Bewerbungsgespräch führen beginnt bereits mit der Vorbereitung
Ein professionell geführtes Bewerbungsgespräch ist immer ein Gespräch auf Augenhöhe. Innerhalb der begrenzten Zeit von 30-60 Minuten wollen Arbeitnehmer möglichst fachlich und persönlich überzeugen. Gleichzeitig sollten Sie die Gelegenheit nutzen, mehr über das Unternehmen, den Arbeitgeber, dessen Werte und Kultur und natürlich über die angestrebte Stelle herauszufinden.
Eine erfolgreiche Bewerbungsgesprächsführung beginnt deshalb schon lange vor dem eigentlichen Termin. Unzureichende Vorstellungsgespräch Vorbereitung ist einer der häufigsten Gründe für ein schwaches Auftreten.
Wen sucht der Arbeitgeber?
Analysieren Sie unbedingt vorab nochmal die Stellenanzeige gründlich: Welche Muss- und Kann-Anforderungen werden erwartet? Welche Herausforderungen soll die Position lösen? Überlegen Sie sich hierzu konkrete Beispiele aus Ihrer bisherigen beruflichen Praxis, die Ihre Lösungskompetenzen hierfür belegen.
Ebenso wichtig ist die Recherche wichtigen Hintergrundinformationen über das Unternehmen: Geschichte, Produkte, Marktposition, Wettbewerber… Je besser Sie das Umfeld kennen und verstehen, desto gezielter können Sie im Gespräch argumentieren oder kluge Rückfragen stellen. Schon diese Vorbereitung gibt Ihnen mehr Selbstsicherheit. Gleichzeitig ist sie die Basis für eine souveräne Gesprächsführung.
Gute Fragen zur Vorbereitung sind:
- Welche Firmenstandorte gibt es? Wo sitzt die Zentrale?
- Wie viele Mitarbeiter hat das Unternehmen?
- Welche Produkt oder Dienstleistungen bietet die Firma an?
- Wie erfolgreich ist das Unternehmen?
- Wer sind die wichtigsten Wettbewerber?
- Wie viele neue Mitarbeiter werden aktuell gesucht?
- In welchen Bereichen und warum?
- Wohin will sich der Arbeitgeber entwickeln?
- Welche Rolle spielt dabei meine Position?
- Was braucht der perfekte Kandidat für diese Position?
- Was davon bringe ich mit?
Eigene Ziele klären: Was wollen Sie im Gespräch erreichen?
Eine weitere zentrale Hausaufgabe im Vorfeld ist, sich die eigenen Ziele des Gesprächs nochmal bewusst zu machen. Viele Bewerber konzentrieren sich ausschließlich darauf, einen möglichst guten Eindruck zu machen. Doch das Bewerbungsgespräch führen Sie auch in Ihrem eigenen Interesse! Klären Sie daher für sich vorab:
- Warum interessiert mich diese Position wirklich?
- Welche Erwartungen habe ich an Führung, Team und Aufgaben?
- Welche Punkte sind mir besonders wichtig (z.B. Gehalt, Entwicklung, Flexibilität, Kultur)?
Mit klaren Zielen vor Augen können Sie später wesentlich gezielter Fragen stellen und Gesprächsinhalte steuern. Gleichzeitig erkennen Sie schneller, ob die Stelle tatsächlich zu Ihnen passt. Wir empfehlen, dass Sie sich hierzu unsere Checkliste zur Arbeitgeberwahl (PDF) herunterladen, ausfüllen und sich so Ihre wichtigsten Punkte und Prioritäten bewusst machen.
Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!
Meistern Sie die letzte Hürde vor dem Traumjob: das Vorstellungsgespräch. Unser Interviewtraining (8 Module, 3 Stunden Videos + Zusatzmaterial) hat schon mehr als 1000 Bewerberinnen und Bewerbern geholfen, alle 7 Phasen und Fragen zu knacken:
Bewerbungsgespräch führen: Leitfaden für Bewerber
Ein Bewerbungsgespräch ist weit mehr als ein Frage-Antwort-Spiel. Wer glaubt, im Vorstellungsgespräch lediglich reagieren zu müssen, verschenkt wertvolles Potenzial. Durch gezielte Vorbereitung und clevere Fragen können Sie den Gesprächsverlauf genauso lenken, Schwerpunkte setzen oder die Wahrnehmung Ihrer Person maßgeblich beeinflussen.
Indem Sie das Bewerbungsgespräch aktiv führen, gewinnen Sie gleich mehrfach:
- Sie präsentieren Ihre Stärken gezielter.
- Sie lenken die Aufmerksamkeit auf relevante Alleinstellungsmerkmale.
- Sie vermeiden Missverständnisse.
- Sie wirken selbstbewusster, souveräner und professioneller.
„Gesprächsführung“ bedeutet in dem Fall jedoch nicht Kontrolle oder Dominanz, sondern eine bewusste und gesteuerte Kommunikation, um einen echten Dialog auf Augenhöhe zu fördern.
Wie läuft ein Vorstellungsgespräch ab?
Klassisch besteht der Ablauf eines Bewerbungsgesprächs aus fünf Gesprächsphasen. Hinzu kommen die Vor- und Nachbereitung, sodass Bewerberinnen und Bewerber sich vorab mit insgesamt sieben typischen Phasen auseinandersetzen sollten. Hier ein erster Leitfaden und Überblick:
Eine gründliche Vorstellungsgespräch Vorbereitung macht schon 60 % des Joberfolgs aus. Dazu gehört, dass Sie sich nochmal über das Unternehmen, dessen Hintergrund, Markt, Werte und Produkte informieren sowie Hintergründe zu den Anwesenden recherchieren. Bereiten Sie sich ebenfalls auf unterschiedliche Formate vor, und üben Sie Ihre Selbstpräsentation sowie Antworten auf typische Fragen. Trainieren Sie zusätzlich Ihre Körpersprache, wählen Sie am Tag selbst ein angemessenes Outfit und planen Sie eine pünktliche Anreise.
Die Begrüßung prägt den ersten Eindruck nachhaltig. Stellen Sie sich hierzu mit Vor- und Nachnamen vor, lächeln Sie und halten Sie dabei Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber. Ein kräftiger Händedruck vermittelt Selbstsicherheit. Danach folgt meist noch kurzer Smalltalk. Wichtig ist, dass Sie dabei nie jammern oder über die Anreise klagen. Immer positiv bleiben – und erst setzen, wenn man Ihnen einen Platz anbietet.
Die kurze Selbstvorstellung sollte nie länger als 3-5 Minuten dauern und ist grundsätzlich ein freier Vortrag – nie ablesen! Sprechen Sie hierbei lebhaft und zeigen Sie Energie und Körperspannung. Bleiben Sie fokussiert und sachlich und betonen Sie zu mehr 60 % wichtige Qualifikationen, Erfahrungen oder Alleinstellungsmerkmale – ohne nur den Lebenslauf zu wiederholen. Aufgebaut wird die Selbstpräsentation idealerweise nach dem Muster: „Ich bin – ich kann – ich will“.
Das Vorstellungsgespräch dient in erster Linie zum gegenseitigen Kennenlernen. Dazu stellen Personaler viele unterschiedliche Fragen. Hören Sie aufmerksam zu und machen Sie sich ruhig Notizen. Bleiben Sie bei Ihren Antworten unbedingt ehrlich und authentisch und erzeugen Sie keine Widersprüche zum Lebenslauf. Erklären Sie eine mögliche Wechselmotivation, ohne sich zur rechtfertigen und schaffen Sie bei den Antworten einen möglichst starken Unternehmensbezug. Genannte Stärken sollten für die angestrebte Stelle relevant sein (Beispiele nennen!); mit Schwächen gehen Sie wiederum stets reflektiert und konstruktiv um. Reagieren Sie auf Stressfragen stets souverän und gelassen. Und wenn Sie nicht sofort eine Antwort wissen, bitten Sie ruhig um Bedenkzeit.
Haben Sie immer 2-3 Rückfragen – oder mehr. Nutzen Sie eigene Fragen, um mehr über die Erwartungen des Unternehmens zu erfahren und überlegen Sie sich Fragen zu Entwicklungsperspektiven, z.B: „Wie definieren Sie Erfolg für diese Position?“, „Was erwarten Sie von einem idealen Kandidaten?“, „Was zeichnet Ihre besten Mitarbeiter aus?“ Ebenso können Sie bei den Rückfragen auf Ihre Notizen eingehen. Tabu sind jedoch Fragen zu Urlaub, Benefits oder Überstunden – wirkt nicht motiviert. Stellen Sie auch keine „dummen Fragen“, die Sie hätten vorher recherchieren können.
Bedanken Sie sich am Ende für das angenehme Gespräch und sprechen Sie alle Anwesenden nochmal mit Namen an. Verabschieden Sie sich höflich und professionell und werden Sie dabei nicht hektisch – Sie fliehen nicht! Fragen Sie noch nach den weiteren Schritten oder wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können. Danach verlassen Sie das Gebäude und sind nett zu allen (!) Mitarbeitern – auch dem Pförtner!
Reflektieren Sie in der Vorstellungsgespräch Nachbereitung das Jobinterview zeitnah und lernen Sie daraus, was Sie zukünftig besser machen können. Überlegen Sie, ob Sie den Job weiterhin wollen und wenn ja: Schicken Sie ein Dankschreiben nach 24-48 Stunden – oder ziehen Sie Ihre Bewerbung zurück. Falls Sie nichts mehr hören: Frühestens nach 2-3 Wochen dürfen Sie nachfassen. Ansonsten bleiben Sie bitte weiterhin aktiv auf Jobsuche und informieren Sie sich über weitere Stellenangebote!
Auf die einzelnen fünf Phasen im Jobinterview gehen wir im Folgenden nochmal Schritt für Schritt ein und zeigen Ihnen, wie Sie hierbei das Bewerbungsgespräch führen können…
1. Phase: Von Beginn an Präsenz zeigen
Schon der richtige Einstieg ins Bewerbungsgespräch ist entscheidend. Bereits in den ersten Minuten entscheiden viele Personaler, ob Sie sympathisch sind und wie Ihre Aussagen im weiteren Verlauf interpretiert werden – positiv oder negativ (siehe Halo-Effekt und Horn-Effekt).
Achten Sie deshalb unbedingt auf:
- einen festen Händedruck und freundlichen Blickkontakt
- eine selbstbewusste Begrüßung und klare Kurzvorstellung
- eine offene, aufrechte Körperhaltung
Insbesondere der Smalltalk in den ersten 5 Minuten ist nicht zu unterschätzen. Er dient nicht nur als Eisbrecher. Indem Sie schon hier gute Manieren und Präsenz zeigen sowie durchweg positiv bleiben (nicht über Anfahrt oder Wetter jammern!), führen Sie bereits das Gespräch – hin zu einer positiven Atmosphäre.
Ein selbstbewusster Einstieg signalisiert: „Ich bin gut vorbereitet, motiviert, interessiert und begegne Ihnen auf Augenhöhe!“ Wenn Sie das Bewerbungsgespräch führen wollen, beginnt das bereits mit Ihrem Auftreten!
2. Phase: Selbstvorstellung bewusst lenken
Fast jedes Bewerbungsgespräch beginnt mit der Aufforderung: „Erzählen Sie uns etwas über sich!“ Der Satz ist ein klassischer Auftakt für Ihre Selbstpräsentation, die Sie natürlich ebenfalls vorbereitet haben.
Eine gute Selbstvorstellung erzählt nicht einfach nur den Lebenslauf nach, sondern orientiert sich an der Formel: „Ich bin, ich kann, ich will“. Arbeitnehmer nennen zuerst Namen und Hintergrund, betonen anschließend ihre wichtigsten Stärken und Kompetenzen und schließlich wie Sie diese konkret in der neuen Position einsetzen wollen.
Gerade mit dem letzten Punkt können Sie das Bewerbungsgespräch aktiv führen und den weiteren Gesprächsverlauf maßgeblich bestimmen: Bringen Sie bereits erste konkrete Ideen mit und präsentieren Sie, wie das Unternehmen von Ihrer Einstellung profitieren wird. Das tun die wenigsten Arbeitnehmer, auch aus Angst, mit den Vorschlägen daneben zu liegen. Ein Irrtum: Was überzeugt, sind vor allem Ihre Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft – und damit lenken Sie de facto das Gespräch hin zu Ihren Stärken und weg von möglichen Schwächen.
3. Phase: Fragen souverän meistern
Im Anschluss an Ihre Selbstpräsentation folgen in der Regel die typischen Vorstellungsgespräch Fragen. Viele Bewerber warten jetzt darauf, dass wichtige Kompetenzen abgefragt werden. Doch das ist eine viel zu passive Haltung.
Insbesondere das aktive Zuhören ist ein oft unterschätztes Instrument, um das Bewerbungsgespräch zu führen. Achten Sie etwa auf die Art der Fragen, auf Zwischentöne, Reaktionen und die Körpersprache der Personaler. Greifen Sie Aussagen Ihrer Gesprächspartner auf und beziehen Sie sich darauf. Das zeigt nicht nur echtes Interesse und Kommunikationsstärke: Wer aktiv zuhört, wirkt aufmerksamer, reflektierter und professioneller.
- „Sie haben vorhin erwähnt, dass das Team aktuell stark wächst. Wie viele Mitarbeiter umfasst das Team aktuell und welche wichtigen Kompetenzen fehlen Ihnen aktuell noch?“
Beispielformulierung:
Durch solche Rückfragen entstehen Dialoge statt Monologe. Umgekehrt können und sollten Sie Ihre Antworten auf mögliche Fragen stets kurz und prägnant formulieren. Bewährt hat sich hierbei schon oft die sogenannte STAR-Methode (Situation, Task, Action, Result), um Ihre Antworten durch Beispiele (nicht durch Selbstlob) noch strukturierter und nachvollziehbarer zu machen.
Auch kritische oder unangenehme Fragen gehören durchaus zu einem Bewerbungsgespräch. Dazu zählen Fragen zu Lücken im Lebenslauf, zu Ihrer Wechselmotivation oder zu den Schwächen. Wenn Sie das Bewerbungsgespräch führen wollen, sollten Sie solche Fragen aktiv nutzen und ebenso ehrlich wie lösungsorientiert antworten. Zeigen Sie Lernbereitschaft, Verantwortung und Entwicklung – das wirkt stärker als perfekte Biografien.
4. Phase: Durch eigene Fragen führen
Spätestens im letzten Drittel des Jobinterviews erhalten Sie die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen. Für Ihre Gesprächsführung als Arbeitnehmer ist das die wichtigste Phase. Nutzen Sie diese unbedingt und strategisch! Gute und kluge Fragen beweisen sowohl Ihr Interesse und Verständnis für die Stelle und deren Aufgaben, als auch Ihre gründliche Vorbereitung und Professionalität.
Vermeiden Sie jedoch Fragen, die bereits in der Stellenanzeige beantwortet wurden. Gleiches gilt für Fragen zum Urlaub oder zu Corprorate Benefits. Zu diesem Zeitpunkt wirkt das unmotiviert oder als ging es Ihnen nur um die eigenen Vorteile. Wesentlich klüger und zielführender sind Fragen zur Zusammenarbeit, zu den Erwartungen, Zielen oder Herausforderungen.
Auswahl empfohlener Rückfragen:
- Wie definieren Sie Erfolg für diese Position?
- Was erwarten Sie von dem idealen Kandidaten?
- Was zeichnet Ihre besten Mitarbeiter aus?
- Was könnte mich an diesem Job am meisten frustrieren?
- Wie würden Sie den Führungsstil meines Chefs beschreiben?
- Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?
- Wie wird bei Ihnen Leistung gemessen und bewertet?
- Wie werden bei Ihnen Talente und Stärken gefördert?
Wer kluge Fragen stellt, führt das Gespräch – subtil, aber wirkungsvoll!
5. Phase: Professioneller Gesprächsabschluss
Auch das Ende des Bewerbungsgesprächs bietet Ihnen Spielraum zur Gesprächsführung. Bedanken Sie sich zum Beispiel für das angenehme Gespräch, die gute Atmosphäre und Gastfreundschaft und fassen Sie Ihr bestehendes Interesse noch einmal kurz zusammen. Abschließend sollten Sie fragen, wie der Bewerbungsprozess weitergeht und wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können.
Ein selbstbewusster Abschluss bleibt positiv im Gedächtnis – vor allem wenn mehrere Kandidaten zur Auswahl stehen. Geben Sie hierzu jedem Teilnehmer die Hand, und sprechen Sie die Anwesenden nochmal mit Namen an, Beispiel: „Frau Muster, es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen.“ Oder: „Herr Beispiel, danke für die aufschlussreichen Antworten und Erklärungen.“ Das macht den Abschied nochmal persönlicher und Sie führen das das Bewerbungsgespräch, indem Sie einen bleibenden Eindruck erzeugen.
Checkliste: Fehler in der Gesprächsführung von Arbeitnehmern?
Ein Bewerbungsgespräch ist keine Prüfung. Indem Sie sich gründlich vorbereiten, aktiv zuhören und gezielt Akzente setzen, führen Sie bereits das Bewerbungsgespräch, statt sich führen zu lassen. Gleichzeitig sollten Sie häufige Stolpersteine möglichst vermeiden. Dazu gehören:
- Mangelhafte Vorbereitung
- Eine defensive oder passive Haltung
- Eine verschlossene Körpersprache
- Unklare oder ausschweifende Antworten
- Schmeicheleien oder Rechtfertigungen
- Fehlende eigene Fragen
- Auf die Uhr schauen (grob unhöflich)
- Das Handy anlassen (siehe: Sidebarring)
- Labern (besser: kurz & knackig antworten)
3 unterschätzte Fehler
Versuchen Sie überdies, jedes Gespräch im Nachgang zu reflektieren: Was lief gut? Was kann ich verbessern? Gesprächsführung ist eine Fähigkeit, die sich trainieren lässt. Und genau diese macht häufig den Unterschied zwischen einer guten Bewerbung und einer überzeugenden.
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