Dienstreise Arbeitszeit Dienstreise Definition Geschäftsreise Dienstreise Unterschied
Wer zur Arbeit pendelt, der Jurist spricht dabei von Wegezeiten zwischen privater Wohnung und Büro, der arbeitet nicht. Folglich muss der Arbeitgeber dies auch nicht bezahlen, denn es ist Sache des Arbeitnehmers, wie er zu seinem Arbeitsplatz kommt. Deutlich schwieriger wird die Frage aber bei einer Dienstreise. Was ist dann mit der Hin- und Rückfahrt: Zählen diese automatisch als Arbeitszeiten und sind daher mit dem Gehalt zu bezahlen und auf die tägliche Arbeitszeit von rund acht Stunden anzurechnen? Oder gilt dies als Freizeit? Gute Frage! Aber ganz schwierige Antwort. Wir zeigen Ihnen, was Sie über Dienstreisen wissen müssen...

Dienstreise Definition: Unterschied zwischen Geschäftsreise und Dienstreise

Dienstreise Arbeitszeit Dienstreise Definition Geschäftsreise Dienstreise Unterschied Definition Dienstreise SteuerrechtAls Dienstreise werden solche Reisetätigkeiten bezeichnet, die ein Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen außerhalb seiner normalen Arbeitsstätte vorübergehend tätigt.

Sobald er seine auswärtige Arbeit erledigt hat, kehrt er an den üblichen Arbeitsplatz zurück. Wer zwischen mehreren Arbeitsplätzen verkehrt, macht keine Dienstreise, die Fahrtkosten werden dennoch dafür erstattet. Fahrten am selben Wohn- beziehungsweise Arbeitsort werden als Dienstgänge bezeichnet, werden aber steuerlich wie Dienstreisen behandelt.

Als Dienstreisen zählen beispielsweise Fahrten zu...

  • Besprechungen mit Kunden
  • Lieferanten
  • Kollegen an anderen Firmenstandorten
  • Ausstellungen
  • Messen
  • Seminaren
  • Tagungen
  • Unternehmen
  • Veranstaltungen

Bei Lehrern und Kursleitern zählen auch Klassenfahrten und Exkursionen als Dienstreisen.

Es bestehen einige Verwirrungen bezüglich solcher Begriffe wie Dienstreise und Geschäftsreise, zumal sie synonym verwendet werden. Die Schwierigkeit liegt darin, dass Dienstreisen nicht im Gesetz geregelt sind - tatsächlich ist im Steuerrecht weder von Dienst- noch Geschäftsreisen die Rede, sondern seit 2008 von der "beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit".

Nach Reiserecht handelt es sich bei Geschäftsreisen sogar um Individualreisen, das heißt, die Beförderung, der Aufenthalt und sonstige Reisebestandteile werden nach den Wünschen des Reisenden zusammengestellt und mit eigenen Mitteln bestritten. Dies trifft vor allem auf Selbständige zu.

Dienstreise: Entscheidend ist, wie Sie die Zeit verbringen

Dienstreise Geschäftsreise Arbeitszeit Überstunden ReisezeitDas Bundesarbeitsgericht (BAG) hat sich mit dem Thema, das immer wieder zu juristischen Auseinandersetzung führt, natürlich längst beschäftigt. Ergebnis: Es kommt darauf an, was der Arbeitnehmer während der Dienstreise im Wortsinn macht.

Sitzt er beispielsweise nur in der Bahn oder im Flieger, liest eine private Zeitschrift, isst oder döst, so gilt die Reisezeit als Ruhezeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes.

Eine Ruhezeit ist jener Zeitraum, in dem der Arbeitnehmer nicht arbeiten muss. Also eben auch dann, wenn der Chef zwar die Nutzung solch öffentlicher Verkehrsmittel anordnet, nicht aber auch noch, welche Aufgaben während der Fahrt erledigt werden müssen.

Wer also seine Zeit nach Belieben gestalten kann, solange er unterwegs ist, der verbringt dort keine Arbeitszeit und kann dafür auch keine Vergütung verlangen.

Aber gilt dies generell? Wir haben dazu auch unseren Arbeitsrechtkolumnisten und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Peter Groll, gefragt:

Muss der Mitarbeiter auf dem Weg zu einem Dienstgeschäft arbeiten (also Akten lesen oder andere Arbeitsaufgaben erledigen) handelt es sich um echte Arbeitszeit, die dann grundsätzlich auch vergütet werden muss.

Deutlich komplizierter wird es aber, sobald er Arbeitnehmer einen Dienstwagen (oder eigenen PKW) selber lenkt. In dem Fall kann er seine Zeit vernünftigerweise nicht frei gestalten, sondern muss sich auf den Verkehr konzentrieren. Damit ist die Reisezeit keine Ruhezeit mehr, sondern Arbeitszeit - vorausgesetzt, die Fahrt mit dem PKW war vom Arbeitgeber angeordnet.

Für mitfahrende Kollegen bedeutet das umgekehrt, dass ihre Reisezeit keine Arbeitszeit darstellt. Sie können sich ja theoretisch ausruhen.

Checkliste für den Arbeitvertrag

Dienstreise Arbeitszeit Geschäftsreise Dienstreise UnterschiedWenn absehbar ist, dass Sie beruflich und dienstlich viel reisen, sollte Ihr Arbeitsvertrag folgende Punkte explizit regeln:

  • Arbeitszeiten (Überstunden, Vergütung)
  • Spesen (Verkehrsmittel, Parken, Hotelauswahl, Einladungen)
  • Reiserabatte (Wer darf etwaige Bonusmeilen nutzen?)
  • Reiseversicherungen (Wer übernimmt die Kosten?)
  • Impfungen (Falls nötig, zahlt der Arbeitgeber?)

Dienstreise: Muss der Arbeitgeber Reisezeiten bezahlen?

Laut einer BAG-Entscheidung sind Reisezeiten, die nicht als Arbeitszeit einzuordnen sind, zwar nicht vergütungspflichtig - für die dienstübliche Arbeitszeit schuldet der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter aber dennoch eine Vergütung nach den Grundsätzen des Annahmeverzugs. Nichts bezahlen muss er dagegen, wenn die Reisezeiten über die dienstübliche Arbeitszeit hinausgehen.

Kompliziert. Gibt es denn wenigstens ein paar Faustregeln? Dazu wieder Peter Groll:

Als Grundsatz kann man sich merken, dass es darauf ankommt, ob man unterwegs auf Anordnung des Arbeitgebers arbeiten musste oder nicht. Der tägliche Weg zur Arbeit und zurück ist immer Privatvergnügen. Bevor man mit diesen Erkenntnissen jetzt aber zum Chef rennt und die Bezahlung seiner Tätigkeiten unterwegs verlangt, sollte man sich allerdings überlegen, ob das eine gute Idee ist. Den meisten Unternehmen haben die Rechtslage nicht unbedingt vor Augen und dürften allergisch auf solche Diskussionen reagieren.

Was die Ausgaben für Fahrt- und Übernachtungskosten, Verpflegungsaufwand und sonstige Aufwendungen anbelangt, so werden diese vom Arbeitgeber erstattet. Entsprechende Regelungen finden sich zumeist im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung.

Dienstreise: Antworten auf wichtige Fragen

Dienstreise Arbeitszeit Dienstreise Definition Geschäftsreise Dienstreise UnterschiedZum Thema Dienstreisen tauchen immer wieder viele Fragen auf. Wir haben uns einige der wichtigsten herausgesucht und geben Antworten, die Sie kennen sollten, wenn auch bei Ihnen in Zukunft die ein oder andere Dienstreise ansteht.

  • Wann darf ich den Firmenwagen nutzen?

    Es erklärt sich von selbst, dass ein Firmenwagen für berufliche Zwecke genutzt werden kann. Doch wie sieht es im privaten Bereich aus? Hier kommt es darauf an, was zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter vereinbart wurde. Ist die private Nutzung des Fahrzeugs nicht eindeutig erlaubt, steht der Wagen Ihnen nur für den Beruf zur Verfügung. Wurde die private Nutzung gestattet, muss der Dienstwagen allerdings versteuert werden.

  • Wo darf ich übernachten?

    Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass der Arbeitgeber festlegen darf, in welchem Hotel seine Mitarbeiter übernachten müssen. In Wahrheit kann das Unternehmen nur bedingt Einfluss nehmen, indem es vorgibt, welche Kosten für die Unterkunft angemessen sind. Hält der Mitarbeiter sich an diese Vorgaben, kann er auch selbst ein Hotel aussuchen.

    Übertreibt er es jedoch, muss er für den Schaden aufkommen. Deutlich schärfere Konsequenzen hat ein Spesenbetrug: Ein Arbeitnehmer, der bewusst falsch abrechnet - etwa seine Frau auf die Dienstreise mitnimmt - und dann den erhöhten Betrag fürs Doppelzimmer vom Hotel als Einzelzimmer dem Arbeitgeber in Rechnung stellt. Das kann im schlimmsten Fall zur Kündigung führen.

  • Was gilt für Außendienstler?

    Für Außendienstler gehört das ständige Reisen und Fahren zur täglichen Arbeit dazu. Dementsprechend besteht auch Anspruch auf eine Vergütung, da - wie oben erläutert - die Reisezeit als Arbeitszeit einzustufen ist.

  • Darf ich auf Dienstreisen auch privat etwas unternehmen?

    Wer eine längere Dienstreise antritt, möchte sich den Aufenthalt natürlich ein wenig verschönern. Dies ist natürlich erlaubt, solange die Arbeit nicht darunter leidet. Bezahlen muss das der Arbeitnehmer allerdings alleine, da es sich nicht um Arbeitszeit handelt, sondern um privates Vergnügen.

  • Was darf ich mit meinen Bonusmeilen machen?

    Mitarbeiter in großen internationalen Unternehmen sammeln oft viele Bonusmeilen an. Leider dürfen diese nicht einfach privat für den nächsten Urlaub genutzt werden. Solange keine explizite Erlaubnis des Arbeitgebers vorliegen, gehören die Bonusmeilen dem Unternehmen, auch wenn der Arbeitnehmer nicht darüber informiert wurde (§ 667 2. Alt. BGB).

    Zwar halten viele Fluggesellschaften mittlerweile in ihren AGB fest, dass die Bonusmeilen nicht übertragbar seien, aber auch das hat keinen Einfluss darauf, dass der Arbeitgeber der eigentliche Inhaber ist. Er kann verlangen, dass die Bonusmeilen ausschließlich für Dienstreisen verwendet werden (Urteil vom Landesarbeitsgericht Hamm, AZ: 14 Sa 496/05 und BAG , Az. 9 AZR 500/05).

    Ein strittiger Punkt ist die Frage nach dem Nachweis, wieviele Bonusmeilen angesammelt sein mögen: Denn die laufen über ein privates Konto des Arbeitnehmers und ohne Herausgabe des Kontostands oder der PIN kann ein Arbeitgeber die genaue Summe nicht nachvollziehen. Arbeitgebern wird daher empfohlen, für klare Verhältnisse zu sorgen, denn die Bonusmeilen sind ein geldwerter Vorteil. Sie eignen sich somit in Gehaltsverhandlungen mit dem Mitarbeiter, wenn eine Gehaltserhöhung beispielsweise aus betrieblichen Gründen nicht möglich ist.

    Allerdings kann das Thema Bonusmeilen für den Arbeitnehmer auch kritisch werden: Wenn es die Regel gibt, dass sie nur für Dienstreisen verbraucht werden dürfen und der Arbeitnehmer sie dennoch privat aufgebraucht hat, kann das zur Abmahnung oder schlimmstenfalls sogar Kündigung führen.

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