochen hat.
So finden Personaler heraus, ob Sie es hierbei mit einem notorischen Querulanten und Eigenbrötler zu tun haben, mit einem kritischen Moralisten oder einem smarten Entscheider. Eine souveräne Antwort könnte lauten:
Die beste Frage im Vorstellungsgespräch – aus Personalersicht
„Welches erfolgreiche Projekt oder welche bewältigte Aufgabe hatte den größten Einfluss auf Ihre bisherige Karriere?“ – Die scheinbar harmlose Frage hat es in sich: Um sie zu beantworten, müssen Bewerber ihre gesamte Laufbahn Revue passieren lassen und das Ergebnis reflektieren und gewichten. Gar nicht so einfach! Durch die Antwort erfahren Personaler viel über die Problemlösungskompetenz, persönlichen Prioritäten, Lebensziele und wahre Leidenschaft für die angestrebte Stelle.
Was sind unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch?
Neben heiklen Fragen gibt es allerdings auch einige verbotene bzw. unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch. Hierbei schießen Personaler über das Ziel hinaus. Aus juristischer Sicht müssen Bewerber diese Fragen nicht einmal wahrheitsgemäß beantworten, sondern dürfen zu einer Notlüge greifen, ohne Nachteile zu fürchten.
Verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch
Arbeitgeber haben zwar ein grundsätzliches Fragerecht. Bewerber wiederum haben ein Recht auf Privatsphäre und den Schutz vor Diskriminierung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Entsprechend dürfen Bewerber bei diesen Fragen lügen oder die Aussage verweigern:
- Fragen zum Familienstand
- Fragen zur sexuellen Neigung (homo- oder heterosexuell)
- Fragen zu einer bestehenden Schwangerschaft
- Fragen zu Heiratsabsichten
- Fragen zum Kinderwunsch
- Fragen zum Partner oder dessen Job
- Fragen zu Familienmitgliedern oder Verwandten
- Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand
- Fragen zu einer vorhandenen Behinderung
- Fragen zur vergangenen Erkrankungen (inklusive Dauer)
- Fragen zu schweren Krankheiten in der Familie
- Fragen zu Religion und Konfession
- Fragen zur Parteizugehörigkeit
- Fragen zur Gewerkschaftszugehörigkeit
- Fragen zum Alter
- Fragen zur Herkunft
- Fragen zu Vorstrafen oder Gefängnisaufenthalten
- Fragen zum Umgang mit Geld
- Fragen zu einer möglichen Verschuldung
- Fragen zu den Vermögensverhältnissen
- Fragen zum Privatleben allgemein
Unzulässige Fragen zur Familienplanung
Verbotene Fragen zur gesundheitlichen Situation
Illegale Fragen zu privaten Ansichten
Ausgeschlossene Fragen zur Person
Wie sollte ich auf verbotene Fragen reagieren?
Wie Sie auf illegale Fragen reagieren können, zeigt Ihnen zum Beispiel dieses Flussdiagramm:
Lesetipp: Vorstellungsgespräch abbrechen: Bitte recht höflich!
Heikle Fragen kontern: Eigene Fragen stellen!
Die beste Strategie, um heiklen Fragen zu entgehen, ist: Mehr eigene Fragen zu stellen. Nicht umsonst heißt das Jobinterview auch BewerbungsGESPRÄCH. Damit daraus kein Monolog oder gar Verhör wird, sollten Bewerberinnen und Bewerber unbedingt und immer eigene, kluge Rückfragen stellen. Schon aus zwei Gründen:
- Eigene Fragen sind die beste Chance, um mehr über das Unternehmen und den vielleicht zukünftigen Arbeitsplatz, den Chef, dessen Erwartungen und die Kollegen zu erfahren.
- Die Gelegenheit dazu ist ein Test, der Ihr wahres Interesse an der Stelle und dem Unternehmeen verrät – und wie intensiv sich jemand auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet hat.
An der Tiefgründigkeit und Cleverness Ihrer Rückfragen kann selbst ein ungeübter Personaler erkennen, ob Sie nur die Stellenanzeige gelesen oder auch Hintergründe zu Job und Arbeitgeber recherchiert haben. Generell gilt: Wer fragt, der führt – auch das Bewerbungsgespräch!
Welche Fragen sollte ich stellen?
-
„Wie definieren Sie Erfolg für diese Position?“
Ein Wolf im Schafspelz! Mit der Antwort erfahren Sie indirekt wie Ihre Leistungen später gemessen und beurteilt werden. Nicht unwichtig, um etwa die Probezeit zu bestehen oder eine Gehaltsverhandlung zu führen.
-
„Was könnte mich an diesem Job am meisten frustrieren?“
Wer Sie unbedingt haben will, wird Ihnen selbstverständlich nur die Schokoladenseiten eines Jobs präsentieren. Die Frage wirft einen Blick hinter die Glitzer-Fassade des Umfelds und entlarvt mögliche Warnzeichen. Sie kann aber noch mehr: Durch die Formulierung erfahren Sie wieder indirekt, wie man Sie einschätzt und denkt, was Sie im Job suchen.
-
„Wie werden bei Ihnen Talente und Stärken gefördert?“
Eine wichtige Frage, wenn Sie mit dem Jobwechsel zugleich eine berufliche Veränderung und persönliches Wachstum anstreben. Natürlich darf die Frage nicht so klingen, als seien Sie nur auf der Durchreise. Aber eine langfristige Perspektive sollte der neue Job schon bieten.
-
„Welchen Herausforderungen muss sich das Unternehmen aktuell stellen?“
Man wird Ihnen zwar kaum erzählen, dass die Company kurz vor der Insolvenz steht. Aber mittels dieser Frage erfahren Sie etwas über das (Selbst-)Bewusstsein der Firma – wo diese sich aktuell im Markt sieht und künftig stehen will. Die wichtigste Frage darin lautet: Befindet sich das Unternehmen auf Wachstumskurs oder Schrumpfkur?
-
„Warum arbeiten Sie für dieses Unternehmen?“
Bei dieser Frage kommt es darauf an, WIE Sie diese betonen. Sie darf weder despektierlich noch überrascht klingen, Motto: „Was? Immer noch hier???“ Aber mit aufrichtigem Interesse und einem Lächeln gestellt, entlocken Sie dem Personaler ein paar persönliche Einblicke in das Unternehmen und warum es Spaß macht, dort zu arbeiten. Kommt bei der Frage nicht mal der einstellende Personalentscheider ins Schwärmen, sollten die Alarmglocken schrillen.
Lesetipp: Killerfragen: Diese bitte nie im Interview stellen!
Kostenloser Download: 100 clevere Rückfragen
Nutzen Sie zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch unser kostenloses eBook (PDF) mit 100 smarten Rückfragen, die Sie selber stellen können. Natürlich nicht alle auf einmal. Picken Sie sich Ihre maximal 10 Favoriten heraus und schreiben Sie sich diese vorab auf. Notizen im Vorstellungsgespräch sind erlaubt!
Was andere dazu gelesen haben
