Ausbildungsvergütung Rechner Ausbildungsvergütung Einzelhandel Ausbildungsvergütung Elektriker Ausbildungsvergütung Altenpflege
Hoher Praxisanteil, frühe Berufserfahrung, eine vergleichsweise kurze Dauer und Vergütung vom ersten Tag an - diese Vorteile überzeugen jedes Jahr hunderttausende junge Menschen von einer Berufsausbildung. Ausbildungsberufe sind, zumindest in einigen Branchen, in den letzten Jahren attraktiv geworden. Das liegt manchen Stimmen zufolge nicht zuletzt an den Ausbildungsvergütungen, die teilweise üppig sind. Doch es gibt große Unterschiede. Wir zeigen, was Ihnen zusteht.

Ausbildungsvergütung: Faire Bezahlung als Vorteil für Unternehmen

Auszubildende, die in Deutschland eine duale Berufsausbildung machen, also sowohl im Betrieb als auch der Berufsschule lernen, erhalten am Ende des Monats eine Ausbildungsvergütung. Diese Bezahlung ist weder Lohn noch Gehalt, sondern soll die Auslagen eines Auszubildenden decken und ein Taschengeld sein. Doch Ausbildungsvergütungen schwanken von Branche zu Branche enorm.

Der aktuelle Berufsbildungsbericht (PDF) zeigt, dass die Zahl der Ausbildungsverträge 2015 um 0,2 Prozent auf 522.100 gesunken ist. Was nach einer schlechten Nachricht klingt, ist für angehende Azubis tatsächlich ein gutes Zeichen. Denn mit rund 41.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen erreichte diese Zahl einen neuen Höchststand seit 1996.

Immer mehr Unternehmen müssen sich daher nicht bei der Suche nach neuen Mitarbeitern, sondern auch bei der Anwerbung neuer Azubis ins Zeug legen. Employer Branding wird hier immer wichtiger. Gute Arbeitsbedingungen sind zwar wichtig, doch eine faire Ausbildungsvergütung spielt hier ebenfalls eine Rolle.

Diese kann und sollte von Unternehmen durchaus auch im Employer Branding genutzt werden. Zwar gibt es in vielen Branchen Tarifverträge, die auch die Ausbildungsvergütung regeln. Doch diese sind für Arbeitgeber nur dann bindend, wenn sie einem entsprechenden Arbeitgeberverband angehören oder der Tarifvertrag allgemein verbindlich ist. Das folgende Schaubild zeigt, dass die tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind.

Ausbildungsvergütung Rechner Ausbildungsvergütung Einzelhandel Ausbildungsvergütung Elektriker Ausbildungsvergütung Altenpflege

[Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung]


Ist ein Unternehmen jedoch nicht an einen Tarifvertrag gebunden, sollte eine "angemessene Vergütung" gezahlt werden, wie es im Berufsbildungsgesetz formuliert ist. Dafür gibt es auch einen Richtwert, den das Bundesinstitut für Berufsbildung ermittelt. Nicht tarifgebundene Unternehmen dürfen von diesem Richtwert nicht weiter als 20 Prozent - nach unten - abweichen. Sonst gilt die Ausbildungsvergütung als sittenwidrig.

Es liegt jedoch auch im eigenen Interesse der Unternehmen, hier faire Ausbildungsvergütungen zu bezahlen. Denn neben dem rein finanziellen Anreiz ist die Höhe der Ausbildungsvergütung auch Ausdruck der Wertschätzung für die erbrachte Leistung. Hier sollten Unternehmen keinesfalls knausern.

Ausbildungsvergütung: Branchenspezifische Unterschiede

Ausbildungsvergütung RechnerDer bereits erwähnte stetige Anstieg der Ausbildungsvergütung könnte beim einen oder anderen angehenden Azubi zu großen Hoffnungen und unrealistischen Erwartungen führen.

Wir wollen zwar kein Spielverderber sein, Ihren Blick jedoch auf die realistischen Verdienstmöglichkeiten und Chancen lenken. Ja, die Ausbildungsvergütungen steigen. Doch in Branchen, deren Lohnniveau ohnehin niedrig ist, sind auch die Ausbildungsvergütungen entsprechend gering bemessen.

Einen ersten Eindruck geben die Zahlen des oben erwähnten Richtwerts des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Dieser liegt aktuell (Stand 2016) bei:

  • 1. Ausbildungsjahr: 777 Euro (Westdeutschland) und 727 Euro (Ostdeutschland)
  • 2. Ausbildungsjahr: 853 Euro (Westdeutschland) und 802 Euro (Ostdeutschland)
  • 3. Ausbildungsjahr: 942 Euro (Westdeutschland) und 882 Euro (Ostdeutschland)
  • 4. Ausbildungsjahr: 974 Euro (Westdeutschland) und 955 Euro (Ostdeutschland)

Diese Zahlen klingen zunächst gut, allerdings offenbart der Ausbildungsreport 2016 (PDF) einige Haken: Da wäre zum Einen der offensichtliche Unterschied nach wie vor zwischen Ost- und Westdeutschland - immerhin über ein Vierteljahrhundert nach der deutschen Wiedervereinigung.

So wie Löhne und Gehälter nähert sich auch die Ausbildungsvergütung im Osten langsam dem Westniveau an, immerhin zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Aber: Ostdeutsche Jugendliche bekommen erst 94 Prozent dessen, was westdeutsche Auszubildende verdienen.

Des Weiteren zeigt ein Blick auf verschiedene Branchen, dass es leider auch anders aussehen kann, und zwar in Berufsgruppen, die unterdurchschnittlich verdienen: Bei Friseuren liegt die Ausbildungsvergütung zwischen 269 (Ost) bis 494 (West) Euro - das ist mehr als die Hälfte weniger als beispielsweise Mechatroniker in Westdeutschland verdienen. Denen stehen durchschnittlich 998 Euro monatlich zur Verfügung.

Ebenfalls gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede beim Verdienst. Die liegen zwar nicht in einer offensichtlichen Benachteiligung von weiblichen Azubis. Allerdings existieren große Unterschiede zwischen Branchen, in denen eher Frauen arbeiten und solchen, die eher männerdominiert sind.

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Ausbilungsvergütung: Worauf Azubis achten sollten

Tarifverträge und gesetzliche Vorgaben - denen zufolge die Ausbildungsvergütung übrigens mindestens einmal im Jahr steigen muss - sind für angehende Azubis jedoch nur ein Aspekt der Ausbildungsvergütung. Denn erstens sollte bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz nicht nur auf finanzielle Aspekte geachtet werden. Und zweitens können auch Anreize und Zusatzleistungen über die Ausbildungsvergütung hinaus relevant sein.

Daher haben wir im Folgenden die wichtigsten Aspekte für die Ausbildungssuche zusammengestellt. Angehende Azubis sollten bei der Wahl des künftigen Ausbildungsträger darauf achten...

  • welche Arbeits- und Rahmenbedingungen das Unternehmen seinen Azubis bietet.
  • wie die Steigerung der Ausbildungsvergütung gehandhabt und vereinbart wird.
  • ob es weitere finanzielle Anreize - Prämien für gute Leistungen oder ähnliches - gibt.
  • welche Bildungs- und Qualifikationschancen der Arbeitgeber über die Ausbildung hinaus bietet.
  • welche beruflichen Perspektiven der Ausbildungsträger auch nach der Ausbildung bietet.
  • wie und ob die Reputation des Unternehmens bei späteren Bewerbungen helfen kann.
  • ob die Aufgaben und Möglichkeiten im Rahmen der Ausbildung zu den eigenen Zielen passen.

Es gibt also deutlich mehr Aspekte für die Ausbildungsvergütung und Ausbildungssuche als den monatlich überwiesenen Betrag. Welche davon für Sie relevant und wichtig sind, müssen Sie selbst entscheiden.

Ausbildungsvergütung: Welche Berufe sind besonders lukrativ, welche nicht?

Wie bereits ausgeführt, unterscheiden sich die Ausbildungsvergütungen je nach Branche und ob sie in Ost- beziehungsweise Westdeutschland gezahlt werden. Darüber hinaus sind regionale Unterschiede möglich, je nach Tarifvertrag. Auch werden außerbetriebliche Ausbildungen geringer vergütet als betriebliche.

In einigen Branchen gibt es der Auswertung des BIBB von 2016 zufolge allerdings keine Unterschiede mehr zwischen Ost und West, so etwa bei den folgenden Ausbildungsberufen:

  • Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen
  • Medientechnologe/-technologin Druck
  • Verwaltungsfachangestellte/-r
  • Dachdecker/-in
  • Medizinische/-r Fachangestellte/-r
  • Maler/-in und Lackierer/-in
  • Bäcker/-in
  • Florist/-in
  • Schornsteinfeger/-in

Aber: Gleiche Ausbildungsvergütung heißt noch nicht, dass die Bezahlung besonders lukrativ wäre. Dem BIBB zufolge waren 2016 die folgenden Ausbildungen beispielsweise besonders gut vergütet:

  • Maurer/-in: durchschnittlich 1042 Euro im Monat
  • Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen: durchschnittlich 1028 Euro im Monat
  • Mechatroniker/-in: durchschnittlich Euro 1023 im Monat
  • Industriemechaniker/-in: durchschnittlich Euro 1017 im Monat

Im krassen Gegensatz dazu standen Ausbildungen in den folgenden Bereichen:

  • Maler/-in und Lackierer/-in: durchschnittlich 670 Euro im Monat
  • Bäcker/-in: durchschnittlich Euro 618 im Monat
  • Florist/-in: durchschnittlich Euro 587 im Monat
  • Schornsteinfeger/-in: durchschnittlich 495 Euro im Monat

Zusätzliche Finanzspritze zur Ausbildungsvergütung

Es liegt auf der Hand, dass eine Vielzahl der Azubis nicht von ihrer Ausbildungsvergütung leben können. Was tun? Immer wieder wird betont, dass bei der Wahl des Berufes nicht nur aufs Geld geschielt werden sollte. Aber von irgendwas muss der Mensch leben.

Auszubildende, die noch bei ihren Eltern wohnen, müssen häufig bestenfalls ein Kostgeld Zuhause abgeben und behalten immer noch genügend übrig, um sich auch mal etwas gönnen zu können. Schwieriger sieht es allerdings bei denen aus, die einen Ausbildungsplatz in einer anderen Stadt gefunden haben.

Entweder, es kommen Reisekosten hinzu oder aber direkt ein Umzug: Mit dem Wohnortswechsel sind dann natürlich auch gestiegene Ausgaben bei den Miet- und Lebenshaltungskosten wahrscheinlich. Für diesen Fall gibt es die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB).

Der Vorteil bei dieser staatlichen Leistung liegt darin, dass sie als voller Zuschuss gewährt wird, Auszubildende also nichts zurückzahlen müssen. Allerdings ist die Gewährung an bestimmte Auflagen geknüpft, denn bestimmt ist ist die BAB für...

  • Auszubildende eines staatlich anerkannten Ausbildungsberufs.
  • In Ausnahmefällen: Auszubildende, deren zweite Ausbildung eine erfolgreiche Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt verspricht.
  • In Ausnahmefällen: Wenn die erste Ausbildung abgebrochen wurde und die Begründung plausibel ist.
  • Teilnehmer an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB).

Aber auch wenn Sie keinen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe haben, gibt es noch Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu bekommen. Zum einen können Sie einen Antrag auf Wohngeld beim zuständigen Amt Ihres Wohnortes stellen.

Zum anderen haben Auszubildende ein Anrecht auf das Kindergeld, dass ihre Eltern bis zum 25. Lebensjahr gezahlt bekommen.

[Bildnachweis: goodluz, Syda Productions by Shutterstock.com]