Ausbildungsgeld-Foerdermittel-Azubis-Geld
Gerade in den ersten Jahren bekommen Auszubildende nur ein geringes Gehalt. Bei einem mageren Ausbildungsgeld wohnt die Mehrheit der Azubis daher noch zuhause. Aber was ist, wenn Sie für die Ausbildung Ihren Wohnort wechseln müssen? Mit ein paar hundert Euro im Monat seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, ist schwierig, wenn Sie nicht bei den Eltern wohnen können: Miete, Essen, Strom - das alles will bezahlt werden. Aber wie? Gut, dass auch Azubis Anspruch auf finanzielle Unterstützung vom Staat haben...

Ausbildungsgeld: Finanzspritze für Auszubildende

Ausbildung-Gehalt-GeldAls Berufsanfänger auf eigenen Beinen stehen, ist nicht leicht. Doppelt so schwer ist es, wenn kaum eigene finanzielle Mittel vorhanden sind. Manchmal ist es jedoch notwendig seinen Heimatort zu verlassen und von zuhause auszuziehen, wenn sich beispielsweise eine gute Ausbildungsmöglichkeit in einer anderen Stadt ergibt. Damit das Ausbildungsvorhaben nicht an der finanziellen Situation scheitert, gibt es staatliche Unterstützung, die Azubis wahrnehmen können.

Folgende Angebote bietet der Staat an:

Ausbildungsgeld: Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)

Bei der Berufsausbildungsbeihilfe handelt es sich um eine Fördermaßnahme der Agentur für Arbeit.

  • Wird meine Ausbildung gefördert? Nur eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung wird unterstützt. Schulische Ausbildungen, wie beispielsweise die zum Physiotherapeuten, werden nicht gefördert. Auch wird nur die erste Ausbildung bezuschusst.
  • Wie erhalte ich die Unterstützung? Um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, müssen Sie einen Antrag bei der örtlichen Agentur für Arbeit stellen. Geprüft wird, ob Sie Anspruch auf die Beihilfe haben, unter Berücksichtigung des Einkommens Ihrer Eltern.
  • Wie lange erhalte ich Unterstützung? Für die Dauer Ihrer Ausbildung werden Sie finanziell unterstützt. Allerdings sollten Sie daran denken, den Antrag so früh wie möglich zu stellen, da Sie das Geld nur rückwirkend bis zum Monat Ihrer Antragstellung erhalten. Die Bearbeitungsdauer des Antrags kann sechs bis zehn Wochen dauern.

    BAB - Eine Beispielrechnung

    Sie beginnen Ihre Ausbildung zum 1. August, stellen den Antrag allerdings erst am 15. September, dann wird nach der Prüfung Ihres Antrags die Förderung rückwirkend ab dem 1. September ausgezahlt. Ihnen geht damit ein ganzer Monat verloren.


  • Wie hoch ist die Unterstützung? Die Höhe der Förderung hängt wiederum von zwei Faktoren ab:
    • Der Höhe Ihres Einkommens und des Einkommens Ihrer Eltern
    • Der Art Ihrer Unterbringung

    Eine Beispielrechnung der Agentur für Arbeit

    Sie sind ledig und haben eine Ausbildung in einer Stadt, zwei Fahrtstunden von Ihrem Elternhaus entfernt, gefunden. Für die Miete eines Zimmers in dieser Stadt müssten Sie 230 Euro zahlen. Ihr Gehalt beträgt 320 Euro.

    Folgende Kosten werden monatlich von der Agentur für Arbeit zugrunde gelegt:

    • Grundbedarf: 348 Euro
    • Miete: 149 Euro
    • Zuschlag für die Miete, falls 149 Euro überschritten werden: bis 75 Euro
    • Arbeitskleidung: 12 Euro
    • Fahrtkosten: 41 Euro
    • Familienheimfahrt: 14 Euro

    Insgesamt kommen Sie dann auf einen Bedarf von 639 Euro.

    Das ist allerdings nicht das Geld, das Sie von der Agentur für Arbeit erhalten. Darauf wird noch Ihr Gehalt und das von Ihren Eltern angerechnet. Ihr Gehalt beträgt 320 Euro, Ihnen wird ein Freibetrag von 58 Euro gewährt, bleibt noch ein Betrag von 262 Euro, der von dem Bedarf abgezogen wird. Ist das Einkommen Ihrer Eltern nun nicht zu hoch für eine Förderung, würden Sie 377 Euro von der Agentur für Arbeit erhalten.

    Wenn Sie diese Rechnung auch für Ihr richtiges Gehalt machen möchten, können Sie dafür den BAB-Rechner der Agentur für Arbeit nutzen.


  • Erhalte ich auch weiterhin Kindergeld? Ihre Eltern erhalten bis zu Ihrem 25. Lebensjahr Kindergeld in Höhe von 184 Euro für Sie. Der Anspruch bleibt weiterhin bestehen, aber das Kindergeld wird auf die Beihilfe angerechnet.
  • Was passiert, wenn ich die Ausbildung abbreche? Bei einer vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses wird geprüft, ob Sie die bereits erhaltenen Leistungen zurückzahlen müssen.
  • Muss ich das Geld zurückzahlen? Nein, die Berufsausbildungsbeihilfe ist kein Kredit. Die finanzielle Unterstützung müssen Sie im Anschluss an Ihre Ausbildung nicht zurückzahlen.
  • Was kann ich tun, wenn der Antrag abgelehnt wurde? Um die Kosten für die Miete aufbringen zu können, besteht noch die Möglichkeit Wohngeld zu beantragen. Hierfür brauchen Sie den Ablehnungsbescheid der Agentur für Arbeit und einen Nachweis darüber, dass Sie die Miete selbst tragen müssen. Dies geht allerdings auch nur, wenn Sie volljährig sind.

Ausbildungsgeld: Bafög für Schüler

Azubis, die eine schulische Ausbildung absolvieren, können Leistungen aus dem Bundesausbildungsförderungsgesetz beantragen. Anders als Studenten, müssen Sie diese aber nicht im Anschluss zurückzahlen. Hierfür stellen Sie einen Antrag beim Amt für Ausbildungsförderung. Genau wie bei der Berufsausbildungsbeihilfe wird nur das erste Ausbildungsvorhaben unterstützt. Auch hier wird das Einkommen der Eltern bei der Prüfung des Anspruchs berücksichtigt.

Weitere Informationen zum Bafög für Schüler halten Sie hier.

Für Bafög gilt: Anspruch auf Förderung haben nur Azubis, die nicht mehr zuhause wohnen. Das Beantragen der staatlichen Unterstützung ist in der Regel mit einer Menge Aufwand und Papierkram verbunden, doch die Mittel können Ihnen dabei helfen, Ihre beruflichen Ziele zu realisieren.

Weiterbildungsstipendium für Azubis

Zudem gibt es noch die Stiftung für Begabtenförderung, die neben mehreren Förderprogrammen für Studierende auch das Weiterbildungsstipendium verantwortet und organisiert. Dieses richtet sich an Azubis, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben und sich danach weiterbilden wollen. Details und Voraussetzungen zum Antrag und zur Gewährung finden Sie hier.

Über Weiterbildungsmöglichkeiten können Sie sich gratis hier informieren:

Förderprogramme für Azubis

Robert Kneschke/shutterstock.comMit den rein staatlich finanzierten Optionen sind die Fördermittel für Azubis jedoch noch nicht ausgereizt. Zusätzlich stehen Ihnen private und internationale - vorwiegend europäisch organisierte - Förderprogramme offen. Diese werden zwar staatlich unterstützt, jedoch privat organisiert.

Die wichtigsten Förderprogramme für Azubis sind:

  • Hermann-Strenger-Stipendien - Seit 2010 unterstützt die Bayer-Stiftung auch Azubis, die Erfahrungen im Ausland sammeln wollen. Für eine klassische Ausbildung in Deutschland ist diese Förderung zwar irrelevant, doch wenn ein Auslandsaufenthalt ansteht oder realisiert werden soll, ist diese Option definitiv einen Blick wert.
  • Leonardo da Vinci Mobilität - Der Name lässt es bereits erahnen: Hier handelt es sich um eine europäisch organisierte und finanzierte Initiative, mit der Azubis und Arbeitnehmern Auslandsaufenthalte und Weiterbildungen ermöglicht werden sollen. Hinter der Initiative verbirgt sich eine ganz Sammlung verschiedener Projekte. Eine Übersicht über den Projektpool finden Sie bei der NABIBB, der Nationalen Agentur bei Bundesinstitut für Berufsbildung.
  • DFJW-Stipendien - Auch das Deutsch-Französische-Jugendwerk vergibt Stipendien für Auslandsaufenthalte von Azubis. Die Förderung liegt bei 300 Euro pro Monat und ist maximal drei Monate lang möglich. Die konkreten Voraussetzungen und Bewerbungsmöglichkeiten finden Sie auf der Webseite des DFJW.

Neben den genannten Förderprogrammen gibt es noch eine Vielzahl privater Initiativen, die teilweise auch nur kurze Zeit Förderungen ermöglichen. Zwei empfehlenswerte Anlaufstellen für aktuelle Informationen rund um Förderungen für Azubis sind die Webseite Jugendbildung international und das Portal Go for Europe. Letzteres bietet auch eine Übersicht verschiedener europäischer Förderprogramme für Azubis (PDF) an. Wie aktuell die Informationen dieser konkreten Übersicht sind, lässt sich leider nicht beurteilen.

Abschließend bleibt: Wenn Sie als Azubi Förderprogramme in Anspruch nehmen wollen, müssen viel Eigeninitiative und -engagement zeigen. Dann stehen Ihre Chancen jedoch gut, finanzielle und organisatorische Unterstützung zu erhalten.

Bewerbung für Förderprogramme

Wenn Sie sich für Förderprogramme und Stipendien bewerben wollen, sollten Sie einige wichtige Grundsätze beachten. Im Zentrum Ihrer Bewerbung steht natürlich Ihre Motivation für die Ausbildung oder den konkreten Auslandsaufenthalt.

Daneben sollten Sie jedoch auch deutlich machen, welchen Nutzen Sie und Ihr Ausbildungsbetrieb von der Förderung haben. Außerdem lohnt es sich vor allem bei Stiftungen, einen Blick auf die Gründungsgeschichte und Werte der Organisation zu werfen. Weisen diese thematische Ähnlichkeiten und Überscheidungen zu Ihren Ziele und Ihrer Motivation auf, stehen Ihre Chancen gut.

Weitere Tipps für die Bewerbung um Stipendien & Co. finden Sie hier:

Gleich in unserer Jobbörse aktuelle Ausbildungsangebote finden

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


[Bildnachweis: Piotr Marcinski, Borys Vasylenko, Robert Kneschke by Shutterstock.com]