Selbsttest Nein sagen
"Nein" - ist so ein kurzes und einfaches Wörtchen und doch tun sich viele Arbeitnehmer schwer damit, es zu sagen. Sie wollen gemocht werden. Das funktioniert auch ganz wunderbar. Nette und hilfsbereite Kollegen mag jeder. Allerdings vor allem, weil sie das eigene Leben leichter machen. Jemand, der immer "Ja" sagt, ist in gewisser Weise unersetzlich, doch dafür zahlt er einen hohen Preis. Ein Arbeitnehmer, der keine Grenzen setzt, läuft Gefahr, sich zu überlasten und seine Arbeit unter Wert zu verkaufen. Es ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage: Was leicht zu haben ist, hat automatisch weniger Wert. Hand aufs Herz: Wie sieht es bei Ihnen aus? Sagen Sie auch mal Nein zu Ihrem Chef? Finden Sie es heraus...

Können Sie Nein sagen? Vorsicht vor der Gefälligkeitsfalle!

Warum fällt es vielen so schwer Nein zu sagen?

Bei Anfragen von Kollegen tappen die meisten allzu schnell in die Gefälligkeitsfalle. Erst wird man mit Komplimenten umgarnt, dann wird das Verständnis für die Bedürfnisse des Kollegen geweckt, machmal folgt auch noch sanfter Druck auf die Tränendrüse und ein Appell an Reziprozität, Motto: Damals habe ich dir ja auch...

Und Zack schnappt die Falle zu: Sie haben Ja gesagt. Das Problem daran: In Nullkommanichts hat sich Ihre Hilfsbereitschaft rumgesprochen. Nun finden sich immer mehr Kollegen, die unliebsame Aufgaben bei Ihnen abladen.

Bei Anfragen vom Chef tun sich viele Arbeitnehmer besonders schwer damit Grenzen zu setzen, weil sie sich entweder vor den möglichen Konsequenzen fürchten oder den Vorgesetzten um jeden Preis beeindrucken wollen. Jeder Arbeitnehmer ist darauf bedacht, sich einen guten Stand zu erarbeiten und möchte, dass der Chef viel von ihm hält.

Besonders Berufseinsteiger haben das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Dabei sagen Sie auch noch Ja, wenn Sie eigentlich gar keine freien Kapazitäten mehr haben und selbst in Arbeit versinken.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ihr Engagement in allen Ehren und trotz allem Verständnis für Ihre Motivation hinter dem Verhalten: Damit schaden Sie sich am Ende in erster Linie selbst.

Drei Gründe, warum Neinsagen Ihre Karrierechancen verbessert

  1. Die Richtung stimmt nicht. Egal, wie sehr Ihnen die Beförderung schmeichelt: Bringt Sie diese Ihrem Ziel wirklich näher? Sicher, manchmal führen Umwege schneller dorthin als der direkte Weg. Dann sollte es sich aber auch um einen Schleichweg handeln.
  2. Der Job macht nicht glücklich. Was nutzen die schönsten Konditionen, wenn Sie de facto schon jetzt wissen, dass sie im neuen Job weder die Dinge tun, noch mit den Menschen zusammenarbeiten werden, die sie mögen? Sie kassieren dann lediglich eine Schmerzzulage.
  3. Das Risiko ist zu groß. Wir wachsen mit den Herausforderungen. Manchmal steht aber schon vorher fest: Ihre Stärken reichen dafür nicht, Team und Budget verhindern Ihre Pläne und die Erwartungen sind zu hoch. Kurzum: Sie können nur verlieren.

Nein sagen können: Das falsche Verhältnis zur Ablehnung

Nein sagen TestEin Nein entwickelt sich in der heutigen Zeit zunehmend zu einem Tabu-Wort. Wer Nein sagt und ablehnt, wird in eine von mehreren Schubladen gesteckt - klingt im ersten Moment hart, entspricht oftmals aber leider der Realität.

Wer einer Aufforderung nicht nachkommt, muss befürchten, entweder als faul abgestempelt zu werden, weil er nicht bereit ist, ein wenig mehr zu tun. Oder er ist unkollegial und lässt die Büronachbarn im Stich, die doch dringend eine helfende Hand benötigen. Oder er ist überhaupt nicht fähig und kompetent genug und scheinbar schon mit den eigenen Aufgaben gänzlich überfordert.

Die einfachsten Erklärungen, dass man beispielsweise gerade selbst bis über beide Ohren in Arbeit steckt und mehrere Projekte gleichzeitig in Angriff nimmt und sich schlichtweg nicht ausnutzen lassen möchte, werden geflissentlich ignoriert.

Zustimmung und Einvernehmen werden immer mehr zur Voraussetzung, die nicht mehr hinterfragt werden muss. Wie selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass die Kollegen bereit sind, uns zu helfen, möglicherweise eine Aufgabe übernehmen, die Spätschicht übernehmen oder einen Urlaubstag tauschen. Ja, solche Nettigkeiten und Gefallen gehören zu zwischenmenschlichen Beziehung, doch sollten sie immer noch eine frei Wahl bleiben. Ansonsten verlieren sie jeden Wert.

Aus dieser Erwartungshaltung heraus entwickelt sich bei vielen eine regelrechte Angst, Nein zu sagen. Also wird fleißig Ja und Amen gesagt, auch dann noch, wenn die eigenen Kapazitäten längst an ihre Grenzen stoßen. Ein Fehler, mit dem Sie sich einigen Problemen ausliefern können.

  • Sie werden immer mehr ausgenutzt.
  • Sie können sich nicht durchsetzen.
  • Sie versuchen es immer allen recht zu machen.
  • Sie werden abhängig von der Meinung anderer.
  • Sie überlasten sich systematisch selbst.

Besser ist es, die eigenen Grenzen zu kennen und diese auch anderen aufzuzeigen. Aber können Sie Nein sagen?

Können Sie Nein sagen? Wie der Selbsttest funktioniert

Der Selbsttest besteht aus zehn Fragen. Für die Antworten wird eine unterschiedliche Punktzahl vergeben. Bitte addieren Sie diese zusammen. Am Ende gelangen Sie anhand Ihrer Punktzahl zur Auswertung.

Können Sie gut Nein sagen? Dann beantworten Sie bitte die folgenden Punkte so ehrlich wie möglich...

  1. Würden Sie ehrenamtlich bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung mitarbeiten, auch wenn Ihre Zeit knapp bemessen ist?

    • Wenn ich guten Freunden dabei helfe. (2 P.)
    • Nein, ich bin durch meinen Job gut eingespannt und brauche auch etwas Zeit für mich. (3 P.)
    • Ja, klar. Immerhin geht es um eine gute Sache. Dafür opfer ich auch meine Freizeit. (1 P.)
  2. Eine Nachbarin will für vier Wochen verreisen und bittet Sie, ihre Blumen zu gießen.

    • Ich sage Ihr freundlich, dass ich keine Zeit habe. (3 P.)
    • Selbstverständlich, das macht man unter Nachbarn so. (1 P.)
    • Wenn Sie keinen anderen Nachbarn findet, dann übernehme ich das. (2 P.)
  3. In der Mittagspause spricht Sie eine junge Dame an und bietet Ihnen ein Zeitungsabonnement an. Wie reagieren Sie?

    • Sie redet solange auf mich ein bis ich das Abo unterschreibe. (1 P.)
    • Ich lächle freundlich und lehne dankend ab. (2 P.)
    • Ich ziehe mich aus der Affäre, indem ich behaupte, eine andere Zeitung abonniert zu haben. (3 P.)
  4. Ihr Chef bittet Sie am Wochenende zu arbeiten, doch Sie hatten bereits andere Pläne. Wie reagieren Sie?

    • Ich erkläre ihm, dass ich bereits seit längerer Zeit einen Ausflug mit der Familie plane und bitte um Verständnis. (3 P.)
    • Ich sage zu, frage aber, ob ich nur bis mittags arbeiten kann, um trotzdem einen kurzen Ausflug mit der Familie machen zu können. (2 P.)
    • Ich habe keine andere Wahl, sage zu und vertröste meine Familie auf ein anderes Wochenende. (1 P.)
  5. Ein Kollege bittet Sie eine Aufgabe für ihn zu übernehmen. Sie selbst stecken allerdings auch bis zum Hals in Arbeit. Wie reagieren Sie?

    • Ich stelle meine eigenen Aufgaben erst einmal zurück und helfe. Dann muss ich eben Überstunden machen. (1 P.)
    • Ich erkläre dem Kollegen, dass ich selbst in Arbeit versinke und aktuell keine Zeit habe. (3 P.)
    • Ich biete an, einen Teil der Aufgabe zu übernehmen. Sage aber gleich, dass mehr einfach nicht drin ist. (2 P.)
  6. Ihr Chef bittet Sie zum wiederholten Mal Überstunden zu machen. Wie reagieren Sie?

    • Was soll ich schon machen? Ich sage zu. (1 P.)
    • Ich bleibe konsequent und sage meinem Chef ehrlich, dass ich nicht bereit bin, ständig Überstunden zu machen. (3 P.)
    • Ich sage zu, vereinbare jedoch direkt einen Zeitpunkt, an dem ich die Überstunden wieder ausgleichen kann. (2 P.)
  7. Obwohl Sie bereits in einem eigenen Projekt voll eingespannt sind, übergibt Ihr Chef Ihnen ein zusätzliches Projekt, weil eine Kollegin krank geworden ist. Wie reagieren Sie?

    • Ich machen meinem Chef die Folgen bewusst und erkläre ihm, dass das erste Projekt unter der Doppelbelastung leiden würde. (3 P.)
    • Stillschweigend nehme ich die Entscheidung meines Chefs hin. (1 P.)
    • Ich verweise auf andere Kollegen, die das Projekt übernehmen könnten. (2 P.)
  8. Ihre Abteilung wird umstrukturiert. Nun sollen Sie eine andere Position übernehmen, allerdings haben Sie sich in Ihrem alten Job wohlgefühlt und wollen gar nicht wechseln.

    • Ich akzeptiere mein Schicksal. Der neue Job hat bestimmt auch gute Seiten. (1 P.)
    • Ich verlasse die Firma. (3 P.)
    • Ich äußere meine Bedenken und frage nach einer alternativen Lösung. (2 P.)
  9. Ein langjähriger Kollege verlässt die Firma. Eine Abschiedsfeier soll organisiert werden. Ihre Kollegen wollen, dass Sie sich darum kümmern. Wie reagieren Sie?

    • Ich sage zu, bitte jedoch um tatkräftige Unterstützung von weiteren Kollegen. (2 P.)
    • Ich weise darauf hin, dass ich mich bereits um die Geburtstage der Kollegen kümmer und bitte darum, dass jemand anderes die Aufgabe übernimmt. (3 P.)
    • Ich quetsche die Aufgabe irgendwo dazwischen. Dann kümmere ich mich eben in der Mittagspause darum.(1 P.)
  10. Ein Kunde ruft mit Sonderwünschen an. Wie reagieren Sie?

    • Ich weise darauf hin, dass zu Beginn etwas anderes vereinbart wurde und bitte ihn darum, sich an die ursprüngliche Vereinbarung zu halten. (3 P.)
    • Ich erfülle ihm die Sonderwünsche, mache aber auch deutlich, dass er die Extraarbeit gesondert bezahlen muss. (2 P.)
    • Ich schiebe zuhause eine Nachtschicht ein. Immerhin möchte ich, dass meine Kunden zufrieden sind. (1 P.)

Auswertung des Selbsttests

Wie viele Punkte haben Sie durch Ihre Antworten gesammelt? Hier finden Sie die entsprechenden Auflösungen!

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