Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie haben dutzende Bücher und Artikel zum Zeitmanagement gelesen, haben unzählige Listen begonnen, umgeschrieben, neu strukturiert, Prioritäten gesetzt und verschiedenste Tools und Programme ausprobiert. Und alles hat eine gewisse Zeit lang funktioniert, doch schlussendlich stehen Sie immer wieder vor den gleichen Problemen: Aufgaben müssen erledigt und Entscheidungen getroffen werden. Und trotz aller Methoden und Systemen nimmt nach wie vor mehr Zeit in Anspruch, als es Ihnen lieb ist. Dann habe ich heute einen Vorschlag für Sie: Vergessen Sie all die ausgefeilten Zeitmanagement-Systeme und -Methoden, verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit Planung. Vertrauen Sie Ihrer Intuition, denn mehr brauchen Sie nicht, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Ja, Sie haben richtig gehört: Werfen Sie all die Methoden über Bord und fangen Sie auf keinen Fall mit dezidierter und ausgefeilter Planung an. Nein, ich habe nicht den Verstand verloren und ich Sie werden dadurch auch nicht im Chaos versinken. Im Gegenteil, Sie werden Entscheidungen schneller und einfacher treffen und deutlich mehr Zeit für die wichtigen Dinge haben.
Zeitmanagement ist nicht Aufgabenmanagement
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Sie sollen Zeitmanagement-Methoden vergessen, nicht Ihre To-Do-Listen aus dem Fenster werfen. Denn diese brauchen Sie für das Aufgabenmanagement und das ist etwas völlig anderes, als Zeitmanagement und Planung. natürlich sollten Sie Ihre Aufgaben nach wie vor an einem zentralen Ort und einem für Sie funktionierenden System sammeln. Doch die bestimmen nicht Ihre Entscheidungen und Prioritäten, denn diese gehören zum Zeitmanagement. Pardon, gehörten dazu, denn hier sollten Sie sch in Zukunft auf Ihre Intuition verlassen.
Intuition ist nicht kopflos
Wie bereits erwähnt: Das bedeutet nicht, dass Sie kopf- und gedankenlos einfach losstürmen und irgendeine Entscheidung treffen. Statt dessen nehmen Sie sich bei der nächsten Entscheidung Zeit und hören Sie auf Ihren Bauch, wie es so schön heißt. Wählen Sie die Option, die für Sie intuitiv die richtige ist. Vermeiden Sie bewusste und aktive Planung und Abwägung, verlassen Sie sich ganz auf Ihre Intuition. Das fühlt sich zu Beginn sicherlich seltsam an, doch im Lauf der Zeit und mit wachsender Erfahrung fällt es Ihnen leichter.
Die Vorteile
Warum um alles in der Welt sollten Sie das tun? Ganz einfach, Sie sparen dadurch einerseits Zeit, weil Sie Entscheidungen deutlich schneller treffen können. Andererseits werden Ihre Entscheidungen auch besser. Denn Ihre Intuition berücksichtigt viel mehr Faktoren und Risiken, als Sie es bewusst könnten.
Und so funktioniert’s
Wie komme ich zu dieser Behauptung? Ganz einfach, Intuition ist – wenn Sie ernst genommen wird – ganz und gar nicht unüberlegt und unstrukturiert. Ganz im Gegenteil, denn Ihre Intuition besteht aus all dem Wissen, den Methoden, den Erfahrungen und Überlegungen, die Sie zu einem bestimmten Thema bereits gesammelt haben. Im Endeffekt spielen also all die Bücher über Zeitmanagement auch bei Ihren intuitiven Entscheidungen eine Rolle. Denn unbewusst verarbeiten Sie viele Informationen und stellen Verknüpfungen mit verwandten Themen her, auf die Sie bewusst niemals kommen würden. Doch genau hier beginnt das Problem bewusster und überlegter Planung, denn das methodische Vorgehen hindert Sie daran, diese unbewusst vorhandenen Informationen zu nutzen und in die Entscheidung einfließen zu lassen. Gehen Sie deshalb bewusst einen Schritt zurück und schaffen Sie Ihrer Intuition Raum.
Nehmen Sie Intuition jedoch bitte nicht als Entschuldigung für unbedachte Entscheidungen. Denn darum geht es absolut nicht, intuitiv Entscheidungen zu treffen ist – mit etwas Übung – zwar schneller und einfacher, als diese Entscheidungen bewusst zu planen. Doch die Vorbereitung ist dennoch wichtig, denn wenn Sie uninformiert an eine Entscheidung heran gehen, verfügen Sie nicht über ausreichende Informationen, um eine intuitive Entscheidung treffen zu können.
Das Fazit? Sie sollten all die Methoden und Zeitmanagement-Ratgeber bei Seite legen und informierte, jedoch intuitive Entscheidungen treffen. Vertrauen Sie Ihrer Intuition für bessere und schneller Entscheidungen.







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Martin Geiger
Offen gestanden verstehe ich den Zusammenhang nicht wirklich. Aber wenn die Headline nur provokativ genug ist, finden sich sicher trotzdem zahlreiche Leser – und damit ist ja dann schon mal ein Ziel des Artikels erreicht.
Wahrscheinlich hat der Autor so seine persönlichen Herausforderungen mit dem Thema in dem Artikel verarbeitet und dann war er ja auch irgendwie nützlich. Sicher lässt sich in unserem Zeitalter mit Zeitmanagement-Know How aus vhs-Kursen oder Literatur a lá “Wenn Du es eilig hast, gehe langsam” kein Blumentopf mehr gewinnen.
Aber eine plausible Erklärung, warum ein funktionierendes und modernes Zeitmanagement und intuitive Entscheidungsprozesse im Widerspruch stehen, bleibt Herr Müller meines Erachtens schuldig.
Mit den Entscheidungen ist das ohnehin so eine Sache.
Wie war das gleich?
Drei Frösche sitzen auf einem Blatt.
Zwei davon entscheiden sich, ins Wasser zu springen.
Frage: Wieviele Frösche sitzen noch auf dem Blatt?
Antwort: Nach wie vor drei.
Eine Entscheidung – selbst eine intuitive – ist nichts wert, wenn Sie im Anschluss nicht umgesetzt wird. Und eine Umsetzung ohne Planung, Management der Ressoucen (z. B. Zeit) und Kontrolle der Ergebnisse ist schlicht Zeitverschwendung.
Und so wäre es für mich schon spannend zu erfahren, wie das ein Unternehmer mit zahlreichen Projekten so “planlos” hinkriegen soll?
Aber das Zeitmanagement treibt ja viele Blüten. Vielleicht liegt die Antwort ja in einer Vier-Stunden-Woche? ;-)
Christian Mueller
Guten Tag Herr Geiger,
interessant welche Schlussfolgerungen Sie aus dem Artikel im Hinblick auf meine Person ziehen, können Sie hellsehen? Spaß bei Seite, das sich Zeitmanagement und Intuition widersprechen schreibe ich nirgend im Artikel, im Gegenteil bildet das Wissen um Zeitmanagementmethoden die Grundlage für intuitive Entscheidungen. Es geht mir darum, dass die teilweise sehr formalisierte Planung und Umsetzung der Systeme mehr Zeit in Anspruch nimmt, als nötig wäre. Denn mit ausreichendem Wissen und Erfahrung lassen sich Entscheidungen intuitiv nun mal deutlich schneller und ebenso gut wenn nicht besser treffen.
Das dieser Ansatz für Einzelpersonen ausgelegt ist, wird im Artikel deutlich, daher verstehe ich nicht ganz, warum Sie das mit der organisation eines Unternehmens in Verbindung bringen.
Gruß,
Ch. Müller
Ivan Blatter
Im Gegensatz zu Kollega Geiger kann ich den Sinn des Artikels sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch der Meinung, dass wir uns zu wenig auf unsere Intuition verlassen.
Das heisst ja nicht gleich, dass man überhaupt nicht mehr denken oder planen soll – wie es ja auch im Artikel keineswegs gefordert wird. Doch wie Scott Ginsberg so schön sagt: “Planning is the gateway drug to procrastination.”
Er weist damit nur auf die Gefahr hin, vor lauter Planen nichts umzusetzen – eben wie die drei Frösche.
Schlussendlich haben wir mit unserer Intuition ein gutes Instrument “In der Hand”, das wir ruhig häufiger einsetzen können. Der Massstab ist bleibt aber immer der selbe: Erreichen wir unsere Ziele? Gelingt es uns, Dinge auch wirklich umzusetzen?
Daran muss sich auch die Intuition messen lassen.
Christian Mueller
Hallo Ivan,
gut auf den Punkt gebracht, darum geht es mir im Artikel. Intuition ohne Verstand und Wissen ist nicht nur sinnlos sondern auch gefährlich. Die Kombination macht es aus. Danke dir für den Kommentar.
Martin Geiger
Hallo Herr Müller!
Danke für Ihre schnelle Reaktion auf meinen Kommentar. Toll, dass Sie sich auch mit kritischen Stimmen auseinandersetzen.
Keinesfalls kann ich hellsehen, nennen wir es einfach Intuition. ;-)
Tatsächlich weiß ich zumindest aus eigener Erfahrung, dass wir oft lehren, was wir lernen müssen. Und da lag der Verdacht nahe …
Ich kann Ihren Ausführungen ja durchaus folgen und pflichte Ihnen in Sachen Entscheidungen auch gerne bei. Nur kann ich das von Ihnen beschriebene Problem eben beim besten Willen nicht im Zeitmanagement ausmachen. Genauso wenig, wie ich auf die Idee käme, Outlook für Prokastination verantwortlich zu machen. Es sind in meinen Augen schlicht zwei völlig unterschiedliche, weitestgehend voneinander unabhängige Bereiche.
Was den unternehmerischen Bezug angeht: Auch Firmen werden ja von Einzelpersonen geführt. Und hier spätestens greift ihr Ansatz eben nicht mehr.
Ach ja: Und dann war da noch die reißerische Überschrift.
Christian Mueller
Hallo Herr Geiger,
häte ich die Überschrift “Vergessen Sie formalisiertes Zeitmanagement und entscheiden Sie intuitiv” formuliert, so hätten Sie den Artikel vermutlich nicht gelesen und wir würden diese anregende Diskussion nicht führen, oder? Also hat die Überschrift Ihr Interesse geweckt, mehr sollte sie nicht.
Wie bereits im letzten Kommentar geschrieben: das Zeitmanagement ab sich ist nicht das Problem, die formalisierte Umsetzung schon.
Und was das Unternehmen betrifft: Sicher kann auch ein Geschäftsführer diese Methode für sich persönlich nutzen, nur eben für seine eigene Planung und nicht für die des Unternehmens. Darum ging es im Artikel aber auch gar nicht.
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