Ich bewerbe mich seit über zehn Jahren ausschließlich digital, habe meine letzten beiden Festanstellungen über Initiativ-Bewerbungen mittels Xing bekommen und nutze aktuell unter anderem Twitter für die Akquise und Jobsuche. Ich wundere mich dabei, dass nicht mehr Bewerber digitale Möglichkeiten intensiv nutzen, um dem Traumjob ein Stück näher zu kommen. So höre ich regelmäßig:
Aber ist das wirklich so? Was verpassen Bewerber, die sich ausschließlich auf Stellenangebote auf großen Jobbörsen bewerben? Wer sich auf ausgeschriebene Stellen bewirbt, konkurriert häufig mit Hunderten anderen Bewerbern. Derjenige zu werden, der den Job bekommt, ist nicht einfach.
Idealerweise hat man schon während des Studiums oder während einer Festanstellung ein aussagekräftiges Profil zum Beispiel auf Xing angelegt. Hierzu gehören neben dem Foto, Interessen, beruflicher Werdegang, weitere Profile im Netz, Gruppenaktivitäten und Informationen darüber, was man sucht und bietet. Xing ist damit sehr gut geeignet, einen sehr guten ersten Eindruck von der eigenen Person zu geben. Außerdem kann man durch die weiteren Profile vertiefende Informationen anbieten. Das kann eine eigene Website oder Blog sein, die berufliche Kompetenzen veranschaulichen und zum Beispiel der Link zum eigenen Facebook und/oder Twitter-Account sein. Sehr gut finde ich auch ein Video, dass einen persönlichen Eindruck ermöglicht. So kann man eine Person natürlich viel besser einschätzen, wenn man nicht nur eine statische Seite vor sich hat, sondern den anderen live erlebt. Ich interessiere mich zum Beispiel sehr für digitales Lesen und habe ein Video gemacht, in dem ich einen Sony eBook-Reader vorstelle. Man kann auch nach seinem Namen googeln und schauen, ob es ein paar digitale Spuren gibt, die sich zum Verlinken eignen. Wenn man noch nicht über geeignete Inhalte verfügt, wird es höchste Zeit aktiv zu werden und sich im besten Licht zu präsentieren. Dass man sein Profil aktuell hält, versteht sich von selbst.
Desweiteren schaue ich nach einer Veranstaltung, wer von meinen neuen Gesprächspartnern auf Xing ist und füge diese zu meinem Netzwerk hinzu. So ist es wesentlich leichter, Kontakt zu halten. Und wenn sich beruflich bei einem etwas ändert, bekommen es die eigenen Kontakte über Neuigkeiten aus dem Netzwerk schnell mit.
Die erweiterte Suche von Xing ist außerdem sehr gut für Initiativ-Bewerbungen geeignet. Wenn man etwa auf Unternehmen klickt und aus allen Unternehmen sich die anzeigen lässt, die zu der Branche gehören, in der man arbeiten möchte, bekommt man einen sehr guten Überblick. Man kann die Suche auch auf eine bestimmte Stadt einschränken. Oder man probiert verschiedene Felder der Suche aus und guckt, wie sich die Suchergebnisse verändern. Teilweise schreiben Unternehmen nur in dem „Ich-suche-Feld“, dass sie neue Mitarbeiter brauchen. Auf diese Weise findet man regelmäßig Unternehmen, die nicht bereits Hunderte von Bewerbungen vorliegen haben. Sich hier umzuschauen, lohnt sich deshalb. Mit dem Market-Place habe ich nicht so positive Erfahrungen gemacht, weil sich dann wieder viele Bewerber auf eine Stelle konzentrieren.
Wer einen Schritt weiter gehen möchte, sucht auf Xing nach potenziellen Arbeitgebern und schaut bei den einzelnen Mitarbeitern, wer davon bei Twitter ist. Dann richtet man ein Twitterprofil ein und folgt gezielt den Xing-Menschen, die in der Zielbranche oder den anvisierten Unternehmen arbeiten. Ab sofort erfährt man, auf welche Veranstaltungen die potentiellen Kollegen gehen, welche Fachartikel ihnen besonders gefallen haben und man bekommt neue Themen mit, bevor sie in den Medien sind. Das ist Flurfunk pur und eine sehr gute Möglichkeit, sich mit der eigenen Branche stärker zu vernetzen.
Man kann bei Twitter anderen Fragen beantworten und den Dialog suchen. Die Informationen können helfen, von einer Stelle zu erfahren, bevor sie offiziell ausgeschrieben wird. Wichtig ist, dass man nicht nur Belanglosigkeiten twittert und es mit dem Selbstmarketing nicht übertreibt. Ich betreibe einen solchen speziellen Twitter-Account seit zwei Wochen. Hier folge ich fast ausschließlich Menschen, die in der Kölner Internet-Branche arbeiten und folge vielen tollen Links zu Studien, Fachartikeln und Veranstaltungshinweisen. So bin ich bestens informiert und konnte auch schon beruflich profitieren.
Aber auch Facebook kann bei der Jobsuche helfen. Als eine entfernte Bekannte bei Facebook schrieb, dass sie wegzieht und ihren Job gekündigt hat, habe ich mich direkt bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber beworben, da wir beruflich das Gleiche machen. Das zeigt, dass auch Facebook voller Jobchancen steckt. Gerade die Kombination aus Xing, Twitter und Facebook finde ich sehr vielversprechend, um früher von einer Stelle zu erfahren und besser informiert zu sein über den Arbeitgeber, das Team und die Tätigkeit.
Über die Autorin:
Olivera Wahl hat Wirtschaftswissenschaften in Wuppertal studiert und arbeitet seit 1996 in der Internet-Branche. Sie hat für internationale Agenturen wie Argonauten G2 GmbH und Konzerne wie MGI Metro Group Information Technology und die Douglas Holding gearbeitet. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Internet-Projekte geleitet. Seit mehreren Jahren ist sie als freie Projektleiterin unterwegs und kann Referenzen wie Pixelpark, Lycos und Peek & Cloppenburg vorweisen.
Dieser Artikel wurde für den Leser- und Autoren-Wettbewerb eingereicht. Am Ende des Wettbewerbs entscheidet die unabhängigste und kritischste Jury darüber, welcher Gastbeitrag der beste ist: die Leser.
1. Kommentar
Christian
07.10.09 um 07:12 Uhr
super Beitrag – es stimmt: XING hilft stark auch z.B. bei der Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen. Man kann sich im Vorfeld bereits ein Bild von der Firma und den dort arbeitenden Personen machen.
2. Kommentar
Johannes Lenz
07.10.09 um 11:27 Uhr
Hallo Frau Wahl und Herr Mai,
das ist ein wirklich gelungener Beitrag. alma mater rät seinen Bewerbern ebenfalls, die Jobsuche auf mehrere Säulen zu stellen, sprich Jobbörsen und soziale Medien. In einem der letzten Job Spezial habe ich zur Job- und Personalsuche 2.0 unter http://www.alma-mater.de/c3view.php?&c3p=689&c3l=de verschiedene Netzwerke vorgestellt, auch dank Ihrer Blogposts, Herr Mai.
Und wenn man sich mal etwas genauer anschaut, wer sich auf Twitter tummelt, stellt man fest, daß dort schon einige Jobsuchende sind, obwohl Statistiken zeigen, daß Twitter als solches noch nicht bei der Mehrheit der Deutschen angekommen ist.
In Verbindung mit Xing, dem Platzhirsch der Business-Netzwerke in Deutschland sowie Facebook, dem Gegenpart für die Sozialen Netzwerke weltweit bietet Twitter auch die Möglichkeit der Synergieeffekte, etwa bei der Aktualisierung des Contents bzw. Profilpflege.
Wichtig scheint mir schließlich für Bewerber zu sein, daß sie aktiv auf für ihre Jobsuche interessante Personen zu gehen. Denn Networking ist ja aktiver Dialog, wie Siem, Frau Wahl, schreiben. Manche scheinen dies gelegentlich zu vergessen… Vor allem ist dies ja auch wesentlich einfacher zu händeln, als per Mail oder gar per Brief…:)
Mit besten Grüßen aus Stuttgart
Johannes Lenz
3. Kommentar
Jane
07.10.09 um 11:53 Uhr
ich erlebe zur Zeit genau das Gegenteil und kann dem Bericht nicht zustimmen. Ich halte ihn für realitätsfern und die Beispiel mit der gekündigten Freundin unglaubwürdig! Wer wirklich auf der Suche nach einem festen seriösen Job ist, kommt an den gängigen Bewerbungsinstrumenten leider nicht vorbei.
4. Kommentar
Jochen Mai
07.10.09 um 12:09 Uhr
@Jane: Ich hatte den Artikel nicht als Bewerbungs-Alternative, sondern eher als Bewerbung-Ergänzung verstanden. Nur warum hälst du das Beispiel der gekündigten Freundin für unglaubwürdig?
5. Kommentar
Thorsten
07.10.09 um 13:36 Uhr
Hallo Olivera,
ein wirklich schöner Artikel der einen Einblick in die Vielfältigkeit der Social Media Möglichkeiten im Bezug auf die Jobsuche gewährt. Vielen ist leider immer noch nicht klar, welche Chancen für Bewerber in den Social Media Angeboten liegen. Dein Artikel wird da vielleicht andere animieren.
@Jane auch ich verstehe Deinen Einwand nicht wirklich. Verwechselst Du eventuell die halbseidenen Angebote in Spammails mit der Personalsuche der Unternehmen in Social Networks? Gerade im Bezug auf Seriösität und guten Karrierechancen, solltest Du für Deinen guten Ruf im Web sorgen. Und da gilt es eben genau diese Medien zu nutzen. Die aktive Nutzung Deinerseits, solltest Du lediglich als Zusatzchance sehen, um Dich im rechten Moment einbringen zu können, bzw. um auf Dich aufmerksam zu machen. Das der anschließende Bewerbungsprozess meist dann wie üblich abläuft ist dabei weder hinderlich noch ungewöhnlich. In dem Sinne: Keep On Networking
6. Kommentar
Olivera
07.10.09 um 15:14 Uhr
@Jane: Ich benutze nur reale Beispiele und das Facebook-Beispiel gehört auch dazu.
Ich muss sagen, als ich einen eigenen Twitter-Account für die Jobsuche eingerichtet hatte, habe ich nicht damit gerechnet, dass ich so stark davon profitieren würde. Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen.
Seit dem Schreiben meines Artikels ist wieder etwas Zeit vergangen und es hat sich wieder einiges getan. Deshalb fasse ich meine positivsten Erfahrungen kurz zusammen:
Durch Twitter wurde ich auf das Konzept “Personaler 2.0″ aufmerksam, dass ich vorher noch gar nicht kannte. Ich finde das Thema berulich für mich extrem spannend und hatte hierzu ein Vorstellungsgespräch, dass über Twitter zustande gekommen ist
Twitter ist gerade in Verbindung mit Blogs, Videos und Xing sehr gut geeignet, um sich besser auf ein Vorstellungsgespräch und den / die Gesprächspartner einzustimmen. Man bekommt einfach viel mehr mit, als wenn man sich ausschließlich auf Website und Pressemeldungen fokussiert.
Ich war auf der Kölner Messe “Zukunft Personal” und habe über Twitter unaufgefordert eine Freikarte im Wert von 75€ geschenkt bekommen. Das fand ich total nett.
Ich gehe auf mehr Veranstaltungen als in den vergangenen 10 Jahren zusammen. Dank Twitter kenne ich sehr viele spannende Veranstaltungen, bekomme diese rechtzeitig mit und lerne wöchentlich neue interessante Menschen kennen. Das ist ein sehr guter Turbo.
Die virtuelle / reale Vernetzung halte ich für sehr wichtig. Durch einen Kontakt aus dem realen Leben halte ich regelmäßig Vorträge bei der Agentur für Arbeit, wie Bewerber Xiing, Twitter und Co. bei der Jobsuche einsetzen können. ich bekomme ständig neue Einladungen zu Events (z.B. zum Google-Partner-Event, das mir sehr gut gefallen hat) oder auch zum Trendforum vom BVMW. Mein Netzwerk redet gerne über mein Wissen zu den Themen Online-Image, Vernetzung usw., so dass ich sehr regelmäßig Personen vorgestellt bekomme, die sich auch für meine Inhalte interessieren. Meine Akquise als Freiberuflerin hat dadurch sehr viel Schwung bekommen. Und es schärft mein eigenes Profil zu sehen, was ich weiß, wovon andere besonderes stark profitieren können.
Fazit: Innerhalb von nur 6 Wochen habe ich meine Einladungen zu Vorstellungsgesprächen auf 1-2 pro Woche gesteigert, halte regelmäßig Vorträge und präsentiere meine Ideen freiberuflich vor interessierten Unternehmern.
Es kann sein, dass das für andere unglaubwürdig klingt. Aber ich möchte diese Erfahrungen um keinen Preis missen. Es ist wichtig, loszumarschieren und plötzlich öffnen sich viele neue Türen. Ich muss dazu sagen, dass ich vorher schon 1 1/2 Jahre lang intensiv für meine eBook-Plattform Marketing gemacht habe und meine Erkenntnisse, die ich mir dort angeeignet habe, aktuell auf die Jobsuche übertrage. Mir macht das sehr viel Spaß, weil es eine sehr kreative und aktive Art ist, auf Jobsuche zu gehen. Ich werde auf jeden Fall so weiter machen und kann es nur empfehlen. Was andere daraus machen, bleibt jedem selbst überlassen.
7. Kommentar
Olivera
07.10.09 um 17:40 Uhr
@Jane: Was machst du für Erfahrungen? Da würde ich gerne mehr zu von dir erfahren.
8. Kommentar
Michael
08.10.09 um 11:40 Uhr
Eine kurzer Kommentar zu dem gelungenen Artikel.
Viele meiner Kollegen sowie ich selbst benutzen Business-Netzwerke als zusätzlichen Kanal für die Kandidatensuche. Entweder zur Ergänzung von bereits erhaltenen Bewerbungen oder zur Suche nach Kandidaten für sehr spezialisierte Aufgaben.
Eine solides und schlüssiges öffentliches Profil gibt dabei auf jeden fall Pluspunkte im Auswahlprozess .
Viele Grüße!
Michael
9. Kommentar
dirk
08.10.09 um 12:27 Uhr
Also ich habe vor mittlerweile mehr als drei Jahren meinen ersten Werkstudentenjob über XING gefunden, insofern hat es sich für mich gelohnt, dort präsent zu sein. Auch hilft es das eigene Netzwerk zu pflegen und bei einer Bewerbung kann es auch nicht schaden, wenn der Arbeitgeber sieht, dass man (im Idealfall) einen gemeinsamen Kontakt hat. Sicher ist ein gut gepflegtes Profil dort ein Pluspunkt.
Ich glaube es kommt aber schon sehr auf a) den Personaler und b) die Stelle und Branche an, ob Angebote wirklich per Xing kommen. Gerade Berufseinsteiger werden wohl nicht über Xing rekrutiert, sondern bewerben sich auf Ausschreibungen bzw. initiativ.
Bei Twitter bin ich um einiges skeptischer, besonders was Berufseinsteiger betrifft. Diese twittern in aller Regel nicht konsequent zu einem Themengebiet, sondern eben was ihnen so einfällt – ich möchte nicht, dass mein zukünftiger Arbeitgeber liest, was ich so bei Twitter von mir gebe (“Wie? Dem hat Film XY nicht gefallen? Komischer Typ…”). Die Tweets sind privat und nicht dazu geeignet, mich als Kandidaten bei der Jobsuche zu empfehlen.
Anders sieht es freilich bei etablierten Arbeitnehmern oder gar Selbständigen aus. Diese bauen gezielt ihre Marke bei Twitter, im Blog, in Netzwerken usw. aus – man kennt dann eben in bestimmten Kreisen Person X als Fachmann im Bereich XY. Hier ist Twitter also durchaus ein weiteres gutes Instrument zur persönlichen Markenbildung.
Als Berufseinsteiger sehe ich Blogs und Twitter nur dann als geeignet an, wenn die Person sich mit allem ihrem Online-Wirken auch auf den Bereich konzentriert, in dem sie später auch arbeiten will. Dabei kann ein eher privater (oder misslungener) Tweet oder Blogeintrag evtl. auch schon weitreichende Folgen haben.
10. Kommentar
Olivera
08.10.09 um 13:21 Uhr
@dirk: Ich bin der Meinung, dass sich durchdachte Initiative auszahlt, auch für Berufseinsteiger. Als ich 1996 ein Praktikum bei einer Internet-Agentur gesucht hatte, kamen zunächst keine Reaktionen auf meine Bewerbungen. Ich habe die Zwischenzeit genutzt, um neben dem Studium mit einer Freundin eine Website zu machen, auf der man Informationen zu einer spanischen Frucht bekommen konnte, die in Deutschland wenig bekannt ist, die man aber auch bei uns kaufen kann. Als dann eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kam, wurde ich gefragt, wie ich mir die Arbeit in einer Agentur vorstelle. Ich hatte damals von unserem Projekt erzählt und daraus abgeleitet, wie ich mir die Arbeit, die Abteilungen und Prozesse vorstelle. Ich fand es relativ einfach eine Antwort zu geben, weil ich durch das selbstinitiierte Projekt recht klare Vorstellungen hatte. Ich habe den Job bekommen. Ich denke, dass mir mein Projekt dabei geholfen hat, weil ich mich von anderen Bewerbern positiv abheben konnte. Das war noch vor meinem Berufseinstieg.
Natürlich hast du recht, dass man sich dessen bewusst sein muss, was man veröffentlicht und wie es bei wem wirken kann. Ich empfehle, deshalb nicht auf Aktivitäten zu verzichten, sondern diese aktiv zu steuern und sich vorab ein Konzept zu überlegen, dass man im Laufe seiner Aktivitäten anpassen kann.
Hier ein paar Tipps für Berufseinsteiger:
Ich würde über Xing gezielt nach Twitterern suchen, die bei den Firmen arbeiten, die für einen interessant sind. Wenn ich z.B: für BMW oder wo auch immer arbeiten will, folge ich BMW-Twitterern, die ich bei Xing gefunden habe. Mit der Zeit baue ich mir einen Account auf, wo ich meinen Wunsch-Arbeitgebern gezielt folge. So erfährt man als Berufseinsteiger aus erster Hand, welche Themen für den Wunscharbeitgeber relevant sind. DIese kann man in einem eigenen Blog reflektieren und bei Twitter bewerben. Wenn man sich mit seinen Tweets Mühe gibt, sein Wissen zu vertiefen und zu teilen, kann man relevanten Personen auffallen. Man ist plötzlich HR-Managern ein Begriff, ohne dass man seinen Schreibtisch verlassen hat.
Außerdem wird der Berufseinsteiger dazu befähigt, genau die Veranstaltungen zu besuchen, wo seine angestrebten Firmen anwesend sind und virtuelle Kontakte real zu vertiefen. Das ist unbezahlbar. Noch nie war es so einfach, die relevanten Veranstaltungen zu besuchen. Ich war allein in den letzten Wochen bei drei Events, wo eine Person anwesend war, bei der ich gerade eine Bewerbung am laufen habe. Dass die Person anwesend sein würde, wusste ich vorher.
Twitter bringt zusätzlich zu Xing eine Transparenz, von der auch Berufseinsteiger sehr profitieren können. Einziges Manko sehe ich in dem Fall, wenn ich bei Xing niemanden finde, der für mich relevant ist und twittert. Ich habe mir z.B. von 15 Kölnern Verlagen auf Xing die Mitarbeiterprofile angeschaut, nur um festzustellen, dass ich keinen einzigen Twitterer gefunden habe. D.h. hier hat Xing mich nicht weiter gebracht und ich greife auf andere Quellen zurück. So komme ich dann doch noch zu meinem Ziel, auch wenn es etwas umständlicher ist.
Ich kann jedem nur empfehlen, egal ob Berufseinsteiger, Angestellter oder Jobsuchender, mit seiner Zielgruppe zu verschmelzen. Hierdurch entstehen ganz neue Möglichkeiten für das Selbstmarketing, die Vernetzung und für die eigene Entwicklung. Mir tut es sehr gut mir zu überlegen, was ich twittern kann, was für andere wertvoll sein könnte. Auf der anderen Seite lerne ich dank Twitterern viele sehr spannende Themen in einer viel kürzeren Zeit kennen.
Gerade in Zeiten, wo es für Berufseinsteiger nicht einfach ist, den Einstieg zu schaffen, ist es besonders wichtig, anderen einen oder mehrere Schritte voraus zu sein und sich positiv abzuheben. Und während der eine noch Party-Fotos online stellt, schreibt ein anderer einen Blog zu seinen Lieblingsthemen, twittert darüber, vernetzt sich, lernt dazu und entwickelt sich weiter. Ich denke es ist klar, welchen Berufseinsteiger Unternehmen lieber kennen lernen möchten – vorausgesetzt das Unternehmen berücksichtigt solche Faktoren. Immerhin 30% der Arbeitgeber googeln nach Bewerbern. D.h. bei 30% der Arbeitgeber hat man die Möglichkeit zu punkten, wenn es einem gelingt, sich online beruflich interessant und für Unternehmen wertvoll zu präsentieren.
Da Übung den Meister macht, fängt man besser früher als später an :0)) Ich kann jedenfalls nur sagen, dass ich durch Abheben von der Masse, Vernetzung und Initiative an Jobs und Aufträge komme. Und nicht durch abfeiern und z.B. Fernseh gucken. Ich finde, dass Zeit, die Berufseinsteiger in ihr Selbstmarketing investieren, eine sehr sinnvolle Freizeitbeschäftigung ist. Man macht dadurch Erfahrungen, die einem viele Jahre im Job zu Gute kommen können.
11. Kommentar
Jekob
23.10.09 um 16:14 Uhr
Hallo an alle!
Ich finde es interessant, dass es hier lediglich eine, wenngleich leider auch wenig belegte, “Gegenstimme” gibt. Ich finde die Ausführungen von Olivera in der Theorie sehr stimmig, und natürlich gibt es immer wieder Positivbeispiele wie ihr eigenes. Vielleicht hatte sie Glück, vielleicht aber auch ein besonders geschicktes Händchen bei der “Jobsuche 2.0″, ich weiß es nicht. Dagegen weiß ich aber zu berichten, dass meine eigenen Erfahrungen ganz anders sind…
In den vergangenen neun Monaten befand ich mich in einem sehr aktiven Bewerbungsprozess. Etwa 60 Bewerbungen über die “üblichen Verdächtigen” von Monster über StepStone bis jobscout24 & Co. standen im Ergebnis ganze drei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen gegenüber. Parallel dazu habe ich meine Web-Aktivitäten stärker ausgedehnt. Schon seit Jahren benutze ich ein umfassendes Xing-Profil, bewege mich dort auch in Gruppen und poste Beiträge; ich habe LinkedIn- und facebook-Accounts, eine eigene Website und seit einiger Zeit auch einen Twitter-Account. Alle habe ich gezielt für meine Jobsuche eingesetzt. Das Ergebnis: Nicht eine einzige, für meinen Bewerbungsprozess positiv zu nutzende Reaktion!
Stattdessen gab’s sogar Beschwerden anderer Xing-Nutzer über eine gezielte Ansprache auf deren ganz konkreten “Ich suche”-Eintrag!
Vielleicht fehlte mir das Glück oder das Händchen – jedenfalls kann ich das von Olivera Erlebte nicht teilen. Die entscheidende Frage, die daraus resultiert, ist aber, wie man eben solche positiven Erfahrungen vermehren kann? Gezieltere Social Media-Schulungen von Bewerbern? Oder ein allgemein stärkeres Umdenken bei Personalern?
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