steuererklaerung 2017
Steuererklärung 2017: Manche müssen sie, andere dürfen sie abgeben. In vielen Fällen lohnt sich der Aufwand. Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Steuerrückerstattung bei 901 Euro. Und in diesem Jahr könnte die Erstattung noch üppiger ausfallen, immerhin haben sich die Rahmenbedingungen erneut geändert. Steuererklärung 2017- das müssen Sie wissen...

Steuererklärung 2017: Tipps, Fristen, Freibeträge

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch Ihre Steuererklärung 2017 jemals zu Gesicht bekommt, ist ziemlich gering.

Sofern nämlich für das Finanzamt kein Anlass besteht, Ihre Steuererklärung einer individuellen Prüfung zu unterziehen, kann die Maschine übernehmen. Dann erfolgt die Prüfung vollständig automationsgestützt.

Hintergrund ist das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens, das ab Januar 2017 schrittweise bis 2022 umgesetzt wird. So soll der Prozess digitaler, schlanker, schneller werden.

Sollten Sie allerdings darauf bestehen, dass ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut Ihre Steuererklärung prüft, können Sie das im Freitextfeld angeben.

Frist: Bis wann muss ich die Steuererklärung abgeben?

Wer eine Steuererklärung für das Jahr 2016 abgeben will oder muss, hat bis zum 31. Mai 2017 Zeit dafür. Die Frist kann aber in den meisten Fällen relativ problemlos verlängert werden.

Stellen Sie am am besten einen schriftlichen Antrag auf Fristverlängerung und begründen Sie ihn: Es könnte ja sein, dass Ihnen noch wichtige Unterlagen fehlen oder Sie längere Zeit wegen einer Krankheit außer Gefecht gesetzt waren. Oft genügt auch ein kurzer Anruf beim zuständigen Finanzamt.

Wer einen Steuerberater hinzuzieht, hat sogar bis Silvester 2017 Zeit, um die Steuererklärung abzuliefern. Und eine Fristverlängerung um weitere zwei Monate ist ebenfalls noch möglich.

Steuerklärung: Nicht verpassen!

Steuerklärung: Nicht verpassenHalten Sie unbedingt die Frist ein - oder lassen Sie sie rechtzeitig verlängern!

Wer das Stichdatum verpasst, muss sich darauf einstellen, mehrere Erinnerungsschreiben im Briefkasten vorzufinden - mit immer neuen Abgabeterminen. Werden auch diese Fristen versäumt, drohen Zwangsgeld und Verspätungszuschlag von bis zu zehn Prozent des festgesetzten Steuerbetrags.

Versäumen Sie schlussendlich auch die letzte Frist, wird das Finanzamt Ihre Steuerlast schätzen. Die Schätzung fällt dabei meist zu Ungunsten des Steuerzahlers aus.

Belege: Welche muss ich einreichen?

Die Steuererklärung soll einfacher werden - für beide Seiten. Daher müssen Sie nun keine Papier-Belege mehr hinterhersenden, wenn Sie Ihre Steuererklärung auf elektronischem Weg übermittelt haben.

Nur wenn das Finanzamt einzelne Rechnungen oder Bescheinigungen sehen will, fordert es sie aktiv bei Ihnen an. Das ist insbesondere bei Spenden relevant. Spendenquittungen von gemeinnützigen oder anderen Organisationen werden oftmals automatisch ans Finanzamt übermittelt, ein papierner Beleg wird überflüssig.

Wenn das Finanzamt aber einzelne Belege einfordert, dann können Sie diese vermehrt digital hochladen und versenden. Das könnte vor allem bei Bankenbescheinigungen über die Kapitalertragssteuer der Fall sein. Diese Belege können Sie jetzt auch mailen oder im Elster-Portal hochladen.

Korrekturen: Was, wenn ich einen Fehler gemacht habe?

Auch - oder gerade - in die Steuererklärung kann sich der Fehlerteufel einschleichen.

Wer einen Schreib- oder Rechenfehler gemacht und seinen Fehler nicht innerhalb der Einspruchsfrist bemerkt hatte, konnte diesen bislang nicht korrigieren. Ab dem 1. Januar 2017 ist dies aufgrund einer Änderung der Abgabenordnung möglich. Nun muss das Finanzamt den Fehler berücksichtigen und ändern.

Das gilt im Übrigen auch dann, wenn der Fehler bei einer dritten Partei liegt. Hat zum Beispiel die Rentenversicherung falsche Angaben an das Finanzamt übermittelt, muss der Steuerbescheid ebenfalls aufgehoben oder geändert werden - auch dann, wenn die Einspruchsfrist längst abgelaufen ist.

Freibeträge: Wie hoch sind sie?

Für 2017 gelten neue Freibeträge, für Steuerzahler verringert sich entsprechend die Abgabenlast:

  • Der Grundfreibetrag von 8.652 Euro erhöht sich um 168 Euro auf 8.820 Euro.
  • Der Kinderfreibetrag von 4.608 Euro erhöht sich um 108 Euro auf 4.716 Euro.
  • Das monatliche Kindergeld steigt um zwei Euro. Für das erste und zweite Kind erhöht sich das Kindergeld von 190 Euro auf 192 Euro, für das dritte Kind von 196 Euro auf 198 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind von 221 Euro auf 223 Euro.
  • Der Unterhaltshöchstbetrag von 8.652 Euro erhöht sich entsprechend der Anhebung des Grundfreibetrags um 168 Euro auf 8.820 Euro. Den Unterhaltshöchsbetrag können Personen, die den Ex-Partner oder bedürftige Angehörige pflegen, als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Kalte Progression: Ändert sie sich?

Das Bundesfinanzministerium schreibt - für den Laien kryptisch - von einem "Ausgleich der kalten Progression durch Verschiebung der übrigen Tarifeckwerte um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2016 (0,73 Prozent) nach rechts."

Praktisch bedeutet das, dass zum Beispiel der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bei Ledigen erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 53.666 Euro greift. Im Vorjahr lag die Grenze noch bei 52.882 Euro.

Für den Steuerzahler führt die Anpassung insgesamt zu einer geringfügigen Abmilderung der kalten Progression und damit zu einer etwas geringeren Steuerlast bei gleichbleibendem Einkommen.

Andererseits steigen die Sozialbeiträge und machen den Zugewinn oft wieder zunichte. So liegt der Beitrag zur Pflegeversicherung seit Januar 2017 für Kinderlose bei 2,8 Prozent des Einkommens, für Versicherte mit Kindern bei 2,55 Prozent. Auch die Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen erhöhen die Abgabenlast.

Steuererklärung: So holen Sie das meiste raus

Steuererklärung 2017 HilfeSie benötigen Hilfe bei der Steuererklärung? Hier gibt's noch mehr Tipps:

Umzug: Kann ich die Kosten absetzen?

Wer aus beruflichen Gründen umzieht, kann die Umzugskosten als Werbungskosten absetzen. Dazu zählen etwa die Kosten für Spedition, Makler und Renovierung, sogar für Trinkgelder und Verpflegung für die Helfer. Dazu sind jedoch Belege nötig, die aufwändig gesammelt werden müssen.

Eine Alternative ist die Umzugskostenpauschale, die ohne Zettelwirtschaft auskommt und nun angehoben wurde. So dürfen Verheiratete und Alleinerziehende für Umzüge, die nach dem 1. Februar 2017 enden, pauschal 1.528 Euro als sonstige Umzugskosten absetzen. Für jede weitere Person im Haushalt kommen 337 Euro hinzu.

Eine fünfköpfige Familie kann so eine Umzugskostenpauschale von insgesamt 2.539 Euro in der Steuererklärung geltend machen.

Behinderten-Pauschbetrag: Wie bekomme ich ihn?

Der Behinderten-Pauschbetrag verringert das zu versteuernde Einkommen - je nach Grad der Behinderung - um 310 Euro bis 3.700 Euro pro Jahr. Wer ihn in Anspruch nehmen will, muss dem Finanzamt entsprechende Unterlagen und Nachweise zur Behinderung vorlegen.

Neu: Dieser Nachweis muss nicht mehr alljährlich vorgelegt werden, sondern lediglich dann, wenn der Behinderten-Pauschbetrag zum ersten Mal beantragt wird - oder wenn sich am Grad der Behinderung etwas ändert oder das Finanzamt den Nachweis aktiv anfordert.

Altersvorsorge: Was kann ich absetzen?

Für Sparer wird es einfacher, Aufwendungen für die Altersvorsorge abzusetzen. Beiträge zur gesetzlichen Rentenkasse, zu beruflichen Versorgungswerken oder zur Rürup-Rente können bis zu einem Höchstbetrag von 23.362 Euro steuerfrei eingezahlt werden. Im Vorjahr lag die Grenze noch bei 22.767 Euro.

Auch wächst der Anteil, den das Finanzamt berücksichtigt, von 82 auf 84 Prozent. Damit sind 2017 maximal 19.624 Euro als Sonderausgaben absetzbar.

Auch können Arbeitnehmer maximal 3.048 Euro ihres Gehalts in eine Direktversicherung, Pensions- oder Unterstützungskasse investieren - steuer- und sozialversicherungsfrei. Im Jahr 2016 waren es erst 2.976 Euro.

Rente: Wie viel muss ich versteuern?

Für die 21 Millionen Rentner in Deutschland steigen die Altersbezüge auch in diesem Jahr kräftig. Zum 1. Juli 2017 gibt es im Westen 1,9 Prozent und im Osten 3,6 Prozent mehr.

Was aber nicht vergessen werden sollte: Auch der Anteil der Rente, die versteuert werden muss, steigt. Wer im Jahr 2017 in Rente geht, muss bereits 74 Prozent seiner Rentenbezüge versteuern. Neu-Rentner des vergangenen Jahres müssen nur 72 Prozent versteuern. Dieser Anteil steigt nun Jahr für Jahr um jeweils zwei Prozent, bis im Jahr 2040 jeder Rentner seine Rente zu 100 Prozent wird versteuern müssen.

Und: Wegen ihrer Rentenerhöhung müssen Rentner - die kalte Progression ist mal wieder Schuld - oftmals mehr Steuern zahlen. Auf der anderen Seite haben sie aber auch die Möglichkeit, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen abzusetzen.

Steuerprogramme: Das sind die besten

Steuererklärung 2017 Steuerprogramme Steuersoftware führt einen Schritt für Schritt durch die Unterlagen. Im besten Fall ganz bequem und mühelos. Aber welches Programm kaufen?

Die Stiftung Warentest nahm insgesamt elf Programme unter die Lupe. Sechs davon müssen heruntergeladen und auf dem Rechner installiert werden. Die anderen fünf kann der User direkt im Browser - und damit auch auf einem Tablet oder gar Smartphone - nutzen.

Testsieger der Warentester wurde das Wiso Steuersparbuch 2017, das mittlerweile schon für rund 25 Euro zu haben ist. Tax 2017, ebenfalls aus dem Hause Buhl, ist vom Leistungsumfang geringer, aber mit rund zehn Euro auch deutlich billiger. Beide Programme berechneten die Steuern am zuverlässigsten und waren zudem in der Handhabung gut. Auch Wiso Steuerweb - das sich im Browser nutzen lässt - erhielt gute Noten.

Die Steuersparerklärung 2017 sowie Steuereasy 2017 - beide von Kontrahent Wolters Kluwer - erhielten dagegen nur mittelmäßige Bewertungen. Ganz hinten landeten der Steuerfuchs und Lohnsteuer Kompakt. Ihr größtes Manko: die Berechnung der Steuererstattung.

[Bildnachweis: Africa Studio, Design Seed by Shutterstock.com]

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