Bewerbung Lehrer

Ein Gastbeitrag von Harald Hentschel

Bildung ist Ländersache. Das macht sich auch beim Bewerbungsverfahren für Lehrer bemerkbar: An Privatschulen ist bundesweit ein Vorstellungsgespräch mit der Schulleitung und der Personalvertretung obligatorisch, sodass die Wahrscheinlichkeit steigt, den zum Schulprofil passenden Lehrer einzustellen. Aber auch in einigen Bundesländern können sich Lehrkräfte zunehmend direkt an den staatlichen Schulen bewerben und nicht über vom Regierungspräsidium erstellte Listen. Dieser Bewerbungsweg wird schulscharf genannt...

Bewerbungstipps für Lehrer

Die grundlegenden Kriterien für eine Lehrerstelle an einer staatlichen Schule sind

  • die Abschlussnoten des ersten Staatsexamens beziehungsweise Masterabschlusses und
  • der Bedarf an den Schulen.

Das Referendariat ist zum Bewerbungstermin ja meist noch nicht beendet.

Die Planung der Lehrerversorgung für die einzelnen Bezirke ist allerdings keine einfache Aufgabe. Wer sich als Lehrer in spe daher örtlich flexibel orientiert, hat größere Chancen auf eine Stellenzusage.

Nur wollen das eben nicht alle. In diesem Fall, also bei einem ortsgebundenen Referendar, ist die schulscharfe Bewerbung eine Möglichkeit, im Wunschgebiet eine Anstellung zu finden:

  • Entweder schreibt eine Schule eine Stelle aus
  • oder die angehende Lehrkraft bewirbt sich initiativ an Privatschulen.

Für das schulscharfe Bewerbungsgespräch gelten die üblichen Bewerbungstipps. Es gibt darüber hinaus jedoch noch einige spezielle Hinweise und schulbezogene Fragestellungen...

Bewerbungstipps: Anforderungen an Lehrer

Was wird von einem Lehrer erwartet? Wie sieht ein (allgemeines) Anforderungsprofil an Lehrer aus?

Die Erwartungen an eine Lehrkraft können in vier Kompetenzbereiche unterteilt werden:

  • Unterrichten
  • Erziehen
  • Beurteilen
  • Innovieren

Der Unterricht und dessen Evaluation stehen als vordergründige Aufgabe im Fokus, während die Erziehung auch durch eine Vorbildfunktion geschieht. Lehrkräfte beurteilen die Leistungen von Schülern und beraten Lernende sowie Eltern. Eine weitere Aufgabe ist die Weiterentwicklung von Schule.

Diese Kompetenzbereiche können noch einmal differenzierter betrachtet werden:

  • Rhetorik
  • Medienkompetenz
  • Empathie
  • Kooperationsbereitschaft
  • Freude an lebenslangem Lernen
  • Selbstsicherheit

Welche Stärken davon haben Sie?

Um möglichst viele dieser (teils theoretischen) Anforderungen anzusprechen, ist es sinnvoll, sich ein Qualifikationsprofil zu erstellen:

  • Was sind Ihre wichtigsten Fähigkeiten?
  • Was machen Sie am liebsten?
  • Wann beziehungsweise bei was fühlen Sie sich völlig kompetent?

Jetzt kommt die Herausforderung: Setzen Sie diese Eigenschaften, Kompetenzen und Fähigkeiten in Beziehung zum Schulkontext und damit zum Anforderungsprofil: Leiten Sie zum Beispiel eine Kindergruppe des Sport- oder Musikvereins?

Damit beweisen Sie Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent und Kooperationsfähigkeit.

Sie spielen gerne Theater?

Dann sind Ihre Empathiefähigkeiten und Ihre Körpersprache gut geschult.

Viele (private) Erfahrungen und Erfolge können leicht an den Schulkontext angepasst werden, wenn Sie wissen, welche Grundkompetenzen Sie benötigen.

Vorstellungsgespräch für Lehrer: Auf diese Fragen sollten Sie sich vorbereiten

Nachdem Sie sich beim Smalltalk mit dem Sekretariat gut dargestellt haben, wird die Schulleitung Ihnen einige (klassische) Fragen stellen:

  • Was sind Ihre Schwächen, was Ihre Stärken?
  • Was waren Herausforderungen in Ihrem Leben, was prägte Sie?

Weitere Fragen dieses Typs finden Sie auch hier. Beziehen Sie sich dabei auf die Stellenanforderungen und die Kompetenzen, die Sie bereits besitzen, aber auch für die Stelle erforderlich sind.

Im Kontext des Schulsystems sind folgende Fragen grundlegend:

  • Was hat Sie bewogen, Lehrer zu werden?
  • Welche Arbeitsgemeinschaften könnten Sie an unserer Schule anbieten?
  • Wie können Sie sich ins Schulprofil einbringen?
  • Welches Erziehungskonzept vertreten Sie?
  • Würden Sie auch eine Abschlussklasse unterrichten?
  • Wenn Sie Kultusminister wären, was würden Sie ändern?

Sie merken schon anhand der Fragen: Sie sollten sich schon vorab über die Schule informieren, das Schulprogramm studieren (und danach fragen) sowie mit dem Bildungssystem auseinandersetzen.

Die wichtigste Frage aber ist: Welchen Vorteil kann die Schule durch Sie erhalten - durch Ihre Erfahrungen, Hobbys oder Erfolge außerhalb der klassischen Lehrerausbildung? Welchen Mehrwert bieten Sie für die Schule?

Dazu sollten Sie unter anderem wissen, welche Programme oder Wettbewerbe durchgeführt werden beziehungsweise ob die Schule Auszeichnungen erhalten hat.

Antworten auf derartige Fragen sind Gold wert, da Sie Ihre Fähigkeiten passend formulieren können und sich nicht unter Wert verkaufen. Die Gesprächspartner erkennen, dass Sie sich im Vorfeld mit der Schule auseinandergesetzt haben.

Bewerbung Lehrer: 3 Bonus-Tipps

  1. Falls Sie nur wenige Informationen über die Schule erhalten: Seien Sie frühzeitig zum Gespräch anwesend und lesen Sie das schwarze Brett oder andere Aushänge in der Schule. Dies gibt Ihnen einen guten Einblick in das dortige Schulleben: Wie ist der Eingang gestaltet? Von wann stammen die ausgestellten Kunstwerke? Wie sehen die Räume aus?
  2. Oft befindet sich eine Namenstafel der Lehrkräfte mit Bildern im Foyer: Vielleicht können Sie sich bereits ein paar Namen Ihrer FachkollegInnen im Kurzzeitgedächtnis merken, um im Bewerbungsgespräch darauf Bezug nehmen und punkten zu können.
  3. Notieren und sammeln Sie die wichtigsten Namen, Schulprofile und Informationen auf einem Blatt, um Sie kurz vor dem Bewerbungsgespräch ins Gedächtnis zu rufen. Üben Sie die Aussprache der Namen, um zumindest den der Schulleitung fließend aussprechen zu können. Wird nicht jeder gerne mit dem eigenen Namen begrüßt?
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Über den Autor

Harald-HentschelHarald Hentschel studierte Mathematik und Sport in Baden-Württemberg. Nach dem Referendariat führte er einige Bewerbungsgespräche und erhielt eine schulscharfe Stelle in Stuttgart. In seinem eBook "Schulscharf Bewerben" gibt er noch weitere Tipps.