Leistungsbeurteilung
Feedback wird von Mitarbeitern deutscher Unternehmen nicht nur gerne gesehen, sondern oft auch aktiv eingefordert. Eine Umfrage des Instituts für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (IKuF) zeigt, das lediglich 45 Prozent der befragten Mitarbeiter mit dem Feedback ihres Chefs zufrieden sind. Umso erstaunlicher ist es, dass viele Mitarbeiter die jährlich oder quartalsweise anstehenden Leistungsbeurteilungen als unangenehm und lästig empfinden. Denn diese Gespräche sind nichts anderes als Feedback direkt vom Chef. Damit die Leistungsbeurteilung konstruktiv ausfällt und Sie als Mitarbeiter weiterbringt, sind nicht nur eine passende Vorbereitung, sondern auch die entsprechende Haltung wichtig...

Leistungsbeurteilung: Chance für Mitarbeiter und Vorgesetzte

Die Sichtweise der Leistungsbeurteilung ist für den Erfolg essenziell. Sehen Sie diese nur als notwendiges Übel, werden Sie mit einer entsprechend negativen Haltung in das Gespräche gehen. Konzentrieren Sie sich stattdessen jedoch auf die Chancen, die die Leistungsbeurteilung Ihnen bietet, verändert sich sowohl Ihre Einstellung als auch die Situation.

Mit einer positiven und auf die Möglichkeiten ausgerichteten Haltung können Sie die Vorbereitung optimal angehen. Im ersten Schritt ist die Methodik der Leistungsbeurteilung wichtig. Handelt es sich um eine so genannten Abwärtsbeurteilung, ist Ihr einziger Ansprechpartner Ihr Chef. Bei einer gleichgestellten Beurteilung spielen dagegen auch Ihre Kollegen eine Rolle und tragen zumindest einen Teil zu Ihrer Leistungsbeurteilung bei.

In beiden Fällen sollten Sie als Mitarbeiter nicht versuchen, aktiv Einfluss auf die beurteilenden Personen zu nehmen. Solche Versuche scheitern oft, hinterlassen dann jedoch einen negativen Eindruck und können Ihrer Reputation schaden. Außerdem lassen sich Eindrücke, die im Lauf des vergangenen Jahres entstanden sind, ohnehin nicht in wenigen Tagen grundlegend verändern.

Drei Formen der Leistungsbeurteilung

In deutschen Unternehmen werden drei verschiedene Formen der Leistungsbeurteilung eingesetzt.

  1. Abwärtsbeurteilung

    Hier obliegt die Leistungsbeurteilung allein dem Vorgesetzten, der seine Beurteilung aus verschiedenen Eindrücken und aufgrund ausgesuchter Quellen formuliert.

  2. Gleichgestellte Beurteilung

    Hier setzt sich die Leistungsbeurteilung aus der Einschätzung der Kollegen zusammen. Die gesammelten Einschätzungen ergeben dann die endgültige Leistungsbeurteilung.

  3. Zweistufiges Verfahren

    Bei dieser Form geben zuerst die Kollegen ihre Einschätzung ab. Die Leistungsbeurteilung wird final jedoch vom Vorgesetzten - basierend auf der Einschätzung der Kollegen - formuliert.

Leistungsbeurteilung: Vorbereitung für Mitarbeiter

TATSIANAMA/shutterstock.comIm Idealfall bezieht Ihr Vorgesetzter Sie aktiv in die Vorbereitung der Leistungsbeurteilung ein. Diese kann beispielsweise durch eine Selbsteinschätzung geschehen, die Ihr Chef von Ihnen im Vorfeld anfordert. Alternativ sind auch Vorab-Gespräche denkbar, die als Vorbereitung und zur Abstimmung der anstehenden Leistungsbeurteilung dienen.

Kommt Ihr Vorgesetzter nicht aktiv auf Sie zu, können Sie das Gespräch mit ihm suchen und anfragen, ob und wie Sie ihn bei der Vorbereitung der Leistungsbeurteilung unterstützen können. Damit diese Anfrage nicht als Schleimen oder Manipulationsversuch ausgelegt wird, sind einige Punkte relevant:

  • Klare Fokussierung auf die Arbeitserleichterung für Ihren Vorgesetzten.
  • Betonung der eigenen Verantwortung und Ihrer intrinsischen Motivation.
  • Verzicht auf jegliche wertende Formulierung in der Anfrage.

Missverständnisse lassen sich so zwar nicht 100-prozentig ausschließen, doch Sie minimieren zumindest das Risiko dafür. Reagiert Ihr Chef nicht auf diese Anfrage im Vorfeld oder gibt er Ihnen zu verstehen, dass Sie Ihre Vorbereitung selbstständig durchführen sollen, liegt der Ball bei Ihnen.

Da für die optimale Vorbereitung der Leistungsbeurteilung zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen, haben wir die wichtigsten in einer Checkliste zusammengefasst. Diese können Sie wie gewohnt als PDF herunterladen. Folgende Faktoren sind relevant:

  • Belege Ihrer Leistung seit der letzten Beurteilung.
  • Review der Ergebnisse der letzten Beurteilung.
  • Ihre konkreten Ziele für die nächste Zeit.
  • Ihre übergeordneten Karriereziele.
  • Ihre Highlights und positiven Aspekte des Jobs.
  • Verbesserungspotenzial und -bedarf im Job.
  • Konkrete Vorschläge für die Verbesserung.
  • Aspekte, zu denen Sie das Feedback Ihres Chefs brauchen.
  • Ihre Stärken und favorisierten Aufgaben.
  • Ihre Schwächen und problematischen Aufgaben.
  • Konkrete Fort- und Weiterbildungswünsche.
  • Möglicherweise kritische Themen und passende Argumente.
  • Referenzen und Belege, auch von und durch Kollegen.
  • Fragen an Ihren Chef zu unklaren Sachverhalten.
  • Eigene Projektideen und Vorschläge.
  • Feedback - positiv wie negativ - für Ihren Chef.
  • Konstruktive Veränderungsansätze für das Team.
  • Notwendige Umgestaltungen am Arbeitsplatz.
  • Wünsche für kommende Projekte und Aufgaben.
  • Argumente, die diese Wünsche fachlich untermauern.
  • Kompromissbereitschaft und mögliche Einschränkungen.
  • Mindeststandards, fixe Ziele und Themen.
  • Maßstäbe und Kennzahlen für die Leistungsmessung.
  • Die formalen Kriterien der Leistungsbeurteilung.
  • Alternativen zu Ihren Wünschen und Vorschlägen.

Die formalen Kriterien und die Methodik der Leistungsbeurteilung sollten in deutschen Unternehmen für alle Mitarbeiter einsehbar oder zumindest abrufbar sein. Neben der Review der letzten Leistungsbeurteilung ist eine ausführliche Beschäftigung mit diesen Kriterien in der Vorbereitung natürlich Pflicht.

Die Ziele der Leistungsbeurteilung

Für eine erfolgreiche Leistungsbeurteilung sollten auch die Ziele nicht aus den Augen verloren werden. Im Vordergrund steht natürlich das Feedback für den Mitarbeiter, der eine konstruktive Rückmeldung über seine Leistungen am Arbeitsplatz sowie über sein Sozialverhalten bekommen soll, was sich positiv auf die Motivation und Zufriedenheit auswirken kann.

An dieser Stelle endet die Liste aber noch nicht, denn die Ziele und Vorteile einer Leistungsbeurteilung sind weitreichender.

  • Die Stärken und Fähigkeiten eines Mitarbeiters können genauer erörtert und spezifisch eingesetzt werden. Es kann sich dabei also auch um eine Potenzialanalyse handeln.
  • Es findet ein Austausch zwischen Mitarbeiter und Chef statt, der sonst oft zu wenig Beachtung findet.
  • Beide Seiten können gemeinsame Ziele erarbeiten.

Leistungsbeurteilung: Konstruktive Zusammenarbeit statt Überraschungen

Neben der Fokussierung auf die Chancen und Möglichkeiten der Leistungsbeurteilung sind drei weitere Grundsätze für den Erfolg entscheidend. Alle betreffen sowohl Mitarbeiter als auch Vorgesetzte. Wenn Sie Ihren Teil zum Gelingen beitragen ist der Erfolg daher zwar nicht garantiert, Ihre Chancen wachsen jedoch deutlich:

  1. Keine Überraschungen

    Im Gespräch zur Leistungsbeurteilungen sollte es weder für Sie als Mitarbeiter noch für Ihren Chef Überraschungen geben. Konflikte und Probleme sollten bereits im Vorfeld angesprochen und offene Worte gefunden werden. Überraschungen in der Leistungsbeurteilungen wirken sich fast immer negativ für Mitarbeiter aus.

  2. Keine Vergleiche

    Die Versuchung, sich mit leistungsmäßig schlechteren Kollegen zu vergleichen, kann groß sein. Dennoch sollten Sie sich als Mitarbeiter ganz auf Ihre Leistung konzentrieren und Vergleiche vermeiden. Umgekehrt sollten Sie das von Ihrem Vorgesetzten ebenfalls einfordern.

  3. Konstruktive Zusammenarbeit

    Die Leistungsbeurteilung ist ein Prozess, den Sie mit Ihrem Vorgesetzten gemeinsam gestalten sollten. Sehen Sie ihn daher als Kooperationspartner und bemühen Sie sich um eine für beiden Seiten positive Lösung, wird das Ergebnis voraussichtlich positiv ausfallen.

Es ist klar, dass Ihr Chef nicht all Ihren Wünschen nachkommen kann. Daher ist Ihre Kompromissbereitschaft ein entscheidender Faktor für den konstruktiven Verlauf und den für beide Seiten erfolgreichen Abschluss der Leistungsbeurteilung.

Die Kunst besteht darin, den feinen Grat zwischen selbstbewusstem, kompromissbereiten Auftreten und einer arroganten Haltung zu finden. Gelingt Ihnen das - und arbeiten Sie mit Ihrem Chef zusammen - kann die Leistungsbeurteilung nicht nur gut ausfallen, sondern Sie auch in Ihrer Karriere weiterbringen.

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