Abkürzung zum Erfolg: Gibt es die überhaupt?

Den Erfolg will jeder – bis wir sehen, was er kostet. Meistens harte Arbeit, Zeit, Kraft… So mancher kommt da auf die Idee, nach einer Abkürzung zum Erfolg zu suchen. Aber funktioniert das wirklich so einfach? Kann es überhaupt eine Abkürzung in Sachen Erfolg und Karriere geben? Oder ist das am Ende nur eine Illusion, an der zahlreiche Ratgeber und Seminaranbieter gut verdienen? Denn mal ehrlich: Wenn es so leicht wäre, warum macht es dann nicht längst jeder? Wir haben uns mögliche Wege (und Schleichwege) einmal genauer angeschaut…

Abkürzung zum Erfolg: Gibt es die überhaupt?

Die schöne Welt der Erfolgsratgeber

Es könnte so einfach sein: Vom Tellerwäscher zum Millionär in 5 simplen Schritten… Oder: 20.000 Euro im Monat verdienen, ganz einfach online – du kannst das auch, Tschakka! Die Welt der Bücher und Blogs ist voll mit solchen Heilsversprechen. Mit Beispielen von Menschen, die es (angeblich) in kurzer Zeit ganz nach oben geschafft haben. Menschen, die nun im Luxus schwelgen oder auf eine andere Art ein besseres, gesünderes oder vermeintlich wertvolleres Leben führen. Scheinbar ohne sich je angestrengt zu haben. Toll.

Solche Geschichten glauben wir nur allzu gerne. Das Leben dort fühlt sich so viel leichter, einfacher, bequemer an. Ganz anders als das eigene, mit Mühen beladene.

Also suchen und lesen viele Menschen solche Ratgeber und setzen die darin enthaltenen Instant-Rezepte eins zu eins um. Noch während der Lektüre imaginieren sie sich auf der Überholspur, während die tumben Kollegen noch schuften. Nie wieder hart arbeiten, alles läuft wie von selbst… Trottel, die anderen! Man muss halt nur die Abkürzung zum Erfolg kennen!

Schöne Theorie. Leider falsch. Natürlich gibt es zahlreiche gute und nützliche Ratschläge für Karriere und Erfolg; Tipps, wie es besser geht. Nicht jeden Fehler muss man selber begehen. Auch diese Seite ist voll davon. All das kann eine wertvolle Hilfe auf dem eigenen Weg sein. Keine Frage.

Doch um es einmal bildlich zu sagen: Der Weg wird dadurch nicht kürzer – nur weniger steinig.

Und auch gehen muss man ihn immer noch selbst. All die Erfolgsgesetze und Universalwahrheiten zu kennen, bedeutet nicht automatisch, dass man sie auch umsetzt. Manches vergisst man einfach. Oder wir fallen in typische Verhaltensmuster zurück, lassen uns von vermeintlichen besseren Angeboten verführen und geraten auf Irrwege.

Kurz: Es gibt viele Wege, ein Ziel zu erreichen. Welcher davon der richtige ist, entscheidet sich oft erst in der Rückschau. Und das muss nicht zwingend der kürzere sein.

Abkürzung zum Erfolg: Kennen Sie überhaupt das Ziel?

Andersrum wird eher ein Schuh daraus: Wer etwas in seinem Leben erreichen (oder ändern) möchte, muss sich überhaupt erst einmal ein konkretes Ziel setzen.

Solche Lebensziele können sein:

Die potenzielle Ziele sind so vielschichtig wie Erdsediment. Entscheidend ist, dass es die eigenen (!) sind und dass man Sie für sich konkret benennen und formulieren kann.

Allein dieser Schritt fällt vielen Menschen schon schwer. Deswegen bringt es auch überhaupt nichts, nach einer Abkürzung zu suchen, solange man noch keine Route kennt, weil das Ziel fehlt.

Ziele zu haben und diese zu verfolgen, ist auch Patrick Hill, Psychologe an der kanadischen Carleton Universität, überzeugt, gibt dem Leben eine wichtige Orientierung. Und diese, das ergaben seine Forschungen dazu schenkt den Betroffenen sogar eine paar „Extrajahre“.

Tatsächlich: Zielstrebigkeit verlängert laut seiner Studie das Leben um einige Jahre – und zwar unabhängig davon, welche Ziele eine(r) hat und wie diszipliniert er oder sie diese verfolgt.

Hinzu kommt: Egal, welchen Weg man einschlägt – Rückschläge sind fast immer programmiert. Wir merken auf einmal, was wir uns vorgenommen haben, ist gar nicht so einfach wie wir uns das vorgestellt haben. Kritiker melden sich zu Wort. Zweifler, Nörgler… und alle meinen: „Siehste, hab ich dir gleich gesagt!“

Aber haben Sie automatisch recht damit? Ist es immer gleich der Holzweg, nur weil das andere meinen?

Wie heißt es so richtig:

Wenn ein anderer dir sagt, es geht nicht, dann zeigt das seine Grenzen – nicht deine!

Wenn Sie jetzt aufgeben oder sich vom Weg abbringen lassen, ändert das womöglich auch nichts. Es macht es vielleicht sogar noch schlimmer. Oder anders formuliert: Eine Abkürzung zum Erfolg kann es schon deshalb nicht geben, weil das Leben selten linear verläuft.

Auch Karrieren und Erfolgsgeschichten werden gerne im Nachhinein verklärt – als steiler Masterplan. Ist aber Quatsch. Auch muss man seinen Weg nicht in einem Stück gehen. Oft sind es eher Etappen und Lebensabschnitte.

Umweg Rueckschritt Krumme Erfolg Grafik

Schon Hermann Hesse erkannte: „Jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt.“ Fangen Sie also lieber überhaupt erst einmal an.

Erfolg ist ein Weg, kein Ziel

Wer einen Plan entwickeln, um sein Ziel zu erreichen, wird also schnell merken, dass die Wirklichkeit solche Pläne schnell überholt.

Das ist völlig normal. Und auch nicht schlimm, solange Sie fokussiert bleiben. Behalten Sie den roten Faden im Auge und konzentrieren Sie sich auch weiterhin auf das Wichtigste.

Die Hauptsache ist, dass Sie loslegen. Starten Sie lieber unperfekt, statt perfekt zu warten.

Kleine Schritte erleichtern den Marathon

Um Ihre Ziele zu erreichen, sollten Sie überdies nicht den Fehler machen, den kompletten Weg als ein unüberbrückbares Hindernis zu betrachten, das es vielleicht noch möglichst schnell zu überwinden gilt.

Blicken Sie lieber auf die nächsten, kleinen Einzelschritte, die Sie – langsam, aber stetig – Ihrem Ziel näher bringen.

Metaphorisch ausgedrückt: Statt sich mit der möglichen Dauer des Weges zu beschäftigen, widmen Sie sich lieber der einzelnen Etappe. Einer nach der anderen. Ohne Zwang. Ohne Druck.

Gewiss, eine Abkürzung zum Erfolg ist das nicht. Sie fühlt sich aber oft so an, weil Sie sich (kleine) Teilziele setzen, die Sie auch realistisch erreichen können. Effekt: Es gibt auf dem Weg mehr Erfolgserlebnisse. Und das motiviert zusätzlich.

Gönnen Sie sich dabei ruhig auch die Zeit, hin und wieder inne zu halten, um sich diese Erfolge bewusst zu machen.

Jeder Marathonläufer beginnt damit, maximal zehn Minuten am Stück leicht zu joggen und sein Pensum an den folgenden Tagen kontinuierlich zu steigern. Wenn Sie zu viel auf einmal wollen oder die Geschwindigkeit zu schnell erhöhen, laufen Sie Gefahr, sich zu übernehmen. Das erzeugt nur Frust. Und viele fallen dann wieder in den alten Trott zurück, verlieren die Vorsätze aus dem Blick oder geben auf.

Die großen Chancen in kleinen Schritten

Je kleiner die Veränderung, die Sie für den Moment vornehmen, umso weniger Überwindung wird es Sie kosten. Dies ermutigt uns, dranzubleiben. Überdies erkennen wir, wie sich unser Leben durch die Summe der kleinen Schritte verbessert.

Kleine Veränderungen können also auf Dauer eine große Wirkung erzielen. Ein schneller Weg zum Erfolg ist dann gar nicht mehr nötig.

Ein paar Beispiele für kleine Veränderungen

  • Beschäftigen Sie sich zum Beispiel jeden Tag für fünf bis zehn Minuten mit einem neuen Arbeitsbereich. So erhalten Sie mit der Zeit einen besseren Einblick in die Zusammenhänge. Überblick, Durchblick und Verständnis erhöhen die Kompetenz – und die wiederum macht eine Beförderung und ein höheres Gehalt umso wahrscheinlicher.
  • Beginnen Sie damit, jeden Tag ein Stück Obst oder eine kleine Portion Salat oder Gemüse zu essen. So gewöhnen Sie sich nicht nur an den Geschmack, sondern werden sich im Laufe der Zeit auch fitter fühlen. Eher früher als später macht das Lust darauf, sich generell gesünder zu ernähren. Vielleicht sogar mehr Sport zu machen.
  • Halten Sie sich jede Woche eine täglich wiederkehrende Situation vor Augen, in der Sie bislang – ritualisiert – zur Zigarette gegriffen haben. Nun finden Sie eine alternative Beschäftigung, die Sie stattdessen bewusst tun. So wird es Ihnen dauerhaft leichter fallen, das Rauchen aufzugeben.

Eine Bitte noch: Nehmen Sie sich auch hierbei nicht zu viel vor. Es ist besser, die ganze Energie erst einmal in EINE Veränderung zu investieren bis daraus eine neue gewünschte Gewohnheit geworden ist. Erst dann ist es Zeit für den nächsten Schritt.

Auch hierbei gibt es keine Abkürzung zum Erfolg. Der lange Weg ist letztlich wirkungsvoller.

So gewinnen Sie mehr Durchhaltevermögen

Erfolg ist konsequente, tägliche Arbeit. Mal braucht es dafür mehr Zeit, mal geht es schneller.

Wir wollen auch gar nicht ausschließen, dass es hier und da mal eine kleine Nebengasse gibt, mit der man etwas schneller ans Ziel gerät. Auch Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Und doch ist das Durchhalten viel wichtiger als vermeintliche Abkürzungen.

Drei Hilfsmittel können Sie dabei unterstützen:

  • Vertrag

    Erfolgreiche Menschen arbeiten täglich an sich. Niemand ist über Nacht reich geworden, es sei denn, er hat im Lotto gewonnen. Schließen Sie daher einen smarten Vertrag mit sich selbst: Dieses Ziel will ich so und so bis dann erreichen! Auf diese Weise fokussieren Sie sich stärken und erliegen nicht der Gefahr, sich mit anderen zu vergleichen.

  • Selbstglaube

    Erfolgreiche Menschen vertrauen in Ihre Fähigkeiten. Seien Sie sich bewusst, dass jeder Weg mit Rückschlägen gespickt ist. Aber wenn Sie an Ihre Stärken glauben und sich bewusst machen, dass diese Sie im Leben schon durch viele schwierige Situationen gebracht haben, dann werden Sie auch zukünftig davon profitieren.

  • Freude

    Erfolgreiche Menschen behalten stets den Kopf oben. Sie behalten sie insbesondere die positiven Seiten des Lebens im Blick. Zwar besteht das Leben nicht ausschließlich aus Spaß. Aber wenn Sie ein Gefühl dafür entwickeln, dass sich in vielen Stolpersteinen auch etwas Positives verbirgt, wird Ihnen der Umgang damit leichter fallen. Aufstehen, Krone richten, weiter geht’s…

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
4. November 2019 Tilman Schulze Redakteur Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze, Jahrgang 1973, arbeitet zudem freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Als Autor einiger Bücher ist er es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit der Sprache zu spielen.



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