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Ankunftsfehler: Wie sehr er unser Glücklichsein verhindert

Wir neigen dazu, unser Glück vom Eintreten eines Ereignisses abhängig zu machen: mehr Gehalt, Traumjob, große Liebe, Kinder… Achtung Ankunftsfehler! Wer seine Zufriedenheit so sehr auf die Zukunft und das Ankommen ausrichtet, verpasst die Gegenwart. Völlig unbemerkt zieht das Leben an Betroffenen vorbei. Wie uns der Ankunftsfehler daran hindert, glücklich zu sein und wie wir ihn vermeiden können…



Ankunftsfehler: Wie sehr er unser Glücklichsein verhindert

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Definition: Was ist der Ankunftsfehler?

Der Ankunftsfehler (engl. arrival fallacy) ist ein psychologischer Beurteilungsfehler, bei dem Menschen dem Irrtum erliegen, das Erreichen eines Ziels würde sie – endlich – glücklich machen.

Beispiele für den Ankunftsfehler:

  • „Wenn ich erstmal meine Liebe gefunden habe, dann…“
  • „Ich brauche nur die erste Million, dann…“
  • „Noch 10 Kilo weniger – und…“

Zwar lässt sich die psychologisch motivierende Wirkung solcher Wenn-Dann-Sätze wissenschaftlich nachweisen. Gleichzeitig verknüpfen wir sie mit einer so hohen Erwartungshaltung, dass wir am Ende nur enttäuscht werden können.

Glücksgefühle machen nicht zufrieden

Das Glück, das wir beim Erreichen eines Ziels erleben, dauert in der Regel nur kurz. Es ist allenfalls ein Glücksmoment. „Danach benötigen wir ein neues Ziel“, sagt der israelische Glücksforscher Tal Ben-Shahar. „Wer mit aller Kraft und Energie im Streben nach Zielen Zufriedenheit sucht, wird sie niemals finden – und läuft am wahren Glück zielstrebig vorbei.“

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Sind Ziele etwas Schlechtes?

Grundsätzlich sind Ziele im Leben gut, wichtig und auch notwendig: Wer nichts anstrebt, kann nichts erreichen. Ohne ein festes Ziel vor Augen, können wir nie ankommen oder unseren Erfolg messen.

Nicht einmal ein Kurs lässt sich ohne Ziel bestimmen – und gerade der ist wichtig, wenn wir in einen Sturm oder ins Trudeln geraten. Daraus lässt sich ableiten:

  • Ziele geben uns Orientierung.
  • Ziele definieren eigenen Erfolg.
  • Ziele sind Ansporn und Motor zugleich.
  • Ziele zu erreichen, macht zufrieden.
  • Ziele steigern das Selbstvertrauen.

Mehr noch: Ziele verlängern das Leben. Diese Erkenntnis basiert auf einer kanadischen Studie. Der Psychologe Patrick Hill von der Carleton Universität fand heraus, dass zielstrebige Menschen gesünder leben, mehr auf ihre Fitness achten sowie glücklicher mit ihrem Leben sind. Das schenke den Betroffenen regelmäßig ein paar Extrajahre.

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Was macht den Ankunftsfehler gefährlich?

Die Gefahr des Ankunftsfehlers sind nicht die Ziele, die wir uns setzen. Vielmehr ist es die Verknüpfung von Glück und Erfolg: Dabei machen wir unser Seelenheil von äußeren Umständen abhängig (Wenn… dann…) – von einem einzigen Moment, dem Ziel. Dabei können wir ebenso schon auf dem Weg dorthin glücklich sein.

Das Leben ändert sich nicht über Nacht, sobald wir erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Der Glücksmoment nach dem Lottogewinn währt kurz, die Freude über die Bikini-Figur allenfalls einen Sommer. Und dann? Dann kommt häufig eine Sinnkrise: War der Aufwand all das wert?

Der Fehler liegt nicht beim Ankommen. Schließlich ist das Ziel grundsätzlich erstrebenswert. Vielmehr liegt der Ankunftsfehler in der falschen Erwartung. Machen wir uns davon zu abhängig, sind Enttäuschungen programmiert – und das Ziel bringt damit nicht die erhoffte Erfüllung.

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Wie kann ich den Ankunftsfehler vermeiden

Dem Ankunftsfehler erliegen vor allem ehrgeizige Menschen mit hohen Ambitionen. Um den Beurteilungsfehler zu vermeiden, müssen Sie Erfolg neu definieren.

Auch wenn es banal klingt: Der Weg ist das Ziel. Schon die Reise in Richtung Gipfel ist ein wesentlicher Fortschritt, der uns glücklich machen kann und sollte. Mehr noch: Das Glück – es liegt vor allem in uns selbst, nicht im Außen. Um den Ankunftsfehler zu vermeiden, empfehlen wir folgende Strategien:

Bewusstsein entwickeln

Den ersten Schritt haben Sie bereits getan: Sie haben sich die Gefahren des Ankunftsfehlers bewusst gemacht und können das Ankommen nicht mehr auf einen überhöhten Sockel stellen. Seien Sie stattdessen dankbar für all die kleinen Teilerfolge davor. Schätzen Sie dabei auch die kleinen Dinge, die Ihnen auf dem Weg begegnen.

Tagebuch führen

Unterstützen können Sie diesen Reflexionsprozess, indem Sie Journaling betreiben – also täglich eine Art Tagebuch schreiben und festhalten, was Sie schon alles erreicht haben oder wie sich Ihre Leben positiv verändert. Das vergessen leider viele und geben negativen Eindrücken damit zu viel Gewicht.

Vergleiche vermeiden

Ständiges Vergleichen ist ein sicherer Weg ins Unglück. Solche Vergleiche fallen nie zu unseren Gunsten aus – erst recht, wenn andere schon die Ziele erreicht haben, die wir erst noch anstreben. Dabei sehen wir nur das Ergebnis – nicht aber die Entbehrungen, Anstrengungen und Opfer davor. Zielführender und zuträglicher für den eigenen inneren Frieden ist, sich mit sich selbst zu vergleichen: gestern, heute und morgen.

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Selbstreflexion praktizieren

Halten Sie von Zeit zu Zeit inne, um sich selbst zu hinterfragen. Haben sich Ihre Prioritäten verändert? Finden Sie Ihr Ziel noch erstrebenswert? Wie fühlen Sie sich dabei? Manche Ziele erfordern einen stärkeren Einsatz als andere und wieder andere können sich im Lauf des Lebens verschieben. Dank regelmäßiger Selbstreflexion können Sie eine Kurskorrektur vornehmen oder Ihre Bemühungen verbessern.

Teilziele definieren

Indem Sie große Ziele in viele kleine Teilziele (sog. Meilensteine) zerlegen, schaffen überwinden Sie nicht nur mögliche Hürden leichter – Sie schaffen sich unterwegs auch mehr Erfolgserlebnisse. Diese motivieren zusätzlich, betont auch die Harvard-Psychologin Amy Cuddy, die die Strategie der „kleinen Schritte“ intensiv erforscht hat. Dazu passt das Zitat von William Faulkner: „Ein Mensch, der Berge versetzt, beginnt damit, indem er kleine Steine abträgt.“

Erholung einplanen

Wer zu verbissen seine Ziele verfolgt, neigt dazu, sich zu überfordern oder gar selbst auszubeuten. Vergessen Sie daher nicht, sich von Zeit zu Zeit eine Auszeit und Verschnaufpause zu gönnen, um neue Kraft zu tanken. Auch Meditation kann helfen, seine Gedanken zu sortieren und schon im Hier und Jetzt glücklicher zu werden (siehe: Achtsamkeit).


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