Manchmal reichen Berufsausbildung, Studienabschluss und Berufserfahrung einfach nicht aus, um den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu gehen oder um sich neue Jobs zu erschließen. Manchmal braucht es etwas mehr - vor allem Schwarz auf Weiß, in Form von Zusatzqualifikationen und Zertifikaten. Natürlich kann kein Seminar, keine berufliche Weiterbildung kann eine solide Berufsausbildung ersetzen. Ab einem gewissen Level aber müssen Fachkräfte aber ihre Expertise und Spezialisierungstiefe durch eben solche Zusatzqualifikationen nachweisen. Aber welche davon lohnen sich wirklich?

Zusatzqualifikationen Tipps Nachweis Lebenslauf

Zusatzqualifikationen: Schriftlicher Nachweis oder bloße Bestätigung?

Zusatzqualifikation-Nachweis-ZertifikatLaut Definition ergänzen Zusatzqualifikationen die bestehenden Kompetenzen und Qualifikationen um neue Vertiefungsrichtungen, können vorhandene Wissens- und Kompetenzlücken schließen und das Profil abrunden.

In Deutschland kommt allerdings noch eine kulturelle Besonderheit hinzu: Wir sind besonders papiergläubig und stempelfixiert. Für deutsche Arbeitnehmer geht es bei den Zusatzqualifikationen daher manchmal auch nur darum, längst vorhandene Kenntnisse formal und durch einen schriftlichen Nachweis zu bestätigen. Man lernt dann de facto nichts Neues, sondern absolviert derlei Kurse und Weiterbildungsmöglichkeiten nur, um seine Arbeitsmarktattraktivität und Bewerbungschancen zu verbessern.

Verrückte Welt - aber man kann sich damit auch arrangieren.

Dennoch tun Arbeitnehmer und Bewerber gut daran, Zusatzqualifikationen nicht überzubewerten. Sie sind zwar teilweise wichtig, sollten jedoch nicht auf Kosten der Arbeitsleistung im Hauptberuf gehen und erfüllen vor allem einen Zweck.

Zusatzqualifikationen im Lebenslauf

Zusatzqualifikationen im LebenslaufQualifikationen, Weiterbildungen, Zertifikate runden das Kompetenz-Portfolio eines Bewerbers ab und sollten gezielt für die Stelle ausgewählt werden. Also bitte nicht jeden VHS-Kurs auflisten, den Sie einmal besucht haben, sondern nur jene Kenntnisse und Kurse erwähnen, die für die Stelle relevant sind.

Im klassischen Aufbau eines tabellarischen Lebenslaufs finden sich diese Zusatzqualifikationen eher am Ende und setzen dort noch mal ein Highlight - wie in diesem schematischen Aufbau:

Lebenslaufaufbau-Grafik

Zusatzqualifikationen: Zahlreiche Angebote

Zusatzqualifikation-Angebot-WeiterbildungAn Angeboten mangelt es im Bereich der Zusatzqualifikationen ganz sicher nicht. Lernwillige Arbeitnehmer stehen hierzulande eher vor dem Problem, die individuell passende - und von Arbeitgebern anerkannte - Zusatzqualifikation zu finden.

Dabei stehen Ihnen die unterschiedlichsten Angebote und Formen an Zusatzqualifikationen zur Auswahl. Hier ein erster grober Überblick:

  • Studium Generale

    Gemeint sind an dieser Stelle nicht die ausdrücklich als Studium Generale bezeichneten Vorlesungen, sondern alle offenen Angebote von Universitäten und Hochschulen, für die Sie nicht als Student eingeschrieben sein müssen. Immer mehr Bildungseinrichtungen gehen dazu über, Vorlesungen und Seminare auch für Arbeitnehmer - meist gegen Gebühr - zu öffnen. Solche Angebote können nach Feierabend genutzt werden und helfen, die eigenen Kompetenzen zu erweitern.

  • IHK Zertifikate

    Das wohl bekannteste Angebot stellen Aus- und Weiterbildungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) dar. Diese sind in Deutschland in fast allen Branchen anerkannt und akzeptiert und werden vor allem in handwerklichen und technischen Berufen geschätzt. Ein Grund dafür ist die konsequente Ausrichtung auf die Berufspraxis, die Arbeitnehmern eine schnelle Anwendung des Erlernten ermöglicht. Zudem gibt es noch Branchenverbände und Volkshochschulen, die Zertifikatskurse anbieten, die in sinnvollen Zusatzqualifikationen münden können.

  • Weiterbildungen durch das Arbeitsamt

    Auch die Arbeitsagenturen fördern die berufliche Weiterbildung - und das nicht nur für Arbeitslose. Für die berufliche Qualifizierung Beschäftigter stehen den Agenturen für Arbeit verschiedene Fördermöglichkeiten und -programme zur Verfügung. Ansprechpartner für diesbezügliche Fragen ist immer die für den jeweiligen Wohnort zuständige Arbeitsagentur. Beschäftigte können sich allerdings auch an die Agentur für Arbeit am Betriebssitz ihres Arbeitgebers wenden. Entsprechende Weiterbildungskurse lassen sich im Portal Kursnet finden.

  • E-Learning-Kurse

    E-Learning-Angebote gibt es inzwischen nicht nur von Fernstudien-Anbietern, sondern vermehrt auch von privaten Bildungsträgern. Auf diesem Weg können Zertifikate nachgeholt oder erworben werden, für die sonst Präsenzseminare notwendig wären.

  • Sprachkurse

    Auch Sprachkurse werden heute Arbeitnehmer kompatibel in Teilzeit und in Fernlehrgängen angeboten. Wie bei allen anderen Zusatzqualifikationen entscheiden auch hier Ruf und Qualität des Anbieters maßgeblich über den Nutzen des Kurses.

  • Zertifikate von Herstellern

    In technischen Berufen oder Bereichen, in denen viel mit Maschinen oder Software-Systemen gearbeitet wird, können auch die von Herstellern angebotenen Zertifikate interessant sein. Sie zeigen, dass Sie sich als Arbeitnehmer mit den Maschinen und Systemen über das normale Maß hinaus befassen und sich selbstständig tiefer einarbeiten.

  • Seminare privater Träger

    Auf dem Markt der beruflichen Weiterbildung tummeln sich alleine in Deutschland hunderte große und kleine Anbieter. Das Angebot an Weiterbildungskursen und -seminaren ist daher ebenso groß wie die Qualitätsunterschiede. Arbeitnehmer sollten sich von Zertifizierungen nicht täuschen lassen: Auch davon gibt es Dutzende, die über die Qualität eines Anbieters nur wenig ausssagen. Als Ausgangspunkt für die Recherche empfehlen wir Ihnen die Webseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Hier finden Sie grundlegende Informationen zur beruflichen Weiterbildung und hilfreiche Tipps.

Generell aber gilt Bevor Sie jedoch irgendwo unterschreiben und einen Weiterbildungsvertrag unterschreiben, lesen Sie bitte immer auch das Kleingedruckte. Seriöse Anbieter erlauben, dass Sie noch nach 14 Tagen kostenlos (!) vom Vertrag zurücktreten können. Auch sollten Sie etwaige Kursgebühren ohne Zusatzkosten in Raten zahlen können oder sich auch bei langfristigen Weiterbildungen eine Auszeit nehmen können (es kann privat ja immer mal was dazwischen kommen).


Zusatzqualifikation: Welche lohnen sich wirklich?

Die große Zahl der Angebote macht die Wahl für Arbeitnehmer naturgemäß nicht leichter. Nach welchen Kriterien sollten Zusatzqualifikationen also ausgewählt werden?

Formal spielen diese Faktoren bei der Auswahl die größte Rolle:

  • Anerkennung

    Sind die so erworbenen Abschlüsse und Zertifikate allgemein anerkannt? Die meisten Anbieter versprechen das. Besser aber Sie fragen mal bei Ihrem aktuelle Arbeitgeber oder in Internetforen nach, ob man sich damit tatsächlich qualifiziert oder woanders bewerben kann. Nicht zuletzt der Ruf und die Akzeptanz des Bildungsträgers oder Anbieters entscheiden über den Wert der Zusatzqualifikation.

  • Anwendbarkeit

    Können Sie die gewonnenen Kenntnisse direkt im Beruf anwenden und ergeben sich so noch andere Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen? Auch sollten Sie durch eine Recherche in Online-Stellenanzeigen prüfen, ob diese Kompetenzen aktuell überhaupt gesucht werden und sich so etwa Chancen für einen Jobwechsel ergeben.

  • Kosten-Nutzen-Analyse

    Aus den ersten beiden Punkten ergibt sich der Nutzen der Qualifizierungsmaßnahme. Aber ist diese auch ihr Geld wert? Letztlich sollten Sie eine simple Rechnung anstellen, ob der Vorteil, der sich für Sie daraus ergibt, unterm Strich auch rechnet - zum Beispiel durch eine spätere Gehaltserhöhung oder Beförderung.

Gerade bei der Nutzen-Kalkulation spielt Ihr aktuelles Qualifikationsprofil durchaus eine Rolle. Zusatzqualifikationen sind eben nur dann wertvoll, wenn sie relevante Lücken schließen oder eben nachweisen, was Sie schon alles können, aber auch belegen können müssen.

Das tatsächliche Kosten-Nutzen-Verhältnis lässt sich daher nur im Blick auf das eigene Profil wirklich einschätzen. Ob sich eine Zusatzqualifikation lohnt, lässt sich aber auch daran festmachen, wie Sie diese Fragen für sich beantworten:

  • Stellt die Zusatzqualifikation eine wertvolle Ergänzung zu meinem aktuellen fachlichen Profils dar?
  • Lassen sich damit relevante Lücken in meinem Qualifikationsprofil schließen?
  • Kann ich die Zusatzqualifikation später formal nachweisen - zum Beispiel durch ein Zertifikat?
  • Legt mein Arbeitgeber überhaupt Wert auf eine solche Zusatzqualifikation und wird diese dort später anerkannt?
  • Verfügt der Bildungsträger über eine solche Reputation, die dem Nachweis auch innerhalb der gesamten Branche (oder darüber hinaus) Bedeutung verleiht?

Es gibt allerdings auch einen indirekten Nutzen, den man nicht vergessen sollte: Jede Zusatzqualifikation signalisiert immer auch die Bereitschaft, sich stetig weiterzubilden und in sich selbst und sein Können zu investieren. Auch wenn man die eine oder andere Qualifikation nicht immer unmittelbar im Beruf braucht, zeigt sie doch Engagement, Interesse, Lernwille. Und genau das schätzen Personaler enorm.

So kam etwa in der TNS-Infratest-Studie "Weiterbildungstrends in Deutschland 2016", an der 300 Personalverantwortliche beteiligt waren, heraus: Weiterbildung fördert Karrierechancen - und erhöht die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung. 87 Prozent der Personaler sagten, Weiterbildung fördere den beruflichen Aufstieg, für 78 Prozent war sie Anlass für eine Gehaltssteigerung - allerdings mit einer Einschränkung: Entscheidend sei eben genau jene Eigeninitiative des Mitarbeiters, sich beruflich weiterzubilden zu wollen. Für 83 Prozent der Befragten war das ausschlaggebend. Geht es um die Einstellung neuer Mitarbeiter, schauen gar 77 Prozent auf die Eigeninitiative.

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