Studentische Hilfskraft: So wird die Stelle zum Karrieresprungbrett
Studenten aller Studiengänge und Fachbereiche kennen die berühmt-berüchtigten Stellen für studentische Hilfskräfte. Unter Studenten genießen solche Jobs einen recht ambivalenten Ruf: Einerseits stellen sie eine verhältnismäßig angenehme Möglichkeit dar, ihr Einkommen aufzubessern, den Hochschulbetrieb besser kennen zu lernen und ihr Fachwissen zu vertiefen. Andererseits sind solche Stellen an vielen Hochschulen als Sackgassen verschrien und werden auch von manchem Personaler und Arbeitgeber so wahrgenommen. Doch das muss nicht so sein, denn als Student bestimmen Sie selbst darüber, ob Ihre Stelle als studentische Hilfskraft zur Sackgasse oder zum Karrieresprungbrett wird...

Studentische Hilfskraft: Was ist das eigentlich?

Als studentische Hilfskraft arbeiten Sie meist am Lehrstuhl eines Professoren, wobei Ihnen unterschiedliche Aufgaben übertragen werden können. Zum gewöhnlichen Aufgabenbereich zählt etwa die Unterstützung bei der Vorbereitung und Organisation von Lehrveranstaltungen, aber auch bei der Forschung können Sie mithelfen. Häufig werden studentische Hilfskräfte mit der Recherchearbeit betraut.

Natürlich können auch unterstützende Bürotätigkeiten zu den Aufgaben einer studentischen Hilfskraft gehören, doch sind die Aufgaben meist deutlich umfangreicher und Interessenten sollten sich nicht davon abschrecken lassen. Im Allgemeinen hat die Tätigkeit in vielen Bereich direkt mit dem eigenen Studium zu tun, bereitet auf den Abschluss und die folgende berufliche Laufbahn vor und bringt wichtige Einblicke in die praktische Anwendung des erlernten Wissens.

Wer als studentische Hilfskraft arbeiten möchte, muss natürlich auch an einer Universität eingeschrieben sein. Das allein reicht jedoch nicht immer als Voraussetzung aus. Oftmals wird von den Mitarbeitern erwartet, dass sie bereits die ersten Semester erfolgreich bewältigt haben und so über wichtige Grundkenntnisse verfügen.

Wie hoch ist das Gehalt einer studentischen Hilfskraft?

Das Gehalt eines studentischen Hilfskraft hängt sowohl vom Bundesland als auch von der jeweiligen Universität ab. Die Vergütung beträgt meist zwischen ungefähr 8,50 und 10 Euro pro Stunde. Die Bezahlung ist dabei auch von der bisherigen Ausbildung abhängig. Wer bereits einen Abschluss gemacht hat, gilt als wissenschaftliche Hilfskraft und verdient mehr als studentische Hilfskräfte, die sich noch im Studium befinden.

Auch die Arbeitszeit kann je nach Bundesland, aber auch individuell variieren. Das Gesetz sieht vor, dass die Arbeitszeit weniger als die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit eines Tarifbeschäftigten des Landes betragen muss. Häufig wird diese Obergrenze jedoch nicht erreicht, da im Vertrag eine geringere wöchentliche Arbeitszeit vereinbart wird.

Studentische Hilfskraft: Wie bewirbt man sich?

Es gibt verschiedene Wege, um an eine Stelle als studentische Hilfskraft zu kommen. Die einfachste ist es natürlich, den Professor so sehr zu überzeugen, dass dieser Sie auf eine Mitarbeit anspricht. Leider handelt es sich dabei um die Ausnahme, weshalb Sie die Dinge lieber selbst in die Hand nehmen sollten.

Ob aktuell Stellen an Ihrer Universität ausgeschrieben sind, erfahren Sie durch ausgehängte Informationen in der Universität, im Internet, in Jobbörsen oder an den Lehrstühlen selbst. Hier erfahren Sie auch gleich, welche Anforderungen Sie erfüllen müssen, welche Aufgaben auf Sie zukommen und wie Sie sich bewerben.

Haben Sie einen konkreten Wunsch und momentan wird nicht offen nach einer studentischen Hilfskraft gesucht, können Sie sich natürlich auch über eine Initiativbewerbung direkt an den Lehrstuhl wenden, bei dem Sie gerne arbeiten würden.

Ihren Chancen zuträglich ist es natürlich, wenn Sie bereits Veranstaltungen des Lehrstuhls besucht und erfolgreich abgeschlossen haben. Dies bildet auch eine gute Grundlage für eine schriftliche Bewerbung, um Ihr Interesse für die Arbeit als studentische Hilfskraft zu verdeutlichen und zu begründen.

Studentische Hilfskraft: Definieren Sie Ihre Rolle selbst

Die Position der studentischen Hilfskraft wird an vielen Hochschulen nicht so hoch geschätzt, wie sie es verdient hätte, doch das liegt nicht zuletzt auch den studentischen Hilfskräften selbst, die diese Einordnung und Beurteilung oft unreflektiert übernehmen. Ein Blick auf die geleistete Arbeit zeigt jedoch, dass die erbrachte Leistung studentischer Hilfskräfte für den Hochschulbetrieb essentiell ist und einen deutlich höheren Stellenwert verdient hätte.

Das gilt jedoch nur, wenn studentische Hilfskräfte ihre Aufgaben ernst nehmen, sich bei der Umsetzung engagieren und auch den Kontext ihrer Arbeit berücksichtigen. Wird jedoch nur Dienst nach Vorschrift geleistet, ist die fehlende Wertschätzung durchaus nachvollziehbar. Als studentische Hilfskraft liegt es daher auch in Ihrer Hand, wie Sie sich bei Ihrer Aufgabe positionieren und diese ausfüllen. Um Ihre Stelle als studentische Hilfskraft für Ihre Karriere zu nutzen sollten Sie...

  • ... sich intensiv mit Ihren Aufgaben befassen und bei Unklarheiten nachfragen.
  • ... den Kontext und die Bedeutung Ihrer Aufgaben verstehen.
  • ... sich mit Ihrem Vorgesetzten - Professor, Doktor, Dozent, Labor- oder Fachbereichsleiter - unterhalten und bewusst den Kontakt suchen.
  • ... für sich klären, warum Sie die Stelle - auch im Blick auf Ihre spätere Karriere - annehmen.
  • ... klären, welche Kontakte sich ergeben können und mit welchen interessanten Personen und Funktionsträgern Sie in Verbindung treten wollen.
  • ... sich die Verbindung Ihrer aktuellen Tätigkeit mit Ihren späteren Wunschaufgaben im Job bewusst machen.

Für Studenten, die sich aktiv mit Ihren Zukunftsaussichten und ihrer Karriere befassen, mögen einige der genannten Punkt selbstverständlich und banal sein. Doch erstaunlich viele studentische Hilfskräfte sehen ihre Stelle schlicht als einen Job ohne weitere Perspektive oder Potenzial, doch genau das ist in großem Umfang vorhanden.

Studentische Hilfskraft: Potenzial durch Engagement

NakoPhotography/shutterstock.comAus den bisherigen Ausführungen dürfte klar geworden sein: Als studentische Hilfskraft haben Sie sehr wohl eine Menge Karrierepotenzial, doch liegt es an Ihnen, dieses auch zu nutzen und sich nicht einfach mit der Situation abzufinden. Mit dieser Einstellung ändert sich die Perspektive vom Job ohne Aussicht zum möglichen Karrieresprungbrett. Um jedoch aktiv die richtigen Kontakte zu knüpfen, passende Chancen zu erkennen und die richtigen Gelegenheiten zu ergreifen, müssen Sie zuerst wissen, wo Sie hinwollen.

Dabei geht es gar nicht so sehr um die konkrete berufliche Ausrichtung - obwohl diese natürlich eine Rolle spielt - sondern viel mehr um die Entscheidung zwischen drei grundlegenden Karriereoptionen. Wollen Sie...

  • ... eine Karriere im Hochschulbereich angehen? Dann sollte Ihr Schwerpunkt auf der Netzwerkarbeit an der Bildungseinrichtung selbst liegen und Sie sollten sich aktiv mit Lehrkräften und Dozenten in Verbindung setzen. Ideal sind hier Stellen als studentisch Hilfskraft mit einem gewissen Lehr- oder Tutorenanteil, bei dem Sie Ihre didaktischen Fähigkeiten bereits erproben und entwickeln können.
  • ... eine Karriere im wissenschaftlichen Bereich anstreben? Dann sollten Sie sich um Stellen bemühen, die mit konkreten Forschungsprojekten zu tun haben und sich bei Ihren Kontakten auf aktive Forscher oder Lehrkräfte konzentrieren, die in Verbindungen mit Ihrem angestrebten Forschungsbereich stehen.
  • ... eine Karriere in der freien Wirtschaft anstreben? Dann kommen für Sie vor allem Stellen bei Dozenten und Professoren mit guten Kontakten zu Unternehmen und potenziellen Arbeitgebern in Betracht. Die konkrete Tätigkeit als studentische Hilfskraft wird in der Regel nur wenig mit Ihrem späteren Job zu tun haben, doch durch gute Leistungen können Sie die Aufmerksamkeit des Projektleiters erregen und über diesen Kontakt zu Unternehmen aufnehmen.

Sie sehen, bereits die Auswahl der passenden Stelle kann große Auswirkungen auf die späteren Möglichkeiten und das Potenzial für Ihre weitere Karriere haben. Nehmen Sie sich im Vorfeld daher Zeit, um sich über die verschiedenen Fachbereichsleiter und Dozenten zu informieren und dann zu entscheiden, bei wem sich die Arbeit als studentische Hilfskraft lohnt.

Setzen Sie sich auf der richtigen Stelle aktiv ein, stehen Ihre Chancen gut, Kontakt zu Arbeitgebern aufzubauen und sich einen entsprechenden Ruf zu erarbeiten und nach der Tätigkeit als Hilfskraft auf dem Arbeitsmarkt einzusteigen und die beruflichen Ziele zu verwirklichen.

[Bildnachweis: Photographee.eu, NakoPhotography by Shutterstock.com]