Worauf OTTO bei der Bewerbung achtet

Die formalen Kriterien bei Bewerbungen mögen feststehen, doch jedes Unternehmen setzt ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Beim einen kommt es vor allem auf die Softskills und die sozialen Fähigkeiten des Bewerbers an, während das andere Unternehmen primär auf die fachlichen Kompetenzen und das Layout der Bewerbungsunterlagen achtet. Um Ihnen einen Blick in die Auswahlprozesse von Unternehmen zu bieten, haben wir verschiedene Firmen mit Hilfe eines Fragebogens zu deren Bewerbungsprozess interviewt. Die Antworten veröffentlichen wir im Rahmen unserer Serie Arbeitgeberchecks, heute stammen sie von Ireen Baumgart, Leiterin des OTTO-Recruitments…

Worauf OTTO bei der Bewerbung achtet

Worauf OTTO bei der Bewerbung achtet

Als eines der größten Versandunternehmen verfügt OTTO über zahlreiche Abteilungen. Daher hat das Unternehmen ständig mehrere Stellenangebote für verschiedene Positionen ausgeschrieben. Ein kreatives Anschreiben ist bei OTTO – richtig gestaltet – gern gesehen und kann die Aufmerksamkeit des zuständigen Personalers auf sich lenken. Wir danken für die schnelle Beantwortung der Fragen.

  • Bewerbungsmappen – lieber Hochglanz oder Pappe?
    Am besten online über unseren Online-Bewerbungsbogen – das spart die Mappe. Bei OTTO ist das sowieso schon die meist gewählte Bewerbungsform. Nur noch vereinzelt, insbesondere bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz oder im Kreativbereich, erhalten wir überhaupt Bewerbungen in Papierform.
  • Anschreiben – lieber klassisch oder kreativ?
    Immer zur ausgeschriebenen Position passend. Ist ein Anschreiben aber einmal etwas ungewöhnlicher formuliert und aufgebaut, erhöht das natürlich den Aufmerksamkeitsgrad des Personalreferenten. Schließlich liest dieser eine Vielzahl an Bewerbungen pro Tag. Da fällt Kreativität auf.
  • Eine oder zwei Seiten für das Anschreiben?
    Im Anschreiben sollte sich ein Bewerber auf das Wesentliche konzentrieren und die Dinge auf den Punkt bringen. Eine Seite ist dabei oft vollkommen ausreichend.
  • Youtube-Videos und Blogs als Ergänzung?
    Wenn es zur ausgeschriebenen Position passt, können solche zusätzlichen Informationsangebote über den Bewerber eine tolle Ergänzung sein.
  • Wie viele Tippfehler sind das Aus?
    Mit einer Bewerbung präsentiert sich ein Kandidat bei einem potenziell zukünftigen Arbeitgeber. Deshalb sollten die Bewerbungsunterlagen immer mit viel Sorgfalt erstellt werden. Dabei kann natürlich mal ein Tippfehler passieren. Aber eine Häufung von Rechtschreibfehlern lässt durchaus auf eine unachtsame Arbeitsweise schließen und das könnte dann schon zu einer Ablehnung führen, bevor überhaupt Gespräche geführt wurden. Wer sich also in der deutschen Rechtschreibung nicht ganz zu Hause fühlt, sollte deshalb vor Versand seiner Unterlagen noch einmal eine Vertrauensperson Korrektur lesen lassen.
  • Gehaltsvorstellungen angeben?
    Wenn in der Ausschreibung danach gefragt wird: unbedingt.
  • Das größte Tabu in der Bewerbung?
    Private Fotos, ein falscher Ansprechpartner, ein oberflächlich erstellter Lebenslauf beziehungsweise Anschreiben – all das sollte ein Bewerber unbedingt vermeiden.
  • Lebenslauf – chronologisch, amerikanisch oder thematisch?
    Die Form des Lebenslaufes ist für uns nicht wichtig. Was für uns zählt, ist eine gute Struktur und ein guter Aussagewert.
  • Interessieren Hobbys?
    Ja, vor allem wenn sie einen Bezug zur Stelle haben beziehungsweise Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Bewerbers geben.
  • Mit oder ohne Bewerbungsfoto?
    Ein Foto ist heute kein Muss mehr, aber wir freuen uns, wenn eines mitgesendet wird. Bewerbungen ohne Foto werden in der Zukunft übrigens mehr und mehr zunehmen. Daran werden sich die Personalbereiche der Unternehmen gewöhnen müssen.
  • Farbe oder Schwarz/Weiß?
    Das ist eine reine Geschmackssache. Ich persönlich mag Schwarz-Weiß-Fotos.
  • Dritte Seite – ja oder nein?
    Eher nein, denn ich bin vom Nutzen einer dritten Seite nicht überzeugt und empfehle eine solche nur, wenn der Inhalt tatsächlich einen relevanten Aussagewert über den Kandidaten hat. Am besten lernen wir unsere Bewerber immer noch persönlich im Videointerview oder in einem ersten Gespräch kennen.
  • Wie viele Zeugnisse dazu?
    In den meisten Fällen reichen die Zeugnisse der letzten Abschlüsse.
  • Ist Nachfragen nach zwei Wochen okay?
    Sollte der Bewerbung keine Eingangsbestätigung folgen, ist eine Nachfrage nach 14 Tagen legitim. Bei OTTO bestätigen wir den Erhalt der Unterlagen immer unmittelbar, bearbeiten die Bewerbungen zeitnah und geben dann schnell Feedback.
  • Wie viele Initiativbewerber bekamen zuletzt einen Job?
    Dazu gibt es bei uns keine Auswertungen. Da wir bei OTTO aber immer viele Stellenausschreibungen haben, lohnt es sich, sich ganz gezielt auf diese zu bewerben.
  • Googlen Sie Kandidaten?
    Nein! Sollte uns aber aus einer Bewerbung keine ausreichenden Informationen über den Kandidaten hervorgehen, schauen wir maximal auf der Businessplattform Xing, ob ergänzende Informationen vom Bewerber hinterlegt worden sind. Manche Kandidaten schicken uns ergänzend zur klassischen Unterlage auch Links zu eigenen Blogs oder Youtube-Videos. Diese schauen wir uns dann aber gern an.
  • Wie lange dauert der Bewerbungsprozess im Schnitt?
    Das ist immer ganz unterschiedlich und hängt entscheidend von der zu besetztenden Position ab. Eine Durchschnittszahl ließe sich deshalb nur schwer ermitteln.
  • Der gruseligste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
    Draußen sind minus zehn Grad und der Bewerber kommt im T-Shirt zum Bewerbungsgespräch.
  • Der genialste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
    Es gibt gute und weniger gute Gespräche. Super war aber mal folgender Ablauf: Am Montag Bewerbungsunterlagen im Posteingang, Telefoninterview mit der Bewerberin in London parallel zum Kaffee am Morgen am gleichen Tag, Videointerview am Dienstag, Gespräch vor Ort am Freitag, sofortige Einstellung und Start vier Wochen später.
[Bildnachweis: OTTO]
19. Oktober 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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