Es kommt der Tag, da erkennt der Mensch seinen wahren Wert. Für den freundlichen Gartencenterangestellten kam der Tag, kurz nachdem er mir die Vorzüge winterfester Koniferen erklärt hatte, um hernach sein Lächeln in konzentrierter Miene zu ersticken und dazu leise in seine grüne Latzhose zu brummeln: „Die bezahlen mir gar nicht genug für diesen Job!“ Was sein Pflanzenknow-how anbelangt, stimme ich ihm voll zu. Ansonsten eher nicht.
Wohl jeder denkt zuweilen über seine Arbeit, dass er eigentlich mehr verdient als er bekommt. Von gelegentlichem Verdruss abgesehen, liegt darin aber ein gefährlicher Denkfehler: Einkommen ist keine Entschädigung – es wird erworben! Dahinter steckt ein einfaches ökonomisches Prinzip: Wer etwas kauft, erhofft sich einen Nutzen. Je höher dieser Nutzen, desto größer der subjektive Wert.
Zum Beispiel ein Auto: Es bringt seinen Besitzer von A nach B. Das ist nützlich. Verleiht es ihm zusätzlich noch Status, ist das ein enormer Mehrwert. Einer, den man manchmal mitbezahlt (inbesondere bei rassigen Sportflitzern aus Italien), manchmal aber auch nicht. Dann kauft man das Auto natürlich noch lieber. Es wird zum Schnäppchen, weil man mehr bekommt, als man bezahlt.
Welchen Mehrwert bieten Sie?
Arbeitgeber sind ebenfalls Kunden – Ihre! Sie kaufen Ihre Leistung und fragen sich, welchen Mehrwert sie daraus ziehen werden. Deswegen bekommen die meisten ihren Gehaltsscheck auch erst am Monatsende: Sie müssen sich ihr Geld erst verdienen.
Nun denken manche von sich, dass sie ihren Job besser machten, würde man ihnen mehr bezahlen. Das ist glatter Selbstbetrug! Genauso gut könnte einer versuchen, mehr Schnaps zu bechern, um seine Leberwerte zu verbessern. Oder anders formuliert: Wer seinen Job nicht gut macht, weil er einen Stundenlohn von 15 Euro bekommt, wird ihn auch nicht besser machen, wenn man ihm 80 Euro überweist.
Erst andersrum wird ein Schuh daraus: Zuerst Mehrwert bieten, dann fragen, ob mehr Gehalt drin ist. Mit Gehaltsspannen ist es nämlich so: Wer immer nur exakt tut, wofür er bezahlt wird, leistet letztlich nur Durchschnittliches und dessen Gehalt entspricht ziemlich genau dem, was er verdient.
Alle anderen sind Gehaltsspanner.
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Dauerleser
Sorry, ich halte diesen text für vollkommen daneben. Mann bekommt ja den Eindruck als wären Gehälter frei verhandelbar und Arbeitgeber würden nur darauf warten für mehr Wert auch mehr Gehalt zu zahlen. Was dann mit den Stundenlöhnen in der Zeitarbeit, bei Mc Donalds, im Friseurgewerbe? 400 Eurojobber, 1-Mann-Selbständige, prekär beschäftigte?
Jochen Mai
Ebenfalls sorry, ich halte deinen Kommentar für noch mehr daneben. Aber ich kann es auch begründen, denn darin stecken gleich drei Denkfehler:
Der Erste: Kein Mensch zwingt dich einen Job anzunehmen, bei dem du das Gefühl hast, ausgebeutet zu werden. Es ist deine Entscheidung (und Verantwortung), deine Arbeitskraft zu einem vorher festgelegten und verhandelten Preis anzubieten. Selbst wenn der Arbeitgeber darüber nicht verhandeln will, sagst du “Ja” oder “Nein” dazu. Hinterher dann so zu tun, als sei das der böse Chef Schuld, ignoriert so etwas wie einen Arbeitsmarkt.
Der Zweite: All die genannten Beispiele – McJobs, Friseure, Zeitarbeit (400-Euro-Jobber sind etwas anderes – da sich viele auch aus steuerlichen Gründen dazu entscheiden, nicht mehr zu verdienen) – bestätigen die These eher noch: Vereinbart wird zunächst ein Gehalt für eine bestimmte Leistung. Das heißt aber nicht, dass man in diesen Berufen nicht ebenfalls Mehrwert schaffen und so Karriere machen kann. Eine Friseurin, die besser und schneller die Haare schneidet als ihre Kolleginnen, kann eine Gehaltserhöhung fordern (wird aber vermutlich auch mehr Trinkgeld bekommen) oder ihren Meister und sich selbstständig machen. Ein Zeitarbeiter, der Mehrwert schafft, hat gute Chancen vom leihenden Unternehmen übernommen zu werden – zu einem deutlich besseren Gehalt. Und selbst bei Fastfoodketten sind Karrieren möglich. Man muss eben nur zuerst investieren…
Und darin liegt der dritte Denkfehler (der im Text aber schon beschrieben ist): Mehr Gehalt und Karrieren kommen nicht von allein. Sie sind Folge deines eigenen Strebens und der Bereitschaft, in dich und deinen Job zu investieren. Anfangs kann das aussehen wie Selbstausbeutung. Und wenn es dabei bleibt, solltest du auch den Job wechseln (was aber wieder in deiner Verantwortung liegt). Aber nur diese Investition und der daraus resultierende Mehrwert macht Mitarbeiter zu Leistungsträgern. Nicht das Gehalt.
Es ist – um es kurz zu machen – unternehmerisches Handeln in einem unselbstständigen Beschäftigungsverhältnis. Und ob du das doof findest oder nicht: Märkte funktionieren nur so. Und aus der Wissenschaft wie der Geschichte wissen wir, dass (kontrollierte, aber freie) Märkte viel effizienter und besser funktionieren als Planwirtschaften.
rimapa
Tut mir leid für deinen Beitrag und den langen Kommentar, aber ich arbeite in der Zeitarbeit und habe über ein Jahr lang Mehrwert geliefertu nd Einsatz gezeigt und von einer Übernahme und damit verbundener Fairen Bezahlung bin ich dennoch Lichtjahre entfernt.
Das ein Chef später faires Gehalt bezahlt wenn man gute Leistungen bringt ist blanke Theorie und wird in der Praxis nur von wenigen guten Vorgesetzten so gehandhabt.
Warum?-ganz klar wir leben im Kapitalismus. Es herrscht Kostendruck und Konkurenz. Wir haben auf der WElt für die meisten Jobs mehr Suchende als frei Plätze, wenn ein Mitarbeiter zu viel fordert steht er irgendwan auf der Straße.
und zu deiner Aussage, man könnte es sich aussuchen und hat selbst beim Punkt bezahlung ja gesagt (im Kommentar drüber): Warst du als Autor schon in der Situation zwischen der bitteren Arbeitslosigkeit und einem schlecht bezahlten job wählen zu müssen? Nicht jeder da draußen hat die Wahl und nur wenige können sich ihren Job aussuchen.
Der Punkt “ich verdiene zu wenig” kommt psychologisch auch nur daher das man mit anderen über dieses Thema spricht die mehr Geld am Monatsende haben und dann fragt man sich doch mal, ob deren Arbeit wirklich so viel mehr wert ist als die eigene. Sei es ein Zeitungsartikel in der Tageszeitung, ein Gespräch mit Kollegen, oder Abends ein Plausch mit bekannten an der Bar…
Sicher muss man Leistung bringen wenn man mehr will, aber diese Erbrachte Leistung wird in vielen Firmen dennoch nicht honoriert!
Jochen Mai
Tut mir auch Leid um deine Erfahrungen und den langen Kommentar. Aber deine Erfahrungen sind nicht verallgemeinerbar. Ich kenne mindestens 5 Gegenbeispiele von Mitarbeitern, die als Zeitarbeiter begonnen haben und übernommen wurden – zu besseren Konditionen. Zwei davon haben sich anschließend weitergebildet und sind heute Manager.
Ebenso kenne ich mehr Betriebe, die ein faires Gehalt zahlen als solche, die unfaire Gehälter zahlen. Ich kenne allerdings auch einige Menschen, die immer nur jammern und klagen, dass das Leben ungerecht ist und alle anderen Schuld – nur natürlich nie sie selbst. Jaja, der böse Kapitalismus. Der lässt sich schnell für eigene Unfähigkeit und Versagen anführen. Wobei man nicht vergessen darf, dass der real existierende Sozialismus ja so viiiiel besser war: Am Ende brachen die Staaten unter der Last ihrer Schulden zusammen, viele mussten ihre Bevölkerung einsperren, damit sie nicht in den bösen Kapitalismus und damit in ihr Verderben flüchten. Oder so. Das war natürlich eine super Sache. Auch wenn der Staat bestimmt, welchen Beruf du mal ergreifst oder dass Leistung, Ideen und Engagement keinerlei Einfluss auf deine Laufbahn haben. Ja, ich erinnere mich gut: Im Sozialismus war alles besser…
Im Ernst: Deine Argumentation hinkt – sogar mit beiden Beinen. Wir haben nicht mehr Suchende für zu wenige Stellen, weil es Kostendruck oder Kapitalismus gibt, sondern weil es zu wenig Phantasie gibt, was die Leute mit ihren Talenten anfangen können und sich daher um die immer gleichen Stellen balgen, von denen sie meinen, dass es dieser eine Job sein muss, der sie glücklich macht und in den Wohlstand führt. Die Zeiten sind doch längst vorbei, wo du mit 25 als Entwickler beginnst und mit 67 als Entwickler beim gleichen Arbeitgeber in Rente gehst. Und als Bäcker kannst du ein genauso erfülltes Leben haben wie als Journalist, Manager oder Anwalt.
Und zu mir: Du hast überhaupt keine Ahnung, welche Jobs ich schon gemacht habe! Und arbeitslos war ich nie, weil ich z.B. bereit war, auch 2 Monate lang als Lagerarbeiter in Köln-Chorweiler Paletten im Akkord zu packen – für 6 Euro die Stunde. Und ja, ich hab auch schon Jobs angenommen, nur damit ich Geld verdiene. Aber ich habe immer das Beste draus gemacht. Auch hat man mir nie angeboten, drei Bestseller zu schreiben. Die hab ich selber geschrieben. Mehr noch: Irgendwann hab ich damit angefangen und 9 Monate lang jeden Abend nach 9-10 Stunden Arbeit noch mal 3-4 Stunden Seite um Seite geschrieben und am Wochenende noch mal 6 Stunden lang. Das hat mir keiner bezahlt. Das Buch war zu dem Zeitpunkt nicht einmal verkauft. Das war eine reine Investition meinerseits – aber an die habe ich geglaubt. Der Erfolg war eine Folge dessen, nicht Ursache (Und nebenbei: Der Erfolg dieses Blogs ist mir auch nicht in den Schoß gefallen). Deshalb…
Doch – du hast die Wahl! Jeder hat die Wahl. Aber etwas draus zu machen, ist wesentlich anstrengender als sich hinzustellen zu jammern und zu behaupten, keine Wahl zu haben. Daher wiederhole ich mich gern: Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, Gründe.
rimapa
hut ab! Dein Letzter Kommentar hat deutlich mehr Aussage, Charakter und Begeisterung als der Blog-eintrag oben.
Ich gestehe auch meinen Fehler ein, dich kritisiert zu haben, ohne mich mit deiner Person beschäftigt zu haben, das war deutlich zu voreilig und ungerecht, ich bitte um Entschuldigung.
Mein Post kam wohl auch nicht so an wie er sollte, ich zielte nicht darauf ab deine Aussage als falsch darzustellen sondern die Lücke auf zu weisen, dass es nicht immer klappt. -Nicht jeder hat Erfolg damit sich zu bemühen und kreativ zu sein. -Das liegt einfach in der Natur der Dinge, dass nicht jeder Erfolgreich sein kann. Zu jedem Plus gibts es ein Minus.
(oh das sind 7 Worte,… hätte mir mal früher einfallen osllen :D)
Auf jeden Fall stimme ich dir bei deinem letzten Kommentar zu 100% zu. Wer will der kann, denn die Möglichkeiten sind da.
Dein Blogeintrag oben blendet nur leider einige Facetten aus, die du anscheinend doch sehr gut kennst.
Da ich ansonten seit einigen Wochen hier mitlese und mich über Facebook auf dem laufenden halten lasse:
Mein Kompliment für den Blog, es kommen immer wieder interessante Inhalte in denen man sich auch wiederfinden kann, oder neues entdeckt und ich bin mangels Zeit zum lesen sehr peniebel, was mich interessiert :D
Jochen Mai
Danke für die konstruktive Diskussion. Ich mag auch gar nicht abstreiten, dass es nicht immer klappt, wie man will. Wie heißt es so schön: Erfolg ist eine dumme Kuh – sie trottet immer den anderen hinterher… Nur kann ein Artikel naturgemäß nicht alles abdecken, sonst verschwimmt die Aussage und er wird auch nie fertig.
Wobei ich allerdings noch sagen möchte, dass ich nicht an dieses Plus-Minus-Dings glaube. Die Welt ist kein Nullsummenspiel, wo immer einer verlieren muss, damit ein anderer gewinnen kann. Zudem gibt es genug Beispiele von Menschen, die mehrfach gescheitert sind, trotzdem weitergemacht haben und erfolgreich wurden. Sogar der heute überstilisierte Held Steve Jobs ist ursprünglich aus seinem eigenen Laden gefeuert worden. Und das war – wie er selbst sagt – gut für ihn.
rimapa
scheitern gehört auch ganz klar immer dazu. Zum einen um sich weiter zu entwickeln und zum anderen weil es nicht immer nur in eine Richtung gehen kann.
Ich habe mich sogar irgendwie bewusst damals entschieden, nach einem sehr sehr guten Job mal die andere Seite kennen zu lernen, es war also nicht mal ganz gezwungen, als ich in die Zeitarbeit wechselte. Jetzt muss ich nur den Sprung schaffen dort wieder raus zu kommen und arbeite eben daran. Da habe ich mich dann wohl von dem Artikel zu leicht mitreißen lassen.
Um diese kleine Diskusion in den Kommentaren ist es allerdings keineswegs schade. -Also ein Moment in dem ich voreilig war und trotz falscher Handlung profitieren konnte ;).
Das 0-Summenspiel betrachte ich ganz emotionslos basierend auf der Sicht der Wirtschaft. Alles was irgendjemand bekommt muss woanders weggenommen werden. Wir erschaffen nicht neues sondern verteilen nur um. Aber das ist wiedrum ein föllig anderes Thema und durchaus zu komplex für ein Gespräch in diesem Tempo ;).
-Noch viel Erfolg beim schreiben, ich lese fleißig weiter und werde mich auch mal nach den Büchern umschauen ;)