Kommunikationsfähigkeit: Training für mehr Eloquenz
Ebenso wie Teamfähigkeit wird in so gut wie jeder Stellenanzeige ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit verlangt. Es ist eines dieser Buzzwords, die zwar von jedem Unternehmen verlangt werden, aber nur selten mit einer konkreten Vorstellung verbunden sind. Was steckt eigentlich hinter dem Begriff "Kommunikationsfähigkeit"? Um seinen Job gut machen zu können, ist es notwendig, erkennen zu können, was das Gegenüber - sprich der Chef, Kollege oder Kunde - möchte und in der Lage zu sein, verständlich darauf zu reagieren. Anders gesagt: Wer kommunikationsfähig ist, kann Botschaften klar und deutlich formulieren und kann die Signale der anderen interpretieren. Wie die Kommunikation gelingt...

Wie funktioniert Kommunikation eigentlich?

Der Kommunikationswissenschaftler und Psychologe Paul Watzlawick formulierte fünf Grundsätze, sogenannte Axiome, zu menschlicher Kommunikation. Dieses Modell zu kennen hilft dabei, die Funktion von Kommunikation zu verstehen. Es liefert auch Aufschluss darüber, warum Kommunikation misslingt. Was sich zunächst kompliziert anhört, ist auf den zweiten Blick recht einfach.

  • Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren. Es ist wohl der bekannteste der fünf Grundsätze. Er macht deutlich, dass sobald zwei Menschen in Verbindung treten auch kommuniziert wird. Selbst wenn man ein Gespräch verweigert, sendet man damit seinem Gegenüber eine Botschaft.
  • Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt. Mit diesem Grundsatz drückt Watzlawick aus, dass Kommunikation nicht nur dafür da ist, um Informationen auszutauschen, sondern auch um miteinander in Beziehung zu treten. Kommunikation verbindet unabhängig vom Inhalt, deswegen stellt er den Beziehungsaspekt über den Informationsaustausch. Auch gibt das Gesagte Aufschluss über die Beziehung zweier Personen zueinander.
  • Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt. Der Mensch bildet sich anhand seiner Erfahrung seine Wirklichkeit ab. Er konstruiert damit eine subjektive Wirklichkeit, nach der er handelt. Jeder Kommunikationsteilnehmer verleiht dem Austausch eine Struktur, indem er bestimmten Ereignissen einen besonderen Wert zuspricht und daraus weitere Reaktionen ableitet. Ein Beispiel: Der Lehrer ist der Meinung, er müsse Strafarbeiten verteilen, weil die Klasse sich keine Mühe gibt. Die Schüler sind der Meinung, sie geben sich keine Mühe, weil der Lehrer Strafarbeiten verteilt. Wer hat recht? Beide auf ihre Weise.
  • Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten. Mit "analog" sind die Mimik und Gestik gemeint. Mit "digital" die Sprache. Watzlawick stellt fest, dass Kommunikation beide Komponenten enthält und diese nicht unbedingt zusammenpassen müssen. Beispielsweise sage ich es geht mir gut, doch meine Mimik und Gestik signalisieren das Gegenteil.
  • Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär , je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht. Jeder Mensch hat verschiedene Rollen. Diese finden sich auch in der Kommunikation wieder. Spricht man beispielsweise mit einem Kollegen findet die Kommunikation auf gleicherer Ebene (symmetrisch) statt. Spricht man allerdings als Angestellter mit dem Chef, ist der Chef höher gestellt und die Kommunikation ist ungleich (komplementär).

Dieses Video fasst das Kommunikation noch einmal anschaulich zusammen:

Tipps: Wie die Kommunikation gelingt

Pressmaster/shutterstock.comDer eine redet, der andere hört zu - das klingt so einfach. Doch wie das Modell von Watzlawick zeigt, ist Kommunikation ein sehr komplexer Prozess und stellt einen vor zahlreiche Herausforderungen. Ob bei einem Gespräch unter Kollegen, einem Geschäftsessen oder einer Gehaltsverhandlung mit dem Chef – oft fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden und so zu kommunizieren, dass der Gesprächspartner einen versteht. Hier ein paar Anregungen, die helfen können:

  • Worauf will ich hinaus?

    Bevor Sie ein Gespräch beginnen, sollte Ihnen klar sein, welches Ziel Sie damit verfolgen. Was möchten Sie von Ihrem Gegenüber? Welche Handlungen sollen aus dem Gespräch resultieren? Im Grunde es darum, erst nachzudenken und dann zu sprechen. Sind Sie sich Ihrer eigenen Absichten bewusst, können Sie das Gespräch besser lenken.

  • Was wird nicht gesagt?

    Hier sind wir wieder bei Watzlawicks erstem Grundsatz. Sie kommunizieren immer, auch wenn Sie nichts sagen. Mehr als 65 Prozent der Kommunikation erfolgen nonverbal. Doch die Körpersprache lässt sich nicht so bewusst steuern, wie die Sprache. Deswegen geben Mimik und Gestik viel eher Aufschluss darüber, was ein Mensch fühlt, als seine Worte. Achten Sie im Gespräch auf diese Signale, sowohl bei Ihrem Gegenüber als auch bei sich selbst.

  • Ist meine Botschaft deutlich?

    Die meisten Probleme zwischenmenschlicher Kommunikation liegen darin, dass der Gesprächspartner das Gesagte anders versteht, als es gemeint war. Wollen Sie, dass Ihr Gesprächspartner Sie versteht, ist es hilfreich, sich klar und deutlich auszudrücken. Besprechen Sie beispielsweise mit einem Kollegen Ihre Urlaubsvertretung, braucht dieser genaue Informationen darüber, was in Ihrer Abwesenheit getan werden muss. Je präziser Sie sich in dieser Situation ausdrücken, desto eher weiß Ihr Kollege Bescheid.

  • Wie sage ich etwas?

    In einem Gespräch ist nicht nur entscheidend, was gesagt wird, sondern auch das wie. Denn oftmals ist es das "wie", das zu Konflikten führt. Bekanntlich macht der Ton die Musik. Auf diese Weise kann schnell aus einer harmlosen Feststellung ein Vorwurf werden.

  • Wie fühlt sich mein Gesprächspartner bei dem Gesagten?

    Gelungene Kommunikation beinhaltet auch den Perspektivenwechsel. Wie kommt es bei meinem Gegenüber an, wenn ich dieses oder jenes sage? Das ist vor allem wichtig bei Gesprächen, die Konfliktpotenzial enthalten, beispielsweise wenn Sie Kritik äußern. Wer ein Verständnis für die Situation seines Gegenübers entwickelt, kann auch besser abschätzen, welche Aussagen verletzend aufgenommen werden könnten oder auf Ablehnung stoßen.

  • Wie behandle ich meinen Gesprächspartner?

    Lassen Sie Ihr Gegenüber zu Wort kommen und unterbrechen Sie ihn nicht? Nehmen Sie das, was er sagt, ernst? Watzlawick stellte fest, dass vor allem der Beziehungsaspekt eine wichtige Rolle spielt. An dem Gesagten kann man sehen, in welcher Beziehung die Gesprächspartner zueinander stehen.

  • Habe ich den richtigen Zeitpunkt gewählt?

    Für bestimmte Themen ist der Zeitpunkt entscheidend, beispielsweise bei der Gehaltsverhandlung oder einem Feedbackgespräch. Viele Faktoren können den richtigen Zeitpunkt bestimmten. Bei einer Gehaltsverhandlung spielt es beispielsweise eine Rolle, wie ist die allgemeine Lage ist, ob Ihr Chef gerade Zeit für das Gespräch hat, ob Sie in letzter Zeit mit herausragenden Leistungen glänzen konnten und so weiter. Deswegen sollten Sie sich bei wichtigen Gesprächen auch über den Zeitpunkt Gedanken machen.

  • Höre ich meinem Gegenüber zu?

    Damit Kommunikation funktioniert, müssen Sie auch begreifen, was der andere von Ihnen will. Doch das funktioniert nur, wenn man auch zuhört. Allerdings ist man viel zu oft mit sich selbst beschäftigt. Zuhören bedeutet auch Signale zu senden, die Interesse und Aufmerksamkeit bekunden, beispielsweise das Nachvornelehnen im Gespräch. Auch mit Rückfragen zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie sich mit dem Gesagten auseinandersetzen.

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