Was antworte ich zu meinen Lesegewohnheiten?
Nicht alle Menschen lesen gerne oder viel. Einige lesen Bücher zur Entspannung; andere, um sich zu informieren; dritte, um sich fortzubilden. Ebenso gibt es Menschen, bei denen das Lesen zum Job gehört – Journalisten etwa.
Auf die Frage danach, was Sie gerade lesen, gibt es deshalb keine einzig richtige Universalantwort, wie bei anderen Vorstellungsgespräch Fragen. Als Bewerber können und sollten Sie sich daher eine individuelle und kluge Antwort überlegen und vorbereiten.
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Was lesen Personaler aus meinen Lesegewohnheiten?
Die Frage „Was lesen Sie gerade?“ gibt es in mehreren Varianten im Jobinterview. Wir gehen im Folgenden auf die drei häufigsten Fragen und Formen im Detail ein und zeigen Ihnen, wie Sie darauf clever antworten können:
Variante 1: „Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?“
Mit dieser Frage möchte der Personaler in der Regel mehr über die allgemeine Entwicklung des Kandidaten und sein Streben nach beruflicher Entfaltung erfahren. Findet der oder die Kandidatin überhaupt Zeit zum Lesen? Liest er oder sie nur fachspezifische Literatur oder alles Mögliche zur Unterhaltung und Entspannung, ohne seine professionelle Entwicklung zu fördern?
Die Aufzählung einer Literaturliste ist hierbei jedoch keine gute Lösung. Nennen Sie lieber ein bis zwei Bücher, die Sie tatsächlich zuletzt gelesen haben – ein Fachbuch und einen Roman zum Beispiel. Aber Achtung: Es könnten Rückfragen zum Inhalt kommen! Also nur angeben, was Sie wirklich gelesen haben. Mit dieser Mischung aus Fachliteratur und Prosa verdeutlichen Sie, dass Ihnen nicht nur die professionelle, sondern auch die persönliche Entwicklung wichtig ist.
Variante 2: „Welches Buch lesen Sie aktuell?“
Lesen bildet. Entsprechend interessiert sich der Personaler mit dieser Frage vor allem dafür, ob das Lesen für Sie lediglich eine Art Freizeitbeschäftigung am Pool und im Urlaub ist – oder ein permanenter Prozess, der dem lebenslangen Lernen dient. Gleichzeitig stellt er mit der Frage fest, welche Prioritäten Sie aktuell setzen: Was interessiert Sie gerade? Warum lesen Sie genau dieses Buch? Klar, dass Titel wie „Endlich aussteigen“ oder „Besser klarkommen mit Kollege Kotzbrocken“ keine guten Antworten sind.
Auf die Frage sollten Sie unbedingt schnell antworten. Wenn Sie sich gerade beruflich neu orientieren und sich per Buch das dafür nötige Fachwissen aneignen – klasse! Erwähnen Sie das auf jeden Fall. Je leidenschaftlicher und faszinierter Sie über die bereits gewonnenen Erkenntnisse parlieren, desto eher sieht der Personaler in Ihnen einen ebenso engagierten wie interessierten und versierten Mitarbeiter in spe.
Variante 3: „Welches Buch würden Sie mir empfehlen?“
Die Frage ist tricky. Gemeint ist nicht unbedingt ein aktuelles Buch. Auch geht es bei der Frage weniger um Ihre Interessen, wie bei den Fragen 1 und 2. Vielmehr steht in diesem Fall Ihre Empathie auf dem Prüfstand: Wie gut können Sie sich nach dem Smalltalk in Ihren Gesprächspartner einfühlen? Möglich auch, dass Ihre Empfehlung eine aktuelle Entwicklung aufgreift. Damit zeigen Sie dann indirekt, dass Sie wichtige Trends auf dem Radar haben.
Aber Vorsicht: Die Frage enthält hohes Fettnapf-Potenzial! Sie können nicht nur mit der Antwort an den Interessen des Personalers vorbei zielen. Problematisch wird die Empfehlung, wenn der Buchtipp „vergiftet“ ist – das gilt z.B. für Titel, wie: „Die Recruiter-Bibel: Wie Sie bessere Talente gewinnen“. In so einem Tipp steckt subtile Kritik. Die ideale Antwort ist also entweder ein wirklich bedeutsamer Trend oder ein Roman, der Sie besonders inspiriert hat oder dessen Botschaft Sie unbedingt für erzählenswert halten.
Gibt es auch falsche Antworten auf die Bewerberfrage?
Die Frage nach Lesegewohnheiten stößt manchen Bewerber, der nicht gerne liest, vor den Kopf. In dieser Situation geben manche dann eine Antwort, die zwar ehrlich, aber vorschnell ist. Solche falschen Antworten können sogar die Bewerbungschancen dramatisch senken. Die folgenden Antworten sollten Sie deshalb nicht geben:
„Ich lese nicht gerne – Zeitverschwendung.“
Vielleicht empfinden Sie das so – nur sagen sollten Sie das nie! Lesen ist eine der grundlegendsten Methoden, sich weiterzubilden und neues Wissen anzueignen. Wer so antwortet, hinterlässt garantiert keinen guten Eindruck, sondern wirkt wie ein Ignorant, der kaum über seinen schmalen Horizont hinausblicken oder Neues lernen will.
„Ich bevorzuge Filme und Serien.“
Aus Filmen lässt sich ebenfalls viel lernen. Ihr Konsum gilt aber immer auch als zu passiv und unkreativ. Für die eigene Fantasie und das persönliche Kopfkino bleibt wenig Spielraum. Es ist zwar legitim, dass Sie Filme bevorzugen – das Lesen eines guten Buchs ersetzen Filme aber nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist deshalb groß, dass Sie damit wenig bis keine Pluspunkte sammeln.
„Ich mag erotische Literatur und religiöse Bücher.“
Klar, so antwortet keiner. Aber das Beispiel macht klar: Bücher aus tendenziösen Genres sollten unerwähnt bleiben. Das ist viel zu persönlich und viel zu polarisierend! Im schlimmsten Fall bleibt bei „Fifty Shades of Grey“ oder der „Volxbibel“ zu viel Interpretationsfläche und das Vorstellungsgespräch driftet ab. Erinnern Sie sich lieber an einen Klassiker, den Sie – aus Gründen – nochmal gelesen haben oder an irgendeinen Krimi. Damit bleiben Sie auf neutralem Boden.
„Ich habe keine Zeit zum Lesen.“
Unwahrscheinlich. Jeder Mensch hat spätestens am Abend und kurz vor dem Einschlafen wenigstens 15 Minuten Zeit, um ein Buch in Etappen zu lesen (siehe: 1-Minute-Methode). Mit dem Lesen erweitern Sie Ihren eigenen, geistigen Horizont. Falls Sie tatsächlich gerade kein Buch lesen, beschreiben Sie zumindest ein Werk, das auf Ihrer Wunschliste steht oder dass Sie demnächst lesen wollen.
Bitte nie lügen im Vorstellungsgespräch!
Noch eine Empfehlung zum Schluss: Tappen Sie bitte nie in die Falle und lügen Sie über Ihre Lesegewohnheiten. Es ist immer möglich, dass der Personaler zufällig gerade dasselbe Buch liest und Sie nach Details fragt. Eine Lüge ist der gravierendste Fehler im Vorstellungsgespräch. Wer dabei auffliegt, senkt seine Jobchancen auf Null.
Denken Sie stattdessen strategisch: Rufen Sie sich 1-2 Bücher aus der Fachwelt sowie einige Lieblingsbücher in Erinnerung – oder kaufen Sie sich kurz vor der Bewerbung einen Bestseller. Überlegen Sie sich, was Ihnen beim Lesen am Besten gefallen hat und warum. Bei Personalern kommt das erfahrungsgemäß immer gut an – erst recht Kandidaten, die sich für Bücher begeistern können…
PS: Kennen Sie schon die Bücher zur Karrierebibel?
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