Bildungsurlaub: Antrag und Anerkennung
Sonne, blauer Himmel, Strand und das weite Meer - so oder so ähnlich stellen sich viele Arbeitnehmer ihren Urlaub vermutlich vor. Der Bildungsurlaub hat mit diesem Südsee-Idyll jedoch nur am Rande zu tun. Sicher, auch im Bildungsurlaub können Sie andere Länder kennenlernen, doch der Schwerpunkt liegt hier auf dem Wort Bildung. Denn der Bildungsurlaub bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, sich weiterzubilden und die eigene Wissensbasis auszubauen - wenn beim Antrag alles klappt...

Bildungsurlaub: Ein (fast) allgemeingültiger Rechtsanspruch

Die Ursprünge des Bildungsurlaubs liegen bereits etwas länger zurück: Nach einem Übereinkommen der Internationalen Arbeitnehmerorganisation (ILO) verpflichtete sich die Bundesrepublik im Jahre 1974 einen bezahlten Bildungsurlaub gesetzlich festzulegen. Dieser sollte der allgemeinen, beruflichen und auch gewerkschaftlichen Bildung dienen.

Das Problem: Bis heute gibt es kein Bundesgesetzt, das den Bildungsurlaub einheitlich regeln würde. Die meisten Bundesländer haben daher ersatzweise eigene Gesetze dazu erlassen. Die meisten, jedoch nicht alle. In vier Bundesländern gibt es nach wie vor kein Gesetz zum Bildungsurlaub:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Sachsen
  • Thüringen

Die Konsequenz: Arbeitnehmer, die in diesen Bundesländern arbeiten, haben keinen Rechtsanspruch auf Bildungsurlaub. Hier können Sie als Arbeitnehmer zwar mit Ihrem Arbeitgeber über individuelle Lösungen reden, doch dabei handelt es sich dann im Grunde um die Unterstützung einer Weiter- und Fortbildung, wie sie auch sonst möglich ist. Bildungsurlaub können Sie hier nicht in Anspruch nehmen.

Detailinformationen der Bundesländer zum Bildungsurlaub

Extra-Tipp-IconDie im Artikel aufgeführten Voraussetzungen und Tipps gelten zwar für alle Bundesländer mit einem Bildungsurlaubsgesetz, dennoch gibt es in jedem Bundesland leicht andere Regelungen. Die Details zu jedem Bundesland finden Sie dafür auf dem deutschen Bildungsserver.


Voraussetzungen und Antrag

Syda Productions/ShutterstockJeder Arbeitnehmer, in dessen Bundesland ein Bildungsgesetz in Kraft getreten ist, hat einen Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub im Jahr. Im Saarland sind es sogar sechs Tage, doch hier müssen Arbeitnehmer drei Tage arbeitsfreie Zeit einbringen. In den meisten Bundesländern haben Azubis und Beamte übrigens keinen Anspruch auf Bildungsurlaub.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, seinen Anspruch übergreifend von zwei Kalenderjahren zu nehmen, beispielsweise für einen längeren Auslandsaufenthalt. Sie sparen dann praktisch die fünf Tage im ersten Jahr an und nehmen zehn Tage im zweiten Jahr.

Vor dem ersten Antrag muss das Arbeitsverhältnis in den meisten Bundesländern mehr als sechs Monate - im Saarland zwölf Monate und in Rheinland-Pfalz sogar zwei Jahre - bestehen. Erst wenn diese Wartezeit absolviert ist, kann Bildungsurlaub beantragt werden.

Die Kosten für die Bildungsmaßnahmen werden in der Regel vom Arbeitnehmer selbst getragen. Das liegt daran, dass auch während der Freistellung das Gehalt vom Arbeitgeber weiter gezahlt wird. Dieser Paragraph variiert jedoch in den Bestimmungen der einzelnen Bundesländer.

Vor dem Antrag sind einige Punkte zu beachten:

  • Die Weiterbildungsmaßnahme mindestens sechs Stunden pro Tag umfassen und für Bildungsurlaub anerkannt sein.
  • Für den Antrag des Bildungsurlaubs ist immer der Arbeitsort und nicht der Wohnort entscheidend.
  • Ansprüche gegenüber des vorherigen Arbeitgebers können nicht auf einen neuen Arbeitsplatz übertragen werden.
  • Die Seminarkosten trägt der Arbeitnehmer selbst, denn der Arbeitgeber zahlt weiter das Gehalt.

Wichtig ist außerdem die Einhaltung der Antragsfristen, die - je nach Bundesland - zwischen vier und sechs Wochen liegen.

Geht ein Antrag später ein, kann der Arbeitgeber ihn ablehnen. Das gilt auch, wenn die beantragte Weiterbildung nicht für den Bildungsurlaub anerkannt ist oder der Arbeitgeber die fachliche Relevanz der Maßnahme für den Job begründet.

Im Fall einer Ablehnung können Sie als Arbeitgeber zwar die Prüfung Ihres Antrags mit Anwalt und Betriebsrat einfordern und vornehmen, das Verhältnis zu Ihrem Arbeitgeber wird dadurch jedoch nicht besser. Und fehlt der Bezug zum Arbeitsfeld, wird auch diese Prüfung negativ ausfallen.

Checkliste Bildungsurlaub

Bei Vorbereitung und Einreichung des Antrags auf Bildungsurlaub sollten Sie als Arbeitnehmer einige Punkte beachten. Die wichtigsten finden Sie in unserer Checkliste, die Sie auch als PDF herunterladen können:

  • Informieren Sie sich ausführlich darüber, welche Fortbildungsmaßnahmen in Ihrem Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt werden.
  • Prüfen Sie, ob für die gewählte Bildungsveranstaltung tatsächlich eine Anerkennung nach dem Bildungsgesetz Ihres Bundeslandes vorliegt.
  • Beantragen Sie den Kurs und warten Sie auf die Anmeldebestätigung des Veranstalters.
  • Informieren Sie Ihren Vorgesetzten rechtzeitig über etwaige Pläne (je nach Bundesland mindestens vier bis sechs Wochen vor Antritt des Seminars).
  • Informieren Sie Ihren Arbeitgeber bereits vor der Anmeldung über ihr Anliegen, um eventuelle Engpässe im Unternehmen zu umgehen.
  • Für den Antrag beim Arbeitgeber müssen Anmeldebestätigung, Anerkennung der Weiterbildung nach dem BiUrlG und gegebenenfalls ein Ablaufplan vorgelegt werden.
  • Sprechen Sie vorher auch mit Ihren Arbeitskollegen darüber! Das ist nicht nur von Vorteil für das Arbeitsklima, sondern auch um Überschneidungen von Urlaubstagen zu vermeiden.
  • Warten Sie auf die Bestätigung des Arbeitgebers.
  • Bewahren Sie alle Unterlagen gut auf, um diese später steuerrechtlich geltend machen zu können. Mit der jährlichen Steuererklärung besteht die Möglichkeit, etwaige Ausgaben im Bereich “Aufwendungen für Weiterbildung” geltend zu machen. Informieren Sie sich vorab beim Steuerberater oder beim Finanzamt.

Bildungsurlaub: Anerkennung der Fortbildung

Ollyy/shutterstock.comFür den Bildungsurlaub kommen klassischerweise Weiterbildungen wie Sprachkurse, EDV-Fortbildungen, Rhetorik-Kurse und Ähnliches in Frage. Welche Maßnahmen konkrete anerkannt sind, hängt von den Regelungen des jeweiligen Bundeslandes ab. Eine Weiterbildung, die in einem Bundesland anerkannt ist, wird daher in einem anderen Bundesland nicht automatisch akzeptiert.

Vor dem Antrag beim Arbeitgeber müssen sich Arbeitnehmer beim Weiterbildungsträger für die Maßnahme anmelden. Die Träger schicken in der Regel dann alle notwendigen Unterlagen zu, inklusive der Bestätigung der Anerkennung für den Bildungsurlaub. Auch ein Ablaufplan der Maßnahme kann vom Arbeitgeber gefordert werden.

Da Sie sich als Arbeitnehmer vor dem Antrag anmelden müssen, sollten Sie die Stornierungsbedingungen kritisch prüfen. Ideal sind Weiterbildungen, von denen Sie kostenlos zurücktreten können, sollte Ihr Antrag auf Bildungsurlaub nicht genehmigt werden.

Je nach Maßnahme, Bundesland und Arbeitgeber können Sie sogar Weiterbildungen im Ausland als Bildungsurlaub einreichen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da manche Bundesländer eine maximal Entfernung von 500 Kilometern für den Bildungsurlaub vorgeben.

[Bildnachweis: Luna Vandoorne, Syda Productions, Ollyy by Shutterstock.com]