New Work: Vorschau auf die neue Arbeitswelt
New Work, Arbeitswelt der Zukunft – dieses Thema ist in aller Munde: Wie wird die Digitalisierung die Büro- und Industrielandschaft verändern? Diese Frage lässt sich noch nicht hinlänglich beantworten. Fest steht nur, dass der rasante technologische Fortschritt das Arbeitsleben komplett umkrempeln könnte. Gewisse Entwicklungen ermöglichen jedoch schon jetzt eine vorsichtige Vorschau auf die neue Arbeitswelt. Los geht’s: Schauen wir uns an, wie die nächste Generation arbeiten wird...

New Work: Ein sozialphilosophischer Begriff

Ursprünglich prägte der austro-amerikanische Sozialphilosoph Frithjof Bergmann den Begriff New Work: Da sich die Arbeitswelt wandelt, habe die Menschheit die Chance, sich von der Knechtschaft der Lohnarbeit zu befreien. Die Werte der Neuen Arbeit definierte er als:

  • Selbstständigkeit
  • Freiheit
  • Teilhabe an der Gemeinschaft

Im Moment sieht es ganz danach aus, als würde Bergmann recht behalten. Inzwischen ist der Wandel in vollem Gange und New Work heute ein Synonym für neue innovative Ansätze der Gestaltung von Arbeit, die die Grundsätze des Philosophen im weitesten Sinne berücksichtigen.

Ausgelöst hat das der Einzug des Personal-Computers in private Haushalte und die Büros dieser Welt in den 80er Jahren, weiter ging es mit der Geburt des Internets in den 90ern und aktuell revolutionieren mobiles Internet und Cloud-Computing die Arbeitswelt, die dadurch immer mobiler und flexibler wird.

New Work: Arbeit wird mobil, flexibel und dezentralisiert

Anchiy/shutterstock.comSchon jetzt müssen Kollegen in vielen Bereichen nicht mehr im gleichen Büro sitzen, um gemeinsam produktiv zu sein. Und es ist absehbar, dass globale Teams aufgrund der voranschreitenden Globalisierung das Team-Modell der Zukunft formen.

Das wird einerseits die Bürowelt nachhaltig verändern, andererseits auch das Miteinander von Kollegen. Denn wenn zunehmend mehr Arbeit mobil und ortsunabhängig erledigt wird – wofür brauchen Unternehmen dann noch Großraumbüros?

Doch eines ist sicher: Ganz abgeschafft wird das Büro mit Sicherheit nicht. Denn psychologisch gesehen, braucht ein Mitarbeiter einen Hort und eine feste Anlaufstelle, um sich mit einem Unternehmen identifizieren zu können. Die virtuelle Firma könnte aber durchaus ein Thema für die übernächste Generation sein.

Wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen könnte, testen erste Firmen bereits unter dem Arbeitstitel New Workspace. Dieser hat mit traditionellen Büroräumen nicht mehr allzu viel gemein. Stattdessen besteht das Büro der Zukunft aus flexiblen Bürolandschaften und bietet Arbeitnehmern je nach Bedürfnislage eine Auswahl unterschiedlicher Arbeitsplatzangebote: Ungestört telefonieren in der Telefonbox, in aller Ruhe nachdenken in der Quiet Zone oder sich mit anderen in geschützten Bereichen austauschen.

New Workspace: Großraumbüro ade

Feste Arbeitsplätze machen frei beweglichen Tischen Platz, die je nach Projekt oder To Do so kombiniert werden können, dass sich Kompetenzen bündeln und ergänzen. Neue Kollegen können jederzeit eingebunden werden, denn der Präsenzarbeitsplatz der Zukunft ist bis ins kleinste Detail veränder- und anpassbar. Arbeitsgruppen können sich jederzeit neu ausrichten.

Auch die Integration jener Kollegen, die von zuhause arbeiten, oder ihre Arbeit von einem anderen Kontinent aus verrichten, wäre kein Problem. Ermöglichen könnten das sogenannte Augmented Reality-Anwendungen, die virtuelle 3D-Elemente und die Realität direkt vor dem Auge des Nutzers miteinander verschmelzen lassen.

Das lässt vielleicht eine relativ neue Produktentwicklung, an der der Softwareriese Microsoft aktuell bastelt, schon bald zu: Die Rede ist von der virtuellen 3D-Brille HoloLens. Noch befindet sie sich in der Testphase. Optisch gleicht sie eher einer überdimensionalen, globigen Skibrille. Doch jenseits der schrulligen Optik verbirgt sich im Inneren durchaus Neues.

Im Gegensatz zu anderen Virtual Reality-Brillen wie der Oculus Rift blendet sie die reale Umgebung nicht aus. Wer sie sich auf die Nase setzt, sieht die Realität dank halb-transparenter Linsen weiterhin - ergänzt um virtuelle Inhalte. Das eröffnet mannigfache Einsatzmöglichkeiten: Bildschirme können frei im Raum aufgezogen werden, virtuelle Post It’s an den Kühlschrank geklebt werden. Und: Per integrierter Skypefunktion lassen sich eben auch Gesprächspartner als 3D-Hologramme in den Raum projizieren.

New Work: Skypen mit den Holo-Kollegen?

ra2studio/shutterstock.comSelbiges gilt natürlich auch für Projekt-Modelle, die sich per Handbewegung frei im Raum drehen oder in ihre Einzelbestandteile zerlegen lassen. Das dürfte insbesondere für die Bereiche Architektur oder Maschinenbau interessant sein. Ob die HoloLens nun das Modell sein wird, das sich durchsetzt? Fraglich! Aber sie bringt einen spürbaren Hauch Zukunft in die Gegenwart.

Was heißt das in Sachen Personalführung? Virtuelle Teams rücken per Konferenzschalte näher zusammen: Teammeetings, One-to-Ones, Feedbackgespräche – alles kein Problem. Die Kollegen könnten sich gar zum Teamabend oder Mittagessen verabreden. Allerdings müssten sie sich daran gewöhnen, dass ihre Gesprächspartner zwar optisch anwesend, aber nicht anfassbar sind.

Des weiteren könnte die neue Arbeitswelt völlig neue Möglichkeiten eröffnen, Berufs- und Privatleben besser zu vereinbaren. Stichwort: Work Life Balance. Eine Diskussion, die vor allem die Generation Y prägte, mit dem Ziel, Arbeit und Leben in perfekter Balance miteinander zu vereinen.

Insbesondere für berufstätige Eltern ist es heutzutage oft schwer, beides miteinander zu kombinieren. Dank Homeoffice-Lösungen und immer ausgefeilteren Möglichkeiten der virtuellen Zusammenarbeit könnte dieses Problem bald der Vergangenheit angehören.

  • Keine Pendelei mehr
  • Arbeitsphasen und Freizeitphasen könnten sich abwechseln
  • Was spräche dagegen, vormittags zu arbeiten, den Nachmittag mit dem Kind zu verbringen und sich im Zweifel abends nochmal einzuloggen? Oder am Wochenende?

Doch all das verlangt natürlich zum einen eine gute Koordination innerhalb der Teams – Meetings müssten etwa zu bestimmten Kernzeiten stattfinden. Und zum anderen kann eine zunehmende Verschmelzung von Leben und Arbeit dazu führen, dass der Arbeitnehmer der Zukunft überhaupt nicht mehr abschalten kann. Vielleicht aber auch umso besser, weil ihm durch das Plus an Flexibilität viel Druck von den Schultern genommen wird, und er arbeiten kann, wenn die Ideen sprudeln, und nicht, wenn es der Chef für gut befindet. Wer weiß...

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