Hoffnung: Auf gute Nachrichten warten wir länger

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist nicht einfach nur eine Redensart, ein Spruch oder eine durchaus wahre Lebensweisheit. Dahinter steckt mehr. Hoffnung und Zuversicht gehören zu einem heilsamen Schutzmechanismus unsere Psyche, kurz: Sie mobilisieren unsere Selbstheilungskräfte. Es gibt Studien (oft Placebo-Tests), die zeigen, dass Menschen mit Glauben und Hoffnung schneller genesen und ein besseres Immunsystem aufweisen. Sie finden auch nach einem Schicksalsschlag schneller zurück ins Leben (siehe auch: Resilienz). Aber – und das ist die Kehrseite – Hoffnung kann uns auch blockieren, ja sogar sabotieren…

Hoffnung: Auf gute Nachrichten warten wir länger

Hoffnung Definition: In Erwartung hüpfen…

Hoffnung Definition Bibel Sprüche Zitate englisch LiebeDer Begriff Hoffnung (englisch: hope) stammt ursprünglich aus dem Mittelniederdeutschen hopen = hüpfen. Gemeint ist damit eine etwas unruhige, aber positive Erwartungshaltung, die einen (innerlich) zappeln lässt.

Wer hofft, der setzt sein Vertrauen in die Zukunft, ist zuversichtlich auf das, was passieren wird. Meist sind Gesundheit, Glück, Liebe und finanzielle Sicherheit Gegenstand von Hoffnung. Sie ist der Motor, der Menschen selbst in ausweglosen Situationen antreibt.

Wozu Menschen mit Hoffnung imstande sind, zeigte vor mehr als 40 Jahren ein Flugzeugabsturz in den Anden. 72 Tage harrten die Überlebenden in eisiger Kälte aus, abgeschnitten von der Zivilisation, ohne Nahrung. Bis sie schließlich sogar Menschenfleisch aßen, um zu überleben.

Roberto Canessa, einer der Überlebenden gab in einem Interview an:

Was uns stark hielt, war das Denken an den nächsten Tag: ‚Vielleicht morgen!‘ Das war es, was uns 72 Tage am Leben hielt. ‚Vielleicht morgen!‘

Gleichzeitig kann Hoffnung wie in solchen Fällen, in denen es um Leben oder Tod geht, immer von Angst und Sorge begleitet sein. Die Angst, dass alles Bangen und Hoffen umsonst ist. In dem Moment, wenn ein Mensch seine Hoffnung verliert, macht sich Verzweiflung breit, bis hin zur Resignation oder Depression.

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Hoffnung in der Bibel: Ein positiver Ausblick

Die durchweg positive Bedeutung des Wortes Hoffnung schlägt sich in vielen Sprüchen der deutschen Sprache nieder, so etwa auch in der alten Formulierung guter Hoffnung sein für Schwangerschaft.

Diese positive Konnotation wird letztlich auch im christlichen Glauben aufgegriffen: Es wird auf die Wiederkehr Jesu gehofft. Es wird auf etwas gewartet, das zwar noch nicht geschehen ist, was aber nach christlicher Überzeugung ausdrücklich prophezeit wurde.

Nach biblischer Lesart (vor allem im Neuen Testament) ist Gott voller Güte und Zuwendung, lässt nie jemanden im Stich. Darauf gründet auch die Hoffnung vieler Gläubigen heutzutage:

Mag die Welt gegenwärtig in vielen Bereichen ungerecht und weit von Frieden und Solidarität entfernt sein, so stärkt die innere Verbindung zu Gott die Hoffnung auf eine bessere Welt in der Zukunft.

Eins der berühmtesten Zitate in Verbindung mit Hoffnung stammt daher auch aus der Bibel:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe. – Paulus, 1. Korinther 13,13

Hoffnung: Sprüche und Zitate

  • Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte. Friedrich Hölderlin
  • Die Hoffnung ist es, die die Liebe nährt. Ovid
  • Jede Hoffnung ist eigentlich eine gute Tat. Johann Wolfgang von Goethe
  • Was wäre das Leben ohne Hoffnung? Ein Funke, der aus der Kohle springt und verlischt. Friedrich Hölderlin
  • Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen ruhte. Adolph Kolping
  • Die Hoffnung ist die Säule, welche die Welt trägt. Plinius der Ältere
  • Jedes Jahrzehnt des Menschen hat sein eigenes Glück, seine eigenen Hoffnungen und Aussichten. Johann Wolfgang von Goethe

Hoffnung: Geduld ist eine Frage der Perspektive

Es war ein perfider Versuch. Der Psychologie-Professor der Princeton Universität, Peter Ditto, beobachtete seine Probanden genau: Er hatte ihnen erzählt, dass sie Teilnehmer eines medizinischen Experiments seien, und man hätte einen neuen Weg gefunden, einen gefährlichen Enzymmangel nachzuweisen.

Dazu sollten die Probanden lediglich an einem Teststreifen lecken. Würde sich die Speichelprobe grün färben, hätten sie die gefährliche Krankheit.

Einer Kontrollgruppe erzählte er das genaue Gegenteil: grüner Streifen – kerngesund, andernfalls krank. Aber um die die Wahrheit zu sagen: Beide Geschichten waren eine fette Lüge. Der Teststreifen war ein ordinäres Stück Papier, das seine Farbe niemals verändert. Umso interessanter, was passierte.

Um das Experiment zu verstehen, muss man sich noch einmal kurz vor Augen führen, wie Dittos Geschichten aufgebaut waren:

  • Gruppe 1: grüne Verfärbung – du bist todkrank. Eine negative Diagnose.
  • Gruppe 2: grüne Verfärbung – du bist gesund. Eine positive Diagnose.

Und dann passierte das Erstaunliche: Diejenigen, die aus Gruppe 2 darauf hofften, der Streifen würde sich grün färben, warteten deutlich länger als die erste Gruppe. Sehr viel länger.

Hätte Ditto den Versuch nicht irgendwann abgebrochen, würden einige in Gruppe 2 sich vielleicht heute noch in Geduld üben und hoffnungsvoll warten…

Dittos Psychoexperiment zeigt zugleich, dass Menschen bereit sind, lange, sehr lange auf eine gute Nachricht zu warten – insbesondere dann, wenn sie die schlechte nicht akzeptieren wollen.

Das könnte auch ein Grund sein, warum so viele Menschen an ihrer Idee festhalten, obwohl die von der Zeit längst überholt wurde. Oder sich an ein Geschäftsmodell klammern, das offensichtlich nicht funktioniert. Warum Sie nach dem einen Pro-Argument suchen wie nach Edelsteinen in einem Bergstollen, obwohl es längst 100 Gegenargumente gibt.

Stattdessen denken sie: Irgendwann wird es klappen. Es muss. Das ist nur eine Phase – alles nur eine Frage der Zeit!

Ist es aber nicht. Die Zeit ist längst um.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

Daraus lässt sich gleich zweierlei lernen:

  1. Erkenne die Zeit.

    An seien Erfolg zu glauben, Widerstände zu überwinden, ist eine gute Sache. Oft führt nur diese Beharrlichkeit zum Ziel und Erfolg. Es gibt aber auch einen Punkt, an dem man erkennen muss, dass dieses Festhalten geradewegs in den Untergang führt. Zugegeben, diesen Moment zu erkennen, ist schwer. Das Bewusstsein über den oben beschriebenen Effekt, erleichtert aber schon viel.

  2. Erkenne dich selbst.

    Weil wir nur die guten Nachrichten hören wollen, werden wir taub für die schlechten. Im Fachjargon wird dies auch selektive Wahrnehmung genannt. Ursprünglich eine Art Sicherheitsmechanismus unseres Gehirns, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und uns so vor dem Verrücktwerden zu schützen, führt dieser mitunter auch zur Selbsttäuschung. Die große Gefahr liegt darin, dass wir dabei immer nur unsere schon vorhandenen Urteile und Vorstellungen bestätigen und auch falsche Schlussfolgerungen nicht mehr überprüfen. Selbst neue Erfahrungen oder Erkenntnisse, die unseren Stereotypen widersprechen, versuchen wir solange zu interpretieren (oder zu bekämpfen), bis uns nicht länger stören, Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.

Dittos Experiment ist eine Art Beweis dafür, dass die Hoffnung zwar zuletzt stirbt, die Erkenntnis aber meist schon lange davor umgebracht wurde.

[Bildnachweis: HBRH by Shutterstock.com]
27. März 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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