Ein Gastbeitrag von dem Coach und Autor Hans-Georg Willmann

Sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten bedeutet nicht: Ich verliere nie meinen Job und wenn doch, dann habe ich persönlich versagt. Sondern schlicht: Ich bin im Stande einen neuen Job zu finden. Heutzutage ist Arbeitsplatzunsicherheit der Normalzustand. Jeder Arbeitnehmer tut gut daran, die Fähigkeit zu erlernen, Arbeit finden zu können.

Als Coach begleite ich seit vielen Jahren Menschen in beruflichen Veränderungs- und Krisensituationen. Dabei konnte ich eins immer wieder beobachten: Bewerben kann sich jeder – Arbeit finden nicht. Menschen, die Arbeit finden, sind Menschen, die die folgenden fünf Erfolgsregeln beachten:

K.s.p.s.v.

K.s.p.s.v. ist keine neue osteuropäische Partei sondern die Abkürzung für die erste Erfolgsregel: Konsequent und systematisch parallel schnell und viel machen.

Menschen, die Arbeit finden, gehen mit der gleichen Konsequenz an die Arbeitsuche ran, mit der sie normalerweise jeden Tag zur Arbeit gegangen sind und acht Stunden gearbeitet haben. Sie wissen, dass zwischen Erfolg und Misserfolg die Konsequenz entscheidet, mit der sie die Dinge tun. Sie geben ihrem Leben eine eigene Zeitstruktur, planen ihre Tages- und Wochenaktivitäten systematisch. Sie nehmen parallel mit vielen potenziellen neuen Arbeitgebern Kontakt auf. Vor allem aber fangen sie schnell damit an zu handeln. Sie gehen gar nicht erst in eine Schonhaltung. Sie jammern nicht über Ihre Situation, sie jagen. Sie meckern nicht über andere, sie machen. Sie hoffen nicht auf bessere Zeiten, sie handeln. Denn jeder Tag Arbeitslosigkeit kostet Geld und mit jedem Tag Arbeitslosigkeit nimmt der eigene Marktwert ab.

Die Uhr tickt, Gas geben lohnt sich.

Um schnell loslegen zu können, halten sich Menschen, die Arbeit finden, stets bewerbungsfähig. Sie verfügen über einen Computer mit Internetanschluss und die Fähigkeit damit umzugehen. Sie haben Ihre Arbeitszeugnisse und Zertifikate auf Papier und in gescannter Form komplett vorliegen. Ein aktueller, aussagekräftiger Lebenslauf und eine Vorlage für ein individuelles Bewerbungsanschreiben liegen bereit.

Ja, aber das geht doch nicht

„Ja, aber die Lage ist doch schlecht. Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Einstellungsstopp – wo soll ich da denn Arbeit finden?“ So denken diejenigen, die lange in der Arbeitslosigkeit verweilen. Anders die Menschen, die Arbeit finden. Sie lassen den Gedanken, dass Arbeit finden funktionieren kann, erst einmal zu, bevor sie ihn ablehnen. Und das ist die zweite Erfolgsregel. Sie denken: „Warum nicht? Ich recherchiere mal, wie viele Unternehmen es innerhalb meines Mobilitätsradius gibt und prüfe, welche davon als Arbeitgeber in Frage kommen.“

Vom Nachfrager nach Arbeit zum Anbieter der eigenen Arbeitskraft

Die Leseprobe zum Buch

„Ich muss nicht darauf warten, bis ich passende Stellenanzeigen finde.“ Es gibt Menschen, die sich in ihrem Berufsleben noch nie auf eine Stellenanzeige beworben haben. Sie finden Arbeit durch aktive Kontaktaufnahme mit Unternehmen. Sie fühlen sich nicht als Bittsteller, sondern als Anbieter ihrer Arbeitskraft. Sie wissen was sie können und bieten das potenziellen Arbeitgebern aktiv an.

Diese dritte Erfolgsregel funktioniert deshalb, weil die Mehrzahl aller zu besetzenden Stellen gar nicht ausgeschrieben wird. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erhebt regelmäßig die Zahlen. Demnach werden rund 70 Prozent aller vakanten Stellen nicht veröffentlicht. Personalfluktuation und voraussichtlicher Personalbedarf sind die Gründe dafür. Denn Mitarbeiter sind in Unternehmen immer in Bewegung: Frau Müller wird schwanger und nimmt Elternzeit, Herr Huber geht in Vorruhestand, Frau Schmidt kündigt um zu Ihrem Freund nach Berlin zu ziehen, Herr Meier wird krank und fällt ganz aus und Menschen sterben auch. Zusätzlich werden neue Projekte ins Leben gerufen für die in absehbarer Zeit neue Mitarbeiter gebraucht werden. Arbeitskraftanbieter treffen mit ihren aktiven Anfragen bei Unternehmen genau diesen Bedarf. Voraussetzung: Sie wissen was sie wollen und was sie können.

Das realistische Jobziel

Wir wollen alle so viel haben, sein und gelten. Dass einer alles hat, ist selten. Das wusste schon Kurt Tucholsky vor langer Zeit. Wer stets mehr will als er bereit oder fähig ist einzusetzen wird es schwer haben Arbeit zu finden. Jede Arbeitssuche findet im Spannungsfeld von fünf Jobfaktoren statt: Der Job und das Geld dafür, der Arbeitgeber, die Arbeitszeit und der Arbeitsweg.

Natürlich wünschen sich alle eine sinnvolle Arbeit mit viel Anerkennung und Ansehen. Eine Tätigkeit, die Spaß macht und die interessant ist. Dazu ein Traumgehalt, einen kurzen Arbeitsweg, angenehme Vorgesetzte, tolle Arbeitskollegen, gutes Kantinenessen, Gleitzeit und eine 35 Stundenwoche. Die Realität sieht jedoch oft ganz anders aus. Auch die spannendste Tätigkeit wird irgendwann zur Routine. Eine sinnvolle Arbeit zum Wohle der Menschheit wird häufig zur Belastung. Überstunden machen aus einer 35 schnell eine 40 Stundenwoche. Das Gehalt könnte immer ein bisschen höher liegen. Auch die nettesten Arbeitskollegen nerven ab und an und Kantinenessen war eigentlich noch nie wirklich lecker.

Menschen, die Arbeit finden, wissen das. Sie warten nicht auf die 100%-Stelle die es nicht gibt. Sie definieren ein realistisches Jobziel, das zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegt und das jetzt machbar ist. Sie nehmen einen Job an, gestalten sich das Umfeld und entwickeln sich weiter. Das ist die vierte Erfolgsregel.

Die andere Seite verstehen

Menschen, die Arbeit finden, machen sich Gedanken darüber, was die andere Seite von ihnen braucht und was sie davon anzubieten haben. Und dann überlegen sie, wie sie das so mitteilen können, dass es die andere Seite auch versteht. Das ist die fünfte Erfolgsregel: Das Gegenüber verstehen lernen.

Schon im alten China vor 2500 Jahren folgten Feldherren dieser Strategie um ihre Ziele zu erreichen. Wer als Jobsucher Rücksicht auf den Personalentscheider nimmt, erhöht seine Chancen deutlich. Denn so wie jeder Mensch hat auch der Personalentscheider Bedürfnisse, Stress und Ängste. So wie alle Menschen denkt, fühlt und entscheidet er nach bestimmten Regeln. Und die Hauptregel lautet: Im Zweifel gegen den Bewerber. Zweifel entstehen bereits dann, wenn ein Bewerber mit seinen Unterlagen und seinem Verhalten unnötig Arbeit verursacht. Ein Unternehmen stellt keine Arbeitsverursacher ein.

Wo die besten Stellenanzeigen zu finden sind, warum es wichtig ist, Bewerbungsfehler schnell zu machen, welche Strategie zur aktiven Kontaktaufnahme mit Unternehmen die beste ist, wie Absagen verkraftet werden und einiges mehr beschreibe ich im Buch. Wer schnell durch den Prozess der Arbeitslosigkeit gehen will, findet darin eine taggenaue Anleitung mit vielen Hintergrundinformationen zu den fünf Erfolgsregeln. Damit können Sie handeln und Arbeit finden – und das schnell.

Über den Autor
Hans-Georg Willmann ist Coach, Autor von “In 90 Tagen aus der Arbeitslosigkeit” und Experte für Laufbahnfragen. Seit 1998 berät er Menschen in beruflichen Veränderungs- und Krisensituationen. Er war als Personalauswahlreferent und Eignungsdiagnostiker tätig, bevor er 2003 seine eigene Personalberatung jobID in Freiburg gründete.