Wer schreibt, verrät sich. Die Schrift ist Körpersprache, sie ermöglicht einen Blick in seine Psyche und Persönlichkeit. Das jedenfalls sagen Graphologen. Für sie ist die Schrift eine Art Charakterzeugnis, so individuell wie ein Fingerabdruck. Diese Einschätzung ist allerdings umstritten. Schriftanalyse gilt vielen als esoterische Kaffeesatzleserei, als Hokuspokus. Graphologie ist nicht einmal eine anerkannte Wissenschaft, obwohl der aus dem Griechischen stammende Begriff (Lehre von der Bedeutung der Handschrift) das nahe legt. Tatsächlich ist Graphologie eine untergeordnete Disziplin der Psychologie, angesiedelt in der Persönlichkeitsdiagnostik.
Aber auch wenn man nicht daran glaubt, kann man sich im Internet einem kurzen und amüsanten Selbsttest unterziehen. Der erhebt freilich keinen wissenschaftlichen Anspruch, macht aber Spaß. Dazu schreiben Sie zuerst eine Textvorlage ab und analysieren diese anschließend selbst. 20 Fragen zur Schriftanalyse – zu finden unter dem Stichwort Deutung – helfen Ihnen dabei. Kurz darauf bekommen Sie ein kleines Psychogramm von sich selbst. Meines liest sich übrigens so (das Urteil darüber überlasse ich jenen, die mich kennen):
Der Schreiber ist selbstbewusst und bereit, seine Stärken auch anderen zu zeigen. Er ist locker und großzügig. Der Schreiber ist ein impulsiver, vielseitiger und unkonventioneller Typ. Es fällt ihm nicht leicht, sich anzupassen. Er ist von sich überzeugt und hat eine eigene Meinung. Er lässt sich von anderen nicht so leicht beeinflussen, auch nicht von einem „Das gehört sich aber so.“ Er ist sinnlich, warmherzig, gemütlich und phantasievoll. Im Großen und Ganzen wirkt er gelassen bis uninteressiert, wenn er aber von einer Sache überzeugt ist, überrascht er seine Umwelt durch sein überschwängliches und begeisterungsfähiges Auftreten. Er ist lebhaft und kontaktfreudig. Mit viel Verständnis für die Belange anderer. Der Schreiber ist anderen Menschen gegenüber immer offen und aufgeschlossen. Der Umgang mit Menschen macht ihm Spaß, der ideale Arbeitsplatz ist da, wo er mit anderen Menschen zu tun hat. Er arbeitet sehr genau und zeichnet sich durch rationales, analytisches Denken aus. Der Schreiber ist sehr stark um Gerechtigkeit bemüht. Er versucht stets, sich für andere einzusetzen. Er ist ein sehr humorvoller Mensch, bemüht sich, mit diesem Humor niemanden zu verletzen. Der Schreiber ist ein impulsiver und phantasievoller Idealist.
1. Kommentar
Ben
05.11.08 um 08:34 Uhr
Angeber! ;-)
2. Kommentar
Gerhard Zirkel
05.11.08 um 09:18 Uhr
Die Graphologie ist natürlich keine anerkannte Wissenschaft. Von unseren Wissenschaftlern anerkannt ist nur das, was sich wirtschaftlich verwerten lässt und das ist bei der Graphologie halt nicht gegeben. Genausowenig wie beim Feng Shui, der Astrologie oder was weiß ich.
Von daher sehe ich das Argument der wissenschaftlichen Anerkennung immer von zwei Seiten, eigentlich sagt es nichts aus. Die Schulmedizin ist beispielsweise anerkannt, aber nicht weil sie zu 100% bewiesen ist (ist sie nämlich nicht), sondern weil man damit einen Haufen Geld machen kann.
Nur meine Meinung – konnt ich mir jetzt nicht verkneifen (siehe Artikel weiter oben) … :)
Gerhard Zirkel
3. Kommentar
Jochen Mai
05.11.08 um 09:45 Uhr
@Ben: hahaha, was kann ich dafür, das kam raus… :))
@Gerhard Zirkel: Ich hatte seinerzeit mal einen größeren Artikel dazu in der WirtschaftsWoche geschrieben, inklusive eines Praxistests. Ergebnis: Die Schriftgutachten kamen der Eigen- und Fremdwahrnehmung der Probanden erstaunlich nah – nahezu 90 Prozent Trefferquote. Allerdings muss man dazu sagen: Wir haben dafür auch die besten und erfahrendsten Graphologen ausgewählt und nicht irgendwelche Anfänger.
4. Kommentar
Gerhard Zirkel
05.11.08 um 11:27 Uhr
Hallo Jochen,
für solche Tests muss man immer die erfahrenen Anbieter wählen, ein erfahrener Arzt kann ja auch mehr als ein unerfahrener. Bei mir stimmte der Test auch recht gut, ich schätze zu 60% traf er zu. Aber meine Schrift ist ohnehin eine dermaßene Sauklaue, dass ich damit vermutlich auch erfahrene Graphologen zur Verzweiflung bringen würde. :)
Vielleicht blogge ich deshalb so gerne, da muss ich nicht mit der Hand schreiben.
Gerhard
5. Kommentar
Jochen Mai
05.11.08 um 11:30 Uhr
@Gerhard: Nein, das ist ein Trugschluss: Die Sauklaue ist überhaupt nicht entscheidend, weil die Graphologen nicht so sehr den Inhalt lesen, sondern das Schriftbild analysieren. Es geht dabei mehr um Ober-, Mittel- und Unterlängen, um Neigung und Schriftstärke, Druck, Zeilenabstand, Gleichmäßigkeit, etc. Wie schön das aussieht, ist dabei relativ egal.
6. Kommentar
Andreas Frintrup
05.11.08 um 12:13 Uhr
@ Herrn Mai: Das ist leider auch falsch – es gibt in der wissenschaftlich arbeitenden Psychologie schöne Experimente, die z.B. zeigen, dass Graphologen zu Prognosestärken auf gleichem (geringen) Niveau von Bewerbungsunterlagen kommen, wenn sie handgeschriebene Lebensläufe zu bewerten haben aber auf negative Prognosestärken, wenn sie Texte zu bewerten haben, die mit der Leistungsbiographie der Person nichts zu tun haben….
7. Kommentar
Jochen Mai
05.11.08 um 12:23 Uhr
@Andreas Frintrup: Die Graphologie-kritischen Experimente sind mir bekannt. Darum steht da ja auch das leicht zu überlesende Wort “relativ” (egal). Natürlich beherzigen Schriftpsychologen zum Teil auch die Inhalte – etwa bei Motivationsschreiben, die handschriftlich eingereicht werden sollen.
Fakt ist aber auch: Wir haben damals für die Recherche drei gleichlautende Texte (ein neutrales Gedicht) von drei Kollegen graphologisch untersuchen lassen. Die Schriftpsychologen kannten weder die Person (nur Geschlecht und Alter), noch deren Lebenslauf. Dennoch bestachen die Gutachten durch ihre Treffsicherheit. Ich gebe zu, Empirie mit n=3 ist wissenschaftlich nicht haltbar, aber mich hat das überzeugt.
Tatsache ist übrigens auch, dass die Graphologie in Frankreich und Italien nach wie vor einen hohen Stellenwert genießt. Und ich kann mir gerade nicht so recht vorstellen, dass die französischen und italienischen Wissenschaftler (Psychologen) so viel dümmer sein sollten als die deutschen…
8. Kommentar
Jan H.
05.11.08 um 13:02 Uhr
@ Herrn Mai: Das ist erstaunlich. Ich dachte zunächst, das der Test immer das selbe ausspuckt. Mein Psychogramm ist bis auf den letzten Teil der mit Gerechtigkeit anfängt absolut identisch mit Ihrem…
Ich stelle mir also gerade Ihre Schrift vor ;-)
Schöne Grüße,
Jan H.
9. Kommentar
Jochen Mai
05.11.08 um 13:40 Uhr
@Jan: Ich sagte ja eingangs, dass ein solcher Test nicht wirklich ausdifferenziert oder gar wissenschaftlich sein kann, sondern vor allem Spaß macht. Ich nehme einfach an, es gibt dort Textschablonen, die den jeweiligen Angaben zugeordnet und dann zusammengestellt werden. Freunde von mir, die das auch schon ausprobiert haben, bekamen dabei aber durchaus andere Texte heraus. Dennoch kann es natürlich sein, dass sich unsere Schriften ähneln (sehr sympathisch!). Da wir beide keine ausgebildeten Schriftanalysten sind, ist aber ebenso denkbar, dass einfach nur unsere Interpretationen der eigenen Klaue ähnlich ausgefallen sind.
10. Kommentar
Menachem
07.11.08 um 20:17 Uhr
Ich glaube, das man selbst ein wenig einschätzt, wie das ganze stimmt. Ich finde es ganz ordentlich getroffen. Da aber auch eine Aussage dort ist, wo nichts bei mir steht, und bei dir, und umgekehrt, ist auch das unterschiedliche eine Aussage. Deshalb, auch für deinen eigenen Vergleich, was uns unterscheidet nach Graphologen, hier meine. Hat Spaß gemacht, Jochen, war mal wieder ein guter Tip. allerdings finde ich fehlt bei dir, dass du sehr zielbewusst und eine mir nahezu fast unbekannte Fleißigkeit hast. Das ist ein respektvolles Kompliment. Hätte ich dein Fleiß, wäre ich jetzt vielleicht Obama :-:)
Welcland ist selbstbewusst und bereit,
seine Stärken auch anderen zu zeigen.
Er ist locker und großzügig.
Welcland gibt sich sehr beherrscht bzw. diszipliniert
und besitzt einen ausgeprägten Ordnungssinn.
Welcland ist ein Gewohnheitsmensch.
Er ist mit einer praktischen Intelligenz ausgestattet,
die ihm erlaubt, rationell zu arbeiten,
und zwar im Privat- wie auch im Berufsleben.
Für ihn ist verbindliches Auftreten und Arbeiten selbstverständlich.
Er ist sinnlich, warmherzig, gemütlich und phantasievoll.
Im Großen und Ganzen wirkt er gelassen bis uninteressiert,
wenn er aber von einer Sache überzeugt ist, überrascht er
seine Umwelt durch sein überschwängliches und begeisterungsfähiges Auftreten.
Er ist lebhaft und kontaktfreudig.
Mit viel Verständnis für die Belange anderer.
Welcland ist ein sehr gefühlsbestimmter Mensch.
Oft werden Entscheidungen gefühlsmäßig gefällt, obwohl bei
rein rationeller Überlegung eine andere Entscheidung die richtige wäre.
Er versucht, die eigene Meinung durchzusetzen.
Wenn er etwas besser weiß als andere, muss er es ihnen auch unbedingt mitteilen.
Welcland legt Wert auf eine Grunddistanz zu seinen Mitmenschen.
Auch gute Kollegen müssen nicht alles wissen.
Er ist bestrebt, anderen Menschen so weit wie möglich zu helfen.
Welcland ist sehr stark um Gerechtigkeit bemüht.
Er versucht stets, sich für andere einzusetzen.
Welcland ist insofern bescheiden und wenig aufdringlich,
als dass er es nicht nötig hat, die Umwelt bei jeder Gelegenheit
auf die eigenen Stärken aufmerksam zu machen.
11. Kommentar
Jochen Mai
08.11.08 um 09:03 Uhr
@Menachem: Fleiß allein würde nicht reichen. Leidenschaft, Spaß und die Lust kreativ zu sein sind die eigentlichen Motivatoren. Aber dennoch: Danke.
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