Loyalität: Erfolg durch Treue?
Loyalität ist ein Konzept voller Widersprüche. Arbeitgeber sind ständig auf der Suche nach loyalen Mitarbeitern, die langfristig den Unternehmenserfolg mittragen. Auf der anderen Seite sind Job- und Arbeitgeberwechsel in den Lebensläufern der Arbeitnehmer inzwischen die Regel und Beschäftigungsverhältnisse, die über Jahrzehnte andauern, werden mehr und mehr vom Aussterben bedroht. Grundlage solcher Gegensätze ist die gelebte Doppelmoral im Bezug auf die Unternehmenstreue - teilweise von beiden Seiten. Ist Loyalität trotz großer Worte ein überholtes Konzept oder lohnt es sich treu zu sein, um sich gerade dadurch auszuzeichnen und erfolgreich zu werden? Wir haben uns beide Seiten einmal genauer angeschaut...

Loyalität: Was bedeutet es, loyal zu sein?

Loyalität Definition TreueLoyalität zeigt sich immer dann, wenn wir jemandem zur Seite stehen und zwar freiwillig, weil wir uns selbst dazu entschieden haben, da wir uns mit den Werten und Ansichten einer Person, einer Gruppe oder eben auch eines Arbeitgebers identifizieren, diese teilen und gemeinsam dafür einstehen wollen. Damit hört es aber noch nicht auf. Loyal zu sein bedeutet auch, Ziele zu unterstützen, die sich nicht mit den eigenen decken und besonders dann zusammenzuhalten, wenn Schwierigkeiten aufkommen.

Auf wen man sich wirklich verlassen kann, zeigt sich nicht, wenn alles gut läuft. Die eigene Loyalität ausrufen ist leicht, sie unter Beweis zu stellen noch einmal etwas ganz anderes, denn bei Widrigkeiten, die vielleicht gar nicht die eigene Person betreffen, standhaft zu bleiben, erfordert einen starken Charakter.

Gerade diese Herausforderung führt oft dazu, dass Loyalität von einer Seite eingefordert wird, wodurch meist nur das genaue Gegenteil erreicht wird. Sobald Druck oder Zwang empfunden wird, geraden viele Menschen in einen Zwiespalt und es fällt zunehmend schwerer, eigene Ansichten hintenanzustellen, um loyal die Ziele des anderen mitzuvertreten.

Woran erkennt man Loyalität im Unternehmen?

Loyalität erkennen Treue Erfolg ZusammenhaltAm Arbeitsplatz spielt Loyalität eine große Rolle. Treue Mitarbeiter sind ein großer Erfolgsfaktor für Unternehmen. Doch was zeichnet einen loyalen Mitarbeiter aus, außer seiner langjährigen Betriebszugehörigkeit? Loyale Mitarbeiter...

  • teilen die Ziele des Unternehmens.
  • bringen sich aktiv ein, um diese zu erreichen.
  • zeigen große Motivation.
  • vertreten ein positives Bild der Firma - auch nach außen.
  • tragen mit eigenen Ideen zur Entwicklung und Verbesserung bei.
  • sind bereit, mehr als nur das Nötigste zu tun.

Stirbt die Mitarbeiter-Loyalität aus?

Sind die Zeiten der jahrzehntelangen Betriebszugehörigkeit vorbei und Lebensläufe, die von der Ausbildung bis zur Rente bei einem Unternehmen verlaufen, ein Relikt der Vergangenheit? Betrachtet man den Arbeitsmarkt, ist man schnell geneigt, dies zu bejahen. Mosaik-Lebensläufe sind zur Regel geworden, die meisten Mitarbeiter zieht es spätestens nach wenigen Jahren in eine andere Position bei einem anderen Unternehmen. Schnellerer Aufstieg und mehr Gehalt durch Wechsel. Eine Strategie, die sich bewährt hat.

Nach zwei Jahren zum neuen Arbeitgeber, beim neuen Chef die passende Gehaltserhöhung ausgehandelt und vielleicht obendrauf noch ein wenig mehr Verantwortung als an alter Wirkungsstätte. Kaum verwunderlich, dass viele Mitarbeiter diesen Weg wählen, wo die Karriere bei einem einzelnen Arbeitgeber meist bedeutend langsamer verläuft. Zwar steigt man auch so irgendwann auf, doch geht es auf der Karriereleiter nur in kleineren Schritten nach oben.

Schon hier zeigt sich deutlich, dass die schwindende Mitarbeiter-Loyalität nicht einfach nur auf die Gier und den Karrierewillen der Arbeitnehmer geschoben werden kann. Natürlich wollen die meisten erfolgreicher werden, doch das allein sorgt noch nicht für häufige Arbeitgeberwechsel. Erst in Kombination mit der fehlenden Perspektive im aktuellen Betrieb entsteht der Wunsch, sich nach einem neuen Unternehmen umzusehen.

Ein weiterer Punkt, der dazu beiträgt, dass die Mitarbeiter-Loyalität immer weiter ausstirbt, ist der Wandel der Arbeitsverhältnisse. Unbefristete Festanstellungen werden immer mehr zur Ausnahme. Stattdessen finden sich gerade für Berufsanfänger fast ausschließlich befristete Anstellungen, die nach einem oder zwei Jahren enden. Wen wundert es da, dass sich viele neu orientieren und hoffen, an anderer Stelle mehr Wertschätzung in Form von Sicherheit zu erhalten? Die anfängliche Frage muss also ein wenig differenzierter beantwortet werden.

Die Mitarbeiter-Loyalität ist deshalb nicht mehr zeitgemäß, weil sie nicht mit den Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt einher geht. Es ist also nicht das grundsätzliche Konzept der Loyalität, das ein Problem darstellt.

Kurz gesagt: Viele Mitarbeiter wollen loyal sein, doch die Umstände machen es Ihnen sehr schwer.

Kann man die Mitarbeiter-Loyalität wieder steigern?

Loyalität steigern Treue fördern TippsDie gute Nachricht: Das muss nicht so sein. Die Loyalität von Mitarbeitern kann auch wieder angehoben werden, gerade wenn man erkennt, weshalb diese sich im eigenen Unternehmen in die falsche Richtung entwickelt hat. Das funktioniert allerdings nur, wenn Arbeitgeber die Notwendigkeit sehen und tatsächlich aktiv werden. Es reicht eben nicht aus, nur wortgewandt darüber zu reden, dass man loyale Mitarbeiter sucht. Dieser Vorsatz muss sich auch in den Handlungen wiederspiegeln, um dafür zu sorgen, dass die Voraussetzungen für Mitarbeiter-Loyalität gegeben sind.

  • Anreize für Mitarbeiter schaffen

    Für Arbeitnehmer überwiegen die Vorteile von regelmäßigen Arbeitgeberwechseln. Sollen die Fachkräfte länger ans eigene Unternehmen gebunden werden, braucht es entsprechende Anreize, die einen Wechsel weniger attraktiv erscheinen lassen. Dazu zählen natürlich entsprechende Gehaltserhöhungen, aber auch die berufliche Entwicklung innerhalb des Unternehmens durch wachsende Verantwortung.

  • Potenziale langfristig fördern

    Mitarbeiter sind nicht nur loyal, wenn die Bezahlung stimmt. Auch berufliche Perspektiven sind ein wichtiger Faktor. Niemand möchte über Jahre auf der Stelle treten und das Gefühl haben, keine Entwicklung zu machen. Beispielsweise durch berufliche Weiterbildungen können Arbeitgeber versuchen, die Mitarbeiter-Loyalität zu steigern, um langfristig zu planen und zu zeigen, dass man sich gemeinsam mit den Angestellten entwickeln möchte.

  • Verbessern Sie die Arbeitsatmosphäre

    Studien zeigen, dass das Betriebsklima für viele Mitarbeiter wichtiger ist als die Höhe des Gehalts, flexible Arbeitszeiten oder zusätzliche Urlaubstage. Eine gute Arbeitsatmosphäre verleitet Arbeitnehmer dazu, eher im Unternehmen zu bleiben - selbst wenn an anderer Stelle vielleicht ein wenig mehr Geld möglich wäre.

Loyalität beruht auf Gegenseitigkeit

Loyalität ist keine Einbahnstraße, von der die eine Seite fröhlich profitiert, während die anderen sich bitte immer schön anzupassen haben. Dem Arbeitgeber kommen in diesem Fall somit gleich zwei Aufgaben zu: Er sollte ebenfalls eine Loyalität den Mitarbeitern gegenüber zeigen und gleichzeitig die Rahmenbedingungen schaffen, um langfristige, treue Mitarbeiterbindungen zu ermöglichen.

Beim zweiten Punkt sind einige Unternehmen bereits aktiv und versuchen durch die Arbeitsplatzgestaltung, transparente Kommunikation und eine positive Atmosphäre im Job die Zufriedenheit der Arbeitnehmer zu steigern.

Umso problematischer ist hingegen die Loyalität von Seiten des Unternehmens. Oftmals wird von Mitarbeiter kritisiert, dass diese schlichtweg nicht vorhanden sei. Oft stehen dahinter eigene schlechte Erfahrungen oder die Berichte, die durch die Medien gehen.

Soll heißen: Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten, ist Personalabbau meist die erste Option, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben - auf Kosten der Mitarbeiter, die sich in ihrer Loyalität betrogen fühlen.

Die Frage, die sich Mitarbeiter stellen - und die von Unternehmen im besten Falle zu beantworten ist - lautet: Wieso sollte ich mich loyal verhalten, wenn ich befürchten muss, dass der Arbeitgeber mit zweierlei Maß misst? Die Reaktionen auf die fehlende Antwort lassen sich auf dem Arbeitsmarkt beobachten.

Ein Großteil der Arbeitnehmer (circa 70 Prozent) verspürt keine emotionale Bindung zu seinem Arbeitgeber, circa 15 Prozent geben sogar an, sich innerlich bereits auf eine Kündigung eingestellt zu haben, um den Arbeitgeber zu wechseln.

Die Folgen sind eine große Mitarbeiterfluktuation. Arbeitnehmer sind ständig auf der Suche nach einem vermeintlich besseren Angebot. Von Loyalität keine Spur: Eine klassische "Wie du mir, so ich dir" Mentalität.

Ist ein solches Verhalten wirklich sinnvoll? Die Antwort ist ein klares vielleicht. Steht zu befürchten, dass der eigene Arbeitsplatz möglicherweise bald in Gefahr sein wird, ist die eigene Loyalität zwar ein Zeichen von Persönlichkeit, doch geht es auch um die berufliche Zukunft und man sollte die Situation realistisch betrachten. Den gleichen Realismus erfordert es auch aus der anderen Perspektive.

Sich bei der erstbesten Gelegenheit einen neuen Arbeitgeber zu suchen, vor dem Hintergrund, dass der jetzige Arbeitgeber sich ohnehin nicht loyal zeigen wird, muss nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung führen.

Wahre Loyalität zeigt sich erst in der Krise und möglicherweise erfolgt der Wechsel zu einem Arbeitgeber, der die Treue seiner Mitarbeiter noch viel weniger erwidert.

Loyalität zeigen: Zahlt die Treue sich aus?

Ein pauschales Urteil lässt sich kaum fällen. Zu individuell sind die Erwartungen von Arbeitnehmern, aber auch die Verhaltensweisen der Unternehmen. Ebenso vorsichtig sollte man deshalb mit verallgemeinerten Ratschlägen sein. Sich immer auf der Suche nach einer neuen Anstellung zu befinden ist ebenso wenig der Königsweg wie unreflektierte Loyalität.

Natürlich ist es möglich bei einem Wechsel zu profitieren, doch sollte man sich nicht auf diese Vorstellung versteifen und die unterstellte mangelnde Loyalität von Arbeitgebern als alleinigen Wechselgrund ins Feld führen. Auch das bedeutet Loyalität, nicht den eigenen Zweifeln nachzugeben, und kann sich auszahlen.

  1. Sie können im Unternehmen aufsteigen

    Loyalität kann tatsächlich zum beruflichen Aufstieg beitragen, denn Beförderungen gehen meist an Mitarbeiter, die bereits seit einiger Zeit im Unternehmen sind, die Abläufe und Kollegen gut kennen und langfristig mit Leistungen überzeugen konnten.

  2. Es entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit

    Wer den Arbeitgeber immer wieder wechselt, hat irgendwann das Gefühl, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Zwar verändern Teams sich immer wieder, doch das Gefühl der Zugehörigkeit zum Arbeitgeber und zu den Kollegen bleibt bestehen.

  3. Sie verfolgen ein langfristiges Ziel

    Einmal gesteckte berufliche Ziele können sich schnell wieder ändern, wenn auch die Jobsituation Veränderungen durchläuft. Ein sehr frustrierendes Gefühl, wenn die eigenen Ziele nicht erreicht werden, weil vorher etwas dazwischen kommt.

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