Gestern erschien eine Liste mit klassischen Fauxpas’ im Vorstellungsgespräch und Axel Haitzer zwitscherte berechtigterweise die Frage, ob es eine solche Liste nicht auch aus der anderen Perspektive gäbe. Gab es nicht. Bis jetzt…
Denn natürlich stellt das Jobinterview nicht nur für den Bewerber eine Herausforderung dar. Auch auf Personalverantwortliche lauern einige Fallstricke. Abgesehen davon, eine Fehlentscheidung bei der Kandidatenauswahl zu treffen, tragen Interviewer eine hohe Verantwortung.
Das Bild des Bewerbers vom Unternehmen in spe wird maßgeblich durch die Erfahrungen im Vorstellungsgespräch geprägt. Hat der Kandidat das Gefühl schlecht behandelt worden zu sein, färbt das auf das gesamte Unternehmensimage ab. Bei einem solchen Patzer ist das vielleicht noch nicht so schlimm, aber der schlechte Eindruck wird so oder so nach außen kommuniziert – in die Welt der Absolventen. Und das wirkt sich schließlich in Stimmungsbaromtern ebenso aus wie in Umfragen, die in Arbeitgeber-Rankings münden. Kurzum: Wer sich im Jobinterview keine Mühe gibt, wird sich langfristig auf den unteren Rängen wiederfinden. Top-Talente verirren sich dann nur noch selten in das Unternehmen.
Damit es soweit gar nicht erst kommt, hier also:
50 Tabus für Personaler im Vorstellungsgespräch
- Bewerber schon am Empfang nicht freundlich begrüßen
- Kandidat lange warten lassen
- Bewerber durch die Flure irren lassen, statt ihn zu begleiten
- Kandidat im Besprechungsraum alleine sitzen lassen
- Selbst im Schlabberlook erscheinen (respektlos)
- Sich selbst nicht vorstellen oder eigenen Namen nuscheln
- Lascher Händedruck
- Zur Begrüßung nicht vom Platz erheben
- Lebenslauf vorher nicht gelesen haben
- Namen des Bewerbers nicht kennen
- Bewerber herablassend behandeln
- Doppeldeutige oder gar anzügliche Bemerkungen machen
- Mit Bewerber(in) flirten
- Kaugummi kauen
- Nichts zu trinken anbieten
- Keine gute Atmosphäre schaffen
- Arrogantes Auftreten
- Ironisch werden
- Den Raum nicht gelüftet haben (Angstschweiß von den Vorgängern klebt noch in der Luft)
- Nach der Anreise fragen (abgedroschen)
- Bewerber schon während des Smalltalks mit Fragen löchern
- Fangfragen stellen
- Kandidaten grillen, ins Kreuzverhör nehmen
- Überhaupt Verhörmethoden anwenden
- Lediglich Fragen abhaken, statt einen Dialog zu führen
- Langweilige Standardfragen stellen
- Nicht auf den Bewerber eingehen
- Antworten unkommentiert lassen und weiterfragen
- Labern statt zuzuhören
- Über die eigene Firma lästern
- Erzählen, wie mies manche Bewerber sind
- Kandidaten unter Druck setzen
- Fragen zum Unternehmen nicht beantworten (können)
- Nicht umfassend über den vakanten Job informieren
- Keine Gegenfragen einräumen
- Gegenfragen nicht beantworten oder nur ausweichen
- Über tatsächliche Situation/Stress/Druck im Job schönfärberische Aussagen machen
- Lügen
- Gelangweilt dreinschauen
- Häufig auf die Uhr sehen
- Mit dem Blackberry rumspielen
- Sichtbar Gähnen
- Belehren
- Unfaire Angebote machen (“Sie wollen einen Job? Ich hätte da ein Praktikum…”)
- Nicht höflich verabschieden
- Gespräch aus (angeblichem) Termindruck vorschnell beenden
- “Wir melden uns bei Ihnen”-Floskel (Absagen lieber gleich erteilen)
- Sich bei Zu- oder Absagen ewig Zeit lassen (Psychoterror!)
- Sich nach dem Interview nie mehr melden
- Mündliche Zusagen nicht einhalten
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Smalltalk-Tipps:



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Stitch
Oh ja diese Liste ist schon deutlich besser als die umgekehrte Variante. Ganz viele Punkte davon durfte ich schon selbst erleben bzw. war Zeuge solche Personalaktionen im eigenen Unternehmen. Schrecklich, aber oft denken Personaler in der besseren Position zu sein…das trifft seltener zu als sie vielleicht denken.
Lars Hahn
Tja:
Höflicher Umgang, Wertschätzung, Respekt, Grundlagen der Kommunikation. Man muss kein Profi-Personaler sein, um sich an diese Regeln zu halten. Gerade Mittelständler sind eben oft “nur” Laien in Personalarbeit. Umso authentischer und netter sollte das Gespräch gestaltet sein.
“Employer Branding” mag nur etwas für die “Großen” sein. Einen bleibenden (guten oder schlechten) Eindruck hinterlässt ein Gespräch mit Bewerbern immer.
Merke: Bewerber könnten zukünftig mal Kunden oder Lieferanten sein. Man könnte sich ja noch einmal wiedersehen.
In diesem Sinne:
Auf Wiedersehen!
Lars Hahn
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