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Keine Frage, das Erfassen und Verstehen eigener und fremder Gefühle sowie die Fähigkeit, mit diesen Gefühlen umgehen und darauf angemessen reagieren zu können (die sogenannte Emotionale Intelligenz) sind wesentliche Erfolgsfaktoren. Ebenso unsere Intuition - unser Bauchgefühl. Wahr ist aber auch: Emotionen können unserem Erfolg enorm im Weg stehen, ja, uns sogar schaden, vor allem dann, wenn Sie die Kontrolle übernehmen und unreflektiert bleiben. Um auch mal die Kehrseite zu beleuchten, hier sechs Beispiele, wann zu viel Gefühl schädlich sein kann...

Noch mal ohne Gefühl...

Launen kommen und gehen. Unsere Gefühle sind zwar ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Sie sind aber auch der instabilste Part daran - und mitunter ein extremer: Was wir uns wünschen, was wir lieben, wonach wir uns sehnen - all das kann sich schnell verändern oder gar ins Gegenteil verkehren. Was uns heute amüsiert, kann morgen schon langweilig und nervig sein...

Umgekehrt können Emotionen auch Stabilität geben. Etwa, wenn es in der Beziehung kriselt und man dennoch die Liebe nicht in Zweifel zieht.

Das alles bereichert unser Leben, macht es spannend und abwechslungsreich. Allerdings nur, wenn wir unser gesamtes Sensorium nutzen - und damit auch unseren Verstand. Insbesondere, um uns unserer Gefühle bewusst zu werden und diesen gegebenenfalls eben nicht nachzugeben.

Noch zu theoretisch? Dann konkreter: An diesen Stellen sind Emotionen gefährlich bis schädlich...

  1. Wählen, was populär ist, nicht was passt. Immer wieder müssen wir uns im Alltag entscheiden. Oft (ver)leiten uns unsere Gefühle dann zu der populäreren Option - weil sie alle anderen auch wählen, weil sie einfach ist und man damit kaum aneckt oder polarisiert. Die impulsive Wahl muss aber gar nicht (perfekt) zu uns passen. Zuweilen führt sie uns gar in das Schicksal von Lemmingen. Oder wie es das Sprichwort sagt: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Ganz so ausschließlich stimmt zwar auch das nicht (die Masse kann auch richtig liegen). Trotzdem ist gefühlte Popularität ein schlechter Ratgeber.
  2. Machen, was sich gut anfühlt, nicht was richtig ist. Was sich gut und richtig anfühlt, muss nicht zwangsläufig auch richtig (für uns) sein. Vor allem Ängste und die berüchtigte Komfortzone halten uns davon ab, über uns hinaus zu wachsen. Ängste zu überwinden und Komfortzonen zu verlassen, fühlt sich selten gut an, ist aber meistens besser für uns. Vor allem langfristig.
  3. Tun, was bequem ist, nicht was notwendig ist. Apropos Komfort: Bequemlichkeit ist ein unterschätzter Karrierekiller und mit den obigen Punkten eng verwandt. Die meisten Menschen scheitern nicht, weil sie etwas versuchen, sondern weil sie zu früh aufgeben. Umgekehrt: Wer sich seiner Idee mit Leidenschaft und Durchhaltewillen (Fachjargon: Volition) verschreibt, erreicht mehr - und widerstrebt dem Gefühl, den Lohn schon vor der Mühe kassieren zu wollen.
  4. Warten, dass etwas passiert, statt das Momentum selbst zu kreieren. Sicher, Geduld ist eine wichtige Tugend. Zu der gehört zuweilen auch das Abwarten können und Aussitzen. Aber in den Fällen ist die Passivität eine ebenso bewusste wie strategische Entscheidung. Es gibt sie aber auch als Ausrede: Dann, wenn wir hoffen, der Erfolg möge sich doch bitte wie von Zauberhand selbst einstellen... Tut er natürlich nie, es ist eine naive Wunschvorstellung. Glück und Erfolg sind keine Glücksfälle, sondern eine individuelle Einstellungssache, eine Attitüde. Und auch Karriere passiert nicht einfach so, sie wird gemacht.
  5. Flüchten, sobald Probleme auftauchen, statt Lösungen zu finden. Der Fluchtreflex steckt in jedem von uns. Es ist ein Urtrieb - so wie Angriff und Erstarrung. In der freien Wildbahn haben alle drei ihre Berechtigung. Nur im Berufsalltag sollten wir den Gefühlen nicht erliegen. Aufgeben kann zwar manchmal eine sinnvolle Option sein (zum Beispiel bei einem krankmachenden Job). Aber wer seinen spontanen Gefühlen hierbei zu viel Glauben schenkt, macht sich selbst zum Spielball seiner Stimmung. So gut wie immer haben wir drei Reaktions-Optionen: love it, change it or leave it (liebe es, ändere es oder verlasse es). Jede Option ist Teil einer Lösung, und jede bewusste Entscheidung für eine davon ist besser als eine schädliche emotionale.
  6. Schuld suchen, statt Verantwortung zu übernehmen. Wenn etwas schief läuft im Leben, in der Liebe oder im Job, dann sind wir schnell bei der Analyse und fragen uns: Warum? oder Warum ich? In der Regel dient die Frage dazu, Schuldige zu finden und Verantwortung zu delegieren - auf Umstände, andere Menschen, das Schicksal. Dahinter steckt jedoch eine noch unreife Persönlichkeit, vielleicht sogar eine Profilneurose. Starke Charaktere dagegen übernehmen zunächst Selbstverantwortung und dann Verantwortung dafür, Dinge gerade zu rücken oder Lösungen zu finden. Solche Menschen fragen nicht Warum sondern Wozu. Oder wie wir immer wieder schreiben: Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, findet Gründe.
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