Dieser Absatz wird Ihnen gefallen. Denn seine Zeilen sind schmal, und die Sätze sind kurz. Aber hätten Sie gewusst, dass auch wenn sie kurze Zeilen bevorzugen, Sie lange schneller lesen können? Das liegt an der Art, wie wir querlesen. Hätten Sie zudem geahnt, dass Marschieren teamfähiger macht und dass wir von jeder Stunde rund 20 Minuten mit Tagträumen verbringen? Der Mensch ist ein wundersames Wesen – voller Überraschungen, zum Teil jedoch berechenbare. In der folgenden Liste haben wir elf wundersame Fakten zusammengestellt, die Sie über sich noch nicht wussten…

11 faszinierende Fakten über Sie, die Sie wissen sollten…

  1. Sie lassen sich leichter beeinflussen, als Sie meinen
  2. Wir alle sind hochgradig manipulierbar und gerade zu anfällig für zahlreiche Psychotricks Dritter. Apropos: Allein die Illusion, alle anderen seien viel leichter zu beeinflussen als man selbst, ist so weit verbreitet, dass dieses Phänomen in der Wissenschft schon einen eigenen Namen hat: den Dritte-Person-Effekt oder Third-Person-Effect. Entdeckt wurde er von W. Phillips Davison bereits im Jahr 1983. Warum aber überhaupt dieser Selbstbetrug? Ganz einfach: Wir lieben die Vorstellung, die Dinge unter Kontrolle zu haben. Tatsächlich aber werden wir tagtäglich von irgendwem oder irgendwas fremdgesteuert. Meistens geschieht das unbewusst. Falls es uns aber dann doch mal auffällt, ist uns das natürlich unangenehm und wir bekommen ein schlechtes Gewissen. Ein bisschen Selbstbetrug erleichtert dasselbige da etwas. Auch wenn Ihnen gleich der erste Punkt dieser Liste unbequem erscheint – lesen Sie trotzdem weiter, weil es sich lohnt!

  3. Synchrone Bewegungen machen Sie teamfähiger
  4. Was haben ein Chor, Cheerleader, Fußballfans im Stadion oder Soldaten gemeinsam? Genau: Sie synchronisieren einen Teil ihrer Bewegungen und Tätigkeiten. Die Soldaten marschieren im Gleichschritt, die Fußballfans gröhlen dieselben Sprechchöre, der Chor bemüht sich dabei noch um Harmonien und Cheerleader tanzen nach einer gemeinsamen Choreographie. Und all das verbindet sie enorm. Der Stanford-Wissenschaftler Scott S. Wiltermuth konnte in seinen Studien (PDF) nachweisen, dass Menschen, die zuvor irgendein Verhalten synchronisiert hatten, anschließend stärker mit anderen kooperierten und sich besser in die Gruppe integrierten – selbst wenn sie dafür persönliche Opfer bringen mussten. Falls Sie das an die Spiegeltechnik, beziehungsweise den Chamäleon-Effekt erinnert, so ist dies kein Zufall. Tatsächlich fördert es schon Sympathie und Harmonie, wenn wir Mikrogesten unseres Gegenübers imitieren und synchronisieren – jedoch bitte ohne ihn nachzuäffen.

  5. Je näher Sie dem Ziel kommen, desto mehr strengen Sie sich an
  6. Psychologen nennen dies auch den Goal-Gradient-Effekt. Von einem Forscherteam um Ran Kivetz von der amerikanischen Columbia-Universität gibt es dazu ein amüsantes Experiment (PDF): Dazu verteilten die Forscher an ihre Probanden sogenannte Bonus- oder Treuekarten von einem Coffeeshop in der Nachbarschaft. Allerdings gaben sie zwei verschiedene Arten davon aus: Typ A enthielt ein klassisches Angebot: „Kauf zehn Kaffee, und bekomme einen Kaffee umsonst.“ Typ B verlangte für den Bonus-Kaffee sogar zwölf Treuepunkte – allerdings waren auf der Karte schon zwei Punkte aufgeklebt. Der Abstand war also bei beiden Probandengruppen gleich – 10 Punkte. Wie erwartet, bemühten sich die Probanden in beiden Fällen mit jedem weiteren Kaffee zügiger um den Bonus. Typ B wirkte aber geradezu wie ein Verkaufsturbo: Dessen Besitzer kauften noch gieriger Kaffee, um in den Besitz des versprochenen Gratisbechers zu gelangen. Sie erlagen der Illusion, dem Ziel schon von Beginn an, zwei Schritte näher zu sein. Übrigens: Mit demselben Trick motivieren Sie auch Chefs, indem Sie ihnen plötzlich kürzere Deadlines setzen und sie so zusätzlich anspornen oder Fitnesstrainer, die Sie nach dem absolvierten Satz noch anfeuern: „Komm, einmal geht noch!“

  7. 30 Prozent Ihrer Zeit schweifen Ihre Gedanken ab
  8. Länger als 90 Minuten am Stück können wir uns ohnehin kaum konzentrieren. Danach brauchen unsere grauen Zellen eine kurze Pause. Aber auch sonst schweifen unsere Gedanken gerne mal ab – und zwar häufiger als wir selbst meinen: Glaubt man den Untersuchungen (PDF) von Jonathan Schooler von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara sagen die meisten, sie würden sich rund 10 Prozent ihrer Zeit dem Tagträumen hingeben. Tatsächlich aber sind es eher 30 Prozent im Schnitt und in einigen Situationen – etwa wenn wir eine eintönige Autobahnstrecke abfahren müssen -, sind es sogar bis zu 70 Prozent.

  9. Sie geben mehr Geld aus, wenn keine Rede davon ist
  10. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Fahrradtour. Es ist Sommer, es ist heiß. Und Sie spüren so etwas wie Durst. Da tauchen vor Ihnen am Wegesrand drei Limonadenstände auf. Auf dem ersten Schild steht: “Gönnen Sie sich eine kleine Auszeit – und genießen Sie unsere Limonade!” Auf dem anderen Schild steht: “Gönnen Sie sich etwas von Ihrem Geld – und genießen Sie unsere Limonade!” Und auf dem dritten Schild steht einfach nur: “Genießen Sie unsere Limonade!” Ist mir doch egal, was da steht – ich habe Durst!, werden Sie vielleicht denken. Tatsächlich aber hat es enorme Auswirkungen darauf, wie Sie Ihr Geld ausgeben, ob selbiges erwähnt wird oder nicht. Cassie Mogilner und Jennifer Aaker von der Stanford Graduate School of Business haben das in einer Reihe von obigen Experimenten (PDF) untersucht. Und siehe da: 391 Menschen – zu Fuß oder per Velo – passierten die Limonadenstände. Aber doppelt so viele (14 Prozent) bevorzugten den “Auszeit”-Stand als den “Geld”-Stand (7 Prozent). Und sie gaben dort auch mehr (durchschnittlich 2,50 Dollar) für die Erfrischung aus als am anderen Stand (1,38 Dollar). Interessanterweise lag der Kontrollstand (Nur: “Genießen Sie unsere Limonade!”) in beiden Fällen in etwa in der Mitte. Natürlich gibt es auch Ausnahmen zu diesem Effekt: bei Luxusgütern etwa. Die kauft man ja gerade deshalb, weil sie teuer sind und man damit seinen Status dokumentieren will, Motto: Weil ich es mir leisten kann… Ansonsten aber sollte man stets wachsam bleiben bei Angeboten, die scheinbar keinen Preis haben oder das Thema Geld und Bezahlung gänzlich unerwähnt lassen.

  11. Sie stimmen tendenziell für den ersten auf der Liste
  12. Lesen Sie doch bitte die folgenden Begriffe einmal laut vor: Tipps, Tricks, Bewerbung, Knigge, Kreativität, Büro, Reputation, Erfolg, Karriere, Job. Und jetzt schließen Sie die Augen: Welche Begriffe erinnern Sie? Die meisten Menschen erinnern die ersten Worte (Primacy-Effect) und die letzten Worte (Recency-Effect) am besten, die in der Mitte jedoch kaum. Hermann Ebbinghaus, der dieses Phänomen als einer der ersten untersucht hat, nannte das auch den Serial-Position-Effect. Er hat aber noch einen Nebeneffekt, auch bekannt als Order-Effect: Was zu Beginn einer Liste steht, behalten wir nicht nur besser – es ist uns oft auch wichtiger. So fanden beispielsweise Marc Meredith and Yuvall Salant von der Northwestern Universität heraus (PDF), dass dieser Effekt sogar einige Wahlen beeinflusst: Bei diversen Versuchen mit zufällig erstellten Listen, wurde in zehn Prozent der Fälle jeweils der erste Kandidat auf der Liste gewählt – und zwar nur, weil er der Erste war. Wer dagegen irgendwo in der Mitte auftauchte, dessen Gewinnchancen lagen schon nur noch bei 2,5 Prozent.

  13. Je unsicherer Sie sind, desto mehr verteidigen Sie Ihre Idee
  14. Ich selbst besitze ein iPhone – eine gute Freundin von mir ein Android-Handy. Als neue Besitzerin ihres Smartphones wollte sie mir die Vorzüge ihres Gerätes natürlich zeigen. Ich hörte zu, war aber nicht mit dem Herzen dabei. Im Grunde wollte ich es gar nicht wissen – vor allem, weil ich gar nicht erst riskieren wollte, etwas von einem Smartphone zu erfahren, das meinem iPhone womöglich überlegen war. Immerhin: Ich bin mit diesem Tick nicht alleine. Und er beschränkt sich auch nicht nur auf die Jünger des Steve Jobs’. Wir alle verhalten uns so: Wenn wir eine vorgefertigte Meinung haben und eine neue widerspricht dieser, dann verteidigen unser Klischee nur umso heftiger, statt den Konflikt erst einmal zuzulassen und Argumente abzuwägen. Leon Festinger hat dieses Störgefühl – im Fachjargon auch Kognitive Dissonanz genannt, bereits 1956 beschrieben. Besonders starke Dissonanzen entstehen dann, wenn ein bis dahin stabiles, positives Selbstkonzept gefährdet wird, wenn also jemand Informationen bekommt, die ihn als dumm, unmoralisch oder irrational dastehen lassen. Nur wenige ändern ihr Denken oder Verhalten dann. Eher versuchen sie es rational zu rechtfertigen und zu verteidigen (“Helmut Schmidt raucht auch Kette und der ist schon über 90!”).

  15. Sie können nicht mehr als 150 Freunde haben
  16. Zu Beginn der Neunzigerjahre untersuchte der britische Psychologe und Anthropologe Robin Dunbar, wie viele Kontakte, vulgo Freundschaften, unser Gehirn überhaupt koordinieren kann. Heraus kam die sogenannte Dunbar-Zahl, wonach Menschen zu maximal 150 (genau genommen waren es 148) anderen Menschen stabile Beziehungen halten können. Zugegeben, Twitter, Facebook, Xing und Linkedin erlauben uns heute weitaus mehr Beziehungen Aufmerksamkeit zu schenken. Aber sind das deshalb schon echte Freundschaften, die wir dort pflegen? Als Bruno Gonçalves von der Indiana Universität in einer Studie (PDF) sechs Monate lang rund 380 Millionen Tweets auswertete, stellte er bald fest: Auch dort pendelte sich die Zahl der Kontakte der Twitterati irgenwann zwischen 100 und 200 Menschen ein. Und wahre Freundschaft bemisst sich ohnehin nicht an Zahlen.

  17. Werden Sie angeschrien, arbeiten Sie härter, aber nicht kreativer
  18. So jedenfalls lässt sich das Ergebnis einer israelischen Studie zusammenfassen. In dem Versuch mussten sich die 72 Probanden zunächst durch zwei aufgenommene Anrufe von wütenden Kunden lautstark beschimpfen lassen, dann sollten Sie Aufgaben lösen – ein paar logisch-analytische und einige kreative. Ergebnis: Wer zuvor angeschrien wurde, gab sich bei der ersten Aufgabe mehr Mühe und kam auch zu besseren Ergebnissen als die Kontrollgruppe. Bei der zweiten Aufgabe traf das jedoch nicht zu. Die Forscher erklären das Resultat so: Wenn wir angebrüllt werden schaltet unser Gehirn in eine Art Schwarz-Weiß-Modus. Wir bekommen dann so etwas wie einen Tunnelblick. Das ist zwar gut, wenn auf ein konkretes, analytisches Ziel hinarbeiten soll – nicht aber für laterales Denken und kreative Lösungen. Allerdings – auch das zeigte sich in der Studie: Ein Anschiss, ausgedrückt durch Sarkasmus, brachte einige der Probanden dazu, doppelt so viele Kreativaufgaben zu lösen wie in der Kontrollgruppe.

  19. Ihr Unterbewusstsein weiß schneller Bescheid als Sie
  20. Der klassische Versuch dazu stammt von dem US-Neurologen Antonio Damasio von der Universität Iowa. Er schloss Probanden Anfang der Neunzigerjahre an eine Art Lügendetektor an und ließ sie mit präparierten Karten spielen. Dazu gab es zweimal zwei Kartenstapel. Das eine Kartenspiel warf große Gewinne ab, brachte aber noch höhere Verluste mit sich; das andere dagegen brachte kleine Gewinne, jedoch kaum Verluste. Etwa ab der 50. Karte dämmerte das den meisten Probanden – und sie zogen vor allem Karten von dem “sicheren” Stapel. Die Auswertung des Detektors brachte aber die eigentliche Sensation: Der Instinkt hatte die Probanden schon ab der 10. Karte gewarnt. Der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth ist sogar davon überzeugt, dass das Unterbewusste einige Millionen Informationen pro Sekunde verarbeiten kann, das Bewusstsein jedoch nur 0,1 Prozent davon.

  21. Einer Begründung können Sie nicht widerstehen
  22. Erinnern Sie sich noch an den ersten Punkt? immerhin: Sie haben die Liste bis hierher weitergelesen, weil ich Ihnen versprach, dass es sich lohnt. Ob das stimmt oder nicht, ist aber irrelevant. Entscheidend war das Wörtchen “weil”. Begründungen – ob sinnvoll oder nicht – haben eine erstaunliche Wirkung auf uns. Das haben die beiden Psychologen Ellen Langer und Robert Cialdini in einem bemerkenswerten Experiment untersucht. Dazu haben sie ihren Probanden in einem Büro drei verschiedene Fragen gestellt und gemessen, wie diese darauf reagieren. Die Fragen lauteten:

    1. „Entschuldigung, ich habe nur fünf Seiten. Könnte ich bitte an den Kopierer?“ – 60 Prozent der Befragten gaben der Bitte daraufhin unmittelbar nach.
    2. „Entschuldigung, ich habe nur fünf Seiten. Könnte ich bitte an den Kopierer, weil ich es sehr eilig habe?“ – Aufgrund der (einleuchtenden) Begründung machten gleich ganze 94 Prozent Platz am Kopiergerät.
    3. Der eigentliche Trick kommt aber erst mit Frage Drei:

    4. „Entschuldigung, ich habe nur fünf Seiten. Könnte ich bitte an den Kopierer, weil ich ein paar Kopien machen muss?“ – Obwohl die Begründung tautologisch und reichlich fadenscheinig dazu ist, sagten ganze 93 Prozent sorfort „Ja“.

    Offenbar ist die Qualität der Begründung herzlich egal – solange Sie Ihre Bitte nur mit irgendeinem Grund versehen.

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Noch Lust auf einen Selbsttest?

Setzen Sie sich dazu bitte auf einen Stuhl und heben Sie Ihr rechtes Bein an. Nun schwingen Sie bitte Ihr rechtes Bein kreisend im Uhrzeigersinn. Während Sie Ihr Bein weiterhin rechts herum kreisen lassen, blicken Sie bitte geradeaus und malen mit der rechten Hand (!) eine 6 in die Luft – von oben beginnend… Was macht denn da Ihr Bein? Ha! Erwischt. Entweder es steht still – oder dreht sich nun links herum. Warum? Weil unser Gehirn auf derselben Körperachse keine entgegen gesetzten Bewegungen koordinieren kann. Mit rechtem Bein und linker Hand – kein Problem. Aber mit rechten Bein und rechter Hand – nicht zu schaffen. Wer das Gegenteil behauptet: Bitte Videobeweis!