Irgendwann ist es soweit: Ihre Bewerbungsunterlagen haben überzeugt, Sie sind in der engeren Wahl. Klasse! Es folgt die Einladung zum Vorstellungsgespräch, der womöglich letzten Hürde vor dem Jobangebot. Doch der Arbeitgeber in spe hat seinen Firmensitz leider in einigen Kilometern Entfernung. Sie könnten hinfahren – mit dem Auto oder mit der Bahn – oder sogar hinfliegen. Nur: Wer bezahlt die Anfahrt und Reisekosten? Und wie viel davon?

Klar, in der Regel zahlt die Zeche immer der, der einlädt. In dem Fall also der potenzielle Arbeitgeber. Aber es gibt Ausnahmen.

Die Faustregel lautet: Sobald Sie ein Arbeitgeber zum Vorstellungsgespräch bittet, muss er die anfallenden Reisekosten übernehmen (§ 670 BGB). und zwar unabhängig davon, ob sich der Bewerber auf eine Stellenanzeige, initiativ oder online beworben hat. Auch ist es unerheblich für die Erstattung der Reisekosten, ob Sie den Job später bekommen oder nicht – der gesetzliche Anspruch besteht so oder so, sobald Sie schriftlich zum persönlichen Gespräch vor Ort eingeladen wurden.

Zu den erstattungsfähigen Kosten zählen alle Fahrtkosten, aber auch Übernachtungs- und Verpflegungskosten falls es sich um ein längeres Assessment handelt oder die Abreise ab späten Abend nicht mehr zumutbar wäre oder die Züge nur noch spät nachts fahren. Diese Kosten müssen sich aber in einem angemessenen Rahmen bewegen. Zum Vorstellungsgespräch in der First Class der Lufthansa anzureisen ist allenfalls angemessen, falls Sie der aussichtsreiche Kandidat für den CEO-Posten eines Multimillionen-Euro-Konzerns sind. Für die meisten anderen Jobs indes gilt: Angemessen ist, mit dem eigenen PKW anzureisen und dafür die Spritkosten erstattet zu bekommen (üblich sind 30 Cent pro Kilometer) oder aber ein entsprechendes Bahnticket 2. Klasse. Natürlich für die Hin- und Rückfahrt.

Wer hierbei seine Spesenauslagen eigenmächtig upgradet, riskiert nicht nur Ärger und einen Imageschaden – in den meisten Fällen bleiben solche Bewerber auch auf ihren Auslagen sitzen. Auch Arbeitsrichter haben wenig Verständnis für Luxusreisen von Bewerbungs-Touristen.

Die Ausnahme von der Regel

Spezialfall: Taxikosten

In der Regel muss der Arbeitgeber nur Kosten für Busse oder U-Bahn erstatten. Das Arbeitsgericht Köln hat aber einmal entschieden: Wir in der Anreisebeschreibung des Arbeitgebers auch ein Taxifahrt als Alternative genannt, müssen die Kosten auch hierfür in vollem Umfang bezahlt werden. Trotzdem: Falls Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie lieber vorher!

In einigen Fällen schließt der Arbeitgeber die Übernahme der Reisekosten aber bereits im Vorfeld aus. Und ja: Das ist zulässig. Aber es muss dann zusammen mit der schriftlichen Einladung ausdrücklich und eindeutig erwähnt werden. Etwa:

Da wir zu diesem Termin mehrere Bewerber eingeladen haben, bitten wir um Verständnis, dass wir Ihnen keinerlei entstehende Kosten für die Wahrnehmung des Vorstellungsgesprächs erstatten können.

Wenn Sie schon vor Ort sind und der Personaler sagt Ihnen erst dann, dass Sie leider die Kosten der Anreise selbst zu tragen haben, so ist das rechtlich unwirksam und sofort anfechtbar. Man sollte sich dann allerdings generell fragen, ob man überhaupt noch bei einem solchen Arbeitgeber anheuern will, der mit derartigen Maschen arbeitet.

Der potenzielle Arbeitgeber kann die Höhe der Kostenübernahme allerdings auch nach oben begrenzen oder nur einen Teil übernehmen. Zum Beispiel nur die Kosten für die Anreise. Die Rückfahrt muss der Bewerber dann schon wieder aus eigener Tasche zahlen. Aber auch hier gilt: Das muss vorher ausdrücklich erwähnt werden.

Zudem richtet sich die Höhe der zu erstattenden Reisekosten meist an der ausgeschriebenen Stelle. Klar, je höher die spätere Position, desto generöser zeigt sich das Unternehmen, denn es hat dann ja auch einen Anreiz gegenüber dem Top-Talent einen möglichst guten Eindruck zu machen.

Als kleines Trostpflaster: Wer auf den Reisekosten sitzenbleibt, kann diese zumindest als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Was aber wenn Sie ein Headhunter zum Gespräch bittet?

Da der Headhunter im Auftrag seines Kunden, dem Unternehmen, handelt und die Kandidaten vorselektiert, muss nicht er die anfallenden Reisekosten erstatten, sondern auch hier der potenzielle spätere Arbeitgeber. Einige Headhunter regeln das aber so, dass sie derlei Kosten später mit ihrem Auftraggeber abrechnen.

Wie bei allem aber gilt generell: Wer Missverständnisse vermeiden möchte, sollte die Details der Spesenabrechnung vorher klären. Insbesondere wenn Sie vorhaben, hierbei nicht auf die Sparbremse zu drücken.

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