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Wer das Glück sucht, findet die Zufriedenheit. Hoffentlich. Denn nicht das Glück macht glücklich, sondern die Zufriedenheit. Der Begriff selbst ist etwas unspektakulär, dafür ist das Gefühl weniger flüchtig als Glück. Zufrieden zu sein, ist ein wesentlicher Teil unseres biologischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Wer zufrieden ist, ist innerlich ausgeglichen, einverstanden mit den Umständen und empfindet Genugtuung. Viel wichtiger aber noch: Zufriedene Menschen vergleichen nicht...

Innere Zufriedenheit kann kein Dauerzustand sein

Innere Zufriedenheit beginnt - wie der Name schon sagt - bei uns selbst. Und damit im Kopf. Wer glaubt, dieser Glückszustand ließe sich durch ein paar Übungen dauerhaft konservieren, sitzt allerdings einem naiven Irrglauben auf.

Dauerhaftes Zufriedensein ist biologisch gar nicht vorgesehen. Die Evolution hat es vorgemacht: Der Mensch entwickelt sich ständig weiter, unser Gehirn dürstet danach, Neues zu lernen, wir sollen wachsen. Nicht zufällig entwickeln wir Ehrgeiz und Ambitionen. Gut so! Sonst würden wir stehenbleiben. Und Stillstand ist der Anfang von Langeweile und Tod. Zahlreiche Krankheiten haben hier ihren Ursprung.

Unzufriedenheit ist also auch ein wichtiger Lebensmotor, der uns antreibt, Erfahrungen zu machen und zu wachsen. Umgekehrt bedeutet Zufriedenheit auch nicht, das man keine Wünsche mehr hat. Oder anders formuliert: Um Zufriedenheit zu erleben, brauchen wir genauso gelegentliche Unzufriedenheit.

Zufriedenheit im Job: Gehalt, Arbeitszeit, Arbeitsklima?

Zufriedenheit-Job-Beruf-InfografikWenigstens ab und an zufrieden zu sein - das schaffen allerdings trotzdem nur wenige. Erst recht im Beruf. Mit 30 ist der Job die Hölle. In keiner anderen Lebensphase als der zwischen Ende 20 und Anfang 40 schieben die Menschen mehr Jobfrust. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Groningen. Grund hierfür seien meist Kinder, wichtige Karriereweichen und eine zunehmend aus dem Gleichgewicht geratende Work-Life-Balance. Also genau genommen das Privatleben.

Wie aber sieht es im Beruf selbst aus? Eine Theorie besagt: Die Zufriedenheit im Job bestimmen genau 3 Dinge...

  • Gehalt
  • Arbeitszeit
  • Arbeitsklima

Natürlich spielen alle drei Punkte eine wesentliche Rolle für die Jobzufriedenheit, erst im Zusammenspiel entfalten sie ihre volle Wirkung:

  • Gehalt: Wer erstklassige Leistungen erbringt und dafür drittklassig bezahlt wird, schiebt auf Dauer Frust und fühlt sich ausgebeutet.
  • Arbeitszeit: Auch die beste Bezahlung kann einen dauerhaft nicht erfreuen, wenn man kein Leben mehr hat und nur noch schuftet. Arbeit braucht stets auch Ausgleich.
  • Arbeitsklima: Wie heißt es so schön: Man kommt für den Job - und geht wegen des Chefs (oder der Kollegen). Nicht wenige verbringen mehr Zeit mit ihren Kollegen (Chefs eingeschlossen) als mit dem eigenen Partner. Mindestens acht Stunden am Tag. Wenn da die Chemie nicht stimmt, kann auch der schönste Job zur Hölle werden.

Aber was wenn Sie priorisieren müssten, was, wenn Sie sich entscheiden müssten, welcher der drei Punkte der wichtigste ist: Wie würden Sie dann entscheiden?


Kaum überraschend entscheidet sich die Mehrheit für das Arbeitsklima. Kein noch so hohes Gehalt kann über eine miese Atmosphäre hinwegtrösten, ebenso wenig eine 35-Stunden-Woche. Das sind dann immer noch 35 miese Wochenstunden - und 35 zu viele.

Zufriedenheit Test: Sind Sie mit Ihrem Job zufrieden?

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Nun lässt sich an diesen Symptomen lange laborieren und arbeiten (was nicht verehrt ist), Zufriedenheit muss sich dadurch dennoch nicht einstellen.

Zufriedenheit ist Einstellungssache

Syda Productions/shutterstock.com"Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit", sinnierte einst Søren Kierkegaard. Von Benjamin Franklin stammt indes das Bonmot: "Der unzufriedene Mensch findet keinen bequemen Stuhl." Selber schuld, möchte man denken. Es stimmt aber auch: Gier ist Gift für die Zufriedenheit.

Alle paar Jahre ein neues Auto, das neuste Smartphone oder anderen Elektroschnickschnack, um mit dem Nachbarn oder Kollegen mitzuhalten – das setzt uns nur unter zerstörerischen Druck. Im Internet fast noch mehr: Dort wird einem der Erfolg der anderen und deren aufregendes Leben praktisch im Sekundentakt in der Timeline vor Augen geführt. Facebook macht neidisch und unzufrieden, lautet das Ergebnis mancher Studie. Und je zahlreicher solche Vergleichsoptionen, desto unerreichbarer werden sie – und desto unzufriedener werden wir.

Die Leute sehen den Reichtum und Erfolg ihrer Freunde, Kollegen, Chefs und wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Erst nur eins, dann immer mehr. "Wir denken selten an das, was wir haben, sondern immer nur an das, was uns fehlt", monierte schon Arthur Schopenhauer. Oder kurz:

Neid essen Seele auf.

Die positive Grundstimmung des Zufriedenseins stellt sich in der Regel ein, wenn unsere Ansprüche und Erwartungen erfüllt beziehungsweise ausgeglichen sind. Die Erkenntnis liefert allerdings schon einen wichtigen Teil zur Lösung: Wir selbst entscheiden und setzen die Messlatte, wann wir zufrieden sind. Wir allein bestimmen unsere Ansprüche und definieren damit, was und wie viel wir für unser Zufriedenheit benötigen.

Ein wichtiger Schlüssel zu diesem positiven Gefühl ist nicht, auf Ziele zu verzichten, sondern vielmehr noch während man auf dem Weg zum Ziel ist, seine gegenwärtige Lebensphase von ganzem Herzen anzunehmen.

Sie kennen sicher die Geschichte von Hans im Glück: Er bekam einen Goldklumpen, tauschte ihn ein paar Mal bis er einige Schleifsteine hatte, die ihn aber belasteten. Als sie in einen Brunnen fielen, war er erleichtert und zufrieden. Die meisten Menschen verhalten sich exakt anders herum: Sie sammeln Lasten - und werden doch nicht glücklicher.

Was also macht Menschen glücklich und zufrieden?

Die Frage ist so alt wie die Philosophie. Etymologisch taucht Glück bei uns zuerst um 1160 im Mittelhochdeutschen auf – als g(e)lücke. Es leitet sich vom Verb gelingen ab, das wiederum von leicht abstammt. Glück ist also ursprünglich etwas, das einem leicht gelingt.

Seit den Sechzigerjahren wird die Frage von Wissenschaftlern intensiver erforscht. Ihre Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, im Kern aber eint sie die Erkenntnis, die Hans schon im Märchen anwendete: Zufriedenheit ist Einstellungssache, eine Attitüde – nichts, das man erkaufen oder kontrollieren könnte. Es ist eine Entscheidung.

Das ist eine gute Nachricht, denn sie bedeutet, dass sich Zufriedenheit lernen lässt – durch Unabhängigkeit von den Umständen.

Ob man sich nun mit Religionen oder wissenschaftlichen Aufsätzen beschäftigt – die Wege dazu sind erstaunlicherweise immer dieselben (PDF):

  • Seien Sie dankbar. Wer nur auf andere schielt, sich vergleicht und versucht, ihrem Erfolg oder Besitz nachzuhecheln, wird nicht zufriedener. Seien Sie lieber dankbar für das, was Sie erreicht haben.
  • Memorieren Sie schöne Augenblicke. Ein Missgeschick kann einen Tag überschatten. Leider erinnern die meisten hauptsächlich Negatives und peinliche Momente und verdrängen so die schönen Zeiten. Besser Sie genießen die Gegenwart und verplempern diese nicht mit Vergangenheitsgrübelei.
  • Seien Sie kreativ. Kreativität macht nachweislich glücklich. Und jeder kann sich täglich durch schöpferische Ideen ausdrücken.
  • Bewegen Sie sich. Wer seinen Körper bewegt, setzt Endorphine frei. Und die machen glücklich.
  • Lesen Sie Stoff, der inspiriert. Man muss nicht jeden guten Gedanken selbst entwickeln. Es reicht, sich täglich positive Ideen durch den Kopf gehen zu lassen. Die beste Methode dafür: lesen.
  • Nehmen Sie sich Zeit. Für sich selbst vor allem. Das ist nicht immer leicht, aber wirkungsvoll: Wer sich regelmäßig eine Auszeit nimmt, die nur ihm gehört, wird belastbarer – und zufriedener.
  • Seien Sie zufrieden. Das klingt nur tautologisch. Sie können alle Punkte erfüllen, kreativ werden, sich bewegen, Gutes lesen und trotzdem griesgrämig bleiben. Glück und Zufriedenheit sind auch Entscheidungssache. Probieren Sie es aus.
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