Stärken im Vorstellungsgespräch: So punkten Sie

Stärken im Vorstellungsgespräch zu präsentieren ist die größte Herausforderung für Bewerber überhaupt. Klar ist, dass Sie die eigenen Erfolge so präsentieren müssen, dass Sie sich von der Konkurrenz abheben. Der Personaler muss davon ausgehen können, dass der Bewerber den künftigen Aufgaben gewachsen ist. Dabei besteht die Kunst darin, die Balance zwischen gesundem Selbstbewusstsein und Realitätssinn zu halten. Hier liegt die Herausforderung: Vielen Bewerbern fehlt die Vorstellung darüber, was ihre Stärken sind. Oder sie kennen sie, haben aber Schwierigkeiten, ihre Stärken im Vorstellungsgespräch entsprechend zu präsentieren. Wie Sie im Jobinterview punkten…

Stärken im Vorstellungsgespräch: So punkten Sie

Was sind eigentlich Stärken?

So direkt befragt fällt es vielen Menschen schwer, mal eben locker aus der Hüfte ihre Stärken zu benennen. Dazu kommt: Sie sollten in irgendeiner Form arbeitsrelevant sein. Sie können vielleicht gut kochen, aber das als Stärken im Vorstellungsgespräch für einen Bürojob anzugeben, hilft Ihnen vermutlich nicht weiter.

Gehen wir deshalb noch einmal einen Schritt zurück: Was sind überhaupt Stärken? Stärken werden auch als Kompetenzen bezeichnet und sind eine Kombination aus Wissen, Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Sie bei Bedarf abrufen und im Beruf einsetzen können.

Dass manch einer sich seiner Stärken nur grob bewusst ist, hat oft folgende Gründe:

  • Schlechte Erfahrungen

    Wenig oder gar kein Lob und viel Kritik in der Kindheit bewirken häufig, dass jemand ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt. Häufig sind diese Personen defizitorientiert, sie kennen ihre Schwächen nur zu genau, aber ihre Stärken sehen sie kaum.

  • Falsche Bescheidenheit

    Gesellschaftlich wird ein starkes Selbstbewusstsein schnell als Arroganz ausgelegt. Um nicht anzuecken, entschließen sich viele Menschen dazu, lieber etwas bescheidener aufzutreten. Das wird leider zum Selbstläufer und ist im Bewerbungsgespräch kontraproduktiv – niemand wird für seine Bescheidenheit eingestellt.

  • Fehlende Auseinandersetzung

    Am häufigsten fehlt den Bewerbern allerdings die nötige Selbstreflexion: Was kann ich gut und wann habe ich es wo unter Beweis gestellt? Diese Frage gehört zu den wichtigsten bei den Vorbereitungen auf ein Vorstellungsgespräch.

Stärken identifizieren: So finden Sie sie

Spätestens wenn die Einladung zum Vorstellungsgespräch auf dem Tisch liegt, sollten Sie die fehlende Auseinandersetzung nachholen und Ihre Stärken identifizieren. Dazu haben Sie mehrere Möglichkeiten:

  • Sie machen einen Kompetenztest

    Der sanfte Einstieg in dieses Thema erfolgt für gewöhnlich über Kompetenz- und Persönlichkeitstests. Dort werden Ihnen eine Reihe Fragen gestellt, die Sie ehrlich für sich beantworten sollten. Es nützt nichts, sich selbst als eine absolut extrovertierte Persönlichkeit sehen zu wollen, in Wirklichkeit aber die Mittagspausen gewollt allein zu verbringen und jedes Wochenende zuhause zu hocken. Allerdings sollten Sie auch nicht den Fehler begehen, sich in endlosen Test zu verlieren, daher dürfen auch weitere Punkte zur Stärkenfindung nicht außer Acht gelassen werden.

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  • Sie fragen andere

    Der bequemste und gleichzeitig objektivste Weg ist, andere danach zu befragen, was sie für Ihre Stärken erachten. Das können Familienmitglieder, Freunde und Kollegen sein, denen Sie vertrauen. Wichtig ist, dass diese Person Ihnen wohlgesinnt ist, aber trotzdem genügend Schneid hat, nichts zu beschönigen. Der Vorteil dieser Methode: Diese Leute kennen Sie mit am besten. Das ist eine gute Gelegenheit, die eigene Wahrnehmung zu überprüfen.

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  • Sie analysieren Ihre Tätigkeiten

    Sie zäumen das Pferd von hinten auf: Was habe ich bisher eigentlich in meinem Leben gemacht, worin war ich – offensichtlich – erfolgreich, ohne es mir bewusst gemacht zu haben? Lesen Sie unter diesem Gesichtspunkt Ihren Lebenslauf. Den müssen Sie für die anvisierte Stelle ohnehin überarbeiten und bei der Beschäftigung damit werden Ihnen einige Dinge auffallen, die Sie vielleicht bereits vergessen hatten – Schulfächer, in denen Sie besonders stark waren. Praktika, die Sie gerne gemacht haben. Inhaltliche Schwerpunkte Ihres Studiums, ehrenamtliche Tätigkeiten, Hobbys und natürlich vergangene Jobs.

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    • Lebenslauf-Check: Design, Struktur, Inhalt, Sprache

Was ist mit den Schwächen?

Stärken im Vorstellungsgespräch SchwächenMeist wollen die Personaler im Interview nicht nur Ihre Stärken, sondern auch Ihre Schwachpunkte wissen: Was gelingt Ihnen nicht so gut? Hinter allem steckt der verständliche Wunsch, sich bloß keinen Fehlgriff beim Bewerber zu leisten, denn Fehlbesetzungen kommen ein Unternehmen teuer zu stehen.

Die Frage nach Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch geschieht oft subtil und gar nicht so direkt, wie es sich viele vielleicht vorstellen. Statt einem „Was sind Ihre Schwächen?“ könnte ebenso gut gefragt werden: „Wie beschreiben Freunde/Kollegen Sie?“ oder: „Auf einer Skala von 1 bis 10: Was fällt Ihnen besonders leicht/schwer…?“

Schwächen sind hierbei alle Werte unter 7, als 7 und 8 sollten Sie die erforderlichen Stärken formulieren. Vorsicht mit der 9 und der 10: Die könnten wiederum als Selbstüberschätzung oder Überheblichkeit ausgelegt werden.

Das Schwierige: Jeder Mensch hat Schwächen. Gleichzeitig sollten Sie die nicht im Übermaß im Vorstellungsgespräch preisgeben. Frühere Bewerbungstipps, bei denen Stärken als scheinbare Schwächen verkauft werden sollten, sind mittlerweile überholt. Besonders der Klassiker „Ich bin ein Perfektionist“, der suggerieren sollte: Dieser Bewerber gibt alles.

Abgesehen davon, dass längst nicht jeder Arbeitnehmer wirklich größte Sorgfalt in allen Bereichen seiner Tätigkeit walten lässt, ist Perfektionismus mittlerweile ein Synonym für brenzliches Zeitmanagement geworden. Denn um tatsächlich noch den letzten Schliff überall anlegen zu können, werden Deadlines gerne verschoben.

Bei Ihrer Suche nach Stärken betreiben Sie genau genommen immer eine Stärken-Schwächen-Analyse. Auch für die Schwächen müssen Sie schauen, inwiefern sich diese im Job problematisch auswirken könnten.

Faustformel hierbei: Bis zu einem gewissen Grad dürfen Sie Schwächen zugeben, aber:

  • Diese sollten nicht elementar für die Ausübung Ihres Jobs sein.
  • Schwächen Sie sie mit Formulierungen wie gelegentlich, manchmal, hin und wieder, es kann vorkommen, dass… ab.
  • Sie sollten herausstellen, dass Sie das Problem erkannt haben und gegensteuern.

Das Ganze kann dann so aussehen:

Es fällt mir nicht leicht, vor größerem Publikum zu sprechen. Ich verhaspele mich und fühle mich unwohl. Aber ich arbeite daran, das zu ändern. Vor kurzem habe ich begonnen, einen Rhetorikkurs zu belegen.

Manchmal strengt mich die Arbeit in einem Großraumbüro an. Es fällt mir dann schwer, mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Das Problem schalte ich mittlerweile aus, in dem ich in solchen Momenten Lärmschutzkopfhörer trage.

Stärken mit der Stelle abgleichen

Nach der erfolgreichen Selbstanalyse und den Einschätzungen durch Ihre Freunde und Familie dürften Sie eine Sammlung an Stärken haben, die es in Relation zueinander zu setzen gilt. Was sind Soft Skills, was sind Hard Skills?

Beides brauchen Sie in einer erfolgreichen Bewerbung. Wer nur seine Expertise beispielsweise als Webdesigner herausstellt, gleichzeitig aber wichtige Sozialkompetenzen vermissen lässt, wird Schwierigkeiten haben, seine Stärken im Vorstellungsgespräch authentisch zu verkaufen.

Als nächstes sollten Sie genau schauen, welche dieser Stärken Sie für die ausgeschriebene Stelle brauchen. Meist ist dieser Schritt bereits beim Formulieren des Anschreibens erfolgt, denn für die Bewerbung gilt es, die Muss- und die Kann-Qualifikationen herauszufiltern und zwischen „unabdingbar“ und „wünschenswert“ zu differenzieren.

Ihre zuvor gewonnenen Ergebnisse gleichen Sie mit der Stelle ab und notieren sich für das Bewerbungsgespräch die relevanten Stärken. Wer beispielsweise als Altenpfleger arbeitet, wird immer Empathie belegen können müssen. Umgekehrt sollte ein Maschinenbauingenieur strukturiertes, analytisches Vorgehen vorweisen können.

Stärken im Vorstellungsgespräch gekonnt einsetzen

Die folgende Liste bietet eine Übersicht typischer Stärken, die immer wieder genannt werden:

Wenn Sie solche Stärken im Vorstellungsgespräch einfach nur nennen, wird das nichts mit der Traumstelle. Für das Bewerbungsgespräch gilt dasselbe wie bereits fürs Anschreiben: Belegen Sie Ihre Stärken anhand von Beispielen. Alles andere sind bloße Behauptungen, die für den Personaler nicht überprüfbar sind.

Ein Beispiel ist die Teamfähigkeit. Diese Eigenschaft ist unter den Soft Skills fast immer gefragt. Wenn Sie nun sagen: „Ich bin teamfähig“, gleichzeitig haben Sie aber noch nie im Team gearbeitet – wie soll diese Aussage verifizierbar sein?

Gerade für Berufsanfänger können sich hier Stolpersteine auftun. Lösen können Sie das Problem, indem Sie auf andere Bereiche zurückgreifen, beispielsweise beim Hobby Ihre Erfahrungen als Mannschaftskapitän in der Fußballmannschaft nennen.

[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]

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24. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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