PathDoc/shutterstock.comWo gearbeitet wird, gibt es Streit. Ob als Diskussion oder als Druckausgleich – gefährlich wird es erst dann, wenn die eigene Unzufriedenheit zur Wut hoch kocht und sich eine sachbezogene Lösung nicht mehr finden lässt. Nicht selten kommt es dann zu schlimmen Entgleisungen, die das persönliche Image und die weitere Zusammenarbeit auf Dauer beschädigen. Schweigen, Schlucken und Verdrängen sind bei schwelenden Konflikten zwar ebenso falsch wie mangelnde Selbstkontrolle. Zuerst die gute Nachricht: Jeder Mensch kann streiten. Jetzt die schlechte: Nur wenige können es richtig. Denn Streitkultur muss man erst lernen. Wie sich Konflikte mit Kollegen lösen lassen…

Konflikte: Eine Definition und verschiedene Arten

Der Definition nach ist ein Konflikt eine Spannungssituation, in der zwei oder mehrere Parteien, die voneinander abhängig sind, mit Nachdruck versuchen, scheinbar oder tatsächlich unvereinbare Handlungspläne zu verwirklichen und sich dabei ihrer Gegnerschaft bewusst sind.

Die Symptome von Konflikten können vielfältig sein. Einmal erleben wir Feindseligkeit und Aggressivität, die sich in verbalen Attacken oder bösen Blicken manifestiert. Dann gibt es Kollegen, die einfach abschalten und nur noch Dienst nach Vorschrift schieben – ärgerlich, wenn Sie gerade jemanden brauchen, der ihnen weiterhilft.

  • Beziehungskonflikte kennt jeder. Wo wir auf andere Menschen treffen, können Antipathien entstehen, die jedes Zusammensein erschweren, obwohl oft kein rationaler Grund zu erkennen ist. Meist beginnt es ganz unterschwellig, subtile Angriffe werden gestartet und wie kleine Pfeile abgeschossen. Was zunächst eine rein sachliche Differenz war, wird nun personifiziert und eskaliert im Laufe der Zeit.
  • Kommunikationskonflikte: Wir können nicht nicht kommunizieren. Selbst die Ignoranz bleibt eine Reaktion auf die Anfrage des Gegenübers. Erschwerend wirkt noch, dass wir auf unterschiedlichen Ebenen (Mimik, Gestik) kommunizieren. So mutieren Missverständnisse schnell zu Kommunikationskonflikten, wenn sie nicht direkt bereinigt werden. Auf der organisatorischen Ebene können sich Kommunikationskonflikte entwickeln, wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter Widerstand signalisiert, weil seine Gruppe ihn nicht in die Entscheidungsfindung mit einbezogen hat und er den Entschluss nicht mitgestalten konnte.
  • Rollenkonflikte: Die meisten Personen nehmen in einer Gruppe verschiedene Rollen ein. Es werden Erwartungen ausgesprochen und unausgesprochen an den einzelnen gestellt. Das müssen aber nicht unbedingt jene Schubladen sein, in denen man sich selber gerne sieht. Entsprechend können die unterschiedlichen Rollen den Einzelnen daran hindern, seine persönlichen Ziele zu verfolgen.
  • Sachkonflikte: Hier herrschen entgegengesetzte Meinungen und Uneinigkeit über eine Sache. Es gibt verschiedene Vorstellungen darüber, welches Ziel erreicht werden soll oder es stehen verschiedene Lösungsvorschläge im Raum, die aber nicht zu vereinen sind. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.
  • Wertkonflikte treten zum Beispiel bei unterschiedlichen Arbeitsauffassungen auf. Der eine bevorzugt klar geregelte Abläufe, der andere ist lieber spontan; der eine schließt unlautere Methoden kategorisch aus, für den anderen sind sie nur Mittel zum Zweck.
  • Machtkonflikte: Zwei Abteilungen sollen aus Kostengründen zusammengelegt werden. Beide bisherigen Abteilungsleiter wollen keinen Einfluss einbüßen. Zack – schon ist der Machtkonflikt programmiert.
  • Verteilungskonflikte: Hier dominieren unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die vorhanden Ressourcen verteilt werden sollen. Wer bekommt den Dienstwagen? Wer das Eckbüro? Wer die neue attraktive Praktikantin?

11 sichere Wege für Streit mit Kollegen führen

Trotz Teambulding, Teamevents und Teamgeist lassen sich Konflikte nicht verhindern. Eine unüberlegte Bemerkung, ein schlechter Tag und der Streit ist programmiert. Deswegen hilft es sich bewusst zu machen, mit welchen Verhaltensweisen Sie Konflikte heraufbeschwören.

Einmischung – Einer der sichersten Wege, Ihre Kollegen zur Weißglut zu treiben: Mischen Sie sich in jede Konversation und jedes Projekt ein. Völlig unabhängig vom Thema sollten Sie immer einen guten Ratschlag, einen Tipp oder das bessere Fachwissen bereithalten – und ungefragt zum Besten geben. Nervt garantiert.
Halbwahrheiten – Nein, Sie sollen Ihre Teamkollegen nicht anlügen, es reicht schon, wenn Sie einen Teil der Wahrheit weglassen. Erzählen Sie Kollege A beispielsweise nur, dass Kollege B sein Projekt in einigen Punkten kritisiert hat. Dass er auch lobende Worte gefunden hat, lassen Sie jedoch weg – und schauen ganz entspannt zu, was passiert.
Vorgaben – Gute Teams treffen viele Entscheidung in der Regel gemeinsam. Das ist Ihre Chance, Unruhe zu stiften. Geben Sie neue Richtungen und Regeln einfach vor, ohne diese auch nur ansatzweise zu diskutieren. Die Wirkung dürfte verblüffend sein.
Opportunismus – Es geht noch einfacher: Nehme Sie die Anliegen Ihrer Kollegen ernst und stimmen Sie ihnen zu. Wenn Sie das immer tun und jeder Meinung – auch widersprüchlichen – zustimmen, führt das in kürzester Zeit zu Irritationen und Konflikten im Team. Wenn es zur Aussprache kommt, sollten Sie allerdings lieber krank sein.
Fehlzeiten – Apropos Krankheit: Wenn Sie die Stimmung im Team nachhaltig stören wollen, melden Sie sich einfach in einer heißen Projektphase kurz vor einer wichtigen Deadline krank. Idealerweise sorgen Sie dann noch dafür, dass Ihre Aufgaben schlecht dokumentiert und Sie nicht erreichbar sind. Miese Stimmung garantiert.
Unzuverlässigkeit – Sie wollen Kollegen an den Rand der Verzweiflung treiben? Dann versprechen Sie, wichtige Aufgaben zu erledigen – und tun gar nichts. Wenn die Deadline dann näher rückt und der Kollege auf Ihre Ergebnisse angewiesen ist, geht der Spaß für alle Beteiligten erst richtig los.
Feedback – Auch mit dem aktiven Sammeln von Feedback können Sie Ihre Kollegen nachhaltig frustrieren. Sammeln Sie das Feedback ein, geben Sie vor, es ernst zu nehmen – und ignorieren Sie alle Ideen. Es wird nicht lange dauern, bis die Frustration wächst.
Urlaub – Urlaubsplanung kann selbst in gut funktionierenden Teams ein Streitthema sein. Diesen wunden Punkte können Sie optimal nutzen, indem Sie Ihren Urlaub einfach vor allen anderen eintragen oder – fast noch besser – die Urlaubswünsche einzelner Kollegen ohne Grund und Erklärung bevorzugt behandeln.
Prämien – Prämiensysteme können Wunder für die Motivation der Mitarbeiter wirken. Wenn Sie es allerdings schaffen, dass Prämien für Teamleistungen nur einzelnen Teammitgliedern ausgezahlt werden, haben Sie damit einen perfekten Weg gefunden, um den Teamzusammenhalt nachhaltig zu beschädigen.
Anerkennung – Ähnliches gilt für die Anerkennung von Leistungen oder Verbesserungsvorschlägen. Legen Sie hier den Schwerpunkt auf einzelne Mitarbeiter – obwohl die Leistung vom Team erbracht wurde – sind Konflikte vorprogrammiert.
Bewertung – Ein optimaler Weg um selbst gut eingespielte Teams in Probleme zu stürzen: Geben Sie bekannt, dass alle Teammitglieder individuell beurteilt und miteinander verglichen werden. Hängen von dieser Beurteilung dann noch Prämien oder Zulagen ab, dürfte sich die Atmosphäre im Team schnell vergiften.

Drei Tipps für besseres Streiten

  1. Fragen! Viele Konflikte eskalieren, weil die Streithammel sich zuerst mit Behauptungen bombardieren: “Sie telefonieren viel zu laut!” Besser ist, Fragen zu stellen: “Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie beim Telefonieren sehr laut sprechen?” Wer richtig fragt, lenkt das Gespräch und vermeidet gleichzeitig Provokationen. Umgekehrt: Reagieren Sie auf solche Schuldzuweisungen nie beleidigt, sondern ebenfalls mit Rückfragen: “Was wollen Sie damit sagen?”
  2. Wortwahl! Tatsächlich streiten Männer anders als Frauen. Während Er in seinen Sätzen Fakten aneinander reiht, versucht Sie mit ihren Worten Harmonie zu erzeugen. Geht der Mann darauf nicht ein, fühlt sie sich zurückgewiesen und der Streit eskaliert. Dasselbe gilt für Verallgemeinerungen à la “Das ist totaler Schwachsinn!” Solche Formulierungen sind feige Attacken, die den Streit nur anschüren. Formulieren Sie lieber konkret und als Ich-Botschaft: “In dieser Situation fühlte ich mich so…”
  3. Überhören! Natürlich sollten Sie Ihrem Gegenüber genau zuhören, um zu signalisieren, dass Sie die andere Person ernst nehmen. Der Profi geht selbst auf Vorwürfe oder Unterstellungen ein, auch wenn sie ungerechtfertigt sind, überhört aber reine Sticheleien, behält so die Zügel in der Hand und beweist Größe. Umgekehrt gilt: Respektlosigkeiten disqualifizieren jeden Diskutanten. Und Ironie oder Sarkasmus wirken immer destruktiv auf die Gesprächsatmosphäre.

Das Konfliktgespräch als Lösung

Pressmaster/shutterstock.comIst es erst einmal zum Streit gekommen, steht man zwangsläufig vor der Herausforderungen, einen Weg zu finden wieder miteinander auszukommen. Denn im Job kann man sich in der Regel nicht oder nur schwer aus dem Weg gehen. Irgendwann ist man doch wieder gezwungen zusammenzuarbeiten. Da hilft nur das klärende Gespräch. Was Sie dabei beachten sollten, damit eine Aussprache möglich ist:

  1. Kommt es zur Aussprache, steht die Atmosphäre an erster Stelle. Bemühen Sie sich unbedingt und jederzeit um Sachlichkeit. Starten Sie niemals mit Wut im Bauch. Ein zeitlicher Abstand zum Auslöser hilft hierbei oft schon, allerdings sollte das Gespräch auch nicht zu lange hinausgezögert werden. Im Fachjargon heißt diese erste Annäherung Kontaktphase.
  2. Auf sie folgt die Aufmerksamkeitsphase: Ist eine gute Gesprächsatmosphäre gefunden, sollten Sie zusammen klären, wie Sie sich das Gespräch vorstellen. Dabei sollten sich alle Beteiligten einig sein, dass sie gemeinsam an einer Lösung arbeiten wollen. Will einer nicht, können Sie sich die ganze Aktion sparen.
  3. Sind sich alle einig, sollten Sie nacheinander ihre Interpretation des Konflikts erzählen: Wie kam es dazu? Was hat die Sache eskalieren lassen? Charmanter ist in diesem Fall übrigens selber zu beginnen, dann steht die Version des anderen zuletzt im Raum, was ihm ein besseres Gefühl gibt. An dieser Stelle darf übrigens noch keine Diskussion über die Sichtweisen stattfinden, weil das nur in einem Streit mündet! Vielmehr sollten die Gemeinsamkeiten der Positionen sowie die Differenzen herausgearbeitet werden. Die Uneinigkeiten werden erst im nächsten Schritt der Reihe nach abgearbeitet.
  4. Nämlich jetzt, in der Unterredungs-Phase: Nun werden Lösungen für jeden einzelnen Streitpunkt gesucht. Diese Vorschläge werden anschließend danach bewertet, ob sie machbar und für alle Parteien akzeptabel sind. Auf eben diese Lösungen einigen sich die Gesprächspartner und vereinbaren, wann über Gelingen oder Misslingen der Umsetzung noch einmal gesprochen werden soll.
  5. Am Ende des Gesprächs werden erneut alle Lösungsvorschläge wiederholt und auf ihre Akzeptanz hin bei beiden Parteien geprüft und beschlossen (Beschluss-Phase).

Kollegen des Grauens

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  • Nörgler: Nie ist etwas gut genug, ständig finden sie Fehler. Weil sie so viele schreckliche Dinge ertragen müssen, schreit ihr Leiden an der Imperfektion der Welt zum Himmel. Gelegentlich tun sie ihr Leiden und ihre Verständnislosigkeit mit harten Worten dem Umfeld kund. Meist Grummeln sie aber nur vor sich hin. Doch selbst wenn sie schweigen, spricht ihre Leidensmiene Bände: Seht alle her, ich habe es nicht leicht!
  • Besserwisser: Ganz egal, was Sie sagen: Der Besserwisser fällt ihnen ins Wort und korrigiert sie. Wenn Sie ihm eine fehlerhafte Arbeit zeigen, nutzt er gern die Gelegenheit, Ihnen anschließend gönnerhaft zu demonstrieren, wie Sie es das nächste Mal selbst richtig machen können. Schließlich hat er die Weisheit mit Löffeln gegessen – und lässt keine Gelegenheit aus, es zu zeigen und so seine Überlegenheit zu demonstrieren. Doch das ist nur die Grundform: Der perfekte Besserwisser zürnt der Dummheit der Welt.
  • Intriganten: Kaum ist der Kollege zur Tür hinaus, legt der Intrigant los: “Wisst ihr, was der letzhin für einen Bock geschossen hat?” Anschließend lässt er kein gutes Haar am Kollegen. Der wiederum bleibt ahnungslos. Denn sobald er zur Tür reinkommt, geht im Gesicht des Intriganten das Lächeln an: “Na, wie geht’s dir? Schön dass du da bist! Es ist immer eine Freude, mit dir zusammen zu arbeiten!”
  • Choleriker: Sein Kopf ist ständig hochrot, er steht unter Strom und scheint zu brodeln. Sobald ihm etwas nicht in den Kram passt (und das passiert laufend), brüllt er los und schlägt um sich. Seine Wutanfälle sind gefürchtet, denn er schätzt Mäuse und Keyboards als Wurfgeschosse. Gnade dem, der es wagt, seinen Zorn auszulösen oder ihm einfach nur in die Quere zu geraten: Wen er straft, macht er gründlich zur Schnecke – und sorgt dafür, dass es alle erfahren. Schließlich muss er ein Exempel statuieren.
  • Egozentriker: Die ganze Welt dreht sich um ihn: Will er telefonieren, darf niemand auf der Tastatur klappern. Wenn er in Ruhe arbeiten muss, haben die anderen den Raum zu verlassen. Doch er tut das nicht aus Herrschsucht oder Boshaftigkeit, sondern aus absoluter Ich-Bezogenheit: Nur, wenn alles so ist, wie er es sich vorstellt, kann er seine Aufgaben erfüllen. Und darauf muss man schließlich Rücksicht nehmen.

Expertenrat: Tipps für die häufigsten Bürokonflikte

wavebreakmedia/shutterstock.comSagen wir es, wie es ist: Nichts kann einem die Freude an der Arbeit mehr vermiesen als andere Menschen. Wir arbeiten heute immer länger, immer globaler, immer vernetzter – und das schürt zahllose Konflikte. Die meisten Büroarbeiter verbringen mehr Zeit, reden mehr mit ihren Kollegen als mit ihrer Familie, kennen die Belegschaft besser als ihre Nachbarn und sind den Launen und Marotten der Kollegen, ihrer Missgunst und ihren Intrigen dennoch ungeschützter ausgeliefert. Drei häufig auftretende Konflikte und Tipps, wie Sie damit umgehen:

Das Problem

Mein Bürokollege ist ein richtiger Widerling: laut, arrogant, beratungsresistent. Wie komme ich mit so jemand klar?

Der Expertenrat

Margit Schönberger, Autorin mehrer Bücher über das Zusammenleben im Büro (“Wer Kollegen hat braucht keine Feinde“):

Es wird Situationen geben, in denen der Widerling für Kritik ansprechbarer ist, nach einem erfolgreichen Telefonabschluss beispielsweise. Das ist der Moment für ein offenes Gespräch über die Probleme, die seine Art bei Ihnen verursachen. Ihre Sätze sollten allerdings nicht mit “Sie haben…, Sie tun…, Sie nerven…” beginnen! Während des Gesprächs sollten Sie freundlich bleiben und Ihrem Gegenüber Wertschätzung signalisieren – selbst wenn Sie schauspielern müssen! Nur falls das keine Wirkung zeigt, können Sie mit härteren Bandagen kämpfen: Etwa, indem Sie ihm den Spiegel vorhalten und während eines seiner zu laut geführten Telefonate ebenfalls ein noch lauteres führen. Seien Sie sich aber bewusst, dass dies die Situation zunächst eskalieren wird. Solche Spiele kosten Nerven. Oft aber lässt sich solchen Charakteren nur beikommen, indem man sie völlig aus dem Konzept bringt und sie direkt konfrontiert. Oder für sanftere Gemüter: Überreichen Sie dem Widerling morgens ein kleines Geschenk mit den Worten: “Geschenke sollen doch die Freundschaft fördern. Vielleicht haben wir heute eine kampffreie Zone!” Oder ohne Geschenk: “Wundern Sie sich nicht: Heute habe ich meinen arroganten Tag, am besten Sie gehen mir aus dem Weg.” Wichtig ist, dass Sie das Problem am Ende selbst lösen und damit nicht nach oben rennen. Denn das lässt Sie hilflos aussehen und qualifiziert sie nicht für höhere Aufgaben.

Trennlinie

Das Problem

Ein Kollege will offenbar meinen Job – wie gehe ich damit um?

Der Expertenrat

Martin Wehrle, Gehalts- und Karrierecoach sowie Fachbuchautor („Der Feind in meinem Büro“):

Dass mehrere Menschen dieselbe Position anstreben, ist ein natürlicher Vorgang – etwa dann, wenn zwei Gruppenleiter um die vakante Position des Abteilungsleiters konkurrieren. In Ihrem Fall liegt die Sache anders: Es geht nicht um einen freien Stuhl, es geht um Ihren eigenen. Ihr Kollege will Sie verdrängen. Dabei lautet die entscheidende Frage: Wie geht er dabei vor? Greift er in Ihren Kompetenzbereich ein? Fährt er Ihnen bei Meetings über den Mund? Oder macht er Sie und Ihre Arbeit bei den Kollegen und beim Chef schlecht? Das beste Mittel, um sich gegen verdeckte Angriffe zu wehren, ist eine Aussprache. Bitten Sie ihn um ein Gespräch unter vier Augen. Sprechen Sie an, was Sie beobachtet haben. Fügen Sie hinzu, wie Sie Ihre Beobachtung deuten und welche Konsequenzen Sie daraus ziehen (nämlich dass Sie sich das nicht gefallen lassen!). Allein der Mut zu diesem Gespräch wird Sie als wehrhaft ausweisen. Gut möglich, dass Sie Ihren Konkurrenten so schon abschrecken. Falls er Sie offen angreift, etwa bei Meetings, sollten Sie eine dreifache Strategie verfolgen. Erstens: Machen Sie Ihre Arbeit so gut wie möglich und sprechen Sie über Ihre Leistung. Wenn Sie mit Ihrer Arbeit glänzen, wie sollte es dann möglich sein, Sie zu verdrängen? Zweitens: Kontern Sie Angriffe mit harten Argumenten, indem Sie Ihr Fachwissen in die Waagschale werfen. Drittens: Setzen Sie dem Konkurrenten bei offenen Angriffen eine Grenze, gerne auch mit einer Prise Humor. Wenn alles nichts nützt: Suchen Sie ein Konfliktgespräch in Gegenwart des Vorgesetzten. Dass ein Konkurrenzkampf um eine besetzte Position entbrennt, kann nicht in seinem Interesse liegen – sofern Sie Ihren Job nachweislich gut machen.

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Das Problem

Ich fürchte ich bin neuerdings Chefs Liebling. Das viele Lob und die tollen Aufträge sind einerseits gut. Aber die Kollegen ziehen sich zunehmend zurück…

Der Expertenrat

Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants:

In einem solchen Fall sollten Sie stets Transparenz walten und keine Projektionsflächen entstehen lassen, in die die Kollegen etwas hineingeheimnissen. Wenn möglich, sollten die Auftragsarbeiten und die Kooperationen mit dem Chef erkennbar und nachvollziehbar sein. Zweitens: Bemühen Sie sich um Teamwork! Binden Sie an passender Stelle Kollegen in die Projekte ein und machen Sie diese Teamarbeit, beziehungsweise den Gruppenerfolg gegenüber dem Chef transparent. Gerade im Falle eines öffentlichen Lobes durch den Chef sollten Sie alle an diesem Auftrag oder Projekt Beteiligten benennen und gezielten Dank aussprechen. Drittens: Sollte Ihr Chef im Zuge eines Gruppentreffens Aufträge an Sie geben, die aus Ihrer Sicht von Kollegen mit passender Kompetenz und Erfahrung besser und zügiger bearbeitet werden können, machen Sie einen konkreten Vorschlag und delegieren Sie geschickt weiter. Damit nehmen Sie die Sensibilitäten im Kollegenkreis konstruktiv auf und erwerben Respekt und Anerkennung. Viertens: Wollen Sie mit Projektvorschlägen an den Chef herantreten, erarbeiten Sie diese Vorstöße zuvor im Team und werden Sie als Gruppe vorstellig – damit entsteht für Sie keine Schleimspur. Die Voraussetzung dafür, die Integration im Kollegenkreis nicht zu verlieren, ist Kommunikation. Bleiben Sie im Dialog und lassen Sie diesen im Rahmen einer intensiveren direkten Zusammenarbeit mit dem Chef nicht abklingen. Denken Sie immer daran: Chefs wechseln häufiger als Mitarbeiter. Ist der Chef weg, sind Sie ansonsten in Windeseile isoliert.

Streit verkürzt das Leben

Streit ist ungesund. Er verursacht Stress, erhöht den Blutdruck und macht mitunter Magengeschwüre. Wie dramatisch häufiges Diskutieren aber tatsächlich wirkt, zeigt jetzt eine dänische Studie um Rikke Lund von der Universität von Kopenhagen.

Bei diversen Untersuchungen an 9875 Männern und Frauen im Alter zwischen 32 und 52 Jahren fanden die Forscher heraus, dass das Sterblichkeitsrisiko bei häufigen Streitereien um das zwei- bis dreifache steigt. Die Gesundheitswerte der Probanden verschlechterten sich durch den erhöhten Stress (und die Ausschüttung diverser Hormone), den gestiegenen Blutdruck derart, sodass beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 50 bis 100 Prozent bei den Betroffenen stieg.

Allerdings, das räumen die Forscher selber ein, ist das kein Automatismus. Der Fachmann würde hier auch von einer auffälligen Korrelation und nicht Kausalität sprechen. Heißt: Die Wahrscheinlichkeit früher zu sterben steigt. Ob es tatsächlich passiert, hängt nicht zuletzt auch von der körperlichen Verfassung, dem individuellen Nervenkostüm und dem regelmäßigen Ausgleich (etwa durch Sport und gesunde Ernährung) ab.

Wie Sie eine kaputte Arbeitsbeziehung retten

Nomad_Soul/shutterstock.comWie im Privatleben auch, gibt es im Job Menschen, mit denen man sich auf Anhieb versteht. Man lacht über dieselben Dinge und hat ähnliche Interessen. Doch dann gibt es auch jene Zeitgenossen, die einen mit ihrer Art schlicht in den Wahnsinn treiben.

Einem Kollegen, der Ihnen unsympathisch ist, unterstellen Sie viel schneller Böswilligkeit. Doch wer sich so verhält, macht aus einer Unterstellung eine selbsterfüllende Prophezeiung. Weil Sie davon ausgehen, dass der Kollege in jeder erdenklichen Situation versuchen wird, Ihnen eins reinzuwürgen, wird er das auch tun. Das kann aus Frust, aus Trotz und diversen anderen Gründen geschehen. Doch es führt dazu, dass Ihre Arbeitsbeziehung durch Misstrauen und Unmut zerstört wird.

Eine Zusammenarbeit ist dann nicht mehr möglich. Doch es gibt Wege, wie Sie diese kaputte Arbeitsbeziehung reparieren können:

  • Überdenken Sie Ihr Verhalten und Ihre Einstellung. Damit eine Besserung überhaupt erst möglich wird, müssen Sie Ihrem Kollegen eine Chance geben. Das geht allerdings nur, wenn Sie Ihre Einstellung und Ihr Verhalten ihm gegenüber ändern. Konzentrieren Sie sich nicht auf das, was Sie nervt. Versuchen Sie Ihren Kollegen wohlwollend zu betrachten, genau wie Sie es mit Ihren Lieblingskollegen auch tun.
  • Pochen Sie nicht darauf, im Recht zu sein. Haben Sie von dem Streit über das Verstellen der Rückenlehne zweier Flugzeugpassagiere aus den USA gehört? Auf dem Flug von Newark nach Denver wollte eine Frau Ihren Sitz nach hinten lehnen, doch der Passagier hinter ihr wollte arbeiten und stellte den Sitz mit einem speziellen Gerät fest. Der Streit eskalierte und das Flugzeug musste einen Zwischenstopp machen. Beharren zwei Parteien auf Ihrem Recht, verhärten sich die Fronten. Einer muss nachgeben, um die Situation zu entschärfen. Natürlich fällt das schwer, doch dann rücken Sie eine gute Zusammenarbeit in den Fokus.
  • Lassen Sie sich auf den Standpunkt des anderen ein. Oft entstehen Konflikte dadurch, dass keine Rücksicht auf die Meinung und die Gefühle einer anderen Person genommen wird. Hier hilft eine offene Kommunikation. Sagen Sie selbst, was Sie stört, doch geben Sie Ihrem Gegenüber auch die Chance das zu tun. Wer es schafft, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen, hat eher Verständnis.
  • Beginnen Sie von vorn. Die Arbeitsbeziehung zum Kollegen, mit dem Sie Streit haben, wird sich nicht verbessern, wenn Sie nachtragend sind. Jeden hämischen Kommentar und jede Stichelei wieder auszugraben, führt in der Regel nirgendwo hin. Im Gegenteil: Es führt dazu, dass der Kollege das Gefühl hat, sich verteidigen zu müssen. Lassen Sie die Streitigkeiten der Vergangenheit hinter sich. Ab jetzt zählt nur noch das aktuelle Verhalten.
  • Beziehen Sie andere Personen ein. Holen Sie sich Unterstützung von Kollegen, zu denen Sie eine gute Beziehung haben. Diese können Ihnen dabei helfen, sich an die guten Vorsätze zu halten. Diese können Sie beispielsweise daran erinnern, dass Sie wohlwollender sein und dem anderen keine böswillige Absicht mehr unterstellen wollten.
  • Bauen Sie gegenseitiges Vertrauen auf. Bei einer kaputten Arbeitsbeziehung hat sich Misstrauen eingeschlichen. Dieses gilt es aus dem Weg zu schaffen. Zeigen Sie dem anderen, dass auf Sie Verlass ist und dass Sie vertrauenswürdig sind. Bieten Sie beispielsweise Ihre Unterstützung an. Sieht Ihr Gegenüber, dass Sie Wort halten, wächst allmählich das Vertrauen.

Konflikte stärken das Team

Gelingt es Konflikte im Team auf einer sachlichen Ebene zu halten, so werden nicht nur die Ergebnisse besser, auch der Teamgeist wächst spürbar. In Konflikten lernen sich Kollegen oft sehr viel besser kennen, als es bei der täglichen Arbeit möglich ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich sollen Sie keine Konflikte bewusst provozieren, doch ein offener Umgang mit verschiedenen Standpunkten und eine moderierte Diskussion sind absolut sinnvoll. Davon kann das gesamte Team – und damit auch das Unternehmen – profitieren. Als Mitarbeiter können Sie einiges zum richtigen Umgang mit Konflikten beitragen:

  • Sprechen Sie Unstimmigkeiten zeitnah an und bemühen Sie sich um Klärung.
  • Ermuntern Sie Kollegen dazu, Konflikte ebenfalls offen anzugehen.
  • Bleiben Sie bei Ihrer Argumentation immer sachlich und wechseln Sie niemals auf die persönliche Ebene.
  • Regen Sie an, dass das Team gemeinsam Regeln für sachliche Diskussionen erarbeitet.
  • Holen Sie bei festgefahrenen Diskussionen einen Vertrauensmitarbeiter oder Ihren Teamleiter als Moderator dazu.
  • Erinnern Sie sich – vor allem in hitzigen Diskussionen – daran, um was es eigentlich geht und das es sich nicht um eine persönliche Sache handelt.
  • Stellen Sie ganz bewusst die guten Ergebnisse nach einer Diskussion heraus. Freuen Sie sich zusammen mit Ihren Kollegen über die gelungene Teamarbeit.

Streiten macht kreativer

patpitchaya/shutterstock.comDer Psychologe Carsten De Dreu von der Universität von Amsterdam zeigte in seinen Untersuchungen, dass wer diskutiert (vulgo streitet), ständig kognitiv herausgefordert ist, seine Gedanken, Tatktiken und Argumente anpassen muss – und das meist noch unter dem Zeitdruck eines schnellen Schlagabtauschs. Oder in anderen Worten: Wer argumentiert, ist in höchstem Maß kreativ und trainiert zugleich diese Fähigkeiten. Vorausgesetzt allerdings, man streitet dabei nicht einfach nur wie ein sturer Rechthaber, sondern versucht tatsächlich auf die Argumente des anderen einzugehen, wägt diese ab, lässt sich auf Annahmen ein, um diese zugleich neu zu hinterfragen. Dann kann gelegentliches Streiten tatsächlich kreativer machen.

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