Ausbildungsvergütung: Das steht Ihnen zu
Hoher Praxisanteil, frühe Berufserfahrung, eine vergleichsweise kurze Dauer und Vergütung vom ersten Tag an - diese Vorteile überzeugen jedes Jahr hunderttausende junge Menschen von einer Berufsausbildung. Ausbildungsberufe sind, zumindest in einigen Branchen, in den letzten Jahren attraktiv geworden. Das liegt manchen Stimmen zufolge nicht zuletzt an den Ausbildungsvergütungen, die teilweise üppig sind. Doch es gibt große Unterschiede. Wir zeigen, was Ihnen zusteht.

Ausbildungsvergütung: Faire Bezahlung als Vorteil für Unternehmen

Der Berufsbildungsbericht zeigt, dass die Zahl der Ausbildungsverträge 2014 um 1,4 Prozent auf 522.200 gesunken ist. Was nach einer schlechten Nachricht klingt, ist für angehende Azubis tatsächlich ein gutes Zeichen. Denn mit über 37.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen erreichte diese Zahl einen neuen Höchststand.

Immer mehr Unternehmen müssen sich daher nicht bei der Suche nach neuen Mitarbeitern, sondern auch bei der Anwerbung neuer Azubis ins Zeug legen. Employer Branding wird hier immer wichtiger. Gute Arbeitsbedingungen sind zwar wichtig, doch eine faire Ausbildungsvergütung spielt hier ebenfalls eine Rolle.

Diese kann und sollte von Unternehmen durchaus auch im Employer Branding genutzt werden. Zwar gibt es in vielen Branchen Tarifverträge, die auch die Ausbildungsvergütung regeln. Doch diese sind für Arbeitgeber nur dann bindend, wenn sie einem entsprechenden Arbeitgeberverband angehören oder der Tarifvertrag allgemein verbindlich ist. Das folgende Schaubild zeigt, dass die tariflich geregelten Ausbildungsvergütungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind.

BIBB___Fachbeitrag_2015__Tarifliche_Ausbildungsvergütungen_2014

Ist ein Unternehmen jedoch nicht an einen Tarifvertrag gebunden, sollte eine "angemessene Vergütung" gezahlt werden, wie es im Berufsbildungsgesetz formuliert ist. Dafür gibt es auch einen Richtwert, den das Bundesinstitut für Berufsbildung ermittelt. Nicht tarifgebundene Unternehmen dürfen von diesem Richtwert nicht weiter als 20 Prozent - nach unten - abweichen. Sonst gilt die Ausbildungsvergütung als sittenwidrig.

Es liegt jedoch auch im eigenen Interesse der Unternehmen, hier faire Ausbildungsvergütungen zu bezahlen. Denn neben dem rein finanziellen Anreiz ist die Höhe der Ausbildungsvergütung auch Ausdruck der Wertschätzung für die erbrachte Leistung. Hier sollten Unternehmen keinesfalls knausern.

Ausbildungsvergütung: Branchenspezifische Unterschiede

Syda Productions/shutterstock.com Der bereits erwähnte stetige Anstieg der Ausbildungsvergütung könnte beim einen oder anderen angehenden Azubi zu großen Hoffnungen und unrealistischen Erwartungen führen. Wir wollen zwar kein Spielverderber sein, Ihren Blick jedoch auf die realistischen Verdienstmöglichkeiten und Chancen lenken. Ja, die Ausbildungsvergütungen steigen. Doch in Branchen, deren Lohnniveau ohnehin niedrig ist, sind auch die Ausbildungsvergütungen entsprechend geringen bemessen.

Einen ersten Eindruck geben die Zahlen des oben erwähnten Richtwerts des Bundesinstituts für Berufsbildung. Dieser liegt aktuell bei:

  • 1. Ausbildungsjahr: 723 Euro in Westdeutschland und 661 Euro in Ostdeutschland
  • 2. Ausbildungsjahr: 798 Euro in Westdeutschland und 737 Euro in Ostdeutschland
  • 3. Ausbildungsjahr: 884 Euro in Westdeutschland und 807 Euro in Ostdeutschland

Diese Zahlen klingen gut, doch ein Blick auf verschiedene Branchen zeigt, dass es leider auch anders aussehen kann. Bei Floristen und Friseuren liegen die Ausbildungsvergütungen beispielsweise zwischen 269 bis 572 Euro. Der Ausbildungsreport 2014 kommt dann leider auch zum Ergebnis, dass 49,2 Prozent der Azubis nicht von ihrer Ausbildungsvergütung leben können.

Ausbilungsvergütung: Worauf Azubis achten sollten

Andresr/ShutterstockTarifverträge und gesetzliche Vorgaben - denen zu Folge die Ausbildungsvergütung übrigens mindestens einmal im Jahr steigen muss - sind für angehende Azubis jedoch nur ein Aspekt der Ausbildungsvergütung. Denn erstens sollte bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz nicht nur auf finanzielle Aspekte geachtet werden. Und zweitens können auch Anreize und Zusatzleistungen über die Ausbildungsvergütung hinaus relevant sein.

Daher haben wir im Folgenden die wichtigsten Aspekte für die Ausbildungssuche zusammengestellt. Angehende Azubis sollten bei der Wahl des künftigen Ausbildungsträger darauf achten...

  • ... welche Arbeits- und Rahmenbedingungen das Unternehmen seinen Azubis bietet.
  • ... wie die Steigerung der Ausbildungsvergütung gehandhabt und vereinbart wird.
  • ... ob es weitere finanzielle Anreize - Prämien für gute Leistungen oder ähnliches - gibt.
  • ... welche Bildungs- und Qualifikationschancen der Arbeitgeber über die Ausbildung hinaus bietet.
  • ... welche beruflichen Perspektiven der Ausbildungsträger auch nach der Ausbildung bietet.
  • ... wie und ob die Reputation des Unternehmens bei späteren Bewerbungen helfen kann.
  • ... ob die Aufgaben und Möglichkeiten im Rahmen der Ausbildung zu den eigenen Zielen passen.

Es gibt also deutlich mehr Aspekte für die Ausbildungsvergütung und Ausbildungssuche als den monatlich überwiesenen Betrag. welche davon für Sie relevant und wichtig sind, müssen Sie selbst entscheiden.

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[Bildnachweis: racorn, Syda Productions, Andresr by Shutterstock.com]