Zentangle: Meditatives Zeichnen zur Entspannung
Jeder Mensch entspannt auf seine individuelle Weise. Manch einer muss sich beim Sport auspowern, andere schauen ihre Lieblingsserie, einige stricken und andere hören Musik - und ganz aktuell erfreut sich Zentangle wachsender Beliebtheit. Zusätzlich zum klassischen Ansatz der Methode sind inzwischen überall an die Thematik angelehnte Bücher mit entsprechenden Motiven erhältlich, die zum meditativen Zeichnen und Malen einladen. Wir erklären, worum es beim Zentangle geht und zeigen fünf positive Effekte, die das entspannende Zeichnen so hilfreich machen...

Zentangle: Was ist das?

Nattapol Sritongcom/shutterstock.comDer Zentangle-Trend hat seinen Ursprung in den USA, wo das Konzept vom ehemaligen Mönch Rick Roberts und der Künstlerin Maria Thomas entwickelt wurde. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Entspannungstechnik für Erwachsene. Auf einem quadratischen weißen Papier mit einer Größe von neun mal neun Zentimetern wird mit schwarzer Tinte gezeichnet - ohne dabei ein bestimmtes Objekt oder Muster zu malen.

Was so einfach klingt, hat einen verblüffend starken Effekt: Es ist ungemein entspannend, sich auf nichts anderes zu konzentrieren und den Stress im Job und die Sorgen des Alltags für eine Weile zu vergessen.

Ein weiterer großer Vorteil des entspannenden Zeichnen ist die einfache Handhabung und die Integration in den Alltag: Es ist kein künstlerisches Talent erforderlich, jeder kann sofort loslegen - und dabei bleiben. Als tägliches Ritual mit lässt sich Zentangle überall mithin nehmen. Egal ob zu Hause, auf Geschäftsreise oder im Urlaub. Wie viel Zeit man sich nimmt, bleibt dabei jedem selbst überlassen.

Zentangle: Woher kommt der Name?

Der Begriff setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen, die einen unterschiedlichen Ursprung und scheinbar gegensätzliche Bedeutungen haben: Zen ist vielen aus dem Bereich der Meditation oder dem Zen-Buddhismus bekannt. Frei übersetzt bedeutet Zen in etwa zur Ruhe kommen.

Tangle stammt aus dem Englischen und bedeutet Durcheinander oder Gewirr.

Was wie ein Widerspruch klingt, passt jedoch tatsächlich sehr gut zur Methode: Tangle bezieht sich auf die Muster und Linien, aus denen die Vorlagen bestehen. Zen beschreibt auf der anderen Seite das Ziel, das durch das meditative Zeichnen erreicht werden soll.

Zentangle: 5 positive Effekte

  1. Der Kopf wird ausgeschaltet

    Die Gedanken kreisen ohne Unterbrechung, ständig fällt einem noch ein, was zu tun ist und es wird ein Szenario nach dem anderen im Kopf durchgespielt. Viele Menschen leiden unter ihren eigenen Gedanken, besonders wenn diese ins Negative rutschen.

    Zentangle kann helfen, für die Dauer des Zeichnens die ewigen Gedanken zu stoppen. Die volle Konzentration wird auf die aktuelle Aufgabe gerichtet, um negative Gedanken zu blockieren.

  2. Sie können sich auf den Moment konzentrieren

    Was wird Morgen sein? Und Übermorgen erst? Es wird immer schwieriger, im Hier und Jetzt zu leben und die Dinge zu genießen, die man hat. Stattdessen geht es nur noch darum, was haben könnte und was man dafür tun muss.

    Ein einfacher Vorgang wie das Zeichnen kann den Fokus auf die Gegenwart richten und die ständigen Sorgen der Zukunft mit Dankbarkeit für heutige Dinge ersetzen.

  3. Die Kreativität wird gefördert

    Nicht nur die künstlerische Kreativität wird positiv durch das Malen beeinflusst, sondern das gesamte kreative Denken verbessert sich. Grund hierfür sind die fehlenden Vorgaben des Zentangle. Jeder kann frei wählen, was er zeichnet und welcher Gestalt das Ergebnis sein wird. Es findet keine bewusste Auswahl statt, wodurch das Unbewusste die Zügel in die Hand nimmt.

    Studien zeigen immer wieder, dass wir gerade dann besonders kreativ sind, wenn die bewussten Gedanken weitestgehend heruntergefahren werden.

  4. Die Farben beeinflussen Ihre Stimmung

    Auch wenn Zentangle in seiner Urform schwarz-weiß ist, gehen viele dazu über, Farben in den Zeichenvorgang einzuarbeiten. Diese sind dabei weit mehr als schön anzusehen. Sie sind Ausdruck der eigenen Persönlichkeit - und beeinflussen unser Verhalten und unsere Emotionen. Zentangle ist dabei keine Ausnahme. Die Auswahl der Farben kann Aufschluss darüber geben, in welcher Gefühlslage man sich gerade befindet und diese sogar positiv beeinflussen.

    Ein bewusst fröhliches Bild zu gestalten, überträgt gleichzeitig positive Emotionen auf den Maler, der sich glücklicher, entspannter und stressfreier fühlt.

  5. Sie fühlen sich wieder wie ein Kind

    Ja, dies ist etwas Positives! Die kindliche Seite wird allzu oft unterdrückt und durch Forderungen nach Ernsthaftigkeit verdrängt. Dabei kann es befreiend sein, dass innere Kind ab und zu wieder hervorzuholen.

    Das Alter spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Der unbekümmerte, freie Blickwinkel eines Kindes kann helfen, manche Dinge in einem völlig neuen Licht zu betrachten.

Zentangle, Zendoodle und Zencolor: Wo ist der Unterschied?

Ein naher Verwandter des Zentangle ist das sogenannte Zendoodle, mit dem viele bereits Bekanntschaft gemacht haben, ohne den Namen zu kennen. Das Wort Doodle bedeutet kritzeln und genau ist das Zendoodle auch: Das unbewusste Kritzeln oder Malen, wenn man abgelenkt oder gelangweilt ist.

Viele Menschen neigen beispielsweise beim Telefonieren dazu, mit dem Stift auf einem Block zu kritzeln. Meist werden dafür einfache Muster genutzt, etwa Kreise oder Rechtecke, die miteinander verbunden werden.

Der Unterschied zwischen Zentangle und Zendoodle liegt in der Absicht. Wie die Bedeutung schon erahnen lässt, ist das Kritzeln ein unbewusster Prozess, der nebenbei ausgeführt wird, jedoch auch entspannend wirkt. Beim Zentangle richtet man seine Aufmerksamkeit bewusst auf das Zeichnen oder Malen.

Der bekannteste Ableger des Zentangle ist das Zencolor. In jeder Buchhandlung sind inzwischen entsprechende Bücher mit Vorlagen zu finden, die unterwegs oder zuhause ausgemalt werden können.

[Bildnachweis: panpilai paipa, Nattapol Sritongcom by Shutterstock.com]