Home Office: Regelung, Vorteile, Tipps

Das Home Office ist für viele ein Traum. Von zuhause arbeiten, nicht mehr Pendeln müssen, kein Stau, kein Lärm, keine Ablenkung – das klingt für viele Arbeitnehmer nach Freiheit, Selbstbestimmung und Entspannung. Es gibt keinen Chef, der einem im Nacken sitzt und keine nervigen Kollegen, die einen mit ihren Marotten in den Wahnsinn treiben. Doch was sich im ersten Moment nach paradiesischen Arbeitsbedingungen anhört, hat in Wahrheit auch seine Schattenseiten: keine geregelten Arbeitszeiten, soziale Isolation, und der ständige Verdacht, man würde zuhause im Pyjama heimlich vor der Glotze sitzen und faulenzen… Die Arbeit im Home-Office stellt zudem viele Heimarbeiter vor ungewohnte Herausforderungen: Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Selbstmarketing sind nur einige davon. So manche(r) wünscht sich nach kurzer Zeit die geordneten Verhältnisse im Büro zurück. Wie Sie die Vorteile der Heimarbeit dennoch nutzen können…

Home Office: Regelung, Vorteile, Tipps

Home-Office Vorteile und Nachteile: Schlecht für Einkommen und Karriere

Home Office Definition Regelung Stellenangebote SteuerDie gute Nachricht zuerst: Laut einer Studie um Nicholas Bloom an der Standford Universität (PDF) steigt die Produktivität im Homeoffice enorm. Die Wissenschaftler werteten dazu Daten von 16.000 Beschäftigten über einen Zeitraum von neun Monaten aus, die wahlweise sowohl zuhause als auch im Büro arbeiten konnten. Resultat: Wer zuhause im Homeoffice blieb, arbeitete freiwillig länger, war weniger abgelenkt, konzentrierter und insgesamt produktiver. Mehr noch: Die Home-Office-Regelung senkte sogar die Fehlzeiten, weil sich die Kollegen untereinander nicht mehr ansteckten.

Oder zusammengefasst:

  • Die Heimarbeit steigerte die Leistung der Mitarbeiter um stolze 13 Prozent.
  • 9 Prozent davon ergaben sich allein dadurch, dass die Heimarbeiter mehr Zeit (pro Schicht) arbeiteten als sie tatsächlich mussten. Sie machten weniger und kürzer Pausen und waren auch seltener krank.
  • 4 Prozent ergaben sich durch die gestiegene Konzentration – dank weniger Störquellen und -geräusche im Umfeld.
  • Zudem berichteten die Heimarbeiter einhellig, sie seien zufriedener mit ihrer Arbeit.

Dass das Home Office trotzdem nicht nur Vorteile hat, zeigen allerdings auch ein paar ernüchternde Zahlen, die Bloom und seine Kollegen ebenfalls ermitteln konnten. Die Wissenschaftler untersuchten nämlich auch, ob und wie sich die bessere Leistung im Home-Office auf die Karrieren und Einkommen ihrer Probanden auswirkte. Und siehe da: Gelohnt hatte sich das Arbeiten von zuhause nicht, im Gegenteil: Im Vergleich zu den anwesenden Kollegen im regulären Büro (Kontrollgruppe) nahmen die Chefs die deutlich bessere Leistung der Heimarbeiter gar nicht wahr.

Obwohl jeder einzelne Heimarbeiter im Jahresschnitt rund 375 Dollar Mehrleistung brachte und dabei auch noch im Schnitt 1250 Dollar Bürokosten sparte (zusammen also mehr als 1600 Dollar Plus), gab es für die Betroffenen seltener Gehaltserhöhungen und weniger Beförderungen.

Noch schlimmer wird es mit Blick auf eine weitere Studie: Die Baseler Wirtschaftswissenschaftler Michael Beckmann und Kira Rupietta fanden heraus, dass im Home-Office mehr gearbeitet wird – im Schnitt 6 Stunden mehr pro Woche, allerdings unentgeltlich.

Die Arbeit im Home Office ist eine Umstellung

Das Home Office stellen sich viele Arbeitnehmer zunächst einmal als beruflichen Himmel auf Erden vor. Kein nerviger Chef, keine anstrengenden Kollegen, keine Kontrolle. Endlich so arbeiten, wie man es selbst kann und will. Nach dem eigenen Biorhythmus. Wer es aber gewohnt ist, regelmäßig und nach einen vorbestimmten Rhythmus zu arbeiten, ist mit den Freiheiten des Home-Office womöglich schon bald überfordert.

Auf einmal fehlt die vorgegebene Tagesstruktur. Das führt nicht selten dazu, dass einige ihren Arbeitstag im Pyjama bestreiten, beim Mittagessen nebenher arbeiten oder zwischendurch Aufgaben im Haushalt erledigen. Das Berufs- und das Privatleben vermischen sich zunehmend. Heraus kommt dabei häufig eine nicht zufriedenstellende und unproduktive Arbeitssituation. Im Fachjargon auch als Work-Life-Blending bekannt.

Hinzu kommt, dass es im Zuhausebüro nur selten jemandem zum Quatschen gibt. Klar, Sie können (und sollten) Kollegen anrufen. Aber der übliche (und durchaus kreative) Plausch in der Kantine oder Kaffeeküche von Angesicht zu Angesicht fehlt – und damit auch manch soziale Bindung. Gerade sogenannte „Schreibtischtäter“ leiden schnell an sozialer Isolation und den Tücken des Alleinseins. Oder – dem anderen Extrem – einer zu flexiblen und mobilen Arbeit ohne klare Strukturen.

Arbeitsrecht: Kaffeeholen ist kein Arbeitsunfall

Arbeitsrecht: Kaffeeholen ist kein ArbeitsunfallWer sich im stationären Büro in der Kaffeeküche einen Kaffee (oder Tee) holt und dabei stürzt oder einen anderen Unfall hat, ist automatisch versichert. Das gilt als Arbeitsunfall. Anders im Home-Office: Passiert dem Mitarbeiter der Unfall auf dem Weg vom Schreibtisch oder Arbeitszimmer in die heimische Küche, ist das kein Arbeitsunfall – es springt also allenfalls die eigene Krankenversicherung dafür ein. Oder Sie haften gar selbst für den Schaden.

Home Office bedeutet – zumindest als Arbeitnehmer – eben nicht, dass Sie völlig flexibel und nach Ihrem eigenen Rhythmus arbeiten können. Sie haben zwar mehr Freiheiten als im Büro, grundsätzlich aber gibt nach wie vor Ihr Arbeitgeber die Zeiten vor, in denen Sie erreichbar sein müssen. Eine klare Regelung der Arbeitszeit ist daher auch im Home Office wichtig – und in Ihrem eigenen Interesse.

Ohne klare Grenzen haben Sie schließlich auch keinen echten Feierabend.

Fest vereinbarte Arbeitszeiten bedeuten allerdings auch: In diesem Zeitraum haben Sie keine Zeit für andere Aufgaben oder Ablenkungen. Vor allem Familie und Freunde werden das zu Beginn nicht verstehen, denn Sie sind ja zuhause und für jeden erreichbar.

Die Verantwortung dafür liegt allerdings bei Ihnen. Ihr Arbeitgeber wird die Arbeit im Home Office nur dann unterstützen, wenn Sie Ihre Aufgaben erfüllen und Ergebnisse liefern. Um das zu schaffen, müssen Sie sich selbst organisieren, eigene Zeitpläne erstellen und einhalten und den vielen Versuchungen und Ablenkungen, die in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus auf Sie warten, widerstehen.

50 Home Office Tipps: So klappt es mit der Arbeit von Zuhause

Home Office Tipps Download PDFDie Arbeit im Home Office steckt voller Ablenkungen und Versuchungen: Einladungen von Freunden, Haushaltspflichten, Anliegen der Familie… Das Home Office kann nur zu einer dauerhaften Lösung werden, wenn Sie lernen, mit diesen umzugehen. Einigen fällt das leicht, andere stehen vor ernsthaften Schwierigkeiten.

Wir haben eine umfangreiche Liste mit 50 Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen, das Home Office zu meistern und die Vorteile voll auszukosten.

Home Office Test: Sind Sie ein Home Office Typ?

Home Office Test Vorteile RegelungNicht jeder Mensch ist für die Arbeit im Home Office gemacht. Manche brauchen den täglichen Kontakt zu den Kollegen im Büro, andere schaffen es nicht, sich selbst zu organisieren. Wer dennoch im Home Office arbeitet, wird dabei nicht glücklich, sondern frustriert. Wir haben uns einen Test überlegt, der Ihnen helfen soll herauszufinden, ob das Home-Office das Richtige für Sie ist.

Beantworten Sie einfach jede Frage entweder mit „Ich stimme zu“ oder „Ich stimme nicht zu“. Am Ende des Tests addieren Sie einfach die Anzahl der Fragen, bei denen Sie zugestimmt haben.

    Persönlichkeit und Motivation

  • Ich bin flexibel und anpassungsfähig.
  • Ich bin diszipliniert und pflichtbewusst.
  • Ich würde mich als Menschen beschreiben, der seine Freiräume braucht.
  • Ich brauche nicht den täglichen Austausch mit meinen Kollegen, mir genügen regelmäßige Video- oder Telefonkonferenzen.
  • Mir ist die Trennung von Arbeit und Privatleben nicht so wichtig.
  • Ich kann mich selbst motivieren – ohne Druck von außen.
  • Ich bin verantwortungsbewusst und weiß, dass ich auch im Home Office viel leisten muss.
  • Auch wenn ich von zuhause arbeite, fühle ich mich als Teil des Teams und nicht außen vor.
  • Ich kann mich dazu motivieren morgens früh aufzustehen, auch wenn ich nicht um 9:00 Uhr im Büro sein muss.
  • Mir ist eine gute Vereinbarkeit von Familie und Job wichtig.
  • Arbeitsweise und Selbstmanagement

  • Ich brauche eine ruhige Umgebung, um mich auf meine Arbeit konzentrieren zu können.
  • Ich kann mir selbst Grenzen setzen und weiß, wann Zeit für Feierabend ist.
  • Ich arbeite gerne selbstbestimmt und kann mir meine Zeit gut einteilen.
  • Ich kann gut mit Ablenkungen wie Haushalt, Fernseher oder das freie Surfen im Internet umgehen und diese ausblenden.
  • Ich möchte selbst bestimmen, wie ich arbeite, beispielsweise im Hintergrund Musik hören.
  • Ich brauche keine Büro-Atmosphäre, um produktiv zu sein.
  • Ich bin gut darin meine Arbeit zu organisieren.
  • Ich brauche niemanden, der mich an meine Deadlines und Aufgaben erinnert.
  • Ich bringe viel Erfahrung im Job mit und brauche keine Anleitung mehr.
  • Ich bin technikaffin und kann mir vorstellen die Kommunikation mit den Kollegen auf Skype, Hangouts und weitere Tools zu verlagern.
  • Privates Umfeld und externe Faktoren

  • Ich könnte meiner Familie und meinen Freunden klar machen, dass ich arbeiten muss, auch wenn ich zuhause bin.
  • Ich weiß, dass es nicht leicht sein wird meinen Chef zu überzeugen und dass ich gute Argumente brauche.
  • Die Skepsis meines Chefs gegenüber der Arbeit im Home Office könnte ich akzeptieren.
  • Ich habe bereits mit meinen Kollegen gesprochen und diese haben Verständnis für meinen Wunsch.
  • Ich habe mir Gedanken über die Umsetzung gemacht und kann mir vorstellen zuhause einen Arbeitsplatz einzurichten.

Auflösung zum Home Office Test

Haben Sie sich gemerkt, wie oft Sie zugestimmt haben? Dann finden Sie hier die Auflösungen zu unserem kleinen Selbsttest als PDF:

Home Office Regelung: Darauf sollten Sie achten

Wer mit seinem Chef über die Möglichkeit des Home Offices spricht, stößt leider in vielen Fällen immer noch auf taube Ohren oder offene Ablehnung. Dabei weist der Trend eindeutig in diese Richtung, denn in Zukunft werden Anwesenheitspflicht und festgelegte Arbeitsplätze immer weiter in den Hintergrund treten. Morderne Arbeitgeber haben sich dieser Entwicklung bereits angepasst und ermöglichen immer mehr die flexible Arbeitszeitgestaltung.

Viele stehen dem Trend jedoch weiterhin kritisch gegenüber und vertrauen auf die ständige Präsenz am Arbeitsplatz. Einer der Hauptgründe: Die Angst, dass Arbeitnehmer zu Hause deutlich weniger Leistung bringen und damit möglicherweise das Ergebnis des gesamten Teams gefährden. Doch darüber hinaus finden die Skeptiker noch weitere Argumente, die gegen die Arbeit im eigenen Büro vorgebracht werden.

  • In dringenden Fällen seien Mitarbeiter im Home Office nicht erreichbar
  • Teamarbeit werde unmöglich, wenn die Absprachen ausbleiben
  • Die Produktivität würde im Home Office sinken
  • Leistungen würden sich nicht mehr beurteilen lassen

Ist im Arbeitsvertrag nichts anderes geregelt, haben Sie zunächst auch keinen Anspruch auf die Arbeit im Home Office. Eine solche Vereinbarung kann aber jederzeit mit dem Arbeitgeber geschlossen werden. Eine solche Home-Office-Regelung kann jedoch einige Fallstricke haben, die Sie unbedingt vermeiden sollten:

  1. Halten Sie die Regelungen immer schriftlich fest.

    Auch bei einem guten Verhältnis zwischen Ihnen und ihrem Chef sind solche Regelungen immer in einer schriftlichen Vereinbarung festzuhalten. Nur so wird die Home Office Regelung wirklich wirksam und Sie haben auch etwas in der Hand, um die Absprache nachzuweisen. Auch wenn mündliche Verträge gültig sind und für beide Seiten bindend, könnten Sie möglicherweise vor dem Problem stehen, diese Absprache im Nachhinein auch nachweisen zu können. Hier gilt: Gehen Sie den sicheren Weg und halten Sie alles schriftlich fest. Im Zweifel hilft auc der Betriebsrat.

  2. Machen Sie konkrete Angaben.

    Normalerweise umfassen Home Office Regelungen genaue Tage, an denen der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeitet. Je nach Situation kann beispielsweise vereinbart werden, dass Sie 2 oder auch 3 Tage pro Woche aus dem Home Office agieren. Welche Tage das sind, sollte jedoch genau festgehalten werden, um sich darauf einstellen zu können.

  3. Listen Sie die Arbeitszeiten auf.

    Arbeitgeber kritisieren häufig, dass Sie die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter im Home Office nicht kontrollieren können. Dem lässt sich entgegenwirken, indem der Arbeitnehmer seine Arbeitszeiten im Home Office festhält und am besten mit einer kurzen Notiz ergänzt, woran er in dieser Zeit gearbeitet hat. Auf diese Weise kann der Chef nicht nur nachvollziehen, wann der Mitarbeiter gearbeitet hat, sondern sieht gleichzeitig, welche Projekte dabei bearbeitet wurden und auf welchem Stand diese sich befinden.

  4. Vereinbaren Sie eine regelmäßige Kommunikation.

    Während der Arbeit im Home Office kann es auch sinnvoll sein, einen Termin mit dem Vorgesetzten zu vereinbaren, um beispielsweise kurz zu telefonieren. So kann auf der einen Seite der Mitarbeiter auf den neuesten Stand gebracht werden und gleichzeitig kann der Chef über die letzten Ergebnisse unterrichtet werden. Da jedoch sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiter meist sehr beschäftigt sind, lässt sich eine solche Regelung nicht immer umsetzen und bedarf guter Organisation.

  5. Stellen Sie die Erreichbarkeit sicher.

    Gerade für Arbeitgeber, die Angst haben, ihre Mitarbeiter im Home Office nicht mehr erreichen zu können, kann ein berufliches Handy eine gute Möglichkeit sein. Somit ist der Arbeitnehmer auch in dringenden Notfällen jederzeit erreichbar. Beide Seiten sollten sich außerdem darum bemühen, die Arbeit vom eigenen Büro aus so gut es geht in die tägliche Routine zu integrieren, damit nicht der Eindruck entsteht, Arbeitnehmer im Home Office wären abgekapselt.

Home Office Checkliste: Auf diese Punkte sollten Sie achten

  • Eignung prüfen: Finden Sie (mit dem obigen Test) heraus, ob Sie wirklich für das Home-Office geeignet sind oder besser in festen Strukturen arbeiten.
  • Regelung fixieren: Wenn Sie Remote von zuhause aus arbeiten, treffen Sie mit dem Chef eine klare und schriftliche Vereinbarung über Arbeitszeiten, Aufgaben und Messbarkeiten.
  • Ziele vereinbaren: Legen Sie vorab fest, was wann und wie erledigt sein muss. Dann haben Sie auch selbst ein Ziel und eine Deadline vor Augen.
  • Arbeitsrhythmus finden: Langschläfer („Eulen“) sind eher abends produktiv Frühaufsteher („Lerchen“) entsprechend eher morgens. Arbeiten Sie mit Ihrer Chronobiologie – nie dagegen.
  • Erreichbar sein: Beantworten Sie E-Mails stets zügig und gehen Sie sofort ans Telefon. Alles andere wirkt immer verdächtig nach heimlicher Freizeit.
  • Sichtbar bleiben: Arbeiten Sie dem Klischee, Sie würden daheim nur Netflix gucken oder Shoppen gehen aktiv entgegen: Kontaktieren sie Kollegen morgens wie abends und melden Sie sich auch zwischendurch – etwa mit Zwischenberichten.
  • Selbstdisziplin lernen: Produktivität ist vor allem eine Frage der richtigen Prioritäten und der Konsequenz. Wer keine direkten Anweisungen erhält, muss sich umso mehr selbst beherrschen können und darf nicht dem Lustprinzip folgen.
  • Nach Feierabend abschalten: Klingt leicht, fällt aber vielen Heimarbeitern -aufgrund eines schlechten Gewissens – schwer: richtig abschalten. Irgendwann ist einfach Feierabend. Sei haben ein Recht darauf. Nehmen Sie es auch wahr!

Home Office Wunsch: So überzeugen Sie den Chef

Der Wunsch nach Heimarbeit ist in Deutschland größer ausgeprägt als die Bereitschaft, ihn zu erfüllen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kam vor einigen Monaten zu dem Ergebnis: 40 Prozent der Beschäftigten würden sich mehr Zeit im Home Office wünschen. Dabei sollte die Digitalisierung doch eigentlich der Wegbereiter fürs Home Office-Paradies sein.

Haben Sie auch einen unerfüllten Home Office-Wunsch? Dann gibt es für Sie nun zwei Möglichkeiten: Sie können sich erstens mit Wonne über die vermeintlich blinden, sturköpfigen, altbackenen deutschen Unternehmen auslassen und noch ein beherztes „Typisch!“ hinterherwerfen. Oder Sie werden selbst aktiv, versuchen Ihren Chef davon zu überzeugen, dass Sie und Ihre Kollegen im Home Office gut aufgehoben sind.

Mit diesem Leitfaden steigen Ihre Chancen…

Schritt 1: Voraussetzungen schaffen

  • Reality Check

    Er steht am Anfang der Überlegungen. Ist es in Ihrem Unternehmen überhaupt praktisch möglich, die Maloche (teilweise) ins häusliche Arbeitszimmer zu verlagern? Oftmals kann die Antwort nur Nein lauten. Home Office ist kein Thema für Verkäufer im Einzelhandel, für Schichtarbeiter im Automobilwerk, für Gärtner, Metzger, Tischler. In anderen Branchen dagegen gibt es viel Luft nach oben, zum Beispiel in Agenturen, bei präsenzverliebten Mittelständlern, vor allem auch in Behörden. Ist Ihr Job mit viel Bildschirmarbeit oder Reiseaufwand verbunden? Dann ist er prädestiniert fürs Home Office. Für Vertriebler, IT-Entwickler oder Kreative ist (oder wäre) der tägliche Gang ins Büro nicht mehr als eine Verkomplizierung ihrer Arbeit.

  • Erreichbarkeit

    Muss gewährleistet sein, im Home Office noch mehr als im Einzelbüro. Fragen, die man vorsichtshalber vorab klärt: Wie schnell ist meine Internetverbindung zuhause? Komme ich über ein Virtual Private Network in unser Firmennetz? Bin ich über Skype erreichbar? Mit Chef und Kollegen über WhatsApp und Slack vernetzt?

  • Arbeitszimmer

    Auch das nicht vergessen: Nicht jede Wohnung bietet sich als beruflicher Rückzugsort an. Lässt Ihre Bleibe konzentriertes Schaffen überhaupt zu? Eine WG, die eher einem Taubenschlag gleicht, vermutlich nicht. Ein Häuschen im Grünen – ohne Straßenbahn vor der Tür – schon eher. Übrigens: Bis zu 1.250 Euro jährlich können Sie – sofern Sie einen Teil Ihrer Arbeit zuhause erledigen – für Ihr häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen.

Schritt 2: Unternehmensbrille aufsetzen

Behalten Sie diese Weisheit unbedingt im Schädel: Es geht um eine wirtschaftliche Entscheidung, nicht um persönliche Befindlichkeiten. Ihren Arbeitgeber interessiert es nicht im Geringsten, ob Sie zuhause Ihren Goldfisch im Auge behalten wollen oder so wahnsinnig gerne mehr Zeit in Balkonien verbringen würden. Legen Sie Ihre eigene Brille ab und setzen die Ihres Vorgesetzten auf. Argumentieren Sie ausschließlich mit ökonomischer Vernunft. Welche Vorteile hat Ihr Arbeitgeber, wenn er Sie ins Home Office schickt?

Konkrete Vorteile, die Sie klar und deutlich benennen können, sind:

  • Zeitgewinn

    In Deutschland gibt es immer mehr Pendler, die immer längere Strecken zurücklegen und immer länger im Stau stehen. Darauf wies eine DGB-Studie hin – Trendwende nicht in Sicht. In Stuttgart beispielsweise steht jeder Pendler 80 Stunden pro Jahr im Stau – unrühmlicher Rekord. Pendeln kostet Zeit und Kraft – und ließe sich vermeiden.

  • Ausgeruhtheit

    Sie können länger schlafen, später aufstehen und sich auch mittags noch mal eine halbe Stunde auf dem Sofa lang machen. Der springende Punkt dabei: Das ist nicht nur schön für Sie, sondern erhöht auch Ihre Arbeits-Produktivität. Ein Powernap erhöht Konzentrationsfähigkeit, Erinnerungsvermögen, Energielevel – macht Sie fitter und leistungsfähiger.

  • Kostenersparnis

    Money makes the world go round. Ergänzung: Und es dient Ihnen als unschlagbares Argument. Bieten Sie also an, Ihr eigenes Equipment im Home Office zu nutzen: PC, Laptop, Tablet, Smartphone. Für das Unternehmen sind damit weniger Kosten verbunden – übrigens auch für Strom, Wasser, Kaffee, Obst, Druckerpapier, Dienstwagen, Benzingutscheine, Parkplätze, öffentliche Verkehrsmittel usw.

  • Erreichbarkeit

    Nichts fürchtet Ihr Chef mehr als Kontrollverlust. Wichtig daher, ihm die Angst davor zu nehmen. Zum Beispiel mit diesem Argument: Selbst im Büro spielt sich die Kommunikation weitgehend auf technologischer Ebene ab, via E-Mail, Messenger, Skype oder Telefon. Der Unterschied zum Home Office: Gar nicht so groß.

  • Arbeitgebermarke

    Auch Ihr Unternehmen will in der Talente-Schlacht nicht die weiße Fahne hissen. Wer Home Office-Regelungen implementiert, kann damit für sich werben – und Talente möglicherweise leichter locken und halten. Das betrifft nicht nur Sie, sondern die gesamte Belegschaft. Ein strategisch wichtiger Punkt, den Sie ruhig zur Sprache bringen dürfen.

  • Produktivität

    In einer Studie eines amerikanischen Softwareunternehmens sagten 91 Prozent der Befragten, dass sie zuhause produktiver arbeiten würden als im Büro. Mehr noch: Die Heimarbeiter waren im Vergleich glücklicher, fühlten sich eher wertgeschätzt als ihre Kollegen im Büro. Auch die Uni Stanford wies die Produktivitätszuwächse im Home Office bereits nach. Demnach machen Heimarbeiter weniger Pausen und melden sich seltener krank.

  • Testlauf

    In manchen Firmen plätschert der Freitag nur so dahin, die Woche ist im Grunde schon abgehakt. Warum also nicht den Freitag für einen Probelauf nehmen? Schlagen Sie Ihrem Chef vor, das Home Office probeweise zu testen. Ein gleitender Übergang ist besser als ein harter Cut. Einmal pro Woche oder im Monat remote – und die Ergebnisse hinterher evaluieren. Wichtig: Sie müssen ihre Ergebnisse so genau wie möglich dokumentieren, um ihn oder sie endgültig vom Nutzen der Heimarbeit zu überzeugen.

Schritt 3: Timing finden

Wann trage ich dem Chef mein Anliegen vor? Das richtige Timing entscheidet – wie so oft im Leben – über Erfolg oder Misserfolg. Entscheidend sind diese beiden Punkte:

  • Leistung

    Der gesunde Menschenverstand sagt: Frage nicht schon in den ersten Wochen und Monaten im Unternehmen nach einer herzhaften Extrawurst. Wer den eigenen Wert für die Firma noch nicht nachgewiesen hat, sollte mit Forderungen grundsätzlich zurückhaltend sein. Hier hilft der meritokratische Ansatz: Ich habe x und y geleistet und mir z redlich verdient. Wichtig nur: Argumentieren Sie nicht ausschließlich mit Ihren Verdiensten, sondern nur in Verbindung mit erwartbaren Vorteilen für die Firma.

  • Arbeitsethos

    Wahr ist auch: Wer nicht jede Abkürzung geht, vor Überstunden nicht zurückschreckt wie der Veganer vorm Bratwurststand, hält bessere Karten in der Hand. Eine starke Arbeitsethik – altdeutsch: Fleiß und Tüchtigkeit – helfen Ihrem Plädoyer. Auch das kann man nicht nach zwei Wochen, sondern muss man über Monate und Jahre nachweisen. Und was Sie auch unter Beweis stellen sollten, BEVOR Sie fragen: Selbstdisziplin, Zeitmanagement und die Fähigkeit zu selbstständigem Arbeiten.

Auf der anderen Seite muss allerdings auch Ihr Arbeitgeber auf einige Dinge achten, insbesondere was das Arbeitsrecht im Home Office (PDF) angeht. Für Ihre Argumentation kann es hilfreich sein, sich im Vorfeld bereits einmal damit auseinandergesetzt zu haben.

Mehr Gehalt trotz Home-Office

Abschließend widmen wir uns noch einmal dem Geld. Sie wollen die im Home-Office gewonnene Freiheit schließlich nicht mit schlechteren finanziellen Chancen bezahlen. Mit den folgenden Tipps lassen sich die Chancen auf eine Gehaltserhöhung verbessern. Im Kern laufen sie allerdings immer auf dasselbe hinaus: Bleiben Sie sichtbar und fallen Sie auf!

Idealerweise so…

  1. Bürotage nutzen.

    Kaum ein Heimarbeiter hockt wirklich fünf Tage die Woche, 20 Tage im Monat allein daheim. In den meisten Jobs sind sogenannte Präsenztage unverzichtbar, weil sich dann die Projektteams zusammenfinden und weitere wichtige Schritte planen oder über erreichte Meilensteile berichten. Für Heimarbeiter sind das Schlüsseltage: Hier sollten Sie besonders auffallen. Weniger durch eine schöne Gesichtsbräune (fatal!), dafür umso mehr durch exzellente Vorbereitung, sorgfältig aufbereitete Unterlagen – und gute Hintergrundinformationen, die zeigen, dass Sie permanent wissen, was in der Firma passiert.

    Tipp:

    Pflegen Sie vitale Netzwerke an diesen Präsenztagen und telefonieren Sie ein paar dieser Kollegen am Vortag ab, um auf dem neusten Stand zu sein. Und machen Sie an diesen Tagen bitte nie früh Feierabend, sondern gehen Sie am besten erst nach dem Chef. Womöglich ist es das einzige Bild von Ihnen, dass sich bei ihm einprägt.

  2. Präsenz dokumentieren.

    Den größten Fehler, den ein Mitarbeiter im Home-Office machen kann, ist, nicht erreichbar zu sein. Da sieht jeder Chef sofort Rot, denn natürlich sieht der dann nicht den engagierten Kollegen im Heimbüro vor seinem geistigen Auge, sondern den Drückeberger, der während der Arbeitszeit einkaufen geht, Spaziergänge macht oder faul am See liegt. Der Psycho-Effekt lässt sich aber auch positiv nutzen: Beantworten Sie E-Mails von Kollegen oder vom Chef so schnell wie möglich und gehen Sie immer sofort ans Telefon, wenn es klingelt. Kurz: Dokumentieren Sie permanente virtuelle Anwesenheit und Erreichbarkeit.

    Tipp:

    Da E-Mails auch immer Datum und Sendezeit speichern, können Sie diese wunderbar als virtuelle Stechuhr nutzen. Gewöhnen Sie sich an, über den Tag verteilt immer wieder mal mit Kollegen aus de Büro zu korrespondieren. Möglichst früh am Morgen, aber gerne auch mal spät am Abend. Die Botschaft kommt an und lässt sich so auch später noch nachweisen: „Ich bin schon da. / Ich arbeite noch.“

  3. Meetings organisieren.

    Sie können warten, bis man Sie anschreibt oder anruft, um zu beweisen, wie präsent Sie sind. Oder Sie helfen ein wenig nach. Der Vorteil der Heimarbeit liegt gerade darin, nicht ständig von hereinstürmenden Kollegen oder Perma-Meetings unterbrochen zu werden. Ganz ohne regelmäßige Lebenszeichen kommen Sie aber nicht aus. Besonders gut dafür geeignet sind virtuelle Meetings – sei es in Form von Telefon- oder Videokonferenzen. Egal, welches Tool Sie am Ende nutzen: Das Ziel ist, dass man Sie trotzdem im Büro sieht und hört – und sei es nur auf dem Bildschirm.

    Tipp:

    Auch hierbei lässt sich die Wirkung verstärken, indem Sie solche Webkonferenzen und Telefonmeetings daheim von sich aus und selbstständig organisieren, vielleicht sogar leiten und moderieren. Ganz wichtig dabei: Achten Sie auf die Hintergrundkulisse – optisch und akustisch. Alles sollte so aussehen und klingen, als seien Sie voll bei der Arbeit.

Bonustipp: Messbare Ziele vereinbaren

Eben weil Ihren Fleiß und Ihr Engagement daheim keiner sieht, sollten Sie vorab mit Ihrem Chef messbare Ziele (modern: KPI) definieren. Das können Deadlines sein, bis wann Sie was oder wie viel Prozent davon erledigt haben sollten oder wie viele Projekte Sie am Tag, in der Woche bearbeiten.

Achten Sie darauf, dass diese Ziele realistisch und auch erreichbar sind – und dann übertreffen Sie diese ein paar Mal. Danach kommen allenfalls noch notorische Verschwörungstheoretiker auf die Idee, dass Sie Ihr Geld nicht wert sind.

[Bildnachweis: bikeriderlondon Shutterstock.com]
21. Februar 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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