Ollyy/shutterstock.comNa, hatten Sie sich für heute wieder jede Menge vorgenommen? Viele Prioritäten, eine ellenlange To-Do Liste und große Motivation - so beginnen viele Arbeitstage. Doch dann taucht hier eine Ablenkung auf und da hat der Kollege eine Frage und die E-Mails sollten auch mal wieder gecheckt werden... Prokrastination ist allgegenwärtig. Warum? Weil es einfacher ist Aufgaben zu verschieben, als diese zu erledigen. Doch mit den Ausreden ist endgültig Schluss. Eine Typologie der fünf häufigsten Aufschieber und 50 Tipps gegen Aufschieberitis, bei denen sicher für jeden Charakter etwas dabei ist...

Prokrastination: Was uns davon abhält, produktiv zu sein

Die meisten von uns nehmen es sich Tag für Tag vor: "Heute werde ich konzentrierter arbeiten" oder "Heute erledige ich alle anstehenden Aufgaben". Der Wille ist da und trotzdem tappen viele in die Prokrastinationsfalle. Bewusst oder unbewusst werden Aufgaben immer wieder verschoben. Eine Aufgabe ab und an zu verschieben, kann auch seine Vorteile haben, denn manchmal erledigt sie sich von selbst. Zum Problem wird diese Einstellung allerdings, wenn sie chronisch wird. Wissenschaftler unterscheiden dabei:

  1. Den Erregungsaufschieber. Er reagiert erst auf den letzten Drücker und genießt den Kick, den der Hochdruck zum Schluss erzeugt. Meist behauptet er, erst dadurch kreativ zu werden.
  2. Den Vermeidungsaufschieber. Er leidet unter der Angst zu versagen. Deshalb meidet er den Leistungsdruck, den die Aufgabe erzeugt. Dafür ist er ein Meister der Ausreden.

Das Kernproblem vieler Aufschieber ist: Sie haben Schwierigkeiten Prioritäten zu setzen und leiden unter latenten Minderwertigkeitsgefühlen. Fälschlicherweise setzen sie Erfolg mit Selbstwert gleich. Um dieses Gefühl zu erreichen, brauchen sie häufige und kurzfristige Erfolgserlebnisse.

Sind die Aufgaben aber scheinbar zu groß, liegen diese subjektiv zu weit entfernt. Also ziehen sie kleinere Aufgaben vor (Aufräumen, Abwaschen, E-Mails lesen,...), weil die eine schnelle Belohnung versprechen. Außerdem: Wer über zu viel Arbeit klagt, erntet meistens Mitgefühl.

Typologie: Fünf verschiedene Arten zu prokrastinieren

Haben Sie Ihr Prokrastinationsverhalten in der obigen Beschreibung bereits wieder erkannt? Falls nein, so entdecken Sie einige Facetten Ihrer Aufschieberitis sicherlich in der nachfolgenden Typologie. Doch diese soll natürlich nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern auch einen positiven Effekt haben. Deswegen finden Sie zu jedem Typ die passende Notlösung, wenn mal wieder akute Prokrastinationsgefahr besteht.

Der Saubermann

Ron Leishman/shutterstock.comNormalerweise stapeln sich Zeitschriften, leere Kaffeetassen, Akten und Projektunterlagen auf seinem Schreibtisch. Ein solches Arbeitsumfeld ist für ihn kein Problem. Er findet das Chaos eigentlich ganz gemütlich. Kommt allerdings eine wichtige Deadline auf ihn zu oder steht er vor einem unangenehmen Kundengespräch (bei Studenten ist es in der Regel eine Klausur in einem unliebsamen Fach), packt ihn die Ordnungswut. Plötzlich müssen der Schreibtisch oder die Wohnung blitzblank sein, bevor er durchstarten kann.

Standardausrede

"Ich muss erst noch das Geschirr abwaschen, die Unterlagen sortieren und den Schreibtisch aufräumen, aber dann fange ich auch wirklich an."

Warum?

Angesichts der vor ihm liegenden Aufgabe fühlt er sich überfordert und hat das Bedürfnis Ordnung zu schaffen, denn er weiß nicht, wo er anfangen soll.

Was tun?

Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine. Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter, ihn in Fahrt zu halten. „Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.

Der Panikmacher

Ron Leishman/shutterstock.comZu Beginn ist er noch ganz gelassen. Die Deadline liegt in weiter Ferne. Alles ist super. Genügend Zeit, um sich angenehmeren Dingen zu widmen. Kurz vor knapp fällt ihm dann doch ein, dass da noch eine Aufgabe offen ist. Jetzt wird ihm bewusst, wie viel Zeit er untätig hat verstreichen lassen und bekommt Panik. Er verrennt sich so sehr in seine Panik, dass er sich selbst im Weg steht und am Ende unzufrieden mit dem Ergebnis seiner Arbeit ist.

Standardausrede

"Das hat noch Zeit."

Warum?

Der Panikmacher hat ein schlechtes Zeitmanagement. Er schafft es einfach nicht, sich die Arbeitszeit sinnvoll einzuteilen. Oft unterschätzt er auch den Arbeitsaufwand einer Aufgabe.

Was tun?

  • Machen Sie weniger Druck. Sagen Sie sich selbst oft „Du musst“, „Du sollst“, „Mach jetzt, sonst…“? So wird das nichts. Aufschieber flüchten so erst recht. Ändern Sie stattdessen den Mechanismus und machen Sie sich bewusst, eine Wahl zu haben.
  • Setzen Sie Prioritäten. Entscheiden Sie, was wirklich wichtig und dringend ist und was noch Zeit hat oder delegiert werden kann. Die Eisenhower-Methode eignet sich dafür besodners gut. Aber auch die ABC-Technik.

Der Listenmacher

Ron Leishman/shutterstock.com
Bevor er sich an die Arbeit macht, muss er eine To-Do-Liste erstellen. Ohne Liste geht bei ihm gar nichts. Darauf schreibt er auch haarklein, was alles erledigt werden muss. Doch am Ende hat er zwar eine schöne Liste gemacht, die wichtigen Aufgaben darauf sind dennoch nicht erledigt.

Standardausrede

"Ich mache mir schnell eine Liste."

Warum?

Er liebt es einfach, etwas auf seiner Liste abhaken zu können. Das gibt ihm das wohlige Gefühl, produktiv zu sein und etwas geschafft zu haben. Doch leider hakt er oftmals nur Kleinkram ab und verzettelt sich in Nebensächlichkeiten.

Was tun?

Beginnen Sie mit dem Unangenehmsten. Packen Sie den Stier bei den Hörnern: In der Regel wird es die unangenehmste Aufgabe sein, die Sie die ganze Zeit vor sich herschieben. Warum nicht sofort morgens hinter sich bringen, wenn man noch frisch ist? Der Rest des Tages wird Ihnen umso leichter von den Hand gehen.

Der Multitasker

Ron Leishman/shutterstock.comAm liebsten arbeitet er an mehreren Aufgaben und Projekten gleichzeitig. Er fängt eine Sache an, hat dann einen Einfall zu etwas ganz anderem und widmet sich dann dieser Aufgabe. Irgendwann stapeln sich lauter begonnene Aufgaben auf seinem Schreibtisch, doch keine davon hat er beendet.

Standardausrede

"Mir fällt da etwas ein."

Warum?

Er ist schnell gelangweilt von einer Aufgabe und kann sich schlecht konzentrieren. Kommt er in einem Punkt nicht weiter, wendet er sich einer neuen Aufgabe zu.

Was tun?

  • Bitten Sie Ihre Kollegen um Input. Stecken Sie in einer Sackgasse, lassen Sie sich von den Vorschlägen Ihrer Kollegen inspirieren. Vielleicht habe die bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und haben einen guten Rat. Sie bekommen dadurch eine zusätzliche Perspektive.
  • Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerade tun. Unterbrechungsforscher (die gibt es wirklich) haben festgestellt, dass sich Büroarbeiter genauso oft selbst ablenken, wie sie unterbrochen werden. Zwingen Sie sich also dazu, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, statt in Gedanken schon bei der nächsten zu sein.
  • Vergessen Sie Multitasking. Einige Studien beweisen, Menschen sind nicht produktiver, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Im Gegenteil: Oft hindert es sie, konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten. Außerdem verursacht Multitasking Stress. Versuchen Sie lieber Schritt für Schritt vorzugehen.

Der Internet-Junkie

Ron Leishman/shutterstock.comEr ist ständig online, wenn nicht am Rechner, dann mit dem Smartphone. Alle paar Minuten checkt er seine E-Mails, prüft, was in seinen sozialen Netzwerken los ist und schaut sich Videos an. Das macht er nebenbei, während er eigentlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Ohne es zu merken, vertrödelt er damit Stunden seiner Zeit.

Standardausrede

"Was ist denn so auf facebook los?"

Warum?

Den unendlichen Versuchungen des Internets kann er einfach nicht widerstehen. Er lässt sich leicht vom Signal seines E-Mail-Postfachs und lustigen Youtube-Videos ablenken.

Was tun?

  • Begrenzen Sie Ihre Zeit in sozialen Netzwerken. Achten Sie bewusst darauf, wie lange Sie dort verbringen. Damit verhindern Sie, dass unbemerkt zwei oder drei Stunden vergehen, in denen Sie nur die Timeline checken und Videos schauen.
  • Seien Sie offline. Gerade wichtige Aufgaben, die viel Konzentration erfordern, sollten Sie offline erledigen. Sie erliegen damit nicht der Versuchung, auf interessante Beiträge zu stoßen und sich dann treiben zu lassen.
  • Lesen Sie Ihre Mails nicht sofort. Es gibt bereits eine so genannte Slow-E-Mail-Bewegung. Anhänger öffnen ihre Post nur noch zweimal am Tag. Dasselbe gilt für Anrufbeantworter oder Anrufe.

50 Tipps gegen Prokrastination

Ollyy/shutterstock.comProkrastination wird zu einem großen Problem, wenn das Verhalten chronisch wird. Damit es erst gar nicht so weit kommen kann, raten Experten zu den unterschiedlichsten Wegen aus der Aufschieberitis. Wir haben für Sie dazu recherchiert und die 50 hilfreichsten Tipps gegen Prokrastination zusammengetragen. Nicht alle werden zu Ihnen persönlich passen. Das können und sollen sie auch nicht. Dazu ist das Problem zu individuell. Verstehen Sie die Tipps also als Sammlung von Alternativen – und picken Sie sich die Besten für Sie raus:

  1. Beginnen Sie sofort. Zum Beispiel jetzt! Die 72-Stunden-Regel etwa sagt: Wer sich etwas vornimmt, muss innerhalb von 72 Stunden den ersten Schritt machen, sonst sinkt die Chance, dass er das Projekt jemals beginnt, auf ein Prozent.
  2. Hinterfragen Sie sich. Warum schieben Sie bestimmte Aufgaben auf? Prokrastination ist eine Gewohnheit, sie läuft automatisch ab. Ein Schritt in Richtung Besserung ist deshalb, sich sein Verhalten bewusst zu machen und die Gewohnheit zu durchbrechen. Dazu hilft auch, seine Verhaltensweisen über einen Zeitraum schriftlich zu notieren: Was machen Sie ungern? Warum? Was löst Stress aus? Was hätten Sie anders machen können?
  3. Planen Sie vor. Wie gesagt: Prokrastination ist in erster Linie eine Gewohnheit. Überlisten Sie sich also und notieren Sie sich schon am Abend, was Sie am nächsten Tag in welcher Reihenfolge tun werden (werden – nicht wollen!). Und dann halten Sie sich daran. Planen Sie aber auch genügend Freizeit (zur Erholung und für Unvorhergesehenes) sowie Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, ein.
  4. Seien Sie sehr konkret. Je genauer und konkreter Sie bei der Planung sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von Ihren Plänen abweichen. Nehmen Sie sich beispielsweise vor: Morgen um 14 Uhr werde ich für eine Stunde für meine Statistikprüfung lernen, bevor ich eine Pause mache. Eine solch genaue Planung motiviert anstatt abzuschrecken.
  5. Achten Sie auf Ihre Gedanken. Gedanken haben enorme Macht. Wir reflektieren ständig unser Verhalten, analysieren uns, kritisieren uns, loben uns, schmieden Pläne. Dieser innere Dialog prägt unser Handeln und unsere Gefühle zu 95 Prozent! Schon der Talmud warnt: „Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.“ Achten Sie also auf Ihre Gedanken! Und denken Sie positiv: Sie schaffen das!
  6. Machen Sie sich weniger Druck. Sagen Sie sich selbst oft „Du musst“, „Du sollst“, „Mach jetzt, sonst...“? So wird das nichts. Aufschieber flüchten so erst recht. Ändern Sie stattdessen den Mechanismus und machen Sie sich bewusst, ein Wahl zu haben.
  7. Verdeutlichen Sie sich die Konsequenzen. Das sorgt zwar zunächst für zusätzlichen Druck, kann aber heilsam sein. Machen Sie sich klar, welche Folgen es haben kann, wenn Sie die Ihnen übertragen Aufgaben immer nur mittelmäßig, zu spät oder gar nicht erledigen. Was wird Ihr Chef über Sie denken? Was die Kollegen? Sie haben schließlich einen Ruf zu verlieren!
  8. Setzen Sie Prioritäten. Entscheiden Sie, was wirklich wichtig und dringend ist und was noch Zeit hat oder delegiert werden kann. DieEisenhower-Methode eignet sich dafür besodners gut. Aber auch die ABC-Technik.
  9. Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine. Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter ihn in Fahrt zu halten. „Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt“, lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.
  10. Bleiben Sie organisiert. Aufgaben zu zerlegen, sich einen Überblick zu verschaffen – vielleicht sogar mitilfe von To-Do-Listen oder Mindmaps – ist eine Sache. Konservieren Sie diesen Zustand aber auch. Sonst oszillieren Sie nur zwischen Chaos – Liste/Map – Chaos.
  11. Hören Sie auf, zu zweifeln. Jeder kennt die Phrase Wenn ich doch nur ..., dann ...! Solche Wenn-dann-Phasen tauchen immer wieder auf. Meistens dann, wenn man mit sich und seiner Situation unzufrieden ist. Aber diese Zweifel sind heikel. Ihr Unheil beginnt mit der Überzeugung, vor einem stünde ein unüberwindbarer Berg. Dann sehen wir nur noch den Berg und nicht mehr den Gipfel, verharren oder kehren gar um. Fatal! Ein Gipfelsturm gelingt auch in Etappen. Überlegen Sie sich also, wo Sie stehen und was als nächstes getan werden müsste. Dann gehen sie los, Basiscamp für Basiscamp.
  12. Streichen Sie sich produktiv. Das klingt zwar merkwürdig, funktioniert aber tatsächlich. Es kann ein sehr zufriedenstellendes Gefühl sein, eine Aufgabe sichtbar abzuhaken, beispielsweise auf Ihrer To-Do Liste oder im Aufgabenplan. So haben Sie nicht nur das Gefühl etwas geschafft zu haben, sondern können es auch bildhaft machen und damit verstärken.
  13. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Behalten Sie lieber das große Ganze im Auge. Aus der Forschung weiß man, dass Menschen Aufgaben motivierter erledigen, wenn Sie die höheren Ziele dahinter erkennen.
  14. Seien Sie realistisch. Aufschieber neigen zur Alles-oder-Nichts-Haltung. Dahinter steckt die Angst nicht mehr akzeptiert zu werden, wenn etwas nicht vollkommen ist. Auch 80 Prozent sind aber oft gut genug. Was kann den schlimmstenfalls passieren, wenn Sie Ihr (!) Ideal nicht erreichen? Na und?!
  15. Übertreiben Sie nicht. Bei allem Ehrgeiz, seiner Aufschieberitis Herr zu werden – zu viele Punkte auf Ihrer Liste und Sie legen die Liste selbst beiseite oder schieben sie vor sich her. Also schreiben Sie kurze (und dafür lieber mehr) Listen, die in kurzen Zeitintervallen zu schaffen sind.
  16. Hören Sie auf, perfekt zu sein. Perfektionismus hält auf. Er führt zu einem Tunnelblick, bei dem sich die Betroffenen auf zahllose Details konzentrieren, die für das große Ganze aber nur geringe Bedeutung haben. Dabei verrennen sie sich dann und kommen schließlich nicht mehr vom Fleck. Mängel dagegen können den Horizont erweitern. Denken Sie nur: Ohne Fehler hätte Christoph Kolumbus nie Amerika entdeckt!
  17. Setzen Sie sich Limits. Sie kennen vielleicht das Parkinson’sche Gesetz. Es geht auf den britischen Historiker und Publizist Cyril Northcote Parkinson zurück. Danach dehnt sich Arbeit in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht etwa wie viel Zeit man tatsächlich dafür bräuchte. Denken Sie an Meetings: Stundenlang werden die Themen diskutiert, alle können mitreden, auch wenn nicht jeder davon Ahnung hat. Aber fünf Minuten vor Schluss werden trotzdem die entscheidenden Beschlüsse gefasst. Warum nicht gleich so? Ganz einfach: Setzen Sie Limits!
  18. Belohnen Sie sich für Teilerfolge. Um Prokrastination in den Griff zu bekommen, ist Selbstdisziplin nötig, manchmal auch Druck. Deshalb ist Belohnung am Ende wichtig, um sich bei Laune zu halten. Was alle Erfolgreichen letztlich eint: Sie halten die Lücke zwischen Absicht und Ausführung sehr klein. Und den Spaßfaktor groß.
  19. Loben Sie sich. Fehlen positive Rückmeldungen, tendieren Menschen dazu, aufzugeben. Umgekehrt wirkt Wertschätzung enorm positiv, wie etwa Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nachwies: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Leistungskraft verbessert.
  20. Vergessen Sie Work-Life-Balance. Treffen sich die Leute abends zum Essen, dann ist häufig die Rede davon, wie lange einer noch arbeiten muss und wie er danach leben will. So mutieren Arbeit und Leben zu Konkurrenten, die es – >Work-Life-Balance sei dank – gegeneinander abzuwiegen gilt. Unfug! Ausgeglichenheit ist eher im Längs- als im Querschnitt eines Lebens zu finden. Mal wiegt der Beruf schwerer, mal Familie. Machen Sie sich deswegen bloß keinen Stress. Solange die Waagschalen in Bewegung bleiben, leben Sie!
  21. Arbeiten Sie in Ihren Hochphasen. Bei jedem Menschen gibt es innerhalb eines Tages unterschiedliche Leistungsphasen. Entscheidend dafür ist die sogenannte Chronobiologie. Der Organismus, also Stoffwechsel, Organtätigkeit, Konzentrationsfähigkeit – alles schwankt innerhalb eines Tages erheblich. Dabei unterscheiden sich vor allem die Frühaufsteher (auch Lerchen genannt. Sie stehen schon früh morgens auf und sind sofort topfit). Und die Langschläfer (auch Eulen genannt), die auch abends noch hell wach sind und sich gut konzentrieren können. Diese Typen sind unabhängig von der Schlafmenge, die der Einzelne braucht. Ihre individuellen Leistungsphasen liegen stark zeitversetzt. Wer seinen eigenen Typ kennt und dies im Alltag berücksichtigt, kann seine Leistung, Kreativität und Produktivität deutlich verbessern. Schwierige Aufgaben legt möglichst in die Hochphasen, den lästigen Kleinkram in die Durchhängerphasen.
  22. Beginnen Sie mit dem Unangenehmsten. Packen Sie den Stier bei den Hörnern: In der Regel wird es die unangenehmste Aufgabe sein, die Sie die ganze Zeit vor sich herschieben. Warum nicht sofort morgens hinter sich bringen, wenn man noch frisch ist? Der Rest des Tages wird Ihnen umso leichter von den Hand gehen.
  23. Bemühen Sie sich um Routinen. Wer sich um einen geregelten Tagesablauf bemüht oder bestimmte Aufgaben immer wieder zur selben Zeit erledigt, sorgt zwar für Eintönigkeit und Langeweile, er verringert aber auch die Nischen, in denen er etwas aufschieben könnte.
  24. Vermeiden Sie Unterbrechungen. E-Mails kündigen sich im Posteingang an, mal klingelt das Telefon, mal das Handy, mal der Blackberry, mal platzen Kollegen ins Büro. Das ist schädlich für die Produktivität. Wissenschaftler der Universität Kalifornien fanden heraus, dass ein Büromensch sich gerade elf Minuten einer Aufgabe widmen kann, bevor er unterbrochen wird. Was noch schlimmer ist: Nach der unfreiwilligen Pause dauert es teils bis zu 25 Minuten, bis man den Faden wieder aufgenommen hat. So werden Sie nie fertig.
  25. Lesen Sie Ihre Mails nicht sofort. Es gibt bereits eine so genannte Slow-E-Mail-Bewegung. Anhänger öffnen ihre Post nur noch zweimal am Tag. Dasselbe gilt für Anrufbeantworter oder Anrufe.
  26. Vergessen Sie Multitasking. Einige Studien beweisen, Menschen sind nicht produktiver, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Im Gegenteil: Oft hindert es sie, konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten. Außerdem verursacht Multitasking Stress. Versuchen Sie lieber Schritt für Schritt vorzugehen.
  27. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerade tun. Unterbrechungsforscher (die gibt es wirklich) haben festgestellt, dass sich Büroarbeiter genauso oft selbst ablenken, wie sie unterbrochen werden. Zwingen Sie sich also dazu, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, statt in Gedanken schon bei der nächsten zu sein.
  28. Lenken Sie sich ab. Zwei Widersprüche direkt hintereinander? Ja, auch das kann funktionieren. Studien zeigen, dass eine kurze (wirklich kurz, sonst verfehlt es völlig seinen Zweck) Unterbrechung die Konzentrationsfähigkeit steigern kann. Wer also kurz an etwas anderes denkt, kann sich anschließend wieder besser auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren.
  29. Hören Sie Musik. Lieblingslieder können ein großartiger Motivator sein. Wenn Sie sich durch Musik bei der Arbeit nicht abgelenkt fühlen, hören Sie ein paar Melodien zum Aufmuntern.
  30. Ernähren Sie sich richtig. Du bist, was du isst? Stimmt vielleicht nicht immer, doch die Ernährung wirkt sich durchaus auf unsere Leistungsfähigkeit aus. Wem nach dem Essen die Energie fehlt, um seine Aufgaben anzupacken, rutscht viel schneller in die Prokrastinationsfalle.
  31. Seien Sie weniger online. Der Tipp ausgerechnet in dieser Liste? Oh ja! Das Internet ist ein unglaublicher Zeiträuber und zugleich eine verführerische Ablenkung. Blogs lesen, rumsurfen, E-Mails schreiben, zack, schon haben Sie drei Stunden verballert, die Sie auch produktiv hätten nutzen können. Limitieren Sie also Ihre Online-Zeiten.
  32. Räumen Sie auf. Versiffte Kaffeetassen, meterhohe Papierstapel und vertrauliche Dokumente, die offen herumliegen, sind nicht nur Chefs ein Graus. Sie verleiten auch zu gedanklichem Schlendrian. Zumindest bei einigen Menschen. Darum: Misten Sie Ihr Büro regelmäßig aus, sortieren Sie Ihre E-Mails und hinterlassen Sie Ihren Schreibtisch jeden Abend akkurat. Ordnen Sie das Chaos, und bewahren Sie den Zustand. Das kann jeder, es erfordert nur Disziplin.
  33. Sagen Sie öfter NEIN. Menschen, die an akutem Helfer-Syndrom leiden, streben nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Die Vorstellung, ersetzbar zu sein, macht ihnen Angst. Ein Kurzschluss: Jeder Mensch ist ersetzbar! Das Helfer-Syndrom führt nur zu massivem Stress. Haben Sie also den Mut, Bitten auch mal mit einem Nein zu quittieren. Wenn Sie Prioritäten setzen, liegt der Erfolg darin, sich auch daran zu halten. Wer niemandem eine Bitte abschlagen kann, kommt zwangsläufig aus dem Trott.
  34. Schalten Sie Zeitfresser aus. Was raubt Ihnen am Tag die meiste Zeit? Womit halten Sie sich besonders gerne und lange auf? Muss das sein? Ist das sinnvoll und produktiv? Andernfalls: Setzen Sie sich bewusst Grenzen. Übrigens: Nicht nur in Zeitfragen!
  35. Denken Sie um. Die richtige Frage ist nicht: „Wie werde ich damit bloß fertig?“, sondern „Wie fange ich damit an?“. Die größte Hürde beim Aufschieben ist, überhaupt erst loszulegen.
  36. Betrügen Sie sich selbst. Wenn Sie Donnerstag fertig sein müssen, notieren Sie sich den Mittwoch als Deadline. Aus der Hirnforschung weiß man: Je öfter Sie einen Gedanken denken, desto stärker schleift er sich ein, und Sie akzeptieren ihn irgendwann als wahr. Irgendwann werden Sie also denken: Ich muss Mittwoch fertig werden! Und dann passiert das Wunder: Sie werden am Mittwoch fertig – überpünktlich – und können einen ganzen Tag lang das Ergebnis verbessern.
  37. Machen Sie Pausen. Immer nur Vollgas geben – das verträgt selbst der stärkste Motor nicht. Das Burnout-Syndrom – der rapide Verlust von Freude und Antriebskraft – kann sonst die Folge sein. Ab und an ausklinken, zur Ruhe kommen, aufstehen, strecken, ein paar Schritte an der frischen Luft gehen, Wasser trinken, Kraft tanken macht motivierter. Nutzen Sie die Pausen aber wirklich sinnvoll und nicht zum Trödeln!
  38. Machen Sie Ihre Ziele bekannt. Seine Entscheidung öffentlich zu machen, bewirkt zweierlei: Andere Menschen setzen Erwartungen in einen und man selbst ebenfalls. Es hilft, sich mental und emotional auf sein Ziel zu konzentrieren und alles daran zu setzen, um es zu erreichen. Seine Ziele anderen mitzuteilen, ist zwar kein Erfolgsgarant. Aber es ist ein gutes Indiz, wie sehr man sich seiner Sache verschrieben hat. Außerdem hilft es, die Ziele durch andere zu prüfen.
  39. Dulden Sie keine Entschuldigungen. Aufschieber sind Meister der Ausrede – für sich, andere und die Umstände. Betuppen Sie sich nicht selbst! Jedes Mal, wenn Sie wieder einen Grund (er)finden, warum Sie etwas jetzt nicht erledigen können, fragen Sie sich: Ist das wirklich wahr?
  40. Bemühen Sie sich um einen Mentor. Man könnte auch sagen, um einen Antreiber, aber das klingt weniger freundlich. Ist aber der Job: Derjenige sollte Sie immer wieder dazu ermuntern, ihre Ziele weiter zu verfolgen – zur Not auch mit einem Tritt in den Hintern. Achten Sie aber darauf, dass sie seine Rolle als Mentor nicht mit seiner Freundschaft verwechseln.
  41. Arbeiten Sie im Team. Wenn Sie es alleine nicht schaffen, suchen Sie sich Mitstreiter. Das ist beim Sport genauso wie bei einer Diät: Partner ermuntern einander, ziehen einen auf Durststrecken mit und ermahnen, wenn es sein muss. Nicht jeder ist so ein starker Selbstmotivator wie Boris Becker.
  42. Behalten Sie das große Ganze im Auge. Oft sind es nur 20 Prozent Jobmüll – lästige Routinen, unproduktive Meetings, chaotische Chefs oder Primadonna-Kollegen –, die 80 Prozent des Spaßes an der Arbeit rauben. Aber es sind eben nur 20 Prozent! Fokussieren Sie das große Bild, dann reiben Sie sich an dem Kleinkram nicht so auf.
  43. Bleiben Sie fit. Klingt banal, ist es aber nicht: Stress, Ängste, sogar Depressionen können eine ebenso häufige Ursache für Prokrastination sein. Und körperliche Aktivität ist ein wirksamer Schutzmechanismus, der Stress abbaut, Ärger minimiert und obendrein den Geist durchlüftet. Sport schafft wertvolle Oasen zum Nachdenken. 20 Minuten leichter Sport am Tag reichen schon.
  44. Investieren Sie Geld. Auch das kann helfen. Wenn das Bummeln Sie erst wirklich etwas kostet, gibt es der Sache eine neue Dimension. Jedes Mal, wenn Sie eine Sache verschoben haben, stecken Sie zum Beispiel Geld in eine Spardose. So viel, dass es etwas wehtut. Und natürlich dürfen Sie an das Geld erst nach mindestens einem halben Jahr. Für viele ist das ein guter Grund, Gas zu geben, wenn sie es im Geldbeutel spüren.
  45. Halten Sie Erfolge fest. Aufschieberitis zu stoppen, ist wie eine Sucht zu bekämpfen: Sie müssen umlernen und Ihr Gehirn mit anderen Dingen belohnen. Erste Erfolge, etwas nicht auf die lange Bank geschoben zu haben, aktivieren Ihr Belohnungssystem.
  46. Fokussieren Sie Ihre Stärken. Viele Leute wenden enorme Energien auf, um ihre Schwächen zu bekämpfen, sie doktern an ihren Mängeln herum und betreiben doch nur Schadensbegrenzung. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach oben kommt, weil er seine Stärken stärkt, um 50 Prozent höher, als wenn er seine Schwächen repariert.
  47. Einfach ist nicht immer besser. Das widerspricht zwar jeder Motivation von Aufschiebern. Es führt aber manchmal zur besseren Lösung, wenn Sie nicht immer den leichtesten Weg gehen und stattdessen etwas mehr (Zeit, Mühe) investieren. Und manchmal spart es sogar Zeit – wenn Sie hinterher weniger ausbessern müssen.
  48. Seien Sie dankbar. Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Dankbarkeit verbannt negative Gedanken und reduziert Stress. Lernen Sie also, dankbarer zu werden – etwa für die Dinge, die Sie schon erreicht haben, für Freunde, für Ihre Gesundheit.
  49. Geben Sie nicht auf. Wie sagte schon Friedrich Nietzsche: „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.“

50. Bringen Sie Momentum in Ihrem Browser

Falls Sie den Chrome-Browser von Google nutzen, gibt es eine praktische Erweiterung für das Prokrastinationsproblem: Momentum. Sie ist gratis und auch ein bisschen gemein: Sie erinnert Sie nämlich daran, Ihre Hauptaufgaben nicht aus den Augen zu verlieren - buchstäblich!

Die Erweiterung können Sie HIER herunterladen und installieren. Danach wird Momentum praktisch zur neuen Startseite Ihres Browsers...

Drei effektive Wege zum besseren Prokrastinieren

Ollyy/shutterstock.comNun haben Sie die Qual der Wahl. Welcher Tipp Sie persönlich zum Ziel bringt und der Prokrastination einen Riegel vorschiebt, müssen Sie für sich selbst herausfinden. Probieren Sie verschiedene Möglichkeiten aus und kombinieren Sie die Tipps untereinander, um Ihr persönliches Aufschieberitis-Mittel zu entwickeln. Doch sollte all das immer noch nichts bringen, haben wir zum Schluss noch drei Tipps für effektiveres Prokrastinieren für Sie.

  1. Organisieren Sie sich! Viele unserer Empfehlungen helfen dabei, produktiver zu werden. Wie immer macht aber auch hierbei die Dosis das Gift. Sich zu organisieren, gehört definitiv dazu: Es lässt sich herrlich ein ganzer Tag damit verplempern, seine Aufgaben durchzuplanen, den Workflow zu verbessern, E-Mail-Systeme und Strategien zu entwickeln. Den Job haben Sie deswegen aber noch nicht gemacht.
  2. Machen Sie es besser! Sie haben ein Projekt eigentlich schon abgeschlossen? Aber hey: Sicher ist es noch nicht perfekt! Drehen Sie also noch eine paar Extraschleifen bis es so richtig rund wird, falls es das je wird. Aber solange Sie die fast fertige Aufgabe weiter optimieren, brauchen Sie all die anderen Jobs in der Warteschleife nicht beginnen. Und die sehen noch viel schlechter aus.
  3. Diskutieren Sie es aus! Entscheidungen haben etwas beängstigend Finales. Danach geht es irgendwie nur noch los - und das kann die falsche Richtung sein. Man kann das nicht wissen. Aber hinterfragen, neue Variablen hinzufügen, Szenarien durchspielen - und währenddessen keine Fehler machen. Das ist dann gründlich. Bestenfalls sorgfältig. Aber bestimmt nicht ängstlich, entscheidungsschwach und prokrastinierend. Oder...
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