Gelassenheit-im-Job-Gelassenheitsformel
Es gibt viele Gründe aus der Haut zu fahren - sowohl im Job als auch im privaten Rahmen. Die Folgen sind allerdings weniger gut: Verspannung, Verwirrung, Kontrollverlust, Frustration. Ordentlich Dampf abzulassen, bringt zwar kurzfristig Erleichterung und beugt Magengeschwüren vor. Besser aber ist, der Ärger erst gar nicht hochkochen zu lassen – oder kurz: gelassener zu werden. "Probier's mal mit Gemütlichkeit", sinnierte einst Balu, der Bär aus dem Dschungelbuch. Und er hat Recht: Gelassenheit ist die neue Gemütlichkeit. Nur genau damit tun sich viele schwer. Statt Gemütsruhe und Unerschütterlichkeit gibt es Aufregung, Rage und Wutanfälle. Was den Menschen besonders schnell auf die Palme bringen kann und wie Sie lernen, gelassener zu sein...

Der Schlüssel zur Gelassenheit: Sie beginnt im Kopf

Gelassenheit-Tee-trinkenGelassenheit ist ein "Zustand von Souveränität und Angstfreiheit", schreibt Elke Nürnberger in ihrem Buch "Gelassenheit lernen". Gelassenheit zeichne sich dadurch aus, dass Ruhe und Ordnung im Kopf herrschen, man Unabänderliches akzeptiert und damit angemessen umgeht.

Menschen, die das beherrschen, lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen, geraten kaum in Panik und regen sich schon gar nicht über Kleinigkeiten auf. Vielmehr gibt ihnen ihre Gelassenheit innere Sicherheit, sodass sie souverän und entspannt mit Problemen umgehen können.

Mit anderen Worten:

  • Gelassenheit bändigt die Ohnmacht, in die uns Rage versetzt.
  • Sie bringt uns die Handlungsfähigkeit zurück, die uns blinde Wut und explodierende Emotionen nehmen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, die eigene Macht zu erkennen, die Situation zu lösen. "Je mehr Möglichkeiten wir wahrnehmen, desto besonnener bleiben wir – und je gelassener wir an die Dinge herangehen, desto mehr Handlungsspielraum haben wir", schreibt Nürnberger.

Gelassenheit lernen: Was steht ihr im Weg?

Die häufigsten Ursachen für mögliche Ausraster sind sogenannte Grenzüberscheitungen.

Jemand greift Sie persönlich an, dringt in Ihre Privatsphäre ein, tritt Ihre Werte mit Füßen. So was. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, ausgenutzt, betrogen – vergewaltigt auf einer seelischen Ebene.

Es sind Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Sie passieren zunächst einmal.

Was jetzt passiert, erinnert allerdings ein wenig an einen Pawlow’schen Hund: Wir reagieren - unüberlegt, automatisert, reflexartig...

  • Jemand nimmt Ihnen die Vorfahrt – und Sie hupen blindwütig 10, 20, 30 Sekunden lang, obwohl der Drängler schon längst weitergefahren ist (und hupen ehrlicherweise überhaupt nichts bringt - außer Lärm).
  • Jemand rempelt Sie an – und Sie motzen oder rempeln gar zurück (sehr beliebt übrigens in überfüllten Regionalbahnen).
  • Jemand meckert oder hält Ihnen eine Standpauke - und sie fangen an, laut zu werden, den anderen zu beleidigen und zurückzupöbeln, weil sie sich die Schimpftirade nicht anhören wollen.

Solche Re-Aktionen im Wortsinn sind zwar menschlich verständlich, schaukeln in der Regel aber alles nur noch auf. Und zwar vor allem in uns selbst.

Tatsächlich beginnt Gelassenheit schon im Kopf: Sie allein entscheiden, ob Sie dem anderen so viel Macht über sich geben wollen, dass er Sie provozieren und emotional nachhaltig belasten kann! Die Verantwortung für Ihre Gelassenheit können Sie niemand anderem in die Schuhe schieben. Der richtige Ansatz lautet eben nicht Der, die oder das hat mich proviziert. Entscheidend ist immer: Sie haben sich provozieren lassen.

Das ist zugegeben nicht einfach, sonst würde es viel mehr Leute geben, die mit einer Zen-Mentalität durch die Gegend laufen und sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lassen. Die Anstrengung ist die Mühe aber in jedem Fall wert.

Weitere Faktoren, die die Gelassenheit stören können

Neben den direkten Auslösern in Form von äußeren Angriffen, gibt es noch einige weitere Faktoren, die Ihrer Gelassenheit ein Dorn im Auge sein können und dafür sorgen, dass alle guten Vorsätze zu mehr innerer Ruhe sofort wieder über Bord geworfen werden.

Das wahrscheinlich häufigste Problem: Gelassenheit ist die Ausnahme. Die meisten Menschen stehen ständig unter Strom, regen sich auf, debattieren, reden sich in Rage, lassen sich auf die Palme bringen und rasten auch hin und wieder einmal aus.

Gelassenheit fällt da schwer - und entfernt sich durch einige Aspekte noch weiter:

  • Gefühl der Zugehörigkeit. So merkwürdig es klingt: Sich zusammenzuschließen, um sich über eine Sache aufzuregen, erzeugt ein Gruppengefühl. Das gleiche Feindbild schweißt zusammen und gibt ein Gefühl der Zugehörigkeit, nach dem viele Menschen streben.

    Wer sich beispielsweise mit den Kollegen über den nervigen Kunden oder den inkompetenten Chef auslässt, fühlt sich der Gruppe angeschlossen, während derjenige, der die Situation gelassen sieht, eher zum Außenseiter wird.
  • Alte und schlechte Gewohnheiten. Aufregung, Nervosität und auch Wut oder Zorn können zur Gewohnheit werden. Mit der Zeit haben Sie diese Reaktionen auf bestimmte Situationen verinnerlicht und spielen diese dann ganz automatisch ab, ohne sich dessen überhaupt wirklich bewusst zu werden.

    Solche Verhaltensmuster lassen sich nicht nicht ohne weiteres innerhalb von kurzer Zeit wieder aufbrechen, was es noch schwieriger macht, Gelassenheit zu praktizieren, wenn man über Jahre hinweg einen anderen Lebensstil gepflegt hat.
  • Aussichtslosigkeit. Gelassenheit praktizieren? Das klappt doch eh nicht, schon gar nicht in meinem Beruf... Zu viel Stress, zu viele Aufgaben, zu nervige Menschen, zu wenig Zeit. Wie sollte man da gelassen sein?

    Solche Aussichten und Gedanken sorgen nicht selten dafür, dass das Vorhaben scheitert, bevor es überhaupt richtig begonnen hat. Die Situation scheint aussichtslos, man gibt dem Ganzen erst gar keine richtige Chance und braucht sich dann auch nicht wundern, wenn man bei nächster Gelegenheit wieder vor Wut kocht und rumschreit.
  • Einfachheit. Gelassenheit ist vielleicht der bessere und positivere Weg, doch das Gegenteil ist in vielen Fällen der leichte Ausweg aus einer Situation. Sich aufzuregen, laut zu werden, anderen die Schuld zu gehen, jeder Emotion sofort freien Lauf zu lassen und wegen jeder Kleinigkeit aus der Haut zu fahren, ist leicht und erfordert keinerlei Kontrolle.

    Gelassenheit auf der anderen Seite erfordert ein Umdenken, Selbstbeherrschung und das nötige Selbstbewusstsein, mit jeder Situation umgehen zu können, ohne auszurasten oder sich bedroht und angegriffen zu fühlen.

Warum Gelassenheit sich lohnt

Gelassenheit kommt selten von allein, warum also sich die Mühe machen und sich mehr Gelassenheit antrainieren? Ganz einfach: Weil es sich lohnt! Ein wenig konkreter geht es zum Glück noch, denn inzwischen gibt es sogar nachweislich viele Vorteile von einer gelasseneren Haltung im Leben.

So zeigen beispielsweise Studien, dass gelassene Menschen gesünder sind: Sie grübeln seltener, sind zufriedener, glücklicher mit ihrem Leben. Sie treffen sogar bessere Entscheidungen: Egal, wie dick es auch kommt, ihr Verstand bleibt Herr der Lage – und überlässt nicht den Emotionen das Feld, die gerade aufgewühlt sind und in dieser Situation sicher nicht die beste Beratung bieten.

Deshalb sind Gelassene oft auch erfolgreicher, weil sie Probleme und Krisen mit genügend Abstand betrachten können. Und natürlich sind derartige Ruhepole auch beliebter.

Wer ständig nervös, sprunghaft und planlos agiert, gibt nicht gerade das Bild eines souveränen Entscheiders ab. Eher das eines Getriebenen. Und solchen Menschen folgen allenfalls Lemminge.

Hinzu kommt, dass Gelassenheit zu weniger Sorgen im Leben führt. Weniger Belastungen, die Sie tagtäglich zumindest im Hinterkopf mit sich herumschleppen müssen, die sich aber regelmäßig auch deutlicher zeigen und es schwer machen, sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Wer hingegen gelassen ist, konzentriert sich auf die Lösungen und schöpft sogar neuen Mut daraus, anstatt in eine pessimistische Einstellung zu verfallen.

Gelassenheit lässt sich passend mit einem bekannten Sprichwort charakterisieren: Seines eigenen Glückes Schmied sein, sich eben nicht von äußeren Einflüssen beeinflussen oder sogar manipulieren zu lassen, sondern die Dinge selbst in der Hand zu haben und nach eigenen Wünschen und Vorstellungen gestalten zu können.

Eine Fähigkeit und Eigenschaft, die gerade in der heutigen Zeit immer weiter an Bedeutung gewinnt, wo alles immer schneller, größer und ein Stück weit auch dramatischer wird. Es bietet die Möglichkeit, sich all diesem Trubel zu entziehen, nicht pausenlos zwischen Aufgaben, Problemen, Sorgen und Zweifeln hin- und herzuspringen, sondern positiv an die Dinge heranzugehen.

Gelassenheit trainieren: So werden Sie gelassener

Gelassenheit-MeditationDas Erste, was Sie tun können, um gelassener zu werden, haben Sie bereits durch diese Lektüre getan: Sie haben sich die Sache und Abläufe bewusster gemacht. Sie müssen nicht mehr reagieren, Sie können entscheiden. Die Ernüchterung: Die Informationen alleine machen Sie nicht automatisch zu einem gelasseneren Menschen.

Kein Grund, die Lektüre an dieser Stelle frustriert abzubrechen. Die Kunst liegt darin, das gesammelte Wissen in der akuten Situation abzurufen. Zuhause ist es kaum eine Herausforderung, die Ruhe zu bewahren, anders sieht es aus, wenn Ihnen jemand im wahren Leben wirklich auf die Füße tritt oder sich die Probleme scheinbar aneinanderreihen.

Eine knifflige Herausforderung. Erwarten Sie daher bitte auch keine Instant-Erfolge - das wäre ja auch keine Gelassenheit. Aber Sie können und sollten etwaige Schritte zu mehr Gelassenheit trainieren. Das wiederum ist gar nicht so schwer und geht so...

  1. Wahrnehmung prüfen

    Zuerst einmal sollten Sie Ihre Wahrnehmung prüfen: Was ist genau passiert? Ist es wirklich so schlimm? Vor allem aber: Was sind wirkliche Folgen und was nur eingebildete? Wenn ich meinen Job verliere, bekomme ich nie wieder einen!, ist eine verbreitete Existenzangst. In der Regel ist diese Übertreibung weit von der Realität entfernt, fühlt sich für Betroffene hingegen unglaublich real an.

    Ein wichtiger Schritt zu mehr Gelassenheit ist es daher die eigene, wahrgenommene Realität zu hinterfragen. Diese kann sehr subjektiv sein und prägt den eigenen Standpunkt. Haben Sie beispielsweise das Gefühl, jemand versucht Ihnen zu schaden, muss dies noch lange nicht der Wahrheit entsprechen. Die Frage ist: Warum dann darüber aufregen?

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  2. Entscheidung treffen

    Vielleicht kommt es Ihnen vor, als würde jemand anderes oder eine Situation ein bestimmtes Verhalten Ihrerseits regelrecht herausfordern, doch in Wahrheit ist es immer Ihre Entscheidung: Machen Sie sich klar, Sie alleine haben die Wahl, ob sie gelassen bleiben wollen oder aus der Haut fahren.

    Sicherlich gibt es schwierige Umstände, in denen Gelassenheit weniger leicht fällt, bei denen man verzweifeln könnte oder den Wunsch verspürt, seinen Frust herauszuschreien und anderen die Schuld für die Umstände zu geben. Gelassenheit bedeutet jedoch auch, sich einen Moment zurückzunehmen und zu sehen, dass es sich tatsächlich um eine bewusste Entscheidung zur Reaktion handelt - und diese kann eben auch ganz ruhig ausfallen.

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  3. Sprache wählen

    Hinterfragen Sie Ihre Wortwahl. Klingt banal, aber so werden unbewusst aus Mücken schnell Elefanten. Sprechen Sie gerne von "Mega-Problemen", "katastrophalen Zahlen", "furchtbaren Desastern", "brutalen Prognosen", "irrsinnigen Entwicklungen", dem "totalen GAU"? Nicht?! Gut so! Denn Katastrophen-Sprecher sind meist auch Katastrophen-Denker.

    Eine derart übersteigerte XXL-Sprache erzeugt erst recht das Gefühl von Ohnmacht. Ist alles auch nur halb so schlimm, wie sich dieser Typ Mensch gerne selbst einredet, ist Hopfen und Malz bereits mehr als verloren und an Gelassenheit ist nicht mehr zu denken. Bleiben Sie in Ihrer Sprache realistisch, können Sie auch klare Gedanken fassen.

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  4. Ausgleich suchen

    Gelassenheit fällt leichter, wenn Sie dem ständigen Stress ein Stück weit entgehen, indem Sie sich beispielsweise einen entsprechenden Ausgleich zum Dauerstress am Arbeitsplatz suchen. Sind Sie acht Stunden am Tag unter großer Anspannung, ist es nur verständlich, dass Sie in kaum einer Situation wirklich gelassen reagieren können.

    Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, um sich beim Sport auszupowern, treffen Sie sich mit Freunden, gehen Sie raus, unternehmen Sie etwas. Alles, was Ihnen Spaß bereitet und Sie auf andere Gedanken bringt, kann ein Ausgleich sein - Hauptsache, es sorgt nicht für zusätzlichen Stress, sondern hilft Ihnen, die Dinge gelassener zu sehen.

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  5. Nein sagen lernen

    Das gilt insbesondere im Fall drohender Überforderung. Wenn Sie merken, dass Sie diese Aufgabe nicht auch noch schultern können, dann delegieren Sie sie (falls das geht) oder lehnen Sie mit einer guten Begründung ab. Auf diese Weise können Sie die Rahmenbedingungen für Ihre Gelassenheit selbst beeinflussen, indem Sie Stress und Druck vorbeugen.

    Ein Nein ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt, dass Sie Ihre eigenen Grenzen kennen und diese auch von anderen eingehalten werden sollten. Niemals Nein zu sagen führt meist zu Ausnutzung und sowohl psychischer als auch physischer Überlastung, die auch mit Gelassenheit kaum noch zu kompensieren ist.

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  6. Prioritäten setzen

    Entscheiden Sie, was wirklich wichtig und dringend ist und was noch Zeit hat oder delegiert werden kann. Die Eisenhower-Methode eignet sich dafür besonders gut. Ordnung schafft Überblick, der wiederum gibt Sicherheit – und die entspannt.

    Machen Sie sich außerdem klar, dass die meisten Dinge, Personen und Situationen, die ein Problem für Ihre Gelassenheit werden können, bei weitem nicht so wichtig und schlimm sind, wie es sich anfangs noch anfühlt. In Relation zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens scheint vieles plötzlich sehr klein und liefert keinen Anlass, um sich aus der Ruhe bringen zu lassen.

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  7. Notbremse ziehen

    In der Psychologie wird dies auch "Exit-Strategie" genannt: Wenn ein Streit zu eskalieren droht, machen Sie nicht weiter, sondern verlassen Sie das Schlachtfeld, beziehungsweise den Raum, Motto: Ich rede erst wieder mit Ihnen, wenn wir uns beide beruhigt haben.

    Diese Methode hilft nicht nur dabei, gelassener zu bleiben und brenzlige Situationen zu entschärfen, sondern schützt auch langfristig Beziehungen. Im Affekt fallen oft Worte und Bemerkungen, die nicht in dieser Härte gemeint sind und später bereut werden. Besser ist es, sich und andere vorzeitig zu bremsen.

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Gelassenheit Zitate: Die schönsten Sprüche

  • Gelassenheit ist der stete Begleiter aller tieferen Philosophie. Peter Rudl
  • Der Gelassene nutzt seine Chancen besser als der Getriebene. Thornton Wilder
  • Gelassenheit gewinnt man nur in der Besinnung auf das Wesentliche. Georg Moser
  • Gelassenheit bedeutet Loslassen von Vergangenheit und Zukunft und Freilassen von Ängsten. Dr. Ebo Rau
  • Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewußtseins. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
  • Gelassenheit nimmt das Leben ernst, aber nicht schwer. Ernst Reinhardt
  • Halb so schlimm ist fast schon doppelt so gut. Peter Silie
  • Die Gelassenheit ist ein nebenwirkungsfreies Antibiotikum gegen Alltagsstress. Helmut Glaßl

Gelassenheit lernen: Noch mehr Übungen und Tricks

    Sofortmaßnahmen

  1. Durchatmen. Wenn das Blut kocht, sollten Sie erst einmal tief durchatmen und bis zehn zählen. In einigen Fällen auch bis 50. Setzen oder stellen Sie sich dazu aufrecht hin, die Schultern gerade. Nun versuchen Sie nur durch die Nase in den Bauch zu atmen – ohne dass sich der Brustkorb hebt.

    Atmen Sie nach der 4-6-8-Methode: Langsam und tief einatmen, bis vier zählen, die Luft anhalten, bis sechs zählen, langsam durch den Mund ausatmen und bis acht zählen. Das Ganze wiederholen Sie mindestens fünf Mal. Mit der Übung können Sie Ärger genauso wegatmen wie Stress.

    Der Auslöser ist damit zwar noch nicht unter Kontrolle – aber Sie vermeiden Kurzschlusshandlungen, die später vielleicht genauso bitter bereuen. Atmen hilft - echt.
  2. Analysieren. Wenn Sie spüren, wie der Ärger anschwillt, machen Sie einen Schritt zur Seite und fragen Sie sich, was Sie auf die Palme treibt. Letztlich beginnt der Ärger in Ihnen selbst, das Umfeld ist nur der Auslöser. Der Abstand zu sich selbst schärft den Blick für das große Ganze.

    Indem Sie die erlebte Kränkung bewusst auf das Niveau holen, das ihr zusteht, bringen Sie auch Ihren Groll wieder auf ein Normalmaß. Und womöglich steckt hinter der teuflischen Gemeinheit auch nichts weiter als Schusseligkeit und Naivität.
  3. Schweigen. Der Punkt kann gar nicht stark genug betont werden: Solange Sie vor Wut schnauben, sollten Sie die Klappe halten. Schon im eigenen Interesse.

    Ein Mensch sagt nur dann die Wahrheit, wenn er wütend ist, schreibt Graham Greene spitzfindig in "Eine Verabredung mit dem General". Ärger kann zum Boomerang werden, wenn man seine Zunge nicht im Zaum hält.
  4. Überhören. Ja, richtig gelesen. Es ist ein Zeichen von Reife und Größe, wenn Sie nicht auf jeden Fehdehandschuh reagieren. So manches Ärgernis lässt sich aus der Welt schaffen, indem Sie einfach mal auf einem Ohr taub bleiben.
  5. Einordnen. Denken Sie langfristig: Rache ist oft der erste Impuls auf das Ärgernis. Rache hat aber noch nie ein Unrecht gut gemacht, sondern eher verschlimmert."Wenn die Wut wächst, denke an die Konsequenzen", mahnte einst Konfuzius weise.

    Wenn Sie Ihren Blick in die Zukunft, die Konsequenzen und Folgen richten, werden Sie sehr schnell erkennen, welche Reaktion die beste ist.
  6. Aktivitäten

  7. Reden. Konsultieren Sie einen guten Freund und schütten Sie diesem Ihr Herz aus. Reden baut spontanen Stress und Ärger ab. Es hilft aber auch, die Gedanken zu sortieren und schützt zugleich vor Fehleinschätzungen. Seien Sie aber vorsichtig, wem Sie sich anvertrauen.

    Der Kollege gegenüber ist nicht immer der beste Ratgeber, womöglich nutzt er die Gelegenheit, um die Information später gegen Sie zu verwenden.
  8. Trinken. Am besten ein Glas Wasser. Dieser einfache Trick sorgt dafür, dass Sie Ihren Ärger sprichwörtlich wegspülen und sich Ihre Nerven bald wieder beruhigen.
  9. Bewegen. Bewegung ist die beste und natürlichste Medizin gegen Ärger und Stress. Sie baut unmittelbar Stresshormone ab und schafft Distanz zu den Problemen des Alltags. Also spazieren Sie erst einmal eine Runde um den Block und stampfen Sie so Ihre Wut in Grund und Boden.
  10. Progressive Muskelrelaxation. Meditations- und Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Yoga können ein stürmisches Temperament zähmen. Die hier genannte Methode hat der Schwede Edmund Jacobson entwickelt: Dabei geht es darum, einzelne Muskelgruppen der Reihe nach gezielt anzuspannen, um sie sodann abrupt wieder zu lösen.

    So lässt sich der Körper binnen weniger Minuten vollständig entspannen. Es braucht dazu allerdings etwas Übung. So geht's: Beginnen Sie mit den Füßen. Ballen Sie zuerst die Zehen für etwa vier Sekunden mit aller Kraft zusammen, dann lösen Sie den Druck schlagartig. Während Sie eine kurze Pause machen, versuchen Sie zu spüren, wie die Wärme in die Fußspitzen steigt.

    Danach gehen Sie von der Ferse Stück für Stück und Muskelgruppe für Muskelgruppe weiter nach oben vor. Die meisten sind schon entspannt, bevor Sie bei den Armen ankommen.
  11. Vergeben

  12. Vergeben. Gemeint ist hier kein sentimentaler Ausbruch. Aber ohne Vergebung ist man am Ende nur noch von Feinden umgeben. Irgendwann muss man die Situation akzeptieren, wie sie ist und sich versöhnen – unabhängig davon, wie sehr man verletzt wurde.

    Die Vergangenheit kann man eh nicht mehr ändern. Aber die Zukunft – und damit hat jeder die Chance, wieder über sein Leben zu bestimmen.
  13. Vergessen. Der Punkt hängt eng mit dem Vergeben zusammen. Mit der Vergangenheit abzuschließen bedeutet auch, alte Wunden nie mehr aufzureißen. Sowohl im eigenen Interesse, aber auch, weil es Teil der Abmachung ist, sich wirklich zu versöhnen und zu vergeben.
  14. Suchen. Egal, wie böse die Tat war – sie definiert den anderen nie völlig. Jeder Mensch hat auch seine guten Seiten. Zugegeben, bei manchen muss man sie länger suchen. Aber es gibt sie. Indem man seinen Blick darauf fokussiert, verändert man zwar noch nicht den anderen, aber sich selbst.

    Oft bemerkt man dabei, dass die Feindseligkeit nur auf Stolz, Angst, Ignoranz, Vorurteilen oder Missverständnissen beruht hat. Und womöglich erkennt man darin sogar etwas von sich selbst. Die Erkenntnis baut Feindschaft ab: Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf, wusste Hermann Hesse.
  15. Psychologische Tricks

  16. Lachen. Bekämpfen Sie Ihre Wut mit Humor. Gelotologen, also Wissenschaftler, die das Lachen (griechisch: gelos) erforschen, haben herausgefunden: Lachen baut Stress ab, stärkt Abwehrkräfte, hebt die Stimmung (weil der Körper vermehrt Glückshormone ausschüttet), senkt den Blutdruck und lindert Schmerzen.

    Es fördert sogar berufliches Fortkommen, so Lachforscher: Heitere Belegschaften sind gesünder, daher produktiver und nachweislich kreativer. Vor allem aber baut es soziale Beziehungen auf und hält diese zusammen.
  17. Selbstgespräche. Zum Einen können Selbstgespräche, das haben Wissenschaftler ermittelt, die eigene Leistungsfähigkeit enorm steigern, Ablenkungen und Störgeräusche ausblenden sowie helfen, Probleme schneller und besser zu lösen. Zum anderen reduzieren Aggressionen und sorgen für einen differenzierteren Blick und mehr Klarheit im Geist.
  18. Seien Sie dankbar. Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Dankbarkeit verbannt negative Gedanken und reduziert Stress. Überlegen Sie mal: Es hätte vielleicht noch schlimmer kommen können.

    Und womöglich hat Sie der akute Fauxpas noch vor größerem Schaden in der Zukunft bewahrt. Lernen Sie also, dankbarer zu werden – auch für die Dinge, die Sie schon erreicht haben, für Freunde, für Ihre Gesundheit.

Tipps von Hirnforschern zu mehr Gelassenheit

Gelassenheit durch Resilienz

Die meisten Menschen wünschen sich, im Alltag und Beruf gelassener zu sein und selbst Schicksalsschläge souveräner zu meistern. Die Fähigkeit, die letztlich dahinter steckt, ist Resilienz. Es ist eine Art Immunsystem der Seele.

Resilient ist, wer die emotionale Widerstandskraft aufbringt, sich von Stress, Krisen und Schicksalsschlägen nicht charakterlich verbiegen zu lassen, sondern das Beste aus dem Unglück macht, daraus lernt und durch die Leiderfahrung über sich selbst hinauswächst. Sollten Sie dies noch nicht zu Ihren Fähigkeiten oder gar Stärken zählen, lautet die gute Nachricht: Resilienz und so auch die damit verbundene Gelassenheit lassen sich erlernen.

[Bildnachweis: racorn, Valentyn Volkov, Mila Supinskaya by Shutterstock.com]

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