ollyy/shutterstock.comHinter dem Rücken wird getuschelt und gelästert, die eigentlich gute Arbeit wird grundlos kritisiert oder wichtige Informationen werden bewusst zurückgehalten – Mobbing hat viele Gesichter, doch unabhängig von der Art, ist es für die Opfer schwer, sich gegen Mobbing zu wehren. Für die Betroffenen wird so nicht nur der alltägliche Gang ins Büro zum Alptraum. Auch das Privatleben und die Gesundheit leiden unter den Folgen des Mobbings. Die Opfer fühlen sich in dieser Situation häufig hilflos, ohnmächtig und allein gelassen. Hier erfahren Sie, welche frühen Anzeichen es für Mobbing gibt, welche Gründe dahinter stecken und wie Sie mit Mobbing umgehen können

Mobbing Definition: Ein berufsübergreifendes Problem

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen, die aktuell im Job gemobbt werden. Andere Zahlen sprechen von 11,3 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, die im Berufsleben schon einmal drangsaliert worden sind – von Kollegen oder vom Chef. Genaue Zahlen kennt aber keiner: Die meisten Opfer schweigen – aus Scham oder Angst.

Unabhängig von Beruf, Branche und Unternehmen findet sich Mobbing in der gesamten Arbeitswelt. Anstatt gemeinsam an Zielen und Erfolgen zu arbeiten, begegnen sich Arbeitnehmer mit Anfeindungen oder Ausgrenzung.

Bemerkenswert daran: Mobbing ist vor allem ein Gruppenphänomen, weniger die Folge eines Einzeltäters.

Zu diesem Ergebnis kamen Organisationspsychologen um Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo von der Freien Universität Berlin. Laut ihren Untersuchungen (Dazu wurden die Aussagen von von mehr als 4300 Beschäftigten ausgewertet) spiele vor allem der Führungsstil der Chefs eine entscheidende Rolle: Je weniger gesprächsbereit sich die Führungskräfte zeigten und je weniger Mitspracherechte die Mitarbeiter hätten, desto häufiger trete das Phänomen auf.

Allerdings gilt es dabei zwischen Mobbing, also echter psychischer Gewalt auf der einen Seite und einfacher Abneigung zu unterscheiden: Von Kollegen nicht zum Mittagessen mitgenommen zu werden oder nicht gegrüßt zu werden, ist noch kein Mobbing, sondern nur grob unhöflich und eher ein Indiz dafür, dass man vielleicht an seinen Sympathiewerten arbeiten sollte.

Unter echtes Mobbing fallen hingegen…

…fortgesetzte Tätlichkeiten; sexuelle Belästigungen; Demütigungen; Diskriminierungen; grundloses Herabwürdigen der Leistung; vernichtende Beurteilungen; Isolation – auch von der betrieblichen Kommunikation; schikanöse Anweisungen, wie das Zuteilen nutzloser oder unlösbarer Aufgaben; Anweisungen für ehrmindernde Arbeiten, denen vergleichbare Mitarbeiter nicht unterworfen sind; sachlich unbegründbare Häufung von Arbeitskontrollen; sowie das Herbeiführen oder Aufrechterhalten eines Erklärungsnotstands.

Der Begriff selbst kommt übrigens vom Englischen “to mob” und bedeutet soviel wie anpöbeln oder bedrängen.

Häufig ist Mobbing die Folge schlechter Arbeitsorganisation: Mitarbeiter und Chef sind überlastet, unterfordert oder gelangweilt und kanalisieren ihren Frust auf ein Opfer. Oft trifft es dabei die unsicheren, kontaktarmen, stillen Kollegen. Für sie beginnt dann ein Teufelskreis aus Isolation, Schikane und der Paranoia, hinter jeder zweifelhaften Geste könnte ein Komplott stecken.

Mobbing indes hat weitreichenden Konsequenzen im Job, auf die Arbeitsatmosphäre und die Arbeitsqualität, aber noch schlimmere Auswirkungen im Privatleben der Opfer. Viele Arbeitnehmer können mit anhaltendem Mobbing und dem damit verbundenen Druck nicht umgehen und leiden durch psychische Erkrankungen auch außerhalb des Büros. Damit es erst gar nicht soweit kommt, ist es wichtig, Mobbing rechtzeitig zu erkennen.

Bekommen Führungskräfte davon Wind, müssen sie übrigens eingreifen (siehe weiter unten). Denn sie haben eine arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter. Heißt: Sie müssen den Mobbern sofort Einhalt gebieten – durch Ermahnungen, Abmahnungen, Versetzung oder Kündigung.

10 Zeichen, dass Sie gemobbt werden

Gerade zu Beginn der Schikane ist es vielen Arbeitnehmer gar nicht bewusst, dass sie gemobbt werden. Hier finden Sie zehn Warnzeichen, auf die Sie achten sollten.

  1. Die Arbeit belastet. Sie hassen Montage und lieben den Feierabend. Tagsüber schleppen Sie sich durch den Alltag, nachts quälen Sie Alpträume, Ängste, Sorgen.
  2. Sie erholen sich kaum noch. Urlaub dient Ihnen weniger zur Zerstreuung, zum Auftanken und zum Spaß, sondern Sie brauchen die Auszeit, um sich regelrecht mental und emotional zu erholen. Nicht ins Büro zu müssen, ist wie eine fehlende Last. Wenn Sie dann auch noch feststellen, dass diese Erholungsintervalle kaum noch ausreichen, um ihren Zweck zu erfüllen, ist das ein Alarmsignal: Sie stehen kurz vor einem Zusammenbruch!
  3. Übermäßige Kritik. Fehler kommen vor. Ebenso, dass man dafür gescholten wird. Aber das Nörgeln überwiegt, wenn Ihre grundsätzliche Kompetenz immer wieder in Frage gestellt wird, ist das ein sicheres Zeichen für Schikane.
  4. Fehler werden nachgehalten. Fehler werden entschuldigt, solange sie sich nicht wiederholen. So steht das in vielen Unternehmensstatuten. Und das ist auch richtig so. Aber es ist etwas anderes, wenn man Ihnen alte Fehler immer wieder vorhält und daraus eine Serie konstruiert, um Ihren Ruf zu diskreditieren.
  5. Sie werden regelmäßig ausgeschlossen. Und zwar vom gemeinsamen Mittagessen, vom Plausch in der Kaffeeküche (oder die Runde verstummt, sobald Sie aufkreuzen), und auch zu Meetings werden Sie entweder nicht eingeladen. Oder diese werden kurzfristig verschoben – was Ihnen allerdings keiner sagt. Ein typisches Signal für Antipathien und Heimtücke.
  6. Unangemessene Lautstärke. Manche Chefs haben mehr Temperament als andere. Sie sind emotionaler, impulsiver, werden vielleicht auch einmal laut. Das muss man zwar nicht hinnehmen, kann aber darüber hinweg sehen, wenn es im Rahmen bleibt. Nobody is perfect. Aber wenn Sie regelmäßig angeschrieen werden, womöglich sogar vor versammelter Mannschaft, dann ist das nicht nur unverschämt und illegal, sondern Mobbing. Die Betonung liegt allerdings auf regelmäßig.
  7. Tratsch und Lügen. Flurfunk, Gerüchte, Klatsch und Tratsch gibt es in jedem Unternehmen. Das hat sogar Vorteile. Wenn dieses Hörensagen jedoch destruktiv und anhaltend gegen Sie gerichtet ist, dann hat das den Charakter von übler Nachrede – und ist justiziabel.
  8. Sabotage. Noch einen Schritt weiter und man sagt Ihnen nicht nur Übles nach, sondern sorgt auch dafür, dass es stimmt. Ihr Computer wird manipuliert, Unterlagen verschwinden, Telefonterror, Kollegen intrigieren gegen Sie. Eindeutiger geht es nicht.
  9. Ideenklau. Ist letztlich nur eine andere Form von Sabotage – nur das diesmal sogar ein anderer unmittelbar davon profitiert. Auch das ist ein potenzielles Indiz dafür, dass man es auf Sie abgesehen hat.
  10. Mission Impossibile. In der Rechtsprechung fällt das eindeutig unter Mobbing: Man gibt Ihnen Aufgaben, die entweder eindeutig unter Ihrem Niveau liegen und herabwürdigend sind – oder Sie bekommen ein Projekt, das Sie unter den Bedingungen gar nicht schaffen können. Klassisch in dem Zusammenhang auch: Sobald klar ist, dass Sie an dem Abend einen wichtigen privaten Termin haben (Elternsprechtag, Hochzeitstag, etc.), überträgt Ihnen der Chef einen Job, der keinen Aufschub duldet. Und während alle zusammen Bier trinken gehen, schieben Sie Überstunden.

Mehr Mitgefühl gegenüber Geschlechtsgenossen

Der Chef fährt mal wieder aus der Haut, schikaniert und beleidigt den Kollegen im Meeting vor versammelter Runde. Peinlich ist das, vor allem für den Chef. Aber wer fühlt jetzt mit dem Mobbing-Opfer mit? Und fühlen Männer und Frauen anders, wenn ein Kollege so respektlos behandelt wird?

Ja, sagen die beiden Wissenschaftlerinnen Kathi Miner von der Texas A&M Universität und Angela Eischeid von der Buena Vista Universität in Iowa, die das untersucht haben. Tatsächlich sind wir gegenüber gleichgeschlechtlichen Kollegen wesentlich empathischer. Bei negativen Emotionen wie Wut, Angst oder Entmutigungen durch geringschätziges oder diffamierendes Verhalten empfanden die weiblichen Teilnehmer der Studie mehr Mitgefühl wenn eine Frau betroffen war, ebenso die Männer bei einem Mann.

Ist Ausgrenzung schon Mobbing?

lightwavemedia/shutterstock.comEs ist schwierig, die Grenze zwischen Ausgrenzung und Mobbing zu ziehen. In der Regel wird unter Letzerem erst das systematische Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte beziehungsweise Arbeitgeber verstanden. Es sind also Verhaltensweisen, die in ihrer Gesamtheit die Persönlichkeit und die Würde des Betroffenen verletzen.

  • Werden Sie von Ihren Kollegen regelmäßig und in böswilliger Absicht ausgegrenzt?
  • Werden Ihnen wichtige Informationen vorenthalten?
  • Werden Sie nicht nur ausgegrenzt, sondern regelrecht schikaniert?

Das könnten Anzeichen für Mobbing sein. Andernfalls bleibt es zwar unschön, kann aber auch eine soziale Reaktion sein.

Kleinreden wollen wir das aber auch nicht: Psychische Gewalt wirkt längst nicht so zerstörerisch auf Seele und Gesundheit wie Ausgrenzung und Ignoranz.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Sandra Robinson. Sie vermutet als Grund vor allem Ohnmachtsgefühle: Wer gemobbt wird, kann sich – zumindest theoretisch – juristisch wehren – mithilfe von Anwälten, Betriebsrat, befreundeten Kollegen. Selbst Vorgesetzte (so sie denn nicht die Täter sind) müssen hierbei handeln.

Bei Ausgrenzung dagegen fühlen sich die Betroffenen nur noch hilflos und allein.

Fehlender Gruß ist kein Mobbing

Die Verwaltungsfachkraft eines Verbands fühlte sich von ihrer Geschäftsführerin gemobbt: Die habe sie in Fachfragen regelmäßig übergangen und ihr damit die bisherige Leitungsrolle in der Abteilung entzogen. Schließlich hätte ihre Chefin sie morgens nicht mal mehr gegrüßt. Die Frau fühlte sich durch das Verhalten schikaniert und klagte beim Arbeitsgericht Mainz auf eine Entschädigung in Höhe von 120.000 Euro. Die Richter wiesen die Klage jedoch ab. Auch beim Landesarbeitsgericht (Az.: 10 Sa 121/12) hatte die Mitarbeiterin keinen Erfolg, Begründung: Nicht jeder Vorfall, der einem übel aufstößt, ist als gezielte Schikane zu werten. Ein unterbliebener Morgengruß und andere Verletzungen seien unhöflich, aber auch nur subjektive Empfindlichkeiten.

Mögliche Gründe für Mobbing

Oft verstehen Menschen, die sich in einer solchen Situation befinden, die Welt nicht mehr. Im privaten Umfeld werden Sie geschätzt und erfreuen sich einiger guter Freunde. Nur auf der Arbeit will es nicht laufen: Sie finden keinen Anschluss. Die Kollegen scheinen Ihnen gegenüber distanziert und abweisend.

Welche Gründe hinter dem Verhalten Ihrer Kollegen stehen können:

  • Sie sind neidisch auf Ihre Leistungen. Ihre Kollegen sind Ihnen gegenüber misstrauisch, weil Sie scheinbar perfekt sind und keine Fehler machen. Sie haben Erfolg und der scheint Ihnen zuzufliegen. Aus Sicht Ihrer Kollegen müssen Sie nun von Ihrem hohen Ross herunter geholt werden.
  • Sie haben ein gutes Verhältnis zum Chef. Ihr Chef mag Sie und das merken auch Ihre Kollegen. Vielleicht haben Sie und Ihr Chef gemeinsame Freunde oder Ihr Vater und Ihr Chef kennen sich aus Studienzeiten. Insgeheim sind Sie als Liebling des Chefs abgestempelt und ausgegrenzt. Man distanziert sich von Ihnen, weil man fürchtet, Sie könnten vertrauliche Informationen an den Chef weitergeben.
  • Sie haben sich mit Ihrem Verhalten unbeliebt gemacht. Als Sie neu ins Team gekommen sind, haben Sie sich den Kollegen gegenüber arrogant und besserwisserisch verhalten. Das kam schlecht an und Sie wurden nie integriert.
  • Sie leben in anderen Lebensumständen. Ihre Kollegen distanzieren sich von Ihnen, weil Sie den Eindruck haben, nichts mit Ihnen gemeinsam zu haben. Beispielsweise sind Sie die einzige verheiratete Frau mit Kindern. All Ihre Kolleginnen sind noch Singles und gehen Freitagabend gerne feiern, während Sie freitags früh das Büro verlassen, um noch Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen.

So reagieren Sie auf Mobbing

Melpomene/shutterstock.comNatürlich ist es Aufgabe des Vorgesetzten dafür zu sorgen, dass Mobbing am Arbeitsplatz verhindert wird. Diesem obliegt die arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht für die Arbeitnehmer. Das heißt, er muss den Mobbern sofort Einhalt gebieten – durch Ermahnungen, Abmahnungen, Versetzung oder Kündigung. Aber auch die Gemobbten können sich aus der Misere manövrieren, mit drei Hauptstrategien:

  • Ignorieren: Wenn Sie genug Freunde im Unternehmen haben und Sie sicher sein können, dass Ihrem Vorgesetzten der Querulant und dessen Aktionen egal sind, dann zeigen Sie dem Mobber die kalte Schulter. Das durchkreuzt die Pläne und trägt zur Deeskalation bei – dem wichtigsten Ziel bei Mobbing. Oft geben solche Typen schnell auf, wenn sie merken, dass Sie sich nicht in eine Opferrolle drängen lassen.
  • Angreifen: Gibt der Mobber nicht auf oder schart er zunehmend mehr Verbündete um sich, müssen Sie allerdings aktiv werden. Sprechen Sie ihn erst unter vier Augen an, danach vor Zeugen. Ebenso können Sie den Betriebsrat einschalten. Offenbaren Sie sein Verhalten vor Publikum und machen Sie ihm klar, dass Sie notfalls juristische Schritte unternehmen, falls er nicht aufhört. Sammeln Sie vor der Aktion aber unbedingt ein paar stichhaltige Beweise. Zur Not indem Sie Opfer spielen und den Büroterroristen so in Sicherheit wiegen, bis er in die Falle tappt. Mobbing ist strafbar.
  • Rückzug: Wenn gar nichts hilft, bleiben Ihnen nur zwei Alternativen: der Gang zum Chef oder die Kündigung. Bei Ersterem ist wichtig, dass Sie den Vorgesetzten auf seine Fürsorgepflicht aufmerksam machen und über interne Jobalternativen diskutieren. Bleiben Sie dabei aber unbedingt sachlich. Wer sich ausheult und klein macht, ramponiert seinen Ruf. Sie monieren Unrecht – deswegen sind Sie noch lange nicht wehr- oder hilflos. Der Heldennotausgang Kündigung ist hingegen oft sogar das Ziel der Mobber – vor allem, wenn einer davon der Chef ist. Auch wenn Ihnen der Abschied dann wie eine Niederlage erscheint – machen Sie sich klar: ein Unternehmen mit einer solchen Intrigantenkultur hat Sie nicht verdient.

Studie: Wer mobbt? Wer wird gemobbt?

Eine Studie zum Thema Mobbing hat aufschlussreiche Zahlen ans Licht gebracht. Besonders interessant: Frauen mobben deutlich häufiger als Männer, sind aber zugleich auch weit häufiger selbst das Mobbingopfer. Hier die Zahlen:

    Die Täter
  • 5,9 Prozent der Täter sind hierarchisch tiefer gestellt als ihr Opfer.
  • 18,7 Prozent der Täter haben dieselbe hierarchische Stufe wie ihre Opfer.
  • 75,4 Prozent der Täter sind Vorgesetzte.
  • 65,9 Prozent der Täter sind Frauen.
  • 34,1 Prozent der Täter sind Männer.
  • Die Opfer
  • 81,3 Prozent der Opfer sind Frauen.
  • 18,7 Prozent der Opfer sind Männer.

Hinweis für Mobber

Mobben macht krank. Wie Richard Ryan, Sozialpsychologe an der Universität von Rochester und seine Co-Autorin Nicole Legate ermitteln konnten, sind die Auswirkungen auf die Psyche der Täter alles andere als das, was die sich vielleicht naiv erhoffen: Spaß, Genugtuung, Machtgefühle. Das Gegenteil ist richtig: Sie leiden selbst darunter.

Andere auszugrenzen, erzeugt Scham- und Schuldgefühle, und mit der Zeit schwindet auch noch das Gefühl dabei unabhängig zu sein. Denn ausgrenzen und mobben strengt an. Auch wenn das Ziel der Attacken das vermeintliche Opfer ist, der Täter wird auch dessen Opfer, denn er muss jetzt seine Rolle durchhalten und sein Ziel erreichen. Und weil zum Mobben immer zwei gehören (einer, der mobbt und einer, der sich mobben lässt), rückt der Erfolg in immer weitere Ferne, je autonomer und souveräner das Opfer bleibt.

Die Autoren gehen sogar soweit zu sagen, dass die Täter ähnlich gestresst sind wie die Opfer. In den Studien ließ sich nachweisen, dass bei den Tätern dieselben Schmerzmechanismen im Gehirn ausgelöst wurden, wie bei Opfern körperlicher Gewalt. Kurz: Mobben macht die Mobber selber fertig.

Verhalten des Chefs: 7 Schritte gegen Mobbing am Arbeitsplatz

YURALAITS ALBERT/shutterstock.comAllerdings geht Mobbing in vielen Fällen leider vom Chef selber aus. In dieser Situation bleibt für den Arbeitnehmer oft nur der Rückhalt durch Kollegen, der nächsthöhere Vorgesetzte – oder die Kündigung.

Den mobbenden Tyrannen sollte jedoch klar sein, dass ihr Verhalten zahlreiche Kollateralschäden verursacht, wie etwa auch Studien der Verhaltensforscher Kenneth J. Harris und Paul Harvey von der Universität von New Hampshire dokumentieren.

In erster Linie sind das die Kollegen, die das miese Management mitansehen müssen. Bei den Befragungen unter 233 Arbeitnehmern zeigte sich, dass selbst nicht direkt betroffene Mitarbeiter ähnliche Verletzungen spürten wie die eigentlichen Opfer. Und das auch noch lange Zeit nach den Übergriffen.

Der Grund: Wenn fiese Chefs erst einmal eine zeitlang ungehindert auf diese Weise agieren, nehmen die Kollegen – bewusst oder unbewusst – wahr, dass ein solches Verhalten in der Organisation toleriert und nicht sanktioniert wird. Das vergrößert die Ohnmacht und macht jedem klar: Du könntest bald der nächste sein – und kannst nichts dagegen tun. Die Folgen sind zunehmender Jobfrust bei allen, sinkende Leistungen und eine wachsende Ellbogenkultur. Denn natürlich nehmen sich manche das Verhalten ihres Vorgesetzten zum Vorbild: Das Hauen und Stechen beginnt.

Schon aus dem Grund sollten Manager sofort einschreiten, wenn sie Mobbing wahrnehmen. Die nachfolgenden Schritte sind sicher nicht leicht durchzuführen, doch als Führungspersönlichkeit müssen Sie auch mit Konflikten und Auseinandersetzungen umgehen können. Sollten Sie Psychoterror innerhalb Ihres Teams entdecken, müssen Sie handeln:

Gespräch suchen – Es klingt banal, kann jedoch viele Probleme in kürzester Zeit lösen: Suchen Sie das Gespräch mit den mobbenden Mitarbeitern. Bereiten Sie sich darauf vor, in dem Sie das problematische Verhalten im Vorfeld dokumentieren und im Gespräch klar benennen. Machen Sie deutlich, dass die Initiative von Ihnen ausgeht und Sie sich am Verhalten stören. Es sollte klar werden, dass der gemobbte Mitarbeiter mit dem Gespräch nichts zu tun hat und Sie als Chef Anstoß am Verhalten nehmen.
Konsequente Hinweise – Mit einem Gespräch ist es in den meisten Fällen nicht getan. Weisen Sie die entsprechenden Mitarbeiter immer wieder auf das Verhalten hin, so bald Sie es in der Praxis bemerken. Achten Sie dabei auf die Verhältnismäßigkeit Ihrer Ansagen und verhindern Sie, dass Sie Ihrerseits Druck ausüben oder gar mobben.
Ursachen klären – Versuchen Sie sowohl durch Vier-Augen-Gespräche als auch im Team die Ursachen für das Mobbing herauszufinden. Nicht selten fungiert der gemobbte Mitarbeiter lediglich als Blitzableiter und ist ein willkommenes Ventil für ganz andere, lange aufgestaute Probleme und Konflikte. Versuchen Sie, die Ursachen nicht nur zu identifizieren, sondern diese auch den mobbenden Mitarbeitern bewusst zu machen und Lösungen zu finden.
Zeitnahe Entlastung – Ist Belastung durch das Mobbing akut und der betroffene Mitarbeiter bereits angeschlagen, sollten Sie als erste Sofort-Maßnahme für zeitnahe Entlastung sorgen. Das kann durch die Versetzung oder – im Extremfall – Beurlaubung des mobbenden Mitarbeiters geschehen. Das Mobbing-Opfer zu beurlauben, sendet oft das falsche Signal und kann vom Betroffenen als weitere Strafe missverstanden werden. Sollte dieser Schritt nötig sein, müssen Sie ihn auf jeden Fall ankündigen und erklären.
Externe Unterstützung – Laufen all Ihre initialen Maßnahmen und Aktivitäten ins Leere, sollten Sie externe Unterstützung ins Auge fassen. Hier kann es sich um professionelle Supervisoren oder Konfliktschlichter handeln, die ins Team kommen und den schwelenden Konflikt und das Mobbing vor Ort angehen. Sicherlich sollte Sie auch den Betriebsrat – spätestens an diesem Punkt – einschalten, doch ob seine Unterstützung allein ausreicht, darf bezweifelt werden.
Klare Positionierung – So manches Mobbing funktioniert nur deshalb, weil es geduldet wird. Als Chef können und sollten Sie sich hier klar – sowohl in Team-Meetings als auch im Arbeitsalltag – gegen Mobbing und anderen Psychoterror positionieren. Das bedeutet natürlich auch, dass Sie mit gutem Beispiel vorangehen und selbst jegliche Methoden in dieser Richtung vermeiden sollten.
Konsequente Sanktionen – Sollten alle Maßnahmen nicht greifen und die mobbenden Mitarbeiter keinerlei Einsicht zeigen, stehen Ihnen als letzte Option Sanktionen wie Abmahnungen und – schlimmstenfalls – Kündigungen offen. Dieser Weg ist natürlich das letzte Mittel, kann jedoch nötig sein. Sollte es darauf hinauslaufen, sollten Sie den Weg konsequent gehen und die notwendigen Sanktionen umsetzen. Dadurch setzen Sie auch ein klares Zeichen gegen solche Praktiken und Verhaltensweisen.
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