Wie viel haben Sie bisher verdient?
Jobwechsel lohnen sich in den meisten Fällen finanziell: Wer zu einem neuen Arbeitgeber wechselt, kann im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung von 5 bis zu 30 Prozent rausschlagen. Allerdings hängt das verschiedenen Faktoren ab – einer davon: das bisherige Gehalt.
Was Sie bisher verdient haben, bildet bei der Gehaltsverhandlung fast immer die Verhandlungsbasis und damit einen wichtigen Rahmen. Das bisherige Gehalt spiegelt schließlich ebenso Ihren bisherigen Marktwert bzw. wie man Sie bisher bei alten Arbeitgeber eingeschätzt und Ihre Arbeit bewertet hat.
Genau hier liegt aber das Problem: Wer den Job wechselt, weil er oder sie das Gefühl hatte, deutlich unterbezahlt zu sein, muss das neue Gehaltsplus von 10, 20 oder 30 Prozent nachvollziehbar begründen können – ohne gierig, unverschämt oder naiv zu wirken.
Ist die Frage nach dem bisherigen Gehalt erlaubt?
Weil das bisherige Gehalt keine private Angelegenheit ist, sondern eine leistungsbezogene Frage ist sowie den Rahmen für eine mögliche Gehaltsverhandlung vorgibt, steht sie im direkten Zusammenhang zum neuen Job und ist somit erlaubt. Personaler dürfen sie stellen und Bewerber sollten darauf wahrheitsgemäß antworten.
Hausaufgaben machen: Kenne ich den marktüblichen Rahmen?
Der erste und wichtigste Schritt ist deshalb: Recherchieren Sie den sogenannten marktübliche Rahmen für Ihr neues Gehalt. Oder anders formuliert: Finden Sie heraus, was jemand mit Ihrer Qualifikation und Ihren Erfahrungen verdient…
- in diesem Beruf?
- in dieser Position?
- in diesem Unternehmen?
- in dieser Branche?
- in dieser Region?
Hinweise hierzu finden Sie beispielsweise auf Karrierebibel in unseren Übersichten zum Einstiegsgehalt oder zum Durchschnittsgehalt in Deutschland.
Mithilfe der Gehaltstabellen und Vergleichen in Jobportalen und Stellenanzeigen wissen Sie schon mal, was Sie durchschnittlich verdienen können, was realistisch und angemessen ist. Damit können Sie in der Gehaltsverhandlung bereits eine fundierte und konkret Zahl nennen, die dem Personaler signalisiert: „Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und kenne meinen Marktwert!“
Achtung: Laut Personaler-Umfragen riskieren die meisten Bewerber eine Absage, wenn sie 20 % über dem marktüblichen Durchschnitt liegen! Aus zu niedrigen Gehaltsvorstellungen schließen Personalverantwortliche wiederum auf mangelnde Erfahrung oder schlechte Vorbereitung.
Was tun, wenn das letzte Gehalt zu niedrig war?
Auf die Gehaltsfrage sollten Sie niemals mit einer Lüge antworten. Solche Lügen haben kurze Beine und fliegen durch geschicktes Nachfragen schnell auf. Dann ist Ihre Glaubwürdigkeit dahin – und mit ihr meist auch alle Jobchancen.
Ehrlichkeit zahlt sich mehr aus. Falsche Bescheidenheit aber nicht! Bedeutet: Wenn Sie finden, bisher zu wenig verdient zu haben, sollten Sie das sagen – ganz offen und indem Sie einen marktgerechten Wert fordern, der über dem alten liegt.
Strategien & Antworten bei zu niedrigem bisherigen Gehalt:
- Bisher erst Einstiegsgehalt:
„Ich finde, mein bisheriges Gehalt ist kein guter Vergleichswert. Es war mein Einstiegsgehalt, und ich habe damals zu wenig darüber gewusst, schlecht verhandelt und mich unter Wert verkauft. Inzwischen stelle ich mir ein Gehalt zu marktüblichen Konditionen vor – in Höhe von 32.480 Euro.“ - Zuvor schlecht verhandelt:
„Bei meinem Berufseinstieg hatte ich noch keine gute Informationen über marktübliche Gehälter. Mein bisheriges Gehalt ist daher kein realistischer Ausgangswert für die Zukunft.“ - Bisher in Teilzeit gearbeitet:
„Bei Ihrer Position handelt es sich um eine Vollzeitstelle. Mein aktueller Job ist aber eine Teilzeitbeschäftigung. Daher ist mein bisheriges Gehalt wenig aussagekräftig. Lassen Sie uns deshalb über meine künftigen Aufgaben und Leistungen sprechen und ein dazu passendes Gehalt verhandeln.“ - Deutliche Erfolge oder Leistungssteigerung:
„Verglichen mit meinen Leistungen und Erfolgen, etwa [Beispiele], ist mein aktuelles Gehalt zu niedrig. Ich empfinde daher ein Jahresgehalt von 39.550 Euro als fair und angemessen.“
Noch leichter wird die Gehaltsverhandlung, wenn Sie mit dem Jobwechsel mehr Verantwortung übernehmen oder einen Karrieresprung machen. In dem Fall können Sie damit argumentieren, dass Sie sich mit steigender Leistung und Verantwortung auch finanziell weiterentwickeln wollen. Solange Sie dabei auf den marktüblichen Rahmen verweisen, wird Ihr Verhandlungspartner das akzeptieren.
Worauf muss ich im Gehaltsgespräch achten?
Wenn Sie im Gehaltsgespräch ein höheres Gehalt als bisher durchsetzen wollen, ist das Wichtigste, dass Sie selbstbewusst bleiben. Verschweigen Sie das alte Gehalt nicht, lügen Sie nicht, und rechtfertigen Sie eine Erhöhung stets mittels relevanter Fähigkeiten und Erfahrungen sowie Ihrer positiven Entwicklung oder Übernahme von mehr Verantwortung im neuen Job. Es ist dazu unbedingt erforderlich, dass Ihr Gehaltswunsch realistisch ist und einem marktüblichen Gehalt entspricht – also bitte niemals Fantasiepreise nennen!
Gleichzeitig sollten Sie stets das Eröffnungsangebot machen und hierbei eine möglichst „krumme“ und konkrete Zahl als Jahresbruttogehalt nennen – etwa „36.790 Euro“ oder „45.320 Euro“. Was hierbei psychologisch wirkt ist der Ankereffekt. Studien zeigen: Wer die erste Zahl nennt, landet signifikant häufiger bei seinem Wunschgehalt als andersherum.
Mehr Gehalt gehört aber nicht in den Vordergrund
Der Gehaltssprung sollte im Bewerbungsprozess dennoch nie im Vordergrund stehen. Ihre Haltung sollte immer sein: Sie interessiert zuerst der Job, die Firma, die Herausforderung – nicht das Geld! Ihr neuer Arbeitgeber sucht keine Söldner, sondern neue Teamspieler. Fallen Sie also nicht schon zu Beginn des Bewerbungsgesprächs oder beim Headhunter-Interview mit der Gehaltstür ins Haus. Warten Sie lieber, bis der neue Arbeitgeber die Gehaltsfrage stellt.
Verhandelt wird übrigens meistens das Brutto-Jahresgehalt. Darin enthalten sind häufig auch Weihnachts- und Urlaubsgeld, mögliche Prämien sowie sonstige Sonderleistungen. Klären Sie das trotzdem ab, nicht dass Sie nachher eine negative Überraschung erleben…
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