Das Wichtigste auf einen Blick
- Vorbereitung: Legen Sie eine Leistungsmappe an (2-3 Seiten) und sammeln Sie darin starke Argumente.
- Marktwert: Recherchieren Sie Ihren aktuellen Marktwert mithilfe von Gehaltstabellen und Gehaltsrechnern, um realistische Gehaltsforderungen zu stellen.
- Timing: Wählen Sie einen geeigneten Zeitpunkt – z.B. nach einem erfolgreichen Projekt, nach der Probezeit oder bei neuen Aufgaben.
- Strategie: Machen Sie stets das Eröffnungsangebot und „ankern“ Sie so Ihren Preis. Sprechen Sie aber von einer „Gehaltsanpassung“ – nicht von einer „Gehaltserhöhung„.
- Argumente: Ihr Hauptargument muss immer gestiegene Leistung jetzt oder in Zukunft sein – niemals gestiegene Lebenshaltungskosten oder Kollegenvergleiche.
- Verteidigung: Bereiten Sie typische Killerphrasen des Chefs vor und wie Sie diese im Gespräch kontern – aber stets sachlich und wertschätzend.
- Flexibilität: Bleiben Sie flexibel, wenn das Gehalt nicht steigen kann. Verhandeln Sie dann mehr Urlaubstage oder Benefits wie Mobilitätszuschüsse oder Fortbildungen.
Wie viel Prozent verlangen?
Laut Prognosen verschiedener Institute sind dieses Jahr Gehaltserhöhungen von bis zu 3,5 % drin. Bei einem Jobwechsel oder strategischen Gehaltsverhandlungen sind Sprünge von 10-15 % möglich. Faustregeln:
Anlass |
Gehaltsplus |
| Gehaltsverhandlung nach Probezeit | + 2-3 % |
| Gehaltsverhandlung nach 1 Jahr | + 3-5 % |
| Mehr Verantwortung, neue Aufgaben | + 7-10 % |
| Beförderung | + 10-15 % |
| Abwerbung | + 15-20 % |
Was gehört zur Gehaltsverhandlung Vorbereitung?
Gehen Sie niemals unvorbereitet in eine Gehaltsverhandlung! Ihr Chef ist Profi und führt solche Gespräche regelmäßig. Entsprechend weiß er oder sie, wie man Argumente entkräftet oder Forderungen abwehrt. Eine gründliche Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch ist deshalb unverzichtbar. Dazu gehören unbedingt vier Schritte:
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Marktwert ermitteln
Recherchieren Sie mithilfe von Gehaltsvergleichen, KI oder Berufsprofilen (Kununu-Check) ein realistisches Gehaltsziel, das Ihrem aktuellen Marktwert in Ihrer Position, Branche und Region entspricht. Dass Sie Ihr Gehalt als „unfair“ empfinden, reicht leider nicht.
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Grenzen definieren
Definieren Sie nicht nur Ihr maximales Gehaltsziel, sondern ebenso ein Minimalziel. Profis sprechen hierbei von: BATNA, WATNA, ZOPA. Dazu gehört ebenfalls, dass Sie sich Alternativen überlegen, falls der Chef keinen Spielraum hat. Das können Jobticket, mehr Urlaubs- oder Homeofficetage oder bezahlte Weiterbildungen sein.
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Leistungsmappe anlegen
Sammeln Sie im Vorfeld starke Argumente und Belege für Ihren Gehaltswunsch – schwarz auf weiß: erfolgreiche Projekte, erreichte Ziele, Einsparungen, Umsatzsteigerung, Überstunden, relevante Fortbildungen und Zusatzqualifikationen, E-Mails mit Lob von Kunden oder Chef. Hierfür reichen 2-3 Seiten.
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Zeitpunkt wählen
Verhandeln Sie Ihr Gehalt zu einem optimalen Zeitpunkt mit festem Termin – etwa nach Abschluss eines erfolgreichen Projekts, nach der Probezeit, im Jahresgespräch, im Zusammenhang mit einer Beförderung oder bei neuen Aufgaben. Reservieren Sie für das Gespräch möglichst 45-60 Minuten.
Tipp: Sprechen Sie von einer „Gehaltsanpassung“, nicht von einer „Gehaltserhöhung“. Gehaltserhöhung klingt nach „mehr Geld bezahlen“ ohne Grund. Bei einer „Anpassung“ schwingt mit, dass etwas bisher nicht korrekt war und angepasst werden muss. Also gibt es dafür einen triftigen Grund.
Wie kann ich einen Gesprächstermin vereinbaren?
Bitten Sie Ihren Vorgesetzten am besten per E-Mail um einen Gesprächstermin. Dabei sollten Sie nicht verheimlichen, dass es um eine Gehaltsanpassung geht. Sagen Sie ehrlich, was Sie besprechen und wie viel Zeit Sie dafür reservieren möchten. Beispiel: „Sehr geehrter Herr Chef, ich arbeite inzwischen ein Jahr im Unternehmen – mit großer Freude und viel Engagement! Deshalb möchte ich mich gerne mit Ihnen über meine beruflichen und finanziellen Perspektiven unterhalten. Wann hätten Sie hierfür etwa 60 Minuten Zeit?“ Oder: „Übernächste Woche endet meine Probezeit. Sie haben mir schon signalisiert, dass Sie mit meinen Leistungen zufrieden sind und die Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Das freut mich sehr! Ich möchte deshalb gerne mit Ihnen über meine künftigen Aufgaben und die finanzielle Entwicklung sprechen.“
Kann ich jedes Jahr mehr Gehalt fordern?
Wer zu häufig nach einer Gehaltsanpassung fragt, wirkt gierig. Unsere Karrierebibel-Umfragen zeigen: Idealerweise liegen zwischen jeder Gehaltserhöhung 12-24 Monate. Gehaltsforderungen benötigen jedes Mal gute Argumente und messbare Leistungssteigerungen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass Sie jedes Jahr Ihre Ziele übererfüllen.
Welche Gehaltsverhandlung Argumente überzeugen?
Um Ihr Gehaltsziel durchzusetzen, benötigen Sie starke Argumente. Was in einer Gehaltsverhandlung am meisten zählt, sind überdurchschnittliche Leistungen und der zukünftige Mehrwert, den Sie bieten. Gute Argumente können sich jedoch auch aus einer positiven Unternehmensentwicklung ergeben – wenn Umsatz und Gewinne steigen, sollte Ihr Verdienst mitziehen. Mit einem besseren Jobangebot sollten Sie hingegen nicht drohen – allenfalls andeuten. Zu viel Druck ist keine gute Verhandlungsbasis und belastet das Arbeitsverhältnis. Außerdem macht es Sie indirekt zum Söldner: Sie machen den Job offenbar nur für Geld – nicht, weil Sie sich für das Unternehmen oder die Produkte engagieren. Folgende Argumente überzeugen mehr:
- „Im vergangenen Jahr konnte ich den Umsatz um 17 % steigern, indem ich neue Vertriebsstrategien entwickelt und implementiert habe. Daher halte ich eine Gehaltserhöhung von 10 Prozent für angemessen.“
- „Vor einem Jahr war ich noch ausschließlich für den Kundenservice verantwortlich. Heute leite ich ein Team von fünf Kollegen und trage die Verantwortung für das gesamte Kundenmanagement.“
- „Laut aktuellen Gehaltsstudien für den Bereich Projektmanagement liegt der durchschnittliche Verdienst in meiner Position 10 Prozent über meinem aktuellen Gehalt. Daher möchte ich über eine Gehaltsanpassung reden.“
- „Ich habe im vergangenen Jahr erfolgreich ein Advanced-Zertifikat als KI-Manager (IHK) erworben. Dadurch kann ich Aufgaben zukünftig noch schneller und effektiver erledigen. Ich halte eine Gehaltssteigerung um 400 Euro im Monat daher für angemessen.“
- „Mein Vorschlag zur Implementierung eines neuen Workflow-Systems hat die Effizienz unserer Abteilung um 25 Prozent gesteigert. Die Methode wurde inzwischen sogar unternehmensweit ausgerollt, was zu einer geschätzten jährlichen Zeitersparnis von 1000 Arbeitsstunden führt. Ich finde, das verdient ein monatliches Gehaltsplus von 470 Euro.“
- „Ich blicke inzwischen auf mehr als 10 Jahre im Team zurück, habe mich in dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt und konnte erheblich zur Effizienzsteigerung der Abteilung beitragen. Das spricht für eine Gehaltsanpassung von 300 Euro im Monat netto.“
1. Deutliche Leistungssteigerung
Eines der stärksten Argumente sind nachweisbar gestiegene Leistungen und ein direkter Beitrag zum Unternehmenserfolg. Wenn Sie regelmäßig die Erwartungen an Sie übertreffen und Ziele übererfüllen, sollte sich das im Gehalt spiegeln. Besonders überzeugend wirken messbare Argumente, wie Prozessoptimierungen, fehlerfreie Ergebnisse oder höhere Kundenzufriedenheit, Umsatzsteigerung oder Kostensenkung. Beispielformulierung:
2. Zusätzliche Verantwortung
Wenn Sie mehr Verantwortung oder zusätzliche Aufgaben im Job übernehmen, ohne dass Ihr bisheriges Gehalt angepasst wurde, ist dies ebenfalls ein starkes Argument für eine Gehaltserhöhung. Lesen Sie sich hierzu erneut Ihren Arbeitsvertrag durch: Alles, was über die dort genannten Aufgaben hinausgeht, sollte auch bezahlt werden. Beispiel:
3. Marktpreise & Branchenvergleich
Eines der stärksten Argumente ist Ihr Marktwert. Liegt dieser deutlich über Ihrem aktuellen Gehalt und verdienen Sie weniger als im Branchendurchschnitt, sollten Sie in der Gehaltsverhandlung unbedingt eine entsprechende Anpassung verlangen. Das gilt auch für den Fall, dass die Nachfrage nach Fachkräften mit Ihrem Hintergrund aktuell steigt. Beispielformulierung:
4. Gesuchte Fachkompetenzen
Haben Sie jüngst eine relevante Fortbildung absolviert? Oder wichtige Fachkenntnisse und Qualifikationen für den Job dazugewonnen, mit denen Sie dem Unternehmen einen klaren Vorteil verschaffen? Dann steigern diese ebenfalls Ihren Wert. Eine tiefere Expertise lohnt sich immer auch finanziell. Beispiel:
5. Innovative Ideen
Sie glänzen mit konstant klugen Innovationen und Verbesserungsvorschlägen, die größtenteils auch umgesetzt werden? Dann leisten Sie bereits einen deutlichen Mehrwert für das Unternehmen, der über Ihre Arbeitsbeschreibung hinausgeht. Diese kreative Eigeninitiative sollten Sie unbedingt als Grund für mehr Geld anführen. Beispiel:
6. Langfristige Loyalität
Zugegeben, nicht das stärkste Argument für eine Gehaltserhöhung – aber immer noch ein starkes. Wer über Jahre hinweg gute Arbeit leistet und hohe Loyalität seinem Arbeitgeber gegenüber zeigt, kann das anführen. Arbeitgeber schätzen langjährige Mitarbeiter, die sich mit den Werten und Zielen des Unternehmens identifizieren und ihr Know-how z.B. an Neuzugänge weitergeben. Beispiel:
Ein Recht auf Gehaltserhöhung gibt es jedoch nur in Ausnahmen – etwa durch Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung. Ansonsten ist eine Gehaltssteigerung vorwiegend reine Verhandlungssache – und Ihre Pflicht: Ergreifen Sie hierzu unbedingt die Initiative! Mehr als 55 % der Arbeitnehmer warten einfach nur ab – und verschenken dadurch Geld.
Was ist die 2-3-1-Strategie für meine Argumente?
Ein bewährter, rhetorischer Trick ist, die drei besten Argumente mithilfe der 2-3-1-Strategie in der Gehaltsverhandlung zu priorisieren: Nennen Sie zuerst Ihr zweitstärkstes Argument. Überzeugt das noch nicht, schieben Sie das schwächste nach. Dabei verausgabt sich der Chef mit seinen Gegenargumenten und Killerphrasen. Doch dann kommt Ihr stärkstes Argument – dem kann er jetzt kaum noch widersprechen, und Sie setzen sich durch.
Tipps & Tricks für das Gehaltsverhandlung Gespräch
Dank Ihrer Vorbereitung, Marktwert-Check, Leistungsmappe mitsamt starker Argumente haben Sie 50 % der Verhandlung schon gemeistert! Die zweite Hälfte besteht primär aus rhetorischen und psychologischen Strategien aus dem Einmaleins der Verhandlungstaktik. Aus unseren Coachings und eigenen Erfahrungen wissen wir, dass Sie mit diesen Tipps und Tricks noch einmal 10-20 % mehr herausholen können:
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Eröffnungsangebot machen
Machen Sie unbedingt das Eröffnungsgebot. Studien zeigen: Wer anfängt, endet signifikant häufiger mit einem Ergebnis, das seinen eigenen Vorstellungen entspricht. Was dabei psychologisch wirkt, ist der sogenannte Ankereffekt. Indem Sie Ihren Gehaltswunsch plus 10 % nennen, ankern Sie das Gespräch um diesen Wert.
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Präzise Zahl nennen
Nennen Sie bei Ihrem Gehaltswunsch stets eine präzise und latent krumme Zahl – zum Beispiel: 39.540 Euro statt 40.000 Euro. Der Psychologe David Loschelder von der Universität des Saarlandes konnte nachweisen: Die krumme Zahl wirkt überzeugter und besser vorbereitet. Sie zeigt: „Ich weiß, was ich wert bin – auf den Euro genau!“
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Selbstbewusst auftreten
Vor allem Frauen starten die Gehaltsverhandlung zu schüchtern und defensiv. Kennen Sie Ihren Marktwert, dürfen Sie diesen selbstbewusst einfordern: „57.650 Euro im Jahr halte ich für angemessen.“ Natürlich dürfen Sie dabei nicht unverschämt werden. Wer aber im Konjunktiv argumentiert („würde gerne mehr bekommen“), bekommt definitiv weniger, als er oder sie verdient.
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Gehalt relativieren
Setzen Sie Ihre Gehaltsforderung in Relation zu einer höheren Zahl. Sagen Sie zum Beispiel, dass man Fachkräften wie Ihnen im Durchschnitt 68.000 Euro bezahlt. Dann nennen Sie Ihr niedrigeres Wunschgehalt: Schon klingen Ihre 64.720 Euro in Relation zu 68.000 Euro nicht mehr so hoch. Mehr noch: Sie sind schon einen Kompromiss eingegangen. Jetzt muss Ihnen der Chef entgegenkommen.
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Pausen nutzen
Viele Menschen können Gesprächspausen nicht ertragen und quasseln die Stille weg. Fehler! Schweigen ist eine unterschätzte Verhandlungstaktik. Nennen Sie im Gespräch Ihr Zielgehalt sowie ein starkes Argument – und schweigen Sie. Sie unterstreichen damit nur Ihre Überzeugung und Entschlossenheit.
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Gegenangebot ablehnen
Akzeptieren Sie nie das erste Gegenangebot vom Chef – es ist nie sein bestes. Indem er aber ein Angebot macht, verrät er sich und signalisiert: Es besteht Verhandlungsspielraum. Diesen sollten Sie jetzt nutzen, indem Sie mehr verlangen – und wieder schweigen.
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Zustimmung provozieren
Die Strategie stammt aus der Trickkiste des NLP und nennt sich Priming: Bringen Sie Ihr Gegenüber zunächst in Zustimmungslaune und stellen Sie z.B. Fragen, auf die der Chef stets mit „Ja“ antwortet, etwa: „Seit unserem letzten Gespräch ist viel passiert, oder?“ Oder: „Ist das nicht verrückt: In 90 Tagen ist schon wieder Weihnachten?!“ Derart eingestimmt, machen viele Menschen auch in der Gehaltsverhandlung unbewusst mehr Zugeständnisse.
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Aktiv zuhören
Lassen Sie sich von Einwänden nicht verunsichern. Stellen Sie stattdessen Rückfragen und zwingen Sie Ihr Gegenüber in die Defensive und Erklärungsnot: „Was müsste ich denn verbessern, damit Sie mein Gehalt anders bewerten?“ Mit seiner Antwort liefert der Chef jedoch genau die Argumente, die er im nächsten Gespräch nicht mehr abweisen kann.
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Gegenargumente kontern
Chefs sind geübt darin, Forderungen abzubügeln. Überlegen Sie sich also vorher mögliche Einwände und wie Sie diese kontern. Beispiele:
Chef: „In der Position können Sie nicht mehr verdienen.“ – Antwort: „Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass meine Leistungen für eine Beförderung sprechen. Lassen Sie uns gerne über die nächsten Karriereschritte sprechen.“
Chef: „Die Firmenlage lässt das aktuell nicht zu.“ – Antwort: „Ich bin mir der Situation bewusst. Deshalb würde ich gerne über Zusatzleistungen verhandeln.“
Chef: „Ihr Gehaltswunsch liegt über meinem Budget. Das muss die Geschäftsführung entscheiden.“ – Antwort: „Dann freue ich mich auf Ihre Unterstützung beim Gespräch mit der Geschäftsleitung.“
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Ruhe bewahren (am Schluss)
Verhandlungen laufen gerne heiß. Gerade am Schluss der Gehaltsverhandlung, während der letzten 3 Minuten, passieren oft die schlimmsten Fehler. Jetzt zeigt sich, wer die stärkeren Nerven hat. Bleiben Sie daher unbedingt ruhig, sachlich und selbstbewusst. Durch diese souveräne Gelassenheit gewinnen viele den Deal.
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Ergebnisse fixieren
Fassen Sie das Verhandlungsergebnis bitte immer schriftlich – auf Papier oder per E-Mail – zusammen und lassen Sie sich die Vereinbarungen vom Chef schriftlich bestätigen. Das verhindert spätere Missverständnisse und dient als Dokumentation für zukünftige Gehaltsgespräche.
Erfolgreiches Training für mehr Geld
Fühlen Sie sich unterbezahlt oder weiterhin nicht sicher genug für eine Gehaltsverhandlung? Dann nutzen Sie zusätzlich unser erprobtes Gehaltscoaching und unsere einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung für bis zu 30 % mehr Gehalt. Wir haben unsere besten Tipps und Erfahrungen in 5 Modulen, 3 Stunden Videos und jede Menge Begleitmaterial zusammengefasst:
Was sind die größten Gehaltsverhandlung Fehler?
Im Gehaltsgespräch können Sie Vieles richtig machen – und einige Fehler. Diese besonders häufigen Verhandlungsfehler kosten bares Geld:
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Schlechte Argumente haben
Argumentieren Sie unbedingt immer mit Ihrer Leistung oder Weiterentwicklung. Schlechte Argumente sind dagegen private Kosten, geplante Anschaffungen oder die aktuelle Inflation – die betrifft auch Unternehmen. Auf keinen Fall dürfen Sie mit Kündigung drohen. Erstens ist das Erpressung, zweitens könnte der Chef diese akzeptieren. Dann gibt es von diesem Arbeitgeber gar kein Geld mehr.
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Unter Wert verkaufen
Wer seinen wahren Marktwert nicht kennt oder belegen kann, wird nicht ernst genommen. Ein zu niedriger Gehaltswunsch signalisiert dem Arbeitgeber, dass Sie sich nicht auskennen oder nicht vorbereitet haben. Und erkennbare Naivität schadet sogar Ihrem Image als Leistungsträger und damit künftigen Gehaltsanpassungen.
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Emotional werden
Wer in der Gehaltsverhandlung emotional und moralisch wird oder sich im Ton vergreift, hat schon verloren. Übersetzt heißt das: „Mir sind die Sachargumente ausgegangen, jetzt kann ich nur noch laut werden oder auf die Tränendrüse drücken.“ Ein Verhandlungsprofi erkennt diese Schwäche sofort.
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Mit Kollegen vergleichen
Kollegenvergleiche sind nur Scheinargumente: Vielleicht ist der oder die Kollegin qualifizierter, erledigt mehr, übernimmt mehr Verantwortung?! Pauschale Vergleiche wirken immer unprofessionell und lassen sich leicht abschmettern. In der Gehaltsverhandlung geht es ausschließlich um die Steigerung Ihrer Eigenleistung.
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Falschen Zeitpunkt wählen
Achten Sie darauf, wann Sie einen Gesprächstermin vereinbaren: In Krisenzeiten oder wenn viele Kollegen gerade entlassen werden, wirkt das ziemlich unsensibel. Dasselbe gilt nach einem vergeigten Projekt oder Streit mit dem Vorgesetzten. Ungünstige Termine sind ebenso Montagmorgen oder Freitagnachmittag.
Was beachten bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch?
Es ist unwahrscheinlich, dass Sie schon im ersten Vorstellungsgespräch das spätere Gehalt verhandeln. Gehaltsverhandlungen sind meist Teil des zweiten Gesprächs. Seien Sie aber trotzdem vorbereitet. Bei der Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch kommt es wieder darauf an, dass Sie Ihren aktuellen Marktwert kennen. Zusätzlich helfen diese Verhandlungstipps:
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Geduld
Sprechen Sie im Bewerbungsgespräch nie sofort über Geld. Die Begeisterung für den neuen Job und das Unternehmen müssen stets im Vordergrund stehen. Warten Sie deshalb besser ab, bis die Gehaltsfrage vom Arbeitgeber bzw. Personaler angesprochen wird.
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Präzision
Nennen Sie im Jobinterview präzise Gehaltsvorstellungen. Fragt man Sie etwa nach Ihrem bisherigen Gehalt, antworten Sie bitte ehrlich. Wenn Sie bisher zu wenig verdient haben, sagen Sie das offen: „Ich finde, mein bisheriges Gehalt ist kein guter Vergleichswert. Es war mein Einstiegsgehalt, und ich habe schlecht verhandelt. Inzwischen stelle ich mir ein Gehalt zu marktüblichen Konditionen vor – in Höhe von 35.880 Euro.“
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Beharrlichkeit
Falls man Ihnen ein zu niedriges Angebot macht, reagieren Sie nicht beleidigt. Das kann ein Stresstest sein. Wiederholen Sie mit kühlem Kopf und sachlichen Argumenten Ihre Gehaltsvorstellung. Es ist eine Verhandlung – kein Werturteil über Sie! Überzeugender wirkt, wer jetzt bisherige Erfolge mit Beispielen belegt und so sein Wunschgehalt untermauert.
Generell gilt: Bleiben Sie vor, während und nach der Gehaltsverhandlung stets höflich, freundlich und respektvoll. Sachlichkeit gewinnt.
FAQ – Häufige Fragen zu Gehalt und Verhandlung
Eine Gehaltsverhandlung ist ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Entwicklung und zeigt Selbstbewusstsein sowie das Bewusstsein für den eigenen Marktwert. Da Unternehmen meist Verhandlungsspielraum einplanen, kann fehlendes Verhandeln langfristig zu finanziellen Nachteilen führen. Gleichzeitig signalisiert eine Verhandlung Engagement, Leistungsbereitschaft und den Wunsch nach Weiterentwicklung, was von Arbeitgebern oft erwartet wird. Insgesamt bietet sie die Chance auf mehr Einkommen, Anerkennung und Einfluss auf die eigene Karriere.
Eine typische Gehaltsverhandlung besteht aus folgenden acht Phasen:
- Vorbereitung: Marktwert ermitteln, Leistungen dokumentieren und Ziele festlegen.
- Zeitpunkt wählen: Günstiges Timing beachten und Termin vereinbaren.
- Gespräch einleiten: Positive Atmosphäre schaffen, Verbundenheit bekräftigen.
- Argumente nennen: Mehrwert belegen, Gehaltswunsch konkret formulieren.
- Verhandlung führen: Einwände entkräften, Forderung strategisch untermauern.
- Alternativen finden: Kompromisse suchen und Alternativen verhandeln.
- Abschluss finden: Einigung erzielen und schriftlich dokumentieren.
- Gespräch nachbereiten: Ergebnis und Ablauf reflektieren, Strategie verbessern.
Zu den besten Zeitpunkten für eine Gehaltsverhandlung gehören:
- Vorstellungsgespräch für neuen Job
- Nach der Ausbildung im Übernahmegespräch
- Nach erfolgreicher Probezeit
- Bei der jährlichen Leistungsbeurteilung
- Bei einer Beförderung
- Bei Übernahme neuer Projekte
- Nach Abschluss eines wichtigen Projekts
- Bei positiver Marktlage und -entwicklung
Gute Argumente |
Schlechte Argumente |
| Leistungen & Erfolge | Persönliche Bedürfnisse |
| Kostensenkung, Umsatzsteigerung | Aktuelle Inflation |
| Mehr Aufgaben & Verantwortung | Vergleich mit Kollegen |
| Marktübliche Gehälter | Betriebszugehörigkeit |
| Wertsteigernde Qualifikationen | Kündigungsandrohung |
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