Ein Gastbeitrag von Olivera Wahl, Internet-Projektleiterin

OliveraWahlIch bewerbe mich seit über zehn Jahren ausschließlich digital, habe meine letzten beiden Festanstellungen über Initiativ-Bewerbungen mittels Xing bekommen und nutze aktuell unter anderem Twitter für die Akquise und Jobsuche. Ich wundere mich dabei, dass nicht mehr Bewerber digitale Möglichkeiten intensiv nutzen, um dem Traumjob ein Stück näher zu kommen. So höre ich regelmäßig:

    Xing – Bringt das denn was?
    Brauch ich nicht.
    Twitter ist doch Müll.

Aber ist das wirklich so? Was verpassen Bewerber, die sich ausschließlich auf Stellenangebote auf großen Jobbörsen bewerben? Wer sich auf ausgeschriebene Stellen bewirbt, konkurriert häufig mit Hunderten anderen Bewerbern. Derjenige zu werden, der den Job bekommt, ist nicht einfach.

Es geht auch anders

Idealerweise hat man schon während des Studiums oder während einer Festanstellung ein aussagekräftiges Profil zum Beispiel auf Xing angelegt. Hierzu gehören neben dem Foto, Interessen, beruflicher Werdegang, weitere Profile im Netz, Gruppenaktivitäten und Informationen darüber, was man sucht und bietet. Xing ist damit sehr gut geeignet, einen sehr guten ersten Eindruck von der eigenen Person zu geben. Außerdem kann man durch die weiteren Profile vertiefende Informationen anbieten. Das kann eine eigene Website oder Blog sein, die berufliche Kompetenzen veranschaulichen und zum Beispiel der Link zum eigenen Facebook und/oder Twitter-Account sein. Sehr gut finde ich auch ein Video, dass einen persönlichen Eindruck ermöglicht. So kann man eine Person natürlich viel besser einschätzen, wenn man nicht nur eine statische Seite vor sich hat, sondern den anderen live erlebt. Ich interessiere mich zum Beispiel sehr für digitales Lesen und habe ein Video gemacht, in dem ich einen Sony eBook-Reader vorstelle. Man kann auch nach seinem Namen googeln und schauen, ob es ein paar digitale Spuren gibt, die sich zum Verlinken eignen. Wenn man noch nicht über geeignete Inhalte verfügt, wird es höchste Zeit aktiv zu werden und sich im besten Licht zu präsentieren. Dass man sein Profil aktuell hält, versteht sich von selbst.

Desweiteren schaue ich nach einer Veranstaltung, wer von meinen neuen Gesprächspartnern auf Xing ist und füge diese zu meinem Netzwerk hinzu. So ist es wesentlich leichter, Kontakt zu halten. Und wenn sich beruflich bei einem etwas ändert, bekommen es die eigenen Kontakte über Neuigkeiten aus dem Netzwerk schnell mit.

Die erweiterte Suche von Xing ist außerdem sehr gut für Initiativ-Bewerbungen geeignet. Wenn man etwa auf Unternehmen klickt und aus allen Unternehmen sich die anzeigen lässt, die zu der Branche gehören, in der man arbeiten möchte, bekommt man einen sehr guten Überblick. Man kann die Suche auch auf eine bestimmte Stadt einschränken. Oder man probiert verschiedene Felder der Suche aus und guckt, wie sich die Suchergebnisse verändern. Teilweise schreiben Unternehmen nur in dem „Ich-suche-Feld“, dass sie neue Mitarbeiter brauchen. Auf diese Weise findet man regelmäßig Unternehmen, die nicht bereits Hunderte von Bewerbungen vorliegen haben. Sich hier umzuschauen, lohnt sich deshalb. Mit dem Market-Place habe ich nicht so positive Erfahrungen gemacht, weil sich dann wieder viele Bewerber auf eine Stelle konzentrieren.

Xing + Twitter = Flurfunk pur

Wer einen Schritt weiter gehen möchte, sucht auf Xing nach potenziellen Arbeitgebern und schaut bei den einzelnen Mitarbeitern, wer davon bei Twitter ist. Dann richtet man ein Twitterprofil ein und folgt gezielt den Xing-Menschen, die in der Zielbranche oder den anvisierten Unternehmen arbeiten. Ab sofort erfährt man, auf welche Veranstaltungen die potentiellen Kollegen gehen, welche Fachartikel ihnen besonders gefallen haben und man bekommt neue Themen mit, bevor sie in den Medien sind. Das ist Flurfunk pur und eine sehr gute Möglichkeit, sich mit der eigenen Branche stärker zu vernetzen.

Man kann bei Twitter anderen Fragen beantworten und den Dialog suchen. Die Informationen können helfen, von einer Stelle zu erfahren, bevor sie offiziell ausgeschrieben wird. Wichtig ist, dass man nicht nur Belanglosigkeiten twittert und es mit dem Selbstmarketing nicht übertreibt. Ich betreibe einen solchen speziellen Twitter-Account seit zwei Wochen. Hier folge ich fast ausschließlich Menschen, die in der Kölner Internet-Branche arbeiten und folge vielen tollen Links zu Studien, Fachartikeln und Veranstaltungshinweisen. So bin ich bestens informiert und konnte auch schon beruflich profitieren.

Aber auch Facebook kann bei der Jobsuche helfen. Als eine entfernte Bekannte bei Facebook schrieb, dass sie wegzieht und ihren Job gekündigt hat, habe ich mich direkt bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber beworben, da wir beruflich das Gleiche machen. Das zeigt, dass auch Facebook voller Jobchancen steckt. Gerade die Kombination aus Xing, Twitter und Facebook finde ich sehr vielversprechend, um früher von einer Stelle zu erfahren und besser informiert zu sein über den Arbeitgeber, das Team und die Tätigkeit.

Über die Autorin:
Olivera Wahl hat Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal studiert und arbeitet seit 1996 in der Internet-Branche. Sie hat für internationale Agenturen wie Argonauten G2 GmbH und Konzerne wie MGI Metro Group Information Technology und die Douglas Holding gearbeitet. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Internet-Projekte geleitet. Seit mehreren Jahren ist sie als freie Projektleiterin unterwegs und kann Referenzen wie Pixelpark, Lycos und Peek & Cloppenburg vorweisen.

GastbeitragDieser Artikel wurde für den Leser- und Autoren-Wettbewerb eingereicht. Am Ende des Wettbewerbs entscheidet die unabhängigste und kritischste Jury darüber, welcher Gastbeitrag der beste ist: die Leser.