Unterbezahlt? Das können Sie tun
Gute Leistungen sollten gut und fair bezahlt werden. Eine These, der fast jeder zustimmt, die in der Realität aber leider nicht immer umgesetzt wird. Viele Arbeitnehmer haben das Gefühl, unterbezahlt zu sein - entweder im Vergleich zu Kollegen, die für die gleiche Arbeit eine bessere Bezahlung bekommen, oder im Vergleich zur gesamten Branche. Das Resultat: Unzufriedenheit, Motivationsverlust und Zweifel, ob der aktuelle Job oder Arbeitgeber wirklich zu einem passen. Zwar ist es leicht, dem Arbeitgeber die Schuld für eine Unterbezahlung zu geben, doch ganz unbeteiligt war man selbst schließlich auch nicht - und so können Sie selbst auch aktiv werden, um etwas an der Unterbezahlung zu ändern...

Wie kommt es zu einer Unterbezahlung?

Es gibt verschiedene Wege, auf die eigene Unterbezahlung aufmerksam zu werden. Vielleicht haben Sie mit einem Kollegen gesprochen, wobei das Gehalt thematisiert wurde und Sie verblüfft feststellen mussten, dass dieser am Ende des Monates mehrere Hundert Euro mehr auf der Gehaltsabrechnung findet. Oder Sie sind im Internet über die durchschnittliche Bezahlung in Ihrer Branche und für Ihre Position gestolpert und wundern sich, dass Ihr Lohn soweit darunter liegt.

In einigen Fällen ist es aber auch nur eine Ahnung, das Gefühl, bereits seit geraumer Zeit keine Gehaltserhöhung mehr bekommen zu haben und für die harte Arbeit und guten Leistungen keine gerechte Entlohnung zu erhalten.

Doch wie kommt es eigentlich zu einer Unterbezahlung? Die häufigste Erklärung: Der Arbeitgeber will sparen und drückt deshalb das Gehalt. In einigen Fällen stimmt das sicherlich auch, doch zu jedem Gehalt gehören immer zwei Parteien und bei der Gehaltsverhandlung haben Sie der jetzigen Bezahlung zugestimmt. Ein wenig muss man sich also auch an die eigene Nase fassen.

Drei häufige Gründe für eine Unterbezahlung:

  • Man hat schlecht verhandelt. Gehaltsverhandlungen fallen nicht jedem leicht und so kann es sein, dass Sie gleich das erste Angebot angenommen haben und deutlich unter Ihren Möglichkeiten geblieben sind. Haben Kollegen sich hier besser geschlagen, landet Ihre Bezahlung am unteren Ende des Vergleichs.
  • Man kennt seinen eigenen Wert nicht. Ausbildung, Berufserfahrung, Leistungen: Es gibt verschiedene Faktoren, die den eigenen Marktwert bestimmen. Sollten Sie diesen nicht kennen - sondern erst später erfahren - kann es passieren, dass Sie sich beim Gehalt mit weniger zufrieden gegeben haben und zu einem späteren Zeitpunkt bemerken, dass Sie eigentlich unterbezahlt sind.
  • Man glaubt der Einschätzung des Unternehmens. Viele Arbeitnehmer gehen mit einer großen Unsicherheit in Gehaltsverhandlungen und glauben den Einschätzungen des Chefs. Das ist eine branchenübliche Bezahlung... Nicht jeder Chef ist hierbei ehrlich und so hilft es nur, die tatsächlichen Zahlen im Vorfeld zu recherchieren.

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Was Sie tun können, wenn Sie unterbezahlt sind

Andrei Korzhyts/shutterstock.comIch bin unterbezahlt. Eine schmerzliche Erkenntnis, die viele Fragen aufwirft. Was hätte ich anders machen sollen und wie viel mehr hätte ich verdienen können? Zwar ist der Blick in die Vergangenheit unvermeidlich, hilfreich für eine Lösung des Problems ist er allerdings nicht. Um etwas an der Situation zu ändern, ist nur eine Frage wichtig: Was kann ich jetzt tun? Wir haben drei mögliche Strategien für Sie zusammengefasst.

  1. Beginnen Sie neue Gehaltsverhandlungen

    Sollten Sie unterbezahlt sein, obwohl Ihre Qualifikationen und auch Leistungen stimmen, können Sie die Chance nutzen und eine neue Gehaltsverhandlung beginnen. Dies geht allerdings nur, wenn seit der letzten Gehaltsvereinbarung einige Zeit vergangen ist. Zeigen Sie diesmal auf, welchen Mehrwert und Nutzen Sie dem Unternehmen bringen, von welchen Leistungen Ihr Arbeitgeber profitiert und wie viel Ihre Fähigkeiten am Markt wert sind.

  2. Verbessern Sie Ihre Position

    Vielleicht verdienen andere auch mehr, weil sie andere Qualifikationen mitbringen. Finden Sie heraus, ob Sie sich durch eine Fortbildung für eine Gehaltserhöhung empfehlen könnten oder mehr Verantwortung bei Projekten übernehmen können. Je wichtiger Ihre Position im Unternehmen, desto besser ist der Ausgangspunkt für eine Gehaltsverhandlung, da Ihr Chef Sie nur ungern an die Konkurrenz verlieren möchte.

  3. Wechseln Sie das Unternehmen

    Haben Sie das Gefühl, bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber aufgrund der Unterbezahlung unzufrieden zu sein und auch keine Besserung in Sicht ist, bleibt nur noch der Wechsel zu einem anderen Unternehmen. Hier sollten Sie sich jedoch vorher informieren, um nicht noch einmal in die gleiche Falle zu tappen.

[Bildnachweis: Jinga, Andrei Korzhyts by Shutterstock.com]