Dienstreisen: Ist Reisezeit gleich Arbeitszeit?
Wer zur Arbeit pendelt, der Jurist spricht dabei von Wegezeiten zwischen privater Wohnung und Büro, der arbeitet nicht. Folglich muss der Arbeitgeber dies auch nicht bezahlen, denn es ist Sache des Arbeitnehmers, wie er zu seinem Arbeitsplatz kommt. Viel schwieriger aber wird die Frage aber bei Dienstreisen. Was ist dann mit der Hin- und Rückfahrt: Zählen diese automatisch als Arbeitszeiten und sind daher mit dem Gehalt zu bezahlen und auf die tägliche Arbeitszeit von rund acht Stunden anzurechnen? Oder gilt dies als Freizeit? Gute Frage! Aber ganz schwierige Antwort. Wir zeigen Ihnen, was Sie über Dienstreisen wissen müssen...

Dienstreisen: Entscheidend ist, wie Sie die Zeit verbringen

michaeljung/shutterstock.comDas Bundesarbeitsgericht (BAG) hat sich mit dem Thema, das immer wieder zu juristischen Auseinandersetzung führt, natürlich längst beschäftigt. Ergebnis: Es kommt darauf an, was der Arbeitnehmer während der Dienstreise im Wortsinn macht.

Sitzt er beispielsweise nur in der Bahn oder im Flieger, liest eine private Zeitschrift, isst oder döst, so gilt die Reisezeit als Ruhezeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes.

Eine Ruhezeit ist jener Zeitraum, in dem der Arbeitnehmer nicht arbeiten muss. Also eben auch dann, wenn der Chef zwar die Nutzung solch öffentlicher Verkehrsmittel anordnet, nicht aber auch noch, welche Aufgaben während der Fahrt erledigt werden müssen.

Wer also seine Zeit nach Belieben gestalten kann, solange er unterwegs ist, der verbringt dort keine Arbeitszeit und kann dafür auch keine Vergütung verlangen.

Aber gilt dies generell? Wir haben dazu auch unseren Arbeitsrechtkolumnisten und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Peter Groll, gefragt:

Muss der Mitarbeiter auf dem Weg zu einem Dienstgeschäft arbeiten (also Akten lesen oder andere Arbeitsaufgaben erledigen) handelt es sich um echte Arbeitszeit, die dann grundsätzlich auch vergütet werden muss.

Deutlich komplizierter wird es aber, sobald er Arbeitnehmer einen Dienstwagen (oder eigenen PKW) selber lenkt. In dem Fall kann er seine Zeit vernünftigerweise nicht frei gestalten, sondern muss sich auf den Verkehr konzentrieren. Damit ist die Reisezeit keine Ruhezeit mehr, sondern Arbeitszeit - vorausgesetzt, die Fahrt mit dem PKW war vom Arbeitgeber angeordnet.

Für mitfahrende Kollegen bedeutet das umgekehrt, dass ihre Reisezeit keine Arbeitszeit darstellt. Sie können sich ja theoretisch ausruhen.

Checkliste für den Arbeitvertrag

Wenn absehbar ist, dass Sie beruflich und dienstlich viel reisen, sollte Ihr Arbeitsvertrag folgende Punkte explizit regeln:

  • Arbeitszeiten (Überstunden, Vergütung)
  • Spesen (Verkehrsmittel, Parken, Hotelauswahl, Einladungen)
  • Reiserabatte (Wer darf etwaige Bonusmeilen nutzen?)
  • Reiseversicherungen (Wer übernimmt die Kosten?)
  • Impfungen (Falls nötig, zahlt der Arbeitgeber?)

Muss der Arbeitgeber Reisezeiten bezahlen?

El Nariz/shutterstock.comLaut einer BAG-Entscheidung sind Reisezeiten, die nicht als Arbeitszeit einzuordnen sind, zwar nicht vergütungspflichtig - für die dienstübliche Arbeitszeit schuldet der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter aber dennoch eine Vergütung nach den Grundsätzen des Annahmeverzugs. Nichts bezahlen muss er dagegen, wenn die Reisezeiten über die dienstübliche Arbeitszeit hinausgehen.

Kompliziert. Gibt es denn wenigstens ein paar Faustregeln? Wieder Peter Groll:

Als Grundsatz kann man sich merken, dass es darauf ankommt, ob man unterwegs auf Anordnung des Arbeitgebers arbeiten musste oder nicht. Der tägliche Weg zur Arbeit und zurück ist immer Privatvergnügen. Bevor man mit diesen Erkenntnissen jetzt aber zum Chef rennt und die Bezahlung seiner Tätigkeiten unterwegs verlangt, sollte man sich allerdings überlegen, ob das eine gute Idee ist. Den meisten Unternehmen haben die Rechtslage nicht unbedingt vor Augen und dürften allergisch auf solche Diskussionen reagieren.

Dienstreisen: Antworten auf wichtige Fragen

Zum Thema Dienstreisen tauchen immer wieder viele Fragen auf. Wir haben uns einige der wichtigsten herausgesucht und geben Antworten, die Sie kennen sollten, wenn auch bei Ihnen in Zukunft die ein oder andere Dienstreise ansteht.

  • Wann darf ich den Firmenwagen nutzen? Es erklärt sich von selbst, dass ein Firmenwagen für berufliche Zwecke genutzt werden kann. Doch wie sieht es im privaten Bereich aus? Hier kommt es darauf an, was zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter vereinbart wurde. Ist die private Nutzung des Fahrzeugs nicht eindeutig erlaubt, steht der Wagen Ihnen nur für den Beruf zur Verfügung. Wurde die private Nutzung gestattet, muss der Dienstwagen allerdings versteuert werden.
  • Wo darf ich übernachten? Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass der Arbeitgeber festlegen darf, in welchem Hotel seine Mitarbeiter übernachten müssen. In Wahrheit kann das Unternehmen nur bedingt Einfluss nehmen, indem es vorgibt, welche Kosten für die Unterkunft angemessen sind. Hält der Mitarbeiter sich an diese Vorgaben, kann er auch selbst ein Hotel aussuchen. Übertreibt er es jedoch, kann er schlimmstenfalls sogar für den Schaden aufkommen müssen.
  • Was gilt für Außendienstler? Für Außendienstler gehört das ständige Reisen und Fahren zur täglichen Arbeit dazu. Dementsprechend besteht auch Anspruch auf eine Vergütung, da - wie oben erläutert - die Reisezeit als Arbeitszeit einzustufen ist.
  • Darf ich auf Dienstreisen auch privat etwas unternehmen? Wer eine längere Dienstreise antritt, möchte sich den Aufenthalt natürlich ein wenig verschönern. Dies ist natürlich erlaubt, solange die Arbeit nicht darunter leidet. Bezahlen muss das der Arbeitnehmer allerdings alleine, da es sich nicht um Arbeitszeit handelt, sondern um privates Vergnügen.
  • Was darf ich mit meinen Bonusmeilen machen? Mitarbeiter in großen internationalen Unternehmen sammeln oft viele Bonusmeilen an. Leider dürfen diese nicht einfach privat für den nächsten Urlaub genutzt werden. Solange keine explizite Erlaubnis des Arbeitgebers vorliegen, gehören die Bonusmeilen dem Unternehmen.
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