Versetzung Arbeitsrecht
Die Versetzung: Manchmal ein Ritter-, sehr oft aber auch ein Nackenschlag. Denn nicht jeder möchte von Berlin nach Gütersloh zwangsbefördert werden. Vor allem, wenn Sie sich in Ihrer Stadt gerade eingerichtet und ein schönes Nest gebaut haben. Aber darf mein Arbeitgeber das überhaupt? Was unternehme ich, wie wehre ich mich gegen eine Versetzung? Die wichtigsten Infos für Versetzungsgefährdete...

Versetzung: Ich will das nicht!

Versetzung - manchmal kommt sie aus heiterem Himmel, trifft sie einen wie der Blitz. Denn nicht immer stecken hehre, fachliche Gründe dahinter, sehr oft auch knallhartes Kalkül des Arbeitgebers. Immerhin kann und soll eine Versetzung einen ungeliebten Mitarbeiter manchmal auch mürbe machen, aus dem Blickfeld befördern, zur Kündigung animieren.

Aber müssen Sie eine Versetzung einfach so hinnehmen? Wie können Sie sich dagegen wehren? Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie gesammelt ...

Anmerkung: Es handelt sich hier um einen allgemeinen Überblick über die Rechtslage und was man beachten sollte. Dies ersetzt keine juristische Beratung, alle Angaben also ohne Gewähr.

Definition: Was ist eine Versetzung?

Definition: Was ist eine VersetzungDas Betriebsverfassungsgesetz definiert eine Versetzung so:

Versetzung im Sinne dieses Gesetzes ist die Zuweisung eines anderen Arbeitsbereichs, die voraussichtlich die Dauer von einem Monat überschreitet, oder die mit einer erheblichen Änderung der Umstände verbunden ist, unter denen die Arbeit zu leisten ist. Werden Arbeitnehmer nach der Eigenart ihres Arbeitsverhältnisses üblicherweise nicht ständig an einem bestimmten Arbeitsplatz beschäftigt, so gilt die Bestimmung des jeweiligen Arbeitsplatzes nicht als Versetzung. (Paragraph 95, Absatz 3)

Eine Versetzung ist also nicht zwingend mit einem Ortswechsel verbunden. Es kann sich dabei handeln um...

  • neue Aufgaben, die Ihnen zugeteilt werden.
  • die Versetzung in eine andere Abteilung des Betriebs.
  • die Versetzung an einen anderen Standort, klassischerweise in eine ganz andere Stadt.

Versetzung: Was darf der Arbeitgeber?

Grundsätzlich verfügt Ihr Arbeitgeber über ein Weisungsrecht, dem Sie sich in der Regel unterwerfen müssen. Ihr Arbeitgeber ist also prinzipiell befugt, Sie zu versetzen. Übrigens auch dann, wenn Sie beispielsweise schon 20 Jahre lang am gleichen Standort im Unternehmen gearbeitet haben. Auch ist das Weisungsrecht des Arbeitgebers nicht auf einen bestimmten Radius festgelegt.

Einer Versetzung einfach nicht Folge zu leisten ist ein Abmahnungsgrund - und kann letztlich eine fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung zur Folge haben.

Die Gewerbeordnung sagt dazu:

Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Dies gilt auch hinsichtlich der Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Bei der Ausübung des Ermessens hat der Arbeitgeber auch auf Behinderungen des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen. (Gewerbeordnung Paragraph 106)

Der Verweis auf das billige Ermessen, womit grob also ein gerechter, angemessener Interessenausgleich gemeint ist, hilft dem Arbeitnehmer in den meisten Fällen relativ wenig. Aber, und dieser Hinweis ist wie so oft wichtig: Es kommt auf den Einzelfall an. Denn eine Versetzung erschweren oder unmöglich machen können Bestimmungen im ...

Andererseits existieren in Unternehmen - insbesondere, wenn sie über mehrere Betriebssitze oder Filialen verfüge - oftmals Versetzungsklauseln mit dem Zweck, das Weisungsrecht noch effektiver ausüben zu können. Doch auch hier gilt: Ob eine Versetzung wirksam ist, kommt stets auf den Einzelfall an.

Versetzung: 3 aktuelle Urteile

Versetzung UrteileDie ungewollte Versetzung - auch für die Arbeitsgerichte regelmäßig Gegenstand von Debatten. Hier drei aktuelle Fälle:

  • Fall 1: Flugbegleiterin

    Im Arbeitsvertrag einer Flugbegleiterin aus dem Jahr 1996 war ausdrücklich der Einsatzort Hamburg festgeschrieben. Aber gleichzeitig auch, dass der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin an einem anderen Ort einsetzen könne. Als der Standort Hamburg geschlossen wurde, sollten sämtliche Mitarbeiter versetzt werden oder eine Änderungskündigung erhalten. Die Klägerin stimmte zunächst einer Versetzung nach Frankfurt zu, auch der Betriebsrat willigte ein.

    Daraufhin aber klagte die Flugbegleiterin gegen ihre Versetzung mit der Begründung, der Einsatzort Hamburg habe sich über die Jahre der Tätigkeit verfestigt. Dann kündigte sie ihr Arbeitsverhältnis vorsorglich außerordentlich und bot zugleich dessen Fortsetzung am neuen Einsatzort Frankfurt an - zu geänderten Bedingungen.

    Das Bundesarbeitsgericht wies ihre Klage im November 2016 ab, da eine wirksame Versetzung vorgelegen habe. Zwar sei der Arbeitsort Hamburg gewesen, der Einsatzort aber war das Flugzeug, das an unterschiedlichen Standorten betreten wurde. Die Differenzierung zwischen Arbeitsort und Einsatzort könnte insofern auch für andere Flugbegleiter Folgen haben - und die Festlegung auf einen konkreten Arbeitsort verhindern.


  • Fall 2: Krankenpfleger

    Ein Krankenpfleger war seit 1995 in einer kommunalen Klinik im Raum Pirmasens beschäftigt, seit 1997 dauerhaft in der zentralen Notaufnahme. Das wurde ihm auch schriftlich bestätigt. 2015 aber wurde er auf eine normale Station versetzt, weil er zweimal seine Pflichten verletzt hatte.

    Einmal hatte er einem Rettungssanitäter Schläge angedroht und sich ein anderes Mal geweigert, einem schizophrenen Patienten Blut abzunehmen, da dieser erfahrungsgemäß aggressiv reagiere. Seine Versetzung wollte der Krankenpfleger nicht hinnehmen und klagte.

    Laut Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz ist die Versetzung rechtens. Zum Einen war die Arbeit in der Notaufnahme nicht im Arbeitsvertrag festgelegt worden. Zum Anderen war auch die lange Verweildauer auf dieser Station kein Grund zur Annahme, dass der Kläger immer dort arbeiten könne.


  • Fall 3: Familienvater

    Ein Isolierer und Vater dreier schulpflichtiger Kinder war seit 2009 auf einer Dauerbaustelle in Brunsbüttel eingesetzt worden und klagte zunächst erfolgreich gegen seine betriebsbedingte Kündigung. Daraufhin wollte ihn seine Arbeitgeberin auf einer Baustelle im 650 Kilometer entfernten Ludwigshafen einsetzen, da sein alter Arbeitsplatz angeblich mittlerweile besetzt sei. Ohnehin habe sie Weisungsrecht und müsse sich gar nicht rechtfertigen.

    Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein sah das in einem Urteil aus dem Jahr 2015 anders. Demnach müssen Arbeitgeber familiäre Belange des Arbeitnehmers berücksichtigen, sofern dem nicht betriebliche Gründe oder die Interessen anderer Kollegen entgegenstünden.

    Arbeitnehmer dürften nicht ohne Rücksicht auf ihre sozialen Lebensverhältnisse an einen Ort versetzt werden, den sie von ihrem Wohnort aus nicht täglich erreichen können.

Versetzung: Welche Gründe kann sie haben?

Oft stecken natürlich sehr naheliegende Gründe hinter einer Versetzung. Sie werden in einer anderen Filiale benötigt oder müssen die Aufgaben einer Kollegin übernehmen, die langfristig erkrankt ist. Es können aber auch subtile, weniger redliche Gründe dahinterstecken.

Was Ihr Arbeitgeber zum Beispiel nicht darf: Sie auf eine niedrigere oder schlechter bezahlte Position degradieren. Derartige Manöver sind aber dennoch beliebte Tricks - wenn der Mitarbeiter zum Beispiel nach der Versetzung im Organigramm auf der gleichen Ebene bleibt, aber fortan nur noch mit weniger vertrauenswürdigen Aufgaben betraut wird. Wenn jemand auf diese Weise aus dem Job geekelt werden soll, spricht man auch von einer kalten Kündigung.

Weitere Manöver Ihres Arbeitgebers könnten sein:

  • Abstellgleis: Vorsicht auch bei Sonderprojekten, die scheinbar einer Beförderung gleichkommen. Dabei handelt es sich nicht selten um ein Täuschungsmanöver, mit dem Sie aufs Abstellgleis geschoben werden sollen - wenn Aufgaben und Personalverantwortung nicht mitwachsen. Oder wenn Ihr Arbeitgeber Ihre neuen Aufgaben im Arbeitsvertrag festschreiben möchte, genauso wie erweiterte Weisungsbefugnisse.
  • Gehaltssenkung: Eine Versetzung kann für Sie auch zu einer indirekten Gehaltssenkung führen. Beispiel: Sie sind Vertriebler und werden vom Rhein-Main-Gebiet ins weniger lukrative Münsterland versetzt. Könnte es daran liegen, dass der Arbeitgeber Ihrem Kollegen womöglich mehr Abschlüsse in Frankfurt zutraut? Sofern Sie variable Gehaltsbestandteile erhalten, könnte sich eine Versetzung also sehr negativ auf Ihr Konto auswirken.
  • Affront: Möglicherweise legt es Ihr Arbeitgeber darauf an, will Sie durch eine Versetzung provozieren. Wenn er Sie versetzt, obwohl er ganz genau weiß, dass Sie damit niemals einverstanden sein werden, wäre das Arbeitsverhältnis stark belastet bis unwiderruflich zerstört. Gut für Ihren Arbeitgeber, wenn Sie von sich aus nun einen Aufhebungsvertrag ins Spiel bringen würden - denn damit würden Ihre Chancen auf eine gute Abfindung sinken. Ein subtiles Manöver, um Sie aus dem Unternehmen zu drängen

3 Mythen über die Versetzung

  1. In meinem Arbeitsvertrag ist Berlin als Arbeitsort angegeben. Deshalb kann ich nicht in eine andere Stadt versetzt werden.

    Falsch. Der Arbeitgeber hat, auch wenn kein konkreter Arbeitsort im Arbeitsvertrag festgeschrieben wurde, noch immer das Weisungs- und Versetzungsrecht. Zwar können betriebliche Abmachungen geschlossen werden, aber die Beschränkung auf einen Arbeitsort ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

  2. Meine Aufgaben bleiben unverändert bestehen, deswegen ist meine Versetzung überflüssig.

    Bei einer Versetzung spielt die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit keine Rolle. Ein Unternehmer kann Sie wider jede ökonomische Vernunft in eine andere Filiale oder Stadt versetzen. Darüber hinaus ist es für Gerichte ohnehin kaum bis völlig unmöglich, die Zweckmäßigkeit einer Versetzung festzustellen.

  3. Mein Arbeitgeber muss zuerst meine Kollegen versetzen, weil ich sozial schutzwürdiger bin als sie.

    Grundsätzlich lautet die Antwort: Nein. Anders als bei der betriebsbedingten Kündigung findet bei einer Versetzung keine Sozialauswahl statt. Eigentlich! Denn Zumutbarkeitsregeln gibt es durchaus, wie unser Beispiel aus Schleswig-Holstein zeigt (siehe oben: "Versetzung: 3 aktuelle Urteile"). Ein dreifacher Familienvater hatte aus sozialen Erwägungen gegen seine Versetzung geklagt - mit Erfolg.

Versetzung: Wie kann ich mich wehren?

Ihr Chef will Sie versetzen? Was Sie dagegen tun können...

  1. Nicht unterschreiben

    Manche Arbeitgeber versuchen, Ihr Weisungsrecht durch Zusatzklauseln im Arbeitsvertrag geschickt zu erweitern. Zum Beispiel durch das Recht auf eine bundesweite Versetzung. Wenn Sie also zum Beispiel Haus und Familie in Hamburg haben und eine Versetzung nach München unter allem Umständen ausschließen wollen, dann legen Sie besonderes Augenmerk auf den Arbeitsvertrag, BEVOR Sie ihn unterschreiben - und ziehen am besten einen Experten hinzu.

  2. Arbeitsvertrag prüfen

    Sofern Sie den Vertrag längst unterschrieben haben und nun von einer Versetzung bedroht sind, gilt im Grunde der gleiche Rat: Schauen Sie genau in Ihren Arbeitsvertrag und lassen ihn gegebenenfalls prüfen. Grundsätzlich gilt: Je unspezifischer Ihre Tätigkeitsbeschreibung im Arbeitsvertrag, desto größer der Handlungsspielraum des Arbeitgebers. Wenn aber im Vertrag ausdrücklich der Standort Köln eingetragen wurde, kann dieser Eintrag Ihre Versetzung nach Chemnitz erschweren bis unmöglich machen. Und: Ist eine Versetzungsklausel enthalten, muss sie deshalb noch nicht gültig sein. Hier kommt es auch auf die Formulierung an.

  3. Zusatzklauseln verweigern

    Der Arbeitsvertrag ist nicht immer statisch, sondern kann angepasst und erweitert werden. Für Arbeitgeber eine günstige Gelegenheit, um ihn durch Zusatzklauseln zu ergänzen. Prüfen Sie diese ganz genau, bevor Sie Ihren Vertrag neu signieren. Das gilt auch für die beliebte Änderungskündigung, bei der ein Unternehmen jemandem die Kündigung ausspricht, um gleichzeitig einen neuen Vertrag vorzulegen - der die Versetzungsklausel dann selbstredend beinhaltet.

  4. Zwischenzeugnis verlangen

    Mit einer Versetzung ändern sich zugleich Ihre Arbeitsaufgaben. Das gibt Ihnen die Möglichkeit und das Recht, ein aktuelles Zwischenzeugnis zu verlangen. Davon sollten Sie Gebrauch machen. Allein schon aus präventiven Gründen: Im Fall der Fälle haben Sie für Ihre kommende Bewerbung ein wichtiges Dokument in der Hand.

  5. Arbeit fortführen

    Die Arbeit niederlegen - das sollten Sie selbst dann nicht tun, wenn Sie von der Unrechtmäßigkeit Ihrer Versetzung vollkommen überzeugt sind. Irren Sie sich, kann Ihr Arbeitgeber mit einer Abmahnung oder gar einer fristlosen Kündigung reagieren. Aber auch wenn Ihre Versetzung offensichtlich unwirksam ist und Sie somit ein Recht auf Zurückbehaltung der Arbeitsleistung haben, können Gehaltsansprüche verlorengehen. Grundlegender Rat also: Bleiben Sie diszipliniert.

  6. Betriebsrat hinzuziehen

    Gegen das Weisungsrecht hat der Betriebsrat zwar keine unmittelbare Handhabe, aber er muss zumindest über eine Versetzung informiert werden. In der Praxis kann ein engagierter Betriebsrat, der sich aktiv für Sie einsetzt, seine Zustimmung verweigern und eine unerwünschte Versetzung so in vielen Fällen verhindern. Zum Beispiel dann, wenn die Versetzung gegen Betriebsvereinbarungen verstößt, wenn Sie dadurch eindeutig benachteiligt würden oder wenn die berechtigte Gefahr besteht, dass andere Mitarbeiter aufgrund dieser Maßnahme gekündigt werden.

    Deshalb: Sofern es in Ihrer Firma einen Betriebsrat gibt, holen Sie ihn sich unbedingt als schlagkräftigen Verbündeten hinzu. Aber möglichst schnell, denn der Betriebsrat muss seine Zustimmung zu einer Versetzung innerhalb einer Woche nach der Unterrichtung durch den Arbeitgeber verweigern - unter schriftlicher Angabe von Gründen. Andernfalls gilt sie als akzeptiert. Und noch etwas: Hat der Arbeitgeber den Betriebsrat erst gar nicht über die Versetzung informiert, kann sie rückgängig gemacht werden - das ist nämlich unzulässig. Eine Einschränkung gibt es hier für leitende Angestellte, für die kann der Betriebsrat in dieser Hinsicht leider kaum etwas machen.

  7. Anwalt einschalten

    Eine Versetzung kann gegen Verträge, Gesetze und Verordnungen verstoßen - und ist in vielen Fällen unzumutbar. Zum Beispiel entschied das hessische Landesarbeitsgericht 2011, dass eine teilzeitbeschäftigte Mutter von ihrem Arbeitgeber nicht nach London versetzt werden dürfe, da dies das vereinbarte Modell zur Vereinbarung von Kinderbetreuung und Beruf nicht zulasse. Das Interesse des Arbeitgebers musste in diesem Fall zurückstehen.

    Vor den Arbeitsgerichten wird in der Regel abgewogen - zwischen Interesse des Arbeitgebers und dem des Arbeitnehmers. Haben Sie familiäre Verpflichtungen oder zahlen gerade ein Haus ab, steigen Ihre Chancen auf Nicht-Versetzung. Für den Laien ist das häufig schwer nachvollziehbar. Lassen Sie sich im Ernstfall daher vom Anwalt beraten.

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