Ein Gastartikel von Alexander Dahmios

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Wer ein Hochschulstudium erfolgreich abgeschließt, sollte eigentlich davon ausgehen, dass er oder sie für den Berufseinstieg gut qualifiziert ist. Eigentlich. Trotzdem fällt es nicht gerade wenigen Hochschulabsolventen schwer, nach dem Studium sofort einen guten Job in ihrem Fach zu finden. Selbst jenen, die mit Bestnoten ihre Masterarbeit abgeschlossen haben, bleibt nach einer Vielzahl von Bewerbungen nichts anderes übrig, als der Gang zum Jobcenter. Traurig, aber Realität...

Arbeitslos nach Studium: Die Alternativen

Deutschlandweit sind gemäß der Bundesagentur für Arbeit bis zu 200.000 Akademiker arbeitslos gemeldet. Die meisten davon kommen aus Studiengängen Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften. Laut einer Studie des Instituts für Hochschulforschung (HIS) findet selbst nach einem Jahr nach dem Hochschulabschluss nur jeder zweite Absolvent einen festen Job. Lediglich die Ingenieure bilden hierbei eine Ausnahme: Bei ihnen sieht es aufgrund des Bedarfes in der Industrie wesentlich besser aus - die Vermittlungsquote liegt bei mehr als 90 Prozent (PDF).

Was aber bleibt den anderen Absolventen noch übrig? Welche Alternativen zu weiteren 100 hoffnungsvollen Bewerbungen, auf die doch nur wieder eine Absage nach der anderen folgt, gibt es dann noch?

Die Arbeitsberater im Jobcenter raten in dem Fall meist doch nur, dass zumindest die Aushilfs- und Nebenjobs in der Zwischenzeit etwas mit dem späteren Beruf zu haben oder zumindest Qualifikationen trainieren sollten, die gefragt sind. Dazu zählt insbesondere Wissen rund um die Fachbereiche Informatik, Marketing, Betriebswirtschaftslehre oder Projektmanagement. Diese Kenntnisse sind in der Industrie aktuell besonders gesucht. Aber leichter geraten, als getan...

Jobchancen durch Weiterbildung steigern

Auch wenn man gerade erst raus aus der Uni ist: Oft führen Umwege schneller zum Ziel. Und das kann in dem Fall der Erwerb von Zusatzqualifikationen bei privaten Bildungsanbietern sein.

Die haben oft bis zu 12-monatige Weiterbildungsangebote zu IT, Medien, Technik oder kaufmännischen Berufen im Programm. Die Kurse sind in der Regel modular aufgebaut und können auch fächerübergreifend belegt werden. Gerade bei den privaten Bildungsanbietern wurden diese meist in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen und den eventuell späteren Arbeitgebern der Studierenden entwickelt. Und diese Kontakte lassen sich natürlich nutzen. Achten Sie bei der Auswahl also auch darauf!

Und solche Angebote sprechen natürlich nicht nur Hochschulabsolventen an, die vor dem Berufseinstieg stehen, sondern ebenso Arbeitnehmer, die nach Einsparungen, betriebsbedingten Kündigungen oder beim Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase nicht sofort einen Arbeitsplatz finden. Wer dann ein solches Bildungsangebot in Anspruch nimmt, kann überdies darauf hoffen, dass die Gebühren und die Lebenshaltungskosten von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Eine Garantie gibt es aber nicht.

Deshalb ist es wichtig, dass Hochschulabsolventen, die sich nach ihrem Abschluss beim Jobcenter auf Arbeitssuche begeben, einen Berater finden, der sich mit Hochschulabschlüssen und mit den Angeboten und Weiterbildungsmöglichkeiten danach, auskennt. Immerhin: Während der Zusatzausbildung haben Hochschulabsolventen wenigstens Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Hartz IV.

Staatliche Weiterbildungsangebote nutzen

Auch das Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hat sich der Problematik der arbeitslosen Akademiker angenommen und das Programm "Akademikerinnen und Akademiker qualifizieren sich für den Arbeitsmarkt (AQUA)" aufgelegt. Die Organisation dafür hat die Otto Benecke Stiftung übernommen.

AQUA bietet mehr als 30 Weiterbildungsmaßnahmen, unter anderem per Fernstudium an. Hier können sich Mediziner auf Gesundheitsprävention oder Betriebswirte auf den Außenhandel spezialisieren oder Lehrer können sich Grundlagen im Bildungsmanagement vermitteln lassen. Zusätzlich zur fachlichen Qualifikation werden Präsentationstechniken und auch Methoden zur Kommunikationsfähigkeit geübt.

Das Programm richtet sich vor allem an arbeitslose Hochschulabsolventen, die Arbeitslosengeld I oder Hartz IV beziehen und ist auf 13 Monate angelegt. Zusätzlich ist ein dreimonatiges Praktikum in einem Betrieb ebenfalls Bestandteil der Weiterbildungsmaßnahme. Im Durchschnitt sind die von dem Programm geförderten Bewerber zwischen 35 und 40 Jahre alt und bereits einige Jahre auf Jobsuche. Nach Abschluss einer solchen Qualifizierung erhalten im Schnitt jedoch mehr als 50 Prozent einen festen Arbeitsplatz, davon wiederum ungefähr die Hälfte dauerhaft.

Wenig Chancen ohne Eigeninitiative

Egal, für welchen Weg man sich letztlich entscheidet: Ohne Eigeninitiative gelingt es nicht. Die Jobcenter-Berater kennen praktisch nie alle auf dem Markt befindlichen Optionen. Und gute Anlaufstellen können ebenso Industrie- und Handelskammern sein. Hinzu kommen Gespräche mit anderen arbeitslosen Akademikern in den Arbeitskreisen an manchen Hochschulen. Zusätzlich lassen sich in Eigenregie über das Internet Suchanfragen in manchen Online-Foren posten - oder der Lebenslauf in geeigneten Jobbörsen hochladen, um etwa die passive Jobsuche zu fördern - also das Gefundenwerden. So oder so: Wenn die aktuellen Qualifikationen ganz offenbar nicht reichen, kann Weiterbildung die Chancen erheblich steigern.

Über den Autor

Alex DahmiosAlex Dahmios, Jahrgang 1985, studierte Internationales Management in Hamburg und arbeitet heute als freier Mitarbeiter im Bereich Human Ressources bei cimdata.de. Er ist auf das Thema Talentscouting spezialisiert. Alles von Ausbildung, Studium bis hin zum Berufseinstieg gehört zu seinem Interessenbereich.

Ein ausführliches Dossier zum Thema "Arbeitslos nach dem Studium" finden Sie auf Karrierebibel HIER.

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