Sergey Nivens/shutterstock.com
Ob im Vorstellungsgespräch oder auch im Berufsalltag: Die Kommunikation zwischen (Bald-)Chef und Mitarbeiter läuft leider in oftmals nur in eine Richtung. Der Vorgesetzte redet, der Angestellte hört zu, nickt und nimmt eher den passiven Part der Unterhaltung ein. Kein Wunder, dass sich viele Mitarbeiter selbst vornehmlich in der Rolle des Empfängers sehen. Natürlich antwortet man, doch die Initiative und auch die Fragen gehen meist vom Chef aus. Ein Fehler, denn nur wer fragt, kann wichtige Einblicke und Informationen erhalten, die sonst unausgesprochen bleiben, aber vielleicht trotzdem vorausgesetzt werden. Sollten Ihnen die Worte oder auch die Inspiration fehlen, haben wir 11 Fragen gesammelt, die Sie Ihrem Chef stellen sollten...

11 Fragen, die Sie Ihrem Chef stellen sollten

GaudiLab/shutterstock.comDie Fragen von Mitarbeitern an den Chef halten sich meist in einem sehr überschaubaren Rahmen. Man erkundigt sich nach Informationen zu Aufgaben, beteiligt sich im Meeting und betreibt natürlich den üblichen Smalltalk vor der Kaffeemaschine. Das ist zwar schon ein kleiner Anfang, von wirklich wichtigen Fragen aber noch ein Stück entfernt. Schade eigentlich, wo doch eine Menge Potenzial in den Antworten stecken kann. Wer nun sagt Ich weiß einfach nicht, was ich den Chef fragen soll... braucht in Zukunft eine andere Ausrede. Wir haben elf Fragen gesammelt, die Sie Ihrem Chef stellen sollten:

  1. Wie sehen sie mich aktuell

    Eine Frage, die Mitarbeiter regelmäßig stellen sollten, um den aktuellen Stand im Unternehmen und gerade auch beim Chef persönlich auszuloten. Es schadet nie zu hören, als welchen Teil des Teams der Vorgesetzte einen sieht. Anhand der Einschätzungen kann man bereits gut erkennen, ob man sich auf einem guten Weg befindet, um sich möglicherweise für zukünftige Beförderungen zu empfehlen oder den eigenen Verantwortungsbereich zu vergrößern.

    Allerdings sollte man dann auch bereit sein, die Antwort zu hören, wenn diese nicht so positiv ausfällt, wie man vielleicht erhofft hatte. Aber auch das ist natürlich eine Chance, die Erkenntnis, dass man nicht alleine für den Erfolg des Teams verantwortlich ist, kann aber schmerzhaft sein und das Ego ankratzen.

  2. Was macht für sie besonders gute Mitarbeiter aus?

    So wie sich Führungsstile von Chef zu Chef unterscheiden, variieren auch die Prioritäten was die Fähigkeiten und Eigenschaften der Mitarbeiter angeht. Die einen setzen auf Kreativität, andere auf Sorgfalt und große Konzentration und wieder andere sind von Ehrgeiz und großem Arbeitswillen beeindruckt. Achten Sie darauf, den richtigen Zeitpunkt für eine solche Frage zu finden, denn für die Kaffeeküche oder den Büroflur ist sie wohl kaum geeignet.

    Mit dieser Frage zeigen Sie ganz konkret: Ich möchte zu einem der besten Mitarbeiter gehören und mich dementsprechend weiterentwickeln. Versteifen Sie sich aber nicht zu sehr darauf, sondern bleiben Sie auch weiterhin sich selbst treu. Alles andere wirkt gespielt und unautenthisch.

  3. Welchen Kommunikationsstil bevorzugen sie?

    Direkte vis-a-vis Gespräche, E-Mails, Telefonate oder Meetings in der größeren Gruppe? Unterschiedliche Chefs bevorzugen auch unterschiedliche Kommunikationskanäle. Wissen Sie, wie Ihr Chef sich am liebsten austauscht und was er für besonders effizient hält? Wenn nicht sollten Sie ihn danach fragen und sich entsprechend anpassen.

    Gerade für Vorgesetzte macht Kommunikation einen wichtigen Teil der Arbeit aus, da sie im ständigen Austausch mit vielen verschiedenen Parteien stehen. Anstatt ihm die Arbeit zu erschweren, sollten Sie auf Ihren Chef zugehen - auch stellen Sie so sicher, dass Informationen auf jeden Fall ankommen und auch Beachtung finden.

  4. Was erwarten Sie im nächsten Jahr von mir?

    Als Personalverantwortlicher hat Ihr Chef vermutlich eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung davon, was er in nächster Zeit von seinen Mitarbeitern erwartet. Leider machen aber nur wenige den Schritt und teilen dies aktiv mit. Stattdessen wird stumm vorausgesetzt, dass die Mitarbeiter wissen, was von ihnen erwartet wird. Genau das ist aber in den meisten Fällen nicht der Fall und so sind am Ende beide Seiten frustriert.

    Wenn der Chef nicht auf Sie zu geht, machen Sie den ersten Schritt und erkundigen Sie sich nach seinen Erwartungen für die kommenden Monate oder das nächste Jahr. Wünscht er sich mehr Eigeninitiative, neue und frische Ideen oder sollen Sie sich einbringen und mehr Verantwortung übernehmen? Nur wenn Sie wissen, was erwartet wird, können Sie auch gezielt daran arbeiten, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

  5. Wo kann ich mich noch weiter verbessern?

    Nein, damit zeigen Sie keine Schwäche oder erinnern den Chef daran, dass Sie in manchen Bereichen noch Nachholbedarf haben. Vielmehr demonstrieren Sie Ehrgeiz und den Wunsch, noch besser zu werden und den Anforderungen nicht hinterherzuhecheln, sondern mit Ihren Fähigkeiten voranzugehen. Man drückt sich gerne davor, doch Feedback zum eigenen Potenzial sollte regelmäßig erfolgen, um sich nicht einfach auszuruhen und auf der Stelle zu treten.

    Nachdem das Thema zur Sprache gekommen ist, sollten Sie aber auch Taten folgen lassen. Sonst wird Ihr Chef sich möglicherweise wundern, was aus dem anfänglichen Elan geworden ist. Wenn Sie wissen, wo Sie noch an sich arbeiten können, dann sollten Sie dies nicht auf die lange Bank schieben, sondern handeln und so den Chef überzeugen.

  6. Kann ich mich an diesem Projekt beteiligen?

    Zu entscheiden, welcher Kollegen welches Projekt und welche Aufgabe übernimmt, obliegt dem Chef und den Teamleitern. Falsch wäre es jedoch, sich immer einfach damit abzufinden, sich aber insgeheim doch darüber zu ärgern. Fragen Sie stattdessen einfach nach, wenn ein Projekt Ihr Interesse geweckt hat oder Sie das Gefühl haben, mit Ihren Fähigkeiten oder Ihrem Wissen dazu beitragen zu können.

    Eventuell weiß Ihr Chef gar nicht, dass Sie sich auch für diesen Bereich interessieren - eben weil Sie das bisher noch nie angesprochen haben. Und natürlich ist es nie verkehrt, seine Motivation offen zu zeigen und dem Chef zu sagen, dass man gerne über den eigenen Tellerrand hinaus blicken möchte.

  7. Inwieweit wollen Sie in Entscheidungen einbezogen werden?

    Die Antwort auf diese Frage wird Ihnen Auskunft über den Führungsstil Ihres Vorgesetzten geben. Nimmt er es sehr genau, will über alles informiert werden und erwartet, dass Sie bei jeder Entscheidung und jeder Anpassung der Vorgehensweise Rücksprache halten? Oder lässt er Ihnen freiere Hand, kann Verantwortung abgeben und setzt darauf, dass seine Mitarbeiter auch in Eigenregie erfolgreich arbeiten können?

    Mit diesem Wissen können Sie besser mit dem Chef zusammenarbeiten, wissen aber auch, worauf Sie sich dabei einlassen. Nicht jeder Mitarbeiter kommt mit jedem Führungsstil zurecht, vielleicht brauchen Sie die Freiheiten und selbstständigen Entscheidungen. Bei möglichen Differenzen können Sie auch gleich versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden.

  8. Wie regelmäßig können Sie mir Feedback geben?

    Eigentlich sollten regelmäßige Feedbackgespräche zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem normal sein, in der Praxis sieht das allerdings ganz anders aus. Meist liegt es in den Händen der Angestellten, sich um regelmäßige Rückmeldungen zu kümmern. Das sollten Sie aber auch unbedingt tun. Nur weil Ihr Chef das Thema nicht anspricht, sollten Sie es nicht auf sich beruhen lassen.

    Am besten ist hier von Anfang an eine Regelmäßigkeit einzuführen, beispielsweise ein Gespräch im Abstand von drei Monaten. Damit ersparen Sie sich auch das erneute zur Sprache bringen. Wenn der Chef sich an die Absprache hält, reicht eine kurze Erinnerung per Mail aus.

  9. Sehen Sie Chancen für einen beruflichen Aufstieg?

    Manchmal muss man die Dinge einfach gerade heraus ansprechen und beim Namen nennen. Sie wollen sich in Zukunft beruflich weiter und genauer gesagt nach oben entwickeln? Dann fragen Sie Ihren Chef, ob diese Chancen in der nächsten Zeit gegeben sind. Nicht in jedem Unternehmen sind entsprechende Aufstiegschancen gegeben und es ist besser, dies möglichst früh und rechtzeitig zu erfahren, um die eigene Planung anpassen zu können.

    Sollte der Chef versuchen, sich aus dem Thema herauszureden, liefern Sie Beispiele. Etwa, dass Ihnen aufgefallen ist, dass die letzte Beförderung in der Abteilung schon eine ganze Weile her ist. Doch auch das Schweigen des Vorgesetzten können Sie als Antwort interpretieren, da es keinen Grund gibt, tatsächlich bestehende Chancen auf einen beruflichen Aufstieg zu verschweigen.

  10. Warum haben Sie mich eingestellt?

    Eine Frage, die Sie nicht nur kurz nach der Vertragsunterzeichnung stellen können. So können Sie erfahren, was der Chef in Ihnen gesehen hat und natürlich gleichzeitig abwägen, ob Sie diese Erwartungen auch erfüllen konnten. Zusätzlich zeigt Ihnen diese Information, wo Sie sich von anderen Mitarbeitern abheben können, um sich so eine Stellung als Experte auf einem bestimmten Gebiet zu erarbeiten.

    Der Grund für die Einstellung kann auch einen Vergleich zwischen Selbsteinschätzung und Fremdbild ermöglichen. Wo sehen Sie selbst Ihre größten Stärken und was sehen andere - insbesondere im beruflichen Kontext - in Ihnen? Auf diese Weise können Sie Ihre Außenwirkung besser verstehen und auch nutzen.

  11. Was halten Sie von...?

    Vorschläge und Ideen sollten der Motor in jedem Team sein, leider entwickelt sich jedoch oft eine falsche Einstellung in diesem Bereich. Gerade wenn der Chef den Eindruck vermittelt, neue Anreize würden ohnehin nicht ernst genommen und schon gar nicht umgesetzt, werden Anregungen nicht mehr geäußert, sondern gleich für sich behalten.

    Dennoch sollten Sie den Chef immer nach seiner Meinung fragen und Ihre Ideen vorbringen. Das kann frustrierend sein, wenn einige davon abgelehnt werden oder wenig Beachtung finden, aber nur so können Sie selbst mitgestalten, in welche Richtung sich das Team entwickelt und zeigen dem Chef gleichzeitig, dass Sie sich ernsthafte Gedanken über Verbesserungen machen.

[Bildnachweis: Sergey Nivens, by Shutterstock.com]