Manche Arbeitgeber machen es sich leicht, zu leicht: Stelle ausschreiben – und abwarten, bis einem die Goldfische ins Netz gehen. Und die armen Schlucker, denen das passiert, werden noch nicht einmal gut behandelt. Von Anfang lassen sie die Arbeitgeber spüren: Wir begegnen uns, aber nicht auf Augenhöhe. Oder kürzer: Ich Job, du nix.
Wie sagt man so schön: Wer nur Peanuts bietet, darf sich nicht wundern, wenn nur noch Affen für ihn arbeiten. Das gilt im übertragenen Sinne auch für den Bewerbungsprozess. Mag sein, dass der Arbeitgeber gerade zu den beliebtesten gehört oder zum einzigen attraktiven lokalen Jobanbieter. Doch das kann sich schnell ändern – und vor allem in Zeiten von Social Media schnell herumsprechen. Dann ist es mit der Attraktivität bald vorbei. Und Loyalität kann jemand, der eine Beziehung auf einem Machtgefälle gründet, ohnehin nicht erwarten.
Gewiss, das sind Extreme, die zunehmend seltener werden. Zum Glück. Aber ihre Artverwandten und kleinen Geschwister tauchen immer wieder auf. Daher haben wir eine offene Liste erstellt mit Dingen, die Bewerber im Recruiting-Prozess hassen. Um Ergänzung wird gebeten…
5 Unarten, die Bewerber in die Flucht schlagen:
![]() | Hausaufgaben nicht gemacht: Von Bewerbern wird erwartet, dass sie sich vorbereiten; Zahlen, Namen und Fakten zum Unternehmen kennen; auf Fragen gute Antworten parat haben und genau wissen, was sie wollen. Umso ärgerlicher, wenn einem dann ein Personaler gegenübersitzt, der seinerseits unvorbereitet ist, den Lebenslauf nicht kennt (obwohl er vor ihm liegt), die Bewerbung nicht gelesen hat und ziellose Fragen stellt. Frechheit! Wenn der schon nicht seinen Job beherrscht, wie sieht es dann erst mit den Kollegen in spe aus? |
![]() | Unklare Jobbeschreibung: Ja, klar kommt Arbeit auf einen zu. Aber welche genau? Worin liegen die spezifischen Herausforderungen? Wie wird der Erfolg gemessen (insbesondere wenn daran ein Bonus geknüpft ist)? Wie könnte ein typischer Tag aussehen? Schließlich geht es bei der Bewerbung darum, herauszufinden, ob beide Seiten zueinander passen. Bleibt die Stellenbeschreibungen jedoch schwammig, drohen womöglich böse Überraschungen. |
![]() | Plötzliche Stresstests: Natürlich können Personaler im Vorstellungsgespräch einen allzu souveränen Bewerber auch mal testen, wie der in Stresssituationen reagiert und deshalb rüde werden. Aber die feine Art ist das nicht. Zumal das eben auch Rückschlüsse auf das Betriebsklima und den Job zulässt, Motto: Mit Stress musst du hier selbst fertig werden. Und: Wir suchen eigentlich nur die ganz Abgebrühten… Eleganter wäre den Kandidaten danach zu fragen, wie er oder sie sich in der Vergangenheit in kniffligen Situationen verhalten und wie er oder sie diese gelöst hat. Auch dabei lässt sich viel erfahren – selbst wenn nur 50 Prozent davon wahr sind. |
![]() | Keine Rückmeldung: Der Bewerbungsprozess ist abgeschlossen, jetzt wartet der Kandidat nur noch auf die Reaktion: Hat er den Job oder nicht? Und wartet und wartet und wartet… Natürlich hat jeder Bewerber Verständnis dafür, dass erst mal alle Bewerber und damit das gesamte Angebot gesichtet werden muss. Aber länger als zwei Wochen will keiner auf eine Antwort warten müssen. Die muss dann zur Not auch noch nicht endgültig sein, Motto: Sie sind noch im Rennen, zwei weitere Kandidaten aber auch. Hauptsache, es gibt überhaupt eine Reaktion. Das gebietet schon der gegenseitige Respekt. |
![]() | Miese Absagen: Okay, es gibt Konkurrenten. Das gehört zu einem Auswahlprozess zwangsläufig dazu. Und manchmal gibt es eben auch Bewerber, die besser sind. Aber: Jeder einzelne der Kandidaten hat sich Mühe gegeben, Zeit investiert. Der eine mehr, andere weniger. Trotzdem darf jeder mit einer Absage rechnen. Und zwar möglichst schnell, denn die Jobsuche geht dann ja weiter. Es ist ein Zeichen von Respekt und Empathie, wenn Arbeitgeber nicht nur die Arbeit sehen, die mit solchen Absagen verbunden ist, sondern auch die Bedürfnisse der Bewerber (die darüber übrigens gerne mal sprechen). Vorbildlich wäre, der Absage noch ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben, was der Kandidat beim nächsten Mal besser machen könnten. Bei 500 Bewerbungen sicher nicht möglich – bei zehn Kandidaten aus der Schlussrunde aber schon. |





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Hans
… bleibt zu hoffen, dass der eine Personaler oder die andere Arbeitgeberin diesen Beitrag liest :)
Statt auf blöde Bewerber zu schimpfen, sollten Unternehmen sich genauer die “auswählenden Personen” ansehen – um das Wort “Bewerbungsprozess” auf das zu fokussieren, was es ist:
Menschen suchen andere Menschen, die ins Team passen, um gemeinsam mit ihnen an etwas zu arbeiten.
Warum nicht das Team – also die zukünftigen Kollegen – bestimmen lassen?
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Semco_System#Einstellung
-Hans Steup, Berlin
Thomas
Die Respektlosigkeit mancher Personalentscheider gegenüber Bewerbern spricht Bände. Sicherlich kann fast jeder eine Geschichte wiedergeben.
Besonders schön finde ich, wenn man sich auf eine Stelle bewirbt – nach drei Wochen nachhakt. Eine fadenscheinige Ausrede folgt. Man vertröstet wird und dann wochenlang wartet. Dann wieder nachfragen muss, aber trotzdem nichts kommt.
Weiteres Beispiel: Mensch hat es bis zur Endauswahl in die allerletzte Runde geschafft hat. Fällt dann jedoch durch. Konstruktive Rückmeldung? Fehlanzeige! Als Ausrede muss das AGG her halten. Bei einer guten, sachlichen Begründung braucht man das AGG nicht zu fürchten. Aber der Bewerber freut sich über eine Aussage, mit er arbeiten kann.
Anderes Beispiel – mitten im Vorstellungspräch werden einem Sätze um die Ohren geschlagen, wie “Eigenlich müssten Sie uns ja noch was dafür zahlen, dass wir Sie einstellen. Schließlich müssen wir Sie noch einarbeiten.”
Zusammengefasst: wer Bewerber wie Bittsteller behandelt, der behandelt seine Mitarbeiter nicht besser. Das aber wirkt sich auch auf andere Bereiche aus.
Hans
Deshalb finde ich es auch problematisch, wenn der “Aussuchende” und der spätere Chef unterschiedliche Personen sind. Im schlimmsten Fall vergrault ein mieser Personaler die besten Kandidaten.
Natürlich gibt es auch miese Chefs, die die Gespräche selbst führen. Aber da gilt die alte Weisheit: “Die Guten stellen gute ein, die Arschlöcher stellen…”
Das passt zu obigem Satz: “Wer Peanuts bezahlt, bekommt Affen.” :)
David Ogilvy, Werbe-Guru, beschreibt das in seinem Buch so:
“In den ersten Jahren von Ogilvy & Mather sah ich mich gezwungen, möglichst niedrige Gehälter zu zahlen. Da mir sehr wohl bewusst war, dass ich … mit winzigen Gehältern nur Affen bekommen könnte, entschloss ich mich, nicht meine Affen zu befördern, sondern die wichtigen Positionen von außen mit Stars … zu besetzen.”
-Hans Steup, Berlin
Karsten
Wie so oft im Leben wird das Lesen allein hier nicht viel nutzen, wenn es bei den handelnden Personen an der zur Verbesserung notwendigen Selbstreflexion mangelt. An dieser Stelle nutzen die besten Prozesse nichts.
Thomas
Die Respektlosigkeit mancher Personalentscheider gegenüber Bewerbern spricht Bände, ist aber leider(noch)weit verbreitet.
Hans
Die Karrierebibel hatte wohl gerade ein kurzzeitiges Serverproblem… vielleicht kann jemand diesen “Blinddarm” heraus operieren :)
Jochen Mai
Sorry, heute lange Leitung: Was möchtest du, das wir entfernen?
Hans
… evtl. Thomas’ zweiten Versuch von 15:26 Uhr, nachdem der erste ja doch geklappt hat.
Aber vielleicht auch einfach lassen – zeigt, dass “Leben in der Bude” … äh, Bibel ist :)
Andreas
Tipp 5 ist gut gemeint, doch scheitert es in der heutigen Zeit oftmals daran, dass Konzerne/Personaler Angst haben aufgrund zuviel gesagtem anschließend verklagt zu werden. Hier gilt oft die Devise, weniger Worte ist besser/mehr. Ich halte es auch für hilfreich, wenn einem Bewerber Tipps mit auf den Weg gegeben werden, warum er eine Stelle nicht bekommen hat. Doch wieviele Bewerber fragen von sich aus nach einer Absage nach den Gründen? Ich selbst habe als Führungskraft nach einigen Einstellungen dies nie erlebt. Man muss ja nicht alles schriftlich kommunizieren, verbal besteht viel eher die Möglichkeit zur Nachfrage, bei Unklarheit(en). Also liebe Bewerber, auch mal den Mut haben selbst nach einer Absage noch am Ball zu bleiben.
Jochen Mai
Stimmt. Aber genau aus dem Grund steht da auch nicht: “Begründen Sie die Absage”, sondern geben Sie Tipps, was der Bewerber das nächste Mal besser machen kann. Das ist juristisch viel unverfänglicher und gibt auch keine Probleme mit dem AGG.
Hans
Die meisten “Fehler” dürften sich bei den Bewerbern wiederholen. Ein schönes DIN-A4-pdf oder eine Internet-Adresse mit den TOP10-Tipps würde vielen Bewerbern schon helfen und dürfte juristisch unverfänglich sein.
Sollte es an der fachlichen Qualifikation liegen, gibt es dafür sicher auch einen juristisch einwandfreien und ehrlichen Satz.
Andreas
Guter Hinweis, genau das sind die Bedenken der HR Abteilungen.
Begründung der Absage: bloss nicht machen heißt es dort.
AGG: böse Falle.
Gerne würde ich hier Hinweise lesen, Beispiele von formulierten Tipps, die juristisch rein sind; heißt kein Klagepotenzial eröffnen.
Habt Ihr da etwas in Petto?
Jochen Mai
Klar, z.B. der Tipp: “Noch ein Tipp: Bei jeder Bewerbung sollten Sie Ihr Anschreiben unbedingt noch einmal Korrektur lesen (lassen).” Oder: “PS: Profi empfehlen bei Bewerbungsanschreiben nie mehr als eineinhalb Seiten zu formulieren.” Im ersten Fall falls der Kandidat zu viele Tippfehler hatte, im zweiten bei einem Roman als Anschreiben. Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt – vorausgesetzt, man will…
Andreas
So einfach kann es sein, gute(r) Hinweis(e). Merci.